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16. Juni 2002
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Vertreter der Musikindustrie sehen spannenden Zeiten entgegen, nachdem Universal und Sony angekündigt haben, ihr Musikrepertoire online anzubieten. Obwohl unabhängige Labels und der Musikhandel den Schritt begrüsst haben, sind die Auswirkungen der Entscheidung auf die Zukunft des Musikgeschäfts noch nicht absehbar, berichtet die LA Times. Mit dem Verkauf einzelner Songs wird das Businessmodell des Albums aufgegeben. Der Sorge über die Finanzierbarkeit von Musikproduktionen steht die Hoffnung auf hochwertigere Songs aufgrund des gesteigerten Konkurrenz- und Qualitätsdrucks gegenüber.

"Die neue Botschaft der Labels an den Konsumenten ist: 'Download bei uns bedeutet Bezahlung für Künstler und Musiker'", erklärt Eagles-Mitglied Don Henley seine Sicht der Dinge. Für ihn stellt sich die Frage, wie viel die Labels an die Musiker zahlen wollen. "Ich vermute ziemlich wenig, wenn die Vergangenheit als Massstab dient", so Henley weiter. Bei einer CD-Produktion erhält der Musiker etwa neun Prozent pro verdientem Dollar. Vorher zieht das Label allerdings noch Produktions- und Verpackungskosten sowie den Aufwand für die Promotion ab. Laut LA Times bietet Universal den Künstlern doppelte Tantiemen, also 18 Prozent pro Dollar, bei Online-Distribution. Die Produktionskosten werden nach wie vor abgezogen.

Universal und Sony wollen pro Song 99 US-Cent, für ein Album 9,99 Dollar, verlangen. Das Album-Konzept diente dazu, eher schwächere Songs im Kombi-Angebot mit den Hitsingles zu verkaufen und so die Produktionskosten einzuspielen. Einzelne Singles wurden nur zu Promotionszwecken an Radio- und TV-Stationen weitergegeben oder relativ teuer mit Bonusvariationen als Maxi-CDs verkauft. "Wenn wir den Verkauf als Bündel aufgeben, fangen die Schwierigkeiten erst an", ist sich Jim Griffin, CEO des Medienconsulters Cherry Lane Digital, sicher. "Der Preis für eine Single kann nicht niedrig genug sein, um Fans anzusprechen, und nicht hoch genug, um für Labels die Kosten abzudecken", meint Griffin.

Andere, vor allem Künstler und deren Agenten, sehen eine positive Entwicklung. Der Druck für den Musiker bessere Songs zu produzieren sei grösser, weil er sie nicht mehr im Albumbündel verkaufen kann. Der Trend könnte dazu führen, dass die Labels kostspielige Langzeitverträge für Albums vermeiden. Eine Konzentration auf moderate Single-Verträge könnte wiederum einen Trend weg von der Massenware hin zur Qualität bedeuten. Sichere Aussagen über die Zukunft des Businessmodells wagen aber nicht einmal mit Online-Distribution vertraute Independent Labels wie Matador Records. Das kleine Label bietet Teile seines Repertoires zum Download an. Der Effekt der Downloads auf die CD-Verkäufe ist aber auch für Matador Records "wirklich schwierig quantifizierbar", berichtet die LA Times.
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