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11. Februar 2002
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Der australische Medienunternehmer Rupert Murdoch will seine geschäftlichen Beziehungen zur finanziell unter schwerem Druck stehenden Kirch-Gruppe abbrechen. Das kündigte der Medienmogul gegenüber der Financial Times an. "Ich weiß nicht, wie wir unsere Beziehungen fortsetzen können, ohne noch mehr Geld hineinzupumpen. Und das sind wir nicht bereit zu tun", sagte Murdoch im Gespräch mit der renommierten Wirtschafts- und Finanzzeitung. Murdoch besitzt über den britischen TV-Sender BSkyB eine Verkaufsoption für seine Anteile an Premiere im Wert von 1,59 Mrd. Euro. Würde Murdoch diese Möglichkeit nutzen, könnte das den Todesstoss für die von allen Seiten bedrängte Kirch-Gruppe bedeuten. BSkyB hat mitgeteilt, man habe den Wert der Anteile abgeschrieben.

Murdoch hatte bisher mit der Absicht gespielt, die Verkaufsoption seiner Anteile für die Übernahme des Kirch-Pay-TVs Premiere einzusetzen. Für die Übernahme des Pay-TVs hatte er angeboten, auf die Verkaufsoption zu verzichten. Der Murdoch-Sender BSkyB hält 22 Prozent an Premiere. Spielt der australische Medienmogul diese Karte aus, muss Kirch bis Oktober die Anteile im Wert von 1,59 Mrd. Euro zurückkaufen. Das kann sich die Kirch-Gruppe nach eigenen Angaben aber nicht leisten. Das Medienimperium von Leo Kirch sieht sich einer erdrückenden Schuldenlast von 5,6 Mrd. Euro ausgesetzt. Der Axel Springer Verlag hat eine vergleichbare Verkaufsoption im Januar bereits wahrgenommen. Nun hat auch BSkyB durch die Abschreibung der Premiere-Beteiligung die finanzielle Trennung von Kirch vollzogen.

Kirch ist nun gezwungen, mit Murdoch zu verhandeln oder einen neuen Investor zu finden, was angesichts der prekären wirtschaftlichen Situation schwierig werden dürfte. Fast eine Milliarde Euro pro Jahr verliert das Medienunternehmen allein durch den defizitären Pay TV-Sender Premiere. Bei der Verteidigung seines Medienimperiums könnte Leo Kirch nun die Abneigung der anderen Gläubiger gegen einen Einstieg Murdochs zu Hilfe kommen. Der Axel Springer Verlag sieht einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit Kirch wegen der Verkaufsoption gelassen entgegen. Weit mehr Kopfzerbrechen bereitet dem deutschen Verlagshaus laut NY Times die mögliche Übernahme von Kirchs Springer-Anteilen durch Murdoch. Ebenso zeigte man sich gegenüber der NY Times über die Beziehungen Murdochs zu Liberty Media besorgt. Liberty Media hält 18 Prozent an Murdochs News Corporation. Zurzeit versucht das US-Unternehmen, die Kabelnetze der deutschen Telekom zu kaufen.

Auch die deutsche Politik zeigt zunehmendes Interesse, Kirch unter die Arme zu greifen. Die Bayerische Landesbank, zur Hälfte im Besitz des Landes Bayern, hat bereits Versuche unternommen, "eine deutsche Lösung" herbeizuführen. Das deutsche Medienunternehmen steht mit 1,9 Mrd Euro bei der Bank in der Kreide. Ein Teil davon ist Ende Juni fällig. Insgesamt haben laut Financial Times acht Banken Kredite von jeweils über 100 Mio. Euro vergeben.
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