20. August 2018 | seit 1999
TESTBERICHT
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Publikationsdatum
20. Dezember 2004
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Mit der Everio-Familie läutet JVC ein neues Zeitalter im Camcorder-Bereich ein. Die GZ-MC200 wie auch ihr Schwestermodell, die GZ-MC100, speichern ihre Daten dank integriertem Encoder direkt im MPEG2-Format auf einem austauschbaren Microdrive mit vier Gigabyte Speicherkapazität. Ohne Umwandlung können die Daten direkt auf den PC-Desktop gezogen werden.

Damit wird die Handhabung der aufgezeichneten Daten so einfach wie bei einer Digitalkamera. Dass die Everio GZ-MC200 zudem auch in der Baugrösse in den Bereich einer Digitalkamera kommt, macht sie noch attraktiver.

Dem MPEG2-Camcorder gehört die Zukunft

Miniaturisierung in Perfektion
Das MPEG2-Format umfasst eine Reihe von Spezifikationen für die Komprimierung, Dekomprimierung, Verarbeitung sowie die codierte Darstellung von Video- und Audiomaterial. Diese wurden vom MPEG-Komitee (Moving Picture Experts Group) festgelegt, einer Arbeitsgruppe des ISO-Normengremiums, das den bekannten MPEG1 Standard und den neuen MPEG4 definiert hat. MPEG2 wurde 1994 genehmigt und ist die Grundlage für Produkte wie digitale Fernsehgeräte und DVDs.

Was bei der digitalen Fotografie oder bei den MP3-Recordern im Audiobereich längst Realität ist, wird dank der Everio- Familie von JVC nun auch im Camcorder-Bereich Wirklichkeit: Die konsequente Nutzung intelligenter, digitaler Datenreduzierung und die Speicherung der Video-Information auf einer handlichen, mobilen Festplatte. Die Encodierung ins MPEG2-Format erfolgt dank einem JVC eigenen Encoder/Decoder-Chip direkt in der Kamera und ermöglicht Filmaufnahmen in exzellenter Qualität.

Dank der Datenoptimierung kann der MPEG2-Camcorder 60 Minuten Filmaufnahmen in bester Qualität aufzeichnen und dies bei einer Baugrösse, die mehr an eine schicke Digitalkamera denn einen Camcorder erinnert. Dass grosse Plus liegt in der Handhabung. Videosequenzen können aus dem Menu angewählt werden. Kein langwieriges Vor- und Zurückspulen ist mehr notwendig.

Speicherung ohne Band oder DVD

Nebeneinander der Schacht für den Akku und den Microdrive (rechts)
Die JVC Everio-Modelle kommen dank der integrierten Encodierung ins MPEG2 –Format und der Speicherung auf dem Microdrive ohne Band- oder DVD-Mechanik aus, haben also weniger Verschleissteile. Bei der Wahl der Speichermedien zeigt sie sich flexibel. Wahlweise sichern ein Microdrive, CompactFlash- oder SD-Karten die MPEG2-Videos, wobei der Microdrive im CompactFlash-Schacht eingesetzt wird, während die SD-Karten über einen eigenen Slot verfügen.

So können Videos auf dem Microdrive bzw. CompactFlash gespeichert werden, während die weniger datenintensiven Photobilder auf der SD-Karte abgelegt werden. Eigens entwickelt wurde ein mechanisches Stossschutzsystem, damit der Microdrive im mobilen Einsatz Filmaufnahmen zuverlässig speichert.

Trotz geringer Grösse ausreichend Datenvolumen

Auf den 4 GB Microdrive passen 5595 Bilder oder 1 Stunde Video in jeweils bester Qualitätsstufe. Wer noch mehr Bilder und Videos festhalten will, kann über 4 verschiedene Aufnahmemodi zwischen einer längeren Aufnahmedauer oder einer höheren Bildqualität wählen.

Der Ultra Fine Modus mit der besten Qualität nimmt maximal 1 Stunde Video und AC3 Audio mit konstanten 8.8 Mbps auf (8.5 Mbps Video plus 384kbps AC3), der Fine Modus 90 Minuten mit 5.5 Mbps, Norm Modus 120 Minuten mit 4.2 Mbps und der Eco-Modus 300 Minuten mit 1.5 Mbps 25 Vollbildern und geviertelter Bildgrösse (352 x 288).

Ausstattung

Der GZ-MC200 wie auch ihr Schwester-Modell die GZ-MC100 sind mit einem integrierten automatischen Blitzlicht, einem 1,8-Zoll-LCD-Display sowie einem leistungsstarken 10fachen optischen Zoom ausgerüstet. Die Kameras kommen in einer Schwarz-Silber-Optik und wirken trotz der Doppelfunktion vom Camcorder und Digitalkamera ungemein kompakt und leicht. Die GZ-MC200 passt dann auch locker in jede Hand und das Akku-Netzteil ist beinahe grösser als die eigentliche Kamera. Nach dem ersten Auspacken muss man sich wirklich erst mal an die ungewohnt kleine Baugrösse gewöhnen.

Weitere Ausstattungshighlights sind ein 2,1 Megapixel CCD-Chip und ein Prozessor für eine optimale Bildverarbeitung. Zudem verfügen die beiden Microdrive-Cams über Video/S-Video-Ausgänge, Auto und manuellen Fokus sowie einen elektronischen Bildstabilitsator. Neben Film- und Fotoaufnamemodus lassen sich die Everio auch als Sprachaufzeichnunsgerät verwenden. Das integrierte Stereo-Mikrofon leistet somit auch Dienste ausserhalb der Bilderwelt z.B. bei Interviews oder beim Fremdsprachen-Training.

Mit der Programm-Suite Cyberlink DVD-Solution legt JVC den Everios ein Komplettpaket zum Editieren und Erstellen eigener DVDs bei. Für den Mac ist leider kein entsprechendes Software-Paket vorhanden.

Hoher Spassfaktor

Die GZ-MC100 - technisch identisch zur GZ-MC200 im SlimeLine Gehäuse
Die Everio Camcorder eröffnen mit ihrer handliche Grösse und dem geringen Gewicht ein ganz neues Camcorder-Feeling. Man nimmt sie mit wie eine Digitalkamera. Mit Leichtigkeit finden sie in der Jackentasche am Snowboard-Weekend genauso Platz wie im Tagesrucksack auf der Velotour.

Mobilität und unkomplizierte Bedienung sind Hauptstichworte, welche den Umgang mit den chicen und doch leistungstarken neuen Camcordern von JVC umschreiben. Sie lassen sich dabei als einfaches privates Video-Tagebuch genauso benutzen wie im beruflichen Einsatz zur visuellen Dokumentation.

Sehr praktisch ist der Schwenkgriff der GZ-MC200, wodurch man die Cam sehr gut in Hüfthöhe halten kann. Im Alltagsgebrauch überzeugten die Everios dank ihrer Farbechtheit und Detailzeichnung mit einer sehr guten Bildqualität. Das Bildrauschen ist äusserst gering und die Farben neigen nirgends zum überstrahlen. Ein Grieseln ist praktisch nicht auszumachen. Schwächen zeigten sich bei schnellen Schwenks, wo sich die Grenzen des Encoders offenbaren und bei der Geschwindigkeit des Auto-Fokus.

Nicht von ungefähr positioniert JVC die Everio Reihe eher als Lifestyle-Produkt den als professionelle Kamera für höchste Ansprüche. Dass tut dem insgesamt sehr guten Eindruck allerdings keinen Abbruch, schliesslich erwartet ja auch keiner von einem schmucken Mini die Leistungsspitzen eines Ferraris.

Einfache Überspielung und überforderte Media Players am PC

Überspielt auf die Harddisk des PC werden die Film-, Photo- und Tonaufnahmen per USB 2.0. Da die Encodierung bereits erfolgte, müssen lediglich die Files kopiert werden, was bei einem vollständig gefüllten 4 GB Microdrive doch einige Minuten in Anspruch nimmt. Sind die Dateien erstmal auf dem PC gelandet, folgt die erste Ernüchterung: Selbst der viel gelobte Windows Media Player 10 als auch der Realvideo - und QuickTime-Player zeigen nur das Bild und unterschlagen die Tonspur.

Des Rätsels Lösung: Die Everios enkodieren die Tonspur im AC3-Format, was im Hinblick auf eine späteres DVD-Authoring ja auch Sinn macht, nur sind die gängigen Media Player damit - noch – überfordert. Die Suche nach einem Player, der die Filmaufnahmen mit Ton abspielen konnte, erwies sich als Geduldsarbeit. Beim OpenSource Player VideoLan http://www.videolan.org wurden wir dann schliesslich fündig. Allerdings mussten wir auch hier noch etwas in die Trickkiste greifen und die als MOD-Dateien vorliegenden Fimsequenzen in MPG umbenennen. Ein Spielchen, das auch auf dem Mac und dem Standard VideoPlayer gut funktionierte.

Schnittsoftware

CyberLinks DVD-Solution
JVC versteht die Everio in Zusammenspiel mit dem CyberLink DVD-Solution Software-Paket als Komplett-Lösung für Filmerstellung und DVD-Authoring. Im Test gelang es denn auch nur diesem Schnittprogramm, die MOD-Dateien direkt zu laden. Adobe Premiere Pro musste genauso passen wie Pinnacle Studio. Ob und wann die Software Hersteller entsprechende Erweiterungen in ihre Produkte integrieren, wird sich zeigen.

JVC ist allerdings bereits in Kontakt mit Pinnacle, um eine entsprechende Lösung in Form eines Studio PlugIns zu finden. Der Funktionsumfang und die Auslegung der Programme in CyberLinks DVD-Solution fokussiert sich auf eine einfache Bedienung und umkomplizierte Handhabung. Die Software bietet einfache Schnittmöglichkeiten und vier Spuren für Video, Text, Stimme und Musik.

Die Bedienung ist selbsterklärend, ein Manual benötigt man nicht. Ambitionierte Videofans werden allerdings weitergehende Funktion vermissen und nicht jeder ist gewillt, auf ‚sein’ Programm zu verzichten.

Fazit

Die GZ-MC200 und die GZ-MC100 haben das Zeug, zum Kultobjekt zu werden. Die durch die neue Technologie möglich gemachte extrem geringe Baugrösse macht sie handlich wie eine Digitalkamera. Man hat sie dadurch oft dabei und hält so manche Szene fest, die einem sonst entgehen würde.

Ein typisches, multifunktionelles Lifestyle-Produkt mit hohem Spassfaktor und Alltagstauglichkeit. Dass sich dabei - trotz kleinen Kinderkrankheiten wie dem etwas langsamen Zoom - die Ton- und Bildqualität sich auf sehr hohem Niveau bewegen, ist umso erfreulicher.
STECKBRIEF
Modell:
GZ-MC200
Profil:
Extrem kompakter und handlicher Camcorder mit integriertem MPEG2-Encoder und sehr guter Bildqualität.
Pro:
Handling;integrierter MPEG2 Encoder;gute Bildqualität;kein Bandoder DVD-Laufwerk;
Contra:
Bearbeitung der Filmsequenzen nur mit CyberLink DVD-Solution (PC);erwärmt sich leicht
Preis:
2,004.00 CHF
Hersteller:
Jahrgang:
2004
Vertrieb:
Masse:
70 x 54 x 93 mm
Gewicht:
0,35 kg
Farbe:
grau/schwarz
Wettbewerb