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Testbericht · Lavardin Technologies CEVL · Vollverstärker

Stabhochsprung

Test: Vollverstärker Lavardin IS Reference

Von Christian Wenger · · Seite 309 von 6
Der Vollverstärker Lavardin IS Reference: Neuerdings auch in der Schweiz erhältlich. Der Vollverstärker Lavardin IS Reference: Neuerdings auch in der Schweiz erhältlich.

Es gibt ihn schon seit langer Zeit. Der IS Reference gewann bereits 2004 mehrere Awards. Neu ist er also nicht, aber das spielt bei einem Verstärker keine Rolle. Das Gerät ist zeitlos. Sie werden daran keine digitalen Eingänge finden, und eine Fernbedienung gibt es auch nicht.

Neu ist, dass es Lavardin Technologies endlich auch in der Schweiz zu kaufen gibt, dank eines passionierten Vertriebs, der die Geräte des französischen Herstellers schon seit einiger Zeit haben wollte. Aber wer interessiert sich heute für einen Vollverstärker mit 2 x 45 Watt Leistung und null Komfort? Notabene in einer Zeit, in der es digital in jeder Ecke kracht und scheppert?

Kommt hinzu, dass man die Marke bei uns kaum kennt und dass der Verstärker recht gewöhnlich aussieht. Da sind also einige Fragen zu klären.

Eine ungewöhnliche Technologie

Einblicke in den IS Reference: Man erkennt zwei der vier Leistungstransistoren auf einem einfachen Kühlkörper.Einblicke in den IS Reference: Man erkennt zwei der vier Leistungstransistoren auf einem einfachen Kühlkörper.

Man muss schon etwas in die Tiefe gehen, um zu begreifen, was die Leute bei Lavardin antreibt. Kurz gesagt geht es um die Vermeidung eines Effekts, den man als "Memory Distortion" bezeichnet. Bildlich beschrieben sollen sich Elektronen in einem Halbleiter aus Silizium nicht im gleichen Mass frei und ungehindert bewegen wie im Vakuum einer Elektronenröhre. Sie hinterlassen gemäss Hersteller Spuren, den man sich als eine Art Speicher-Effekt oder Brems-Effekt vorstellen kann.

Dieser Effekt bewirke, dass sich Elektronen quasi immer in denselben Spuren bewegen, und das wiederum soll die Ursache dafür sein, dass Röhrenverstärker punkto Natürlichkeit schöner klingen. Die Frage bleibt allerdings offen, wie man das mit Transistoren so hinbekommt, wie es die Röhren tun: ohne Memory-Effekt.

Das Ganze enthält wohl eine philosophische Komponente. Der Schöpfer dieser Geräte spricht hier nur gerade das Problem an. Die Lösung bleibt verborgen, denn darüber wird nicht gesprochen. Es reicht aber aus, die Spannung zu erhöhen, denn schliesslich ist es ja das Resultat, das uns interessiert.

Liebe zum Detail

Links eine vollständig gekapselte Stromversorgung. Rechts die eigentliche Verstärkerplatine.Links eine vollständig gekapselte Stromversorgung. Rechts die eigentliche Verstärkerplatine.

Das Innenleben des IS Reference zeugt von grosser Individualität. Die Verstärkerplatine ist hervorragend abgeschirmt, die Komponenten machen einen selektierten Eindruck. Die Signalführung ist eigenwillig, vor allem von der Platine zu den Anschlüssen, den RCA-Eingängen (Chinch) und den Lautsprecher-Ausgängen.

Die Eingänge sind "Solid Core"-verdrahtet und liebevoll verlötet. "Core" ist zu viel gesagt: Man scheint Isolationen zu meiden. Die Drähte liegen frei in der Luft. Die Lautsprecherausgänge sind mit Kupferlitzen ausgeführt, lackierte Litzendrähte, wie ich vermute. Sie führen alle in einen einzigen Isolationsschlauch, müssen also mit Lack isoliert sein.

Ungewöhnlich: Die Lautsprecheranschlüsse sind mit lackierten Kupferlitzen ausgeführt. Ungewöhnlich: Die Lautsprecheranschlüsse sind mit lackierten Kupferlitzen ausgeführt.

«Stadtluft macht frei» ist einer der Sätze, die mir aus dem Geschichtsunterricht geblieben sind. Doch damals war die Rede von längst vergangenen Zeiten. Ich lebe auf dem Land (und geniesse es!) - doch muss ich feststellen, dass diese Tatsache aus dem Mittelalter heute wieder mehr und mehr zutrifft … zumindest wenn es um Technologien geht. Und ich spreche hier nicht von einem abgelegenen Bergtal, sondern vom Schweizer Mittelland, nur gerade 4 km von der nächsten Kantonshauptstrasse entfernt.

Nicht nur der Service Public wird laufend reduziert (Post und Bahn, beide vor 20 Jahren noch in vernünftiger Reichweite, sind nun 18 km entfernt), viele neue Technologien gelangten nie bis zu uns: Das Internet ist gerade mal 2,2 Mb/sec langsam, Kabelfernsehen existiert nicht, Handys funktionieren nur an einer einzigen Stelle im Haus und auch dort darf man sich während des Gesprächs nicht bewegen, und das vielgelobte digitale Fernsehen (DVB-T) reduzierte unsere einheimische Senderwahl auf 4. Zudem unterbrechen (ab und zu) vorbeifahrende Autos den Empfang.

Die Test-Anlage

Ein Star: Technistar S3Ein Star: Technistar S3

Im Normalfall sorgt man bei Hörtests für eine Äquivalenz der Komponenten hinsichtlich Preis. Man bewegt sich in den sogenannten Preisklassen, damit man notfalls die Kirche wieder ins Dorf stellen kann, wenn sich eine relativ kostengünstige Komponente als Überflieger herausstellen sollte. Man legt also eine Art Flughöhe fest, ein Korridor, in dem man sich als Tester einigermassen gefahrlos verlustieren kann, ohne anzuecken.

Einmal mehr verzichte ich auf eine solche Anordnung. Ich bin aus Erfahrung der felsenfesten Überzeugung, dass man beim Preis-Leistungs-Verhältnis kaum irgendwo so grosse Überraschungen erleben kann wie im Audio-Business. In Folge dieser Entscheidung verschwindet der Lavardin IS Reference förmlich in der Gesamtinvestition der Anlage und kann auf diese Weise zeigen, was er wirklich drauf hat. Der IS Reference kostet übrigens 3570 Franken.

Die Testkette

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Hat man ein korrekt formatiertes und geeignetes USB Aufnahmemedium angeschlossen, ist eine Aufnahme (Sofort, Timer oder Timeshift) kinderleicht zu bewerkstelligen. Timeraufnahmen sind dann besonders einfach zu programmieren, wenn die gesuchte Sendung im SFI auftaucht. Aber auch bei Sendern, die nicht vom SFI abgedeckt werden, ist es keine Hexerei.

Erwischt man den genauen Start einer Sendung, resp. den Zeitpunkt, an dem der Sender das Infosignal des neuen Programms ausgibt (was bei SFI gewählten Sendungen automatisch erfolgt), erhält die Datei ohne unser Dazutun den korrekten Namen. Startet man (bei nicht SFI gewählten Timeraufnahmen) zu früh, erhält die Datei den Namen der vorhergehenden Sendung. Glücklicherweise kann man der Datei auf einfache Weise den korrekten Namen geben (oder sogar einen eigenen über die virtuelle Tastatur).

Ein kleiner Vollverstärker im Zentrum des Geschehens.Ein kleiner Vollverstärker im Zentrum des Geschehens.

1959 wurde das erste Carnegie-Hall-Konzert von Harry Belafonte von RCA "Living Stereo" aufgenommen. Die Carnegie Hall ist ein legendärer Konzertsaal mit einer faszinierenden Akustik. Sie erzeugt eine wohlige Trägheit, eine Wucht des Ereignisses, eine enorme Gravität. Das kam Belafontes Aufnahme zu Gute, wie kaum einer Carnegie-Hall-Aufnahme davor und danach.

Seine sanfte bis energische Stimme ist unheimlich prägnant – und trotzdem manchmal verloren im Raum, als würde der Sänger plötzlich von seiner Einsamkeit übermannt, wenn ihn die Scheinwerfer blenden und er die Audienz in einen Lichtvorhang blickend nicht mehr wahrnehmen kann.

Die Instrumente der Band reichen von der zarten Gitarre bis zu den fulminanten Bläsern im Song "Mama Look A Bobo" – Calypso vom Feinsten und erfrischend naiv. Sie zerschneiden die Luft mit der unsichtbaren Geschwindigkeit des Samurai und treffen uns unterbewusst im tiefsten Inneren. Belafontes Lachen und Plappern erlösen uns dann wie der Clown nach der Trapeznummer.

Dann "ging" ich zum "Village Gate" um Coleman Hawkins zu erleben. In "The Talk of the Town" beginnt das Piano ein wenig belegt. Dann setzt sein Tenorsax von halbrechts ein, wie eine Feile mit Samtbezug. Dann bewegt er sich mehr zur Mitte der Bühne. Der Tontechniker musste die Balance auskorrigieren, denn die Musiker konnten nicht nochmals von vorn beginnen. Der Bassist singt und zupft unisono sein Solo mit urwüchsigem Charme. Dann kommt nochmals Hawkins und moduliert seinen unvergleichlichen Ton, dass mir beim Schreiben nochmals die Tränen kommen.

Mit dem IS Reference von Lavardin konnte ich das alles genau so erleben!

Nicht mehr und nicht weniger.

Abschliessende Bemerkungen

Das Hoch-Mittelton-Horn der Genuin FS3 II. Die Verschiebung in der Längsachse bewirkt eine Veränderung der Höhe der Klangbühne, abhängig von der Distanz zum Hörplatz.Das Hoch-Mittelton-Horn der Genuin FS3 II. Die Verschiebung in der Längsachse bewirkt eine Veränderung der Höhe der Klangbühne, abhängig von der Distanz zum Hörplatz.

Nun beginnt wohl das Insider-übliche Relativieren. Wie würde er denn mit anderen Komponenten klingen? Wie steht es um den Einfluss des Hörraums? Meiner ist grossartig dank System und Zufall. Das Relativieren überlasse ich anderen. Probieren Sie es einfach aus.

Die Lavardinsche Silizium/Vakuum-Nummer könnte funktioniert haben. Aber das grandiose Ergebnis könnte auch an etwas anderem liegen. An stundenlanger Optimierung vielleicht, an der die Tüftler nächtelang in der Gruft des Entwicklungslabors gearbeitet haben. Vielleicht liegt das Geheimnis aber auch darin, ein wenig Gauloise-Rauch auf die Platine zu blasen und zwischendurch in ein Baguette zu beissen ...

Der IS Reference ist der beste Transistor-Vollverstärker, denn ich je gehört habe. Nicht der beste seiner "Klasse": Der Beste!

Zum Glück für avguide.ch habe ich bei Weitem nicht alle gehört, die es gibt ...

Man müsste sich nun einfach dazu durchringen, auf eine Fernbedienung zu verzichten. Vielleicht schaffen wir das ja. Vielleicht.

Der Autor Christian Wenger

Christian Wenger war Elektrotechniker und Marketingfachmann in der Industrielektronik und Inhaber von InConcert Audio in Olten. Von 2013 bis 2024 schrieb er als Redaktor für avguide.ch. Heute lebt der Connaisseur und Weinliebhaber pensioniert in Südfrankreich und bleibt Mitinhaber der avguide.ch GmbH.

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