TESTBERICHT
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Mit hochwertigen DA-Wandlern kann man nicht nur die Wiedergabe von hohen Datenraten sicherstellen (Hi-Res), man kann auch die Klangqualität von Musikdaten, die von einer CD stammen, nochmals neu definieren, wenn der CD-Ripp sorgfältig ausgeführt wurde. Viele Musikhörer haben Feuer gefangen und nutzen diese neue Möglichkeit lustvoll und mit neu erwachter Faszination.

Anwendungsspektrum

Der vorliegende Test zeigt nicht „nur“ die Klangqualität, sondern die ganze funktionale Bandbreite hochwertiger DA-Wandler im tieferen Preissegment auf. Die acht Geräte reichen funktional von minimalistisch bis äusserst vielseitig. Das einfachste Konzept beinhaltet gerade einmal einen USB-Eingang und eine 3,5 mm Klinkenbuchse am Ausgang. Die komplexesten Geräte erlauben sogar die Wiedergabe von DSD-Formaten mit wählbarem Tiefpassfilter oder arbeiten als Vorverstärker mit zusätzlichem Analogeingang und zwei Kopfhörerausgängen. Letzteres war vor noch zwei Jahren nur für relativ viel Geld zu haben.

Klangrelevant

Am Ende entscheidet der Klang im Zusammenhang mit unserem Hörgeschmack und dem spezifischen Sound der HiFi-Anlage. Der DA-Wandler spielt dabei die wichtigste Rolle, zumindest wenn wir von den Geräten sprechen. Die Qualität der Aufnahme können wir nur indirekt beeinflussen, nämlich indem wir gute Aufnahmen kaufen und auf die Schlechten verzichten. – Aber das ist eine andere Geschichte.

Wie wurde getestet?

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HRT Music Streamer HD – der Heisssporn

Der HRT HD (von High Resolution Technologies)  ist ein einfach konzipierter DA-Wandler in einem ungewöhnlichen und eher rudimentären Metall/Kunststoffgehäuse, ganz nach dem Vorbild chinesischer Restaurants in Kowloon: Man investiert dort nicht in die Einrichtung, sondern in die Qualität der Speisen. Produziert wird der DAC allerdings in Los Angeles. Die Verarbeitungsqualität ist einwandfrei. Das Gerät ist leicht, klein und liegt mit einem Verkaufspreis von 549 CHF im Mittelfeld des Tests.

Der HRT HD verfügt über einen USB-Eingang und symmetrische (XLR) sowie asymmetrische (RCA) Analog-Ausgänge. Die Stromversorgung erfolgt über USB. Damit gehört er zur puristischen Zunft. Sehr ungewöhnlich ist ein winziger Kippschalter, der die Umschaltung von USB 2.0 auf USB 1.0 ermöglicht. Der USB-Eingang ist auf der Frontseite, wohl aus Platzgründen, die Ausgänge auf der Rückseite. Es ist etwas unpraktisch, wenn man an der Front das USB-Kabel einstecken muss. Dort finden sich nämlich auch verschiedenen Anzeigen, die über Bit-Breite und Samplingrate Auskunft geben (de facto 16 oder 24 Bit und 44.1 kHz bis 192 kHz). In der Anwendung erweist sich der HRT HD als völlig problemlos. Der Mac findet den DAC sofort. Das Umschalten der Samplingraten erfolgt blitzschnell.

Der HRT HD spielt ausgesprochen dynamisch auf und wirkt impulsiv, sogar ein wenig ungestüm. Stimmen bringt er am Beispiel von Norah Jones mit hoher und unmittelbarer Intensität. Die Klangbühne ist beeindruckend in allen Dimensionen. Die Klarinette klingt nach ihrem Holz ohne jegliche Weichzeichnung. Die XLR-Ausgänge sind klanglich zu bevorzugen, auch wenn man über asymmetrische RCA-Eingänge am Verstärker verfügt. Der HRT HD ist aus meiner Sicht als Zuspieler für eine tendenziell „weiche“ Kette besonders zu empfehlen.

M2TECH HIFACE DAC – der Provokateur

M2TECH HIFACE DACM2TECH HIFACE DAC

Der HIFACE DAC von M2TECH provoziert schon beim ersten Augenschein. Man kann ihn leicht mit einem etwas gross geratenen USB-Stick verwechseln: USB-Stecker, 3,5 mm Klinke, Kunststoffgehäuse und fertig. Dabei wandelt er ausser DSD alles, was man heute per Download bekommen oder noch nicht bekommen kann. - Bis 32 Bit und max. 384 kHz Samplingrate. Da ist die Luft auf Seite des Musikmaterials schon extrem dünn. Hergestellt wird das zukunftssichere „Gerät“ in Italien und die Seriennummer wurde mit Filzstift auf die Unterseite gekrakelt. Ich mag Provokationen.

Einen Kopfhörer kann man an die Klinkenbuchse direkt anschliessen, für die HiFi-Anlage benötigt man ein ordentliches Verbindungskabel, in meinem Fall das Audioquest Golden Gate. Der Verkaufspreis beläuft sich auf 490 CHF, und das ist schon wieder eine Provokation, da man quasi nichts in der Hand hat. Die audiophile Anmutung ist unter Null, Grund genug, diesem DA-Wandler kaum etwas zuzutrauen - doch dann ging die Post ab.

Die Musik erhält eine geniale Auflösung mit exemplarisch offener Räumlichkeit, Differenzierung des Klanggeschehens, herrlicher Dynamik und Leichtfüssigkeit. Einzig der Bass könnte ein klein wenig druckvoller daherkommen. Bei Monty Alexanders „Montreux Alexander“ 24/96 ab Vinyl aufgenommen, lösen sich die Härten der Klavieranschläge wunderbar auf, und ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die sprichwörtliche Luft zwischen den Instrumenten wirkt bezaubernd. Lebendigkeit und Spielfreudigkeit sind meine letzten Attribute, die ich hier ins Feld führe, bevor man mich ungehöriger Übertreibungen bezichtigt.

Der HIFACE DAC ist die ultimative Wahl für einen provokativen Blindtest und eignet sich für jeden, der wissen will, worauf es bei DA-Wandlern offensichtlich nicht ankommt.

NAD 1050 DAC – der Philosoph

NAD 1050 DACNAD 1050 DAC

Mit dem 1050 DAC von NAD darf ich schon etwas erleichtert ein echtes Gerät in die Hand nehmen. Seine sehr ansprechende Optik/Haptik überzeugt ebenso wie sein Funktionsumfang. Frontseitig findet man eine 3,5 mm Klinkenbuchse für Kopfhörer und einen Volumenregler für diesen Ausgang. Hinter der schwarzen Plexiglas-Verkleidung erscheinen im Betrieb in mattem Kontrast allerlei Informationen über Bits und kHz usw. Der DA-Wandler bietet auch etwas für das Auge und zeigt, was er kann und tut bei max. 24 Bit und bis zu 192 kHz Samplingrate ohne eine Auslassung.

Er bietet eine ganze Menge: Zwei S/PDIF Eingänge mit RCA (Cinch) und noch zwei optische plus der asynchrone USB küren ihn zur digitalen Schaltzentrale. Die symmetrischen XLR- und asymmetrischen RCA-Ausgänge machen das Konzept komplett. Die Stromversorgung besorgt ein externes Netzteil, was mich bei einem doch recht voluminösen Gerät ein wenig stört. Bei Kleingeräten habe ich dafür mehr Verständnis. Das Design ist futuristisch unkonventionell, und die Verarbeitung  ist schlicht toll. Kostenpunkt 649 CHF.

Der NAD klingt souverän dynamisch, besonders auch im Tieftonbereich. Das verleiht der Musik grosses Volumen mit Tendenz zu einer gewissen Rundheit und Schönheit. Der Charakter ist eher etwas weich mit leichten Abstrichen bei den Stimmen, die etwas komprimiert und nicht ganz so offen herüberkommen. Insgesamt ist das eine Klangphilosophie, die nie übertreibt und nirgends abfällt, eine bewusste Klangphilosophie wohl. Ich würde den NAD gerne in einer etwas analytisch geprägten Anlage einsetzen und natürlich in jeder Kette von NAD.