Donnerstag, 1. Oktober 2026 · seit 1999 Newsletter · Werbung · Über avguide.ch
Testbericht · Teufel · All-In-One Musiksystem

Kraftklotz

Test Teufel Raumfeld One S

Von Fabian Heer · · Seite 1407 von 4

Schon etwas länger ist es her, seit Deutschland im Audiobereich weltweit für Furore gesorgt hat. Dennoch gibt es nach wie vor einige Unternehmen in Deutschland, die für die Unterhaltungselektronik Audioprodukte entwickeln. Teufel zum Beispiel. Der Hersteller von Lautsprechern und Lautsprechersystemen hat seit seiner Gründung vor 35 Jahren seinen Hauptsitz in Berlin. Als Teufel im Jahr 2010 die Startup-Firma Raumfeld GmbH übernahm, haben sie einen guten Riecher bewiesen und sich Know-How im Bereich Netzwerkstreaming eingekauft. Raumfeld hatte sich nämlich schon damals auf das Verteilen von digitalen Audio-Dateien innerhalb eines Netzwerkes spezialisiert.

Und «Raumfeld» lebt als eigene Marke innerhalb des Teufel-Konzerns weiter. Die Ausrichtung des Portfolios liegt – wie könnte es anders sein – auf Streaming-Produkten im Audiobereich. Der Raumfeld One S ist das Einsteigergerät, welches wir hier in diesem Test genauer anschauen.

QAT RS3 Digitalausgang über ein S/PDIF zu AES-Konverterkabel in das Grimm LS1 System. Im direkten A/B-Vergleich zu einem MacBook Pro mit dem aktuellen Audirvana Plus Audio-Player. USB Verbindung mit Platinum Starlight USB-Kabel von Wire World in das USB-Interface der Grimm LS1

Der Vergleich mit einer hochwertigen Mac-Lösung ist sinnvoll, da sich viele Musikhörer zwischen den beiden Lösungen entscheiden wollen. Das Grimm LS1 System ist der perfekte, unparteiische Empfänger eines jeden Datenstroms.

Ich konzentrierte mich vor allem auf den Klangcharakter von Stimmen, unter anderem Sara K. Entscheidend ist auch die räumliche Präsenz, die Greifbarkeit der Interpretin. - Man möge mir verzeihen.

Bei diesem Vergleich konnte ich keinen reproduzierbaren Unterschied zwischen dem RS3 und dem Mac feststellen. Jeder "Verdachtsmoment" verflog spätestens nach einer kurzen Pause. - Selbst mit blindem Durchschalten der zwei verwendeten Digitaleingänge am Grimm-System, damit ich nicht mehr wusste, welche Quelle ich gerade höre.

Die Stimmen klangen extrem differenziert und detailliert, plastisch, exakt gleich gross. Grosse Klangkörper wie orchestrale Klassik brachten dasselbe Resultat. Der Musikserver ist auf jeden Fall völlig ebenbürtig zu einer optimierten Mac-Quelle.

Der Raumfeld One S ist ein 18 x 13 x 11 (BxHxT) Zentimeter kleiner Klotz in modernem Design. Das Gerät ist in den Farben Schwarz oder Weiss erhältlich. Das Kunststoffgehäuse wirkt dank aufgetragenem, matten Schleiflack edel und zeitlos.

Die Lautsprechermembranen sind durch eine schwarze Stoffabdeckung geschützt. Auch bei der weissen Ausführung ist der Stoff schwarz gehalten, was dem Raumfeld One S in dieser Ausführung eine zweifarbige Optik verleiht.

Auf der Geräteoberseite befinden sich sechs gummierte, grosse Tasten. Diese sind zwar nicht sehr schön, dafür aber praktisch. Der Raumfeld One S lässt sich nämlich auch in feuchter Umgebung wie im Schwimmbad oder Badezimmer nutzen und bedienen. Aber nicht nur in feuchter Umgebung machen die Tasten Sinn. Während sich über zwei Tasten die Lautstärke bedienen lässt, sind vier Tasten frei belegbar. So kann zum Beispiel der Lieblingsradio-Sender oder eine favorisierte Playliste gespeichert und mit nur einem Tastendruck abgespielt werden.

Unter einer ebenfalls gummierten Abdeckung an der Unterseite befinden sich die Anschlüsse. Neben dem LAN- befinden sich dort auch der Netz- sowie ein USB-Anschluss.

Im Inneren des Raumfeld One S sorgt ein Class-D Verstärker mit 50 Watt Ausgangsleistung für die anständige Befeuerung des 3-Wegesystems bestehend aus einem 90 mm Mitteltieftöner und einem vorgelagertem 25 mm Hochtöner. Die zwei 95 mm Membranen auf der Seite sorgen dabei für eine ordentliche Basswiedergabe. Da das System so klein ist, wird der Raumfeld One S als Mono-Lautsprecher betrieben. Laut Teufel wird im Moment daran gearbeitet, dass zwei deren Geräte per App ganz einfach als Stereopaar gekoppelt werden können.

LAN Verbindung für WLAN Connection

Weiss oder schwarz: In der weissen Ausführung bekommt der Raumfeld One S wegen der schwarzen Lautsprecherabdeckung einen zweifarbigen Look. Weiss oder schwarz: In der weissen Ausführung bekommt der Raumfeld One S wegen der schwarzen Lautsprecherabdeckung einen zweifarbigen Look.

Die Bedienung über die Smartphone App (getestet mit der iOS-Version) funktioniert zuverlässig und sehr einfach. Ganz einfach kann auf die gesammte Musiksammlung auf dem Smartphone zugegriffen werden. Einziger Wehmutstropfen: Die erstellen Playlisten auf dem Smartphone lassen sich leider nicht abspielen. Die Raumfeld App ermöglicht jedoch das Erstellen von eigenen Playlisten.

Neben der Musiksammlung auf dem Smartphone kann der Raumfeld One S auch auf einen Netzwerkspeicher (DLNA und UPnP)) oder auf einen USB-Datenträger zugreifen. So können alle gängigen Dateiformate abgespielt werden, auch Lossless-Codecs wie FLAC und AAC lassen sich problemlos streamen.

Natürlich sind auch Internet-Streaming-Dienste integriert. So sind Spotify, WiMP, Napster, simfy, TuneIn und andere Internetradios direkt über die Bedien-App erreichbar.

Ein kleines aber feines Detail: Die beiden (relativ hellen) Status LEDs auf der Gerätevorderseite lassen sich einfach per App deaktivieren, sodass der Raumfeld One S auch im Schlafzimmer bei Dunkelheit verwendet werden kann. 

Natürlich lässt sich der One S nach Belieben mit anderen Produkten aus der Linie zu einem vernetzten Multiroom-System erweitern. Wie bei Sonos und Co. finden sich auch bei Raumfeld eine Vielzahl von kleineren und grösseren Geräten im Sortiment.

Überraschender Kraftklotz

Musikserver, iPad und CD-Rom Drive zum Rippen.Musikserver, iPad und CD-Rom Drive zum Rippen.

Musikserver sind Computer, die wie Hi-Fi-Geräte aussehen, unken sie da und dort. Weil Musikserver oft von IT-Firmen auf den Markt gebracht werden und weil Computer hervorragend Musik machen können. QAT Audio ist jedoch kein IT-Unternehmen, und der RS3 ist preislich auch im Vergleich zum PC/Mac nicht anstössig.

Niemand hat etwas gegen den PC im Hi-Fi-Gewand, wenn das Resultat zahlbar ist und nicht nach preistreibender High End-Verpackung riecht. Die höchsten Weihen lassen sich beim Preis des RS3 vielleicht nicht verdienen, dachte ich mir. Wer noch auf den Super-DA-Wandler wartet, der möge diesen später einfach andocken.

Das 2006 gegründete Unternehmen QAT hat mit dem grösseren Bruder MS5, wenn's denn sein muss, einen noch gewichtigeren Pfeil im Köcher. Die kurze Firmengeschichte mündet in eine Zukunft mit Ambitionen.

Fazit

Teufel hat mit der Übernahme von Raumfeld wohl wirklich einen guten Riecher bewiesen. Das getestete Einstiegsprodukt Raumfeld One S ist absolut auf  Augenhöhe mit den Mitbewerbern von Sonos & Co – und dies sowohl auf der Ausstattungs- wie auch auf der Qualitätsebene. Besonders beindruckend ist der präzise und bassbetonte Klang, welcher der Mini-Lautsprecher im Stande ist wiederzugeben. Aber auch kleine Details wie die gummierten Tasten für eine sichere Wiedergabe in Badezimmer oder die Möglichkeit, die Status-LEDs für die Benutzung im Schlafzimmer auszuschalten, machen den Raumfeld One S zu einem absoluten Topgerät. Einziger wirklicher Kritikpunkt ist, dass für die Einrichtung des (WLAN!) Geräts ein Netzwerkkabel benötigt wird. Dafür gibt es den Raumfeld One S bereits für 250 Franken. Die Raumfeldgeräte sind wie auch die anderen Teufel-Geräte exklusiv online zu erwerben.

Der Autor Fabian Heer
Mehr Testberichte Alle Testberichte →