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Publikationsdatum
27. August 2000
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Nach der Meinung des Journalisten Ulrich von Löhneysen sollte sich jetzt das Kartellamt einschalten, denn was die Filmindustrie in Sachen DVD treibt, ist offensichtlich verbotene Absprache zum Schaden Dritter und der Verbraucher. Mit massiver Klageandrohung hat die Software-Branche über ihre Copy Control Association (DVD-CCA) Philips dazu gezwungen, den angekündigten DVD-Player mit Progressive-Scan-Ausgang über VGA zu stoppen. Die Argumentation: Das sei ein Digitalausgang und dieser sei nach den Statuten des DVD-Forums für DVD-Video verboten. Technisch stimmt das nicht ganz, richtig ist nur, dass es für Videosignale über VGA keinen Kopierschutz gibt. Dass PC-Hersteller ebenfalls VGA für die DVD-Wiedergabe nutzen (Wie sollte man sonst einen Monitor anschließen?), zählt offensichtlich nicht - von diesen Herstellern ist noch keiner verklagt worden. Für die mittlerweile zahlreichen Projektorbesitzer bedeutet das, dass sie keinen Player kaufen können, der das wesentlich bessere Signal (für Projektoren jedenfalls) liefert. Übrig bleibt der ziemlich wertlose Progressive-Ausgang, den japanische Firmen wie Toshiba, Pioneer und andere demnächst anbieten werden. Wertlos deswegen, weil er nur bei NTSC-Scheiben funktioniert und nur sehr wenige Projektoren dieses Signal (YUV) verarbeiten können. Wie der Zufall so spielt, bringen diese Japan-Hersteller nun Fernseher oder Rückprojektoren mit YUV-Eingang auf den Markt.
Philips steht bei der ganzen Software-Branche sowieso auf der schwarzen Liste, zum einen wegen der massiven Werbung für CD-Recorder, die bei den Plattenfirmen als Ursache für den Rückgang der CD-Verkäufe gilt (man sagt: Erst haben sie Polygram verkauft, dann das Musikgeschäft kaputt gemacht); und wegen der DVD-Recorder, die Philips nächstes Jahr bringen will. Die können, so die Ankündigung, Scheiben brennen, die mit gekauften DVDs praktisch identisch sind, was laut Filmbranche aber nicht sein darf. Und die Firmen, die DVD-RAM als Video-Recording-Standard durchsetzen wollen, lachen sich ins Fäustchen, wenn die Filmstudios Philips ein Bein stellen.
Statt des vorgesehenen DVD 1000 bringen die Holländer das Modell DVD 1010 - mit einer Leerstelle anstatt der VGA-Buchse. Weil man, was weggelassen wurde, auch wieder anbauen kann, ist zu hoffen, dass sich schnell Spezialisten finden, die VGA an diesem Modell nachrüsten.