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Testbericht · Arcam · Vollverstärker

Kampf der Emotionen

Test von 6 bezahlbaren Vollverstärkern

Von Christian Wenger · · Seite 5 von 9

Das Testfeld umspannt einen relativ grossen Preisbereich und kann deshalb unterschiedlich grosse Freiräume der Entwickler umfassen. Sie alle scheinen Ohren zu haben und Klangphilosophien konsequent umzusetzen, ob sie in England, Deutschland oder Japan sitzen. Die Vollverstärker sind durchdacht und fertig entwickelt. Sie wirken alle autonom und nicht einem Systemgedanken untergeordnet.

Erstaunlich ist die kaum realisierte Integration eines DA-Wandlers (eine Ausnahme), nicht erstaunlich ist die Beantwortung der Kopfhörer-Frage und befriedigend scheint mir die Huldigung an den Plattenspieler in 50% der Fälle.

Alle Vollverstärker können durchaus an potente Lautsprecher angeschlossen werden und die Wahl eines wirklich teuren Top-Verstärkers für die heimische Kette scheint mir nicht gar so dringlich zu sein. Die Unterschiede sind wesentlich kleiner als früher.

Last but not least sind auch populäre Marken im Nebeldunst der „braunen Ware“ wieder ernst zu nehmen.

Design und Haptik sprechen die klare Sprache des Notwendigen. Man hält sich zurück und zeigt in gewohnter Bescheidenheit alles, was nötig ist und nichts Überzähliges.Design und Haptik sprechen die klare Sprache des Notwendigen. Man hält sich zurück und zeigt in gewohnter Bescheidenheit alles, was nötig ist und nichts Überzähliges.

Die Briten sind bekannt für besondere Farbtöne am Beispiel von Racing Green. Arcam schein ein besonderes Schwarz erfunden zu haben, obwohl Schwarz eigentlich keine Farbe ist. Der zierliche aber recht gewichtige A19 tendiert denn ins Dunkelgraue und kommt puristisch daher. Mit 1190 CHF ist er bei den zwei günstigsten Vollverstärkern im Test.

Design und Haptik sprechen die klare Sprache des Notwendigen. Man hält sich zurück und zeigt in gewohnter Bescheidenheit alles, was nötig ist und nichts Überzähliges. Dafür verschwindet das Gerät überall, wo man es verschwinden lassen will.

Dem Plattenspieler ist man (auf MM beschränkt) gewogen. Die weiteren Eingänge sind, wie schon gesehen, den Quellen spezifisch zugewiesen. Die Volumenregelung erfolgt über einen Stufen-Drehschalter und in Folge vermutlich einem präzisen Widerstands-Netzwerk. Eine Balance-Regelung gibt es ebenfalls -auch über die Fernbedienung. Es steht nur ein Paar Lautsprecherausgänge zur Verfügung, und die Anschlüsse stehen sehr nah zusammen. Das erschwert den Anschluss massiver Bi-Wiring-Kabel ein wenig.

Klangbeurteilung

Der Arcam differenziert das Klanggeschehen mit einer hohen Auflösung und wunderbaren Integrität. Er spielt aristokratisch elegant, als ob die Wahl der Kleider für den Tag mit Besonnenheit getätigt worden wäre. Der A19 überzeugt mit einer Klangkultur, die agil und dynamisch auf jede Art von Musik gewogen reagiert und mit einer Prise Trockenheit dennoch nie ins Raue gleitet. Das hat bei Flemings Interpretation von Ombra mai fu zu einer anderen Sprache geführt. Der kleinste Vollverstärker im Test hat ein Gefühl für diese „Richtigkeit“ und überstrahlt klanglich sein bescheidenes Äusseres.

Die Leistung von 2 x 50 Watt an 8 Ohm führt, obwohl man es nicht unbedingt erwartet, zu einer soliden Basskontrolle. Das macht ihn zum tugendhaften Spielpartner für viele Lautsprecher.

Der Autor Christian Wenger

Christian Wenger war Elektrotechniker und Marketingfachmann in der Industrielektronik und Inhaber von InConcert Audio in Olten. Von 2013 bis 2024 schrieb er als Redaktor für avguide.ch. Heute lebt der Connaisseur und Weinliebhaber pensioniert in Südfrankreich und bleibt Mitinhaber der avguide.ch GmbH.

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