15. August 2018 | seit 1999
TESTBERICHT
ARTIKEL
Publikationsdatum
30. Juni 2002
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Der US-Boxenspezialist AR (Acoustic Research) bringt neue, in Deutschland produzierte Lautsprecher auf den Markt, welche, nicht zuletzt dank ihrer speziellen Hochtöner, die frequenzmässig wahre Höhenflüge vollbringen können, speziell für die hochauflösende SACD und DVD-Audio, mit ihrem nach oben drastisch erweiterten Frequenzbereich, geeignet sein sollen. Trotz ihrer Höhe von knapp einem Meter - genau genommen sind es 99 cm - wirkt die F17 schlank und rank. Sie gehört zur neuen Chronos-Serie von AR, welche Stand-, Regal- und Centerboxen sowie aktive Subwoofer umfasst. Nicht nur optisch machen sich die Einbuchtungen auf der Höhe des Hochtöners positiv bemerkbar, sie sollen vor allem die schädlichen Reflexionen des sehr breit abstrahlenden Hochtöners auf der Front verringern.

Die Chassis sind dabei in der sogenannten D’Appolito-Anordnung an der Front montiert, welche eine breite Abstrahlung in der Horizontalen und eine gebündelte Abstrahlung in der Vertikalen bewirkt. Das ganze macht Sinn, denn dadurch werden die Reflexionen am Fussboden und an der Decke vermindert, was zu einem klaren Klangbild führt. Gerade dieser Effekt wird auch von den THX-Spezifikationen vorgeschrieben, um eine gute Sprachverständlichkeit zu erzielen. Da die Bassreflexöffnung nach vorne zeigt, kann die Box sehr nahe an die Rückwand gestellt werden, ohne dass der Bass zu dröhnen beginnt.

Der Rückenbrecher

Garantiert ein klar gezeichnetes Klangbild: D'Appolito-Anordnung der Chassis
Garantiert ein klar gezeichnetes Klangbild: D'Appolito-Anordnung der Chassis
Das hohe Gewicht der F 17 überrascht. Im Falle dieser Box sind es 24 kg. Dies bedeutet in der Regel ein stabiles, innerlich versteiftes Gehäuse mit minimalen Vibrationen. Leider brachen die Spikes relativ rasch aus dem Gehäuse der ersten Boxen-Serie. Doch dies soll bei der nächsten Lieferung bereits korrigiert worden sein. Dass das Gehäuse sehr stabil ist, zeigte sich im Musikbetrieb: Auch bei knalligen Bassorgien blieben die Gehäusewände erstaunlich ruhig und Dröhneffekte fehlten gänzlich.

Hochwertig bestückt

Super Tweeter mit Frequenzgang bis weit über 20 kHz.
Super Tweeter mit Frequenzgang bis weit über 20 kHz.
Der Hochtöner der F 17 ist eine Variante des von Vifa patentierten Ringradiators XT25 mit besonders kräftigem Doppelmagnet und speziellem Phase Plug, kombiniert mit akustischer Linse. Die hell glänzenden Tief-Mitteltöner besitzen Membranen aus edlem Magnesium-Aluminium. Das Furnier besteht nicht aus Vinyl, sondern aus echtem Holz. Wie es sich gehört, sind die Bi-Wiring-Anschlüsse stabil und vergoldet.

Höhenflug der Frequenzen

Bärenstarke Doppelmagnete für Energien in höchsten Tonlagen
Bärenstarke Doppelmagnete für Energien in höchsten Tonlagen
AR verspricht einen Frequenzgang bis 50 kHz. Unsere Messungen zeigten generell einen sensationell linearen Frequenzgang mit einem geringfügigen Anstieg der hohen Frequenzen um 2 dB ab 15 kHz. Der Hochtöner geht dabei in der Tat locker und ohne die geringsten Resonanzen bis weit über 20 kHz . Die Box strahlt sehr breit bis in die höchsten Lagen und bündelt ab 5 kHz nur geringfügig.

Hoch aufgelöst

Frei im Raum aufgestellt und von der legendären Forté Audio-Elektronik über sehr kurze High-End-Kabel befeuert, brachten die Chronos F17 ein knackiges, sehr vitales Klangbild vom tiefsten Bass bis zum höchsten Diskant. Charly Antolinis Perkussiv-Orgie auf seiner "Knock Out"-CD donnerte mit unerhörter Auflösung und Dynamik durch den Abhörraum. Bemerkenswert war neben der unerhörten Schnelligkeit auch der Reichtum an Klangfarben. Selbst die feinsten Klangschattierungen leuchtete die F17 peinlich genau aus. Was aber fehlte, war der letzte Punch im tiefen Frequenzkeller. Eine rund doppelt so teure Vergleichsbox brachte deutlich mehr Bassfundament. In der Folge wurde die F17 mit einem Abstand von rund 10 cm an die Rückwand gestellt. Dies bewirkte den gewünschten Zuwachs an Bassstärke. In der Folge erschütterte die Bassdrum die Zwerchfelle der Bassfetischisten, die sich nun zufrieden zeigten. Die wandnahe Aufstellung, von den meisten Leuten aus optischen Gründen sowieso bevorzugt, ist also auch klanglich optimal. Hochpräzise sind die Chassis in die Gehäusefront eingelassen: Da passt höchstens noch ein ganz feiner Fingernagel zwischen Chassis und Aussparung in der Frontplatte.
Wie es sich für eine gute Box gehört: vergoldete BiWiring-Anschlüsse
Wie es sich für eine gute Box gehört: vergoldete BiWiring-Anschlüsse
Bei anspruchsvoller Klassik schlug sich die F17 ebenfalls beachtlich gut und zauberte ein sehr stabiles, trotzdem weiträumiges Klangbild in den Abhörraum. Hohe Streicher und Cembalopassagen wurden extrem fein und analytisch gezeichnet, für den Geschmack einiger Hörer fast etwas zu brillant in den Abhörraum gebracht. So war es denn eine logische Folgerung, die F17 an etwas wärmer klingende Elektronik zu schliessen.
Dass es dabei nicht immer teure High-End-Elektronik sein muss, zeigte die Denon Design-Anlage 201. An dieser schnuckeligen, aber dennoch leistungsfähigen, Komponenten-Anlage produzierten die F 17 immer noch brillant glitzernde Klangfarben, jedoch ohne die geringste unnatürliche Schärfe. Auch für Röhrenverstärker ist die Box, nicht zuletzt dank ihres guten Wirkungsgrades, bestens geeignet.
Als direkte Folge einer geglückten D’Appolito-Anordnung überzeugten die F 17 bei Orgelmusik mit einer ausgesprochen räumlichen und dennoch klar umrissenen Projektion dieses sehr grossen Klangkörpers. Sehr obertonreiche Mixturen, frisch schmetternde Zungenregister und lupenreine Tiefbässe entzückten auch abgebrühte HiFi-Fans.

Fazit

Die AR Chronos F17 gefiel im Test durch ihr fein gezeichnetes, hoch aufgelöstes Klangbild. Dies nicht zuletzt dank dem Super Tweeter, der frequenzmässig wahre Höhenflüge ermöglicht. Der Bassbereich entfaltet die F 17 vor allem bei wandnaher Platzierung. Und genau so wollen ja die meisten Leute ihre Boxen möglichst unauffällig platzieren. Wem die Brillanz im Hoch und Obertonbereich zu viel des Guten ist, kombiniert die F 17 mit eher warm klingender Elektronik oder auch mit Röhrenverstärkern.
STECKBRIEF
Preis:
2380 Franken / Paar
Profil:
Preiswerte, schlanke Standbox mit hochwertiger Technik und sehr guten klanglichen Eigenschaften
Pro:
elegante schlanke Erscheinung,
hochwertige Technik,
sehr guter Klang,
räumliches, dennoch klar umrissenes Klangbild
Contra:
Klangbild an hell klingender Elektronik etwas überbrillant
Ausstattung:
Bestückung:1x Super Audio Hochtöner, 2x 15 cm Bass-Mitteltöner
System:Zweiweg Bassreflex Ausführungen:Schwarz-Lack, Buche, Ahorn
Technische Daten:
Abmessungen (BXHXT) :21,4 x 99 x 33,1 cm
Max. Belastbarkeit: 160 W
Impedanz: 6 Ohm
Wettbewerb