21. Juni 2018 | seit 1999
MUSIKREZENSION
ARTIKEL
Publikationsdatum
17. Dezember 2000
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Popmonster wurde vor knapp zwei Jahren von drei ehemaligen Bartrek-Mitgliedern ins Leben gerufen. Bassistin und Sängerin Nadia Leonti, Gitarrist Jakob Künzel und Schlagzeuger Dino Tereh haben jetzt ein Debüt abgeliefert, das man ohne Zweifel zu den besten CH-Alben der letzten Jahre zählen darf. Melancholischer Pop, um Welten entfernt von der üblichen Durchschnittsware, mit stimmungsvollen und clever arrangierten Kompositionen und viel Feingefühl inszeniert.

Popmonster ist ein Gitarrenpop-Album mit der richtigen Mischung aus Samples und elektronischen Spielereien, druckvoll, sensibel, verträumt. Ein grossartiges Songwriting und die ausdrucksstarke Stimme von Nadia, im Kontrast zu Jakobs heiserem Organ, machen nur schon die halbe Miete aus. Den Rest erledigen die ausgefeilten, aber nie überladenen Arrangements und die berückende Stimmung, die über allem schwebt. Neun Monate wurde daran gefeilt, und die Gruppe ist selbst positiv schockiert über das Ergebnis. Dream-Pop würde ich dem mal sagen; manchmal abgehoben, dann wieder bodenständig. Verlockend, wünschend, verspielt und hin und wieder auch bedrohlich, wie Träume eben sind.

Natürlich könnte man Vergleiche hinzuziehen: Trance atmet den Talking-Heads-Geist, Smile erinnert an Radiohead, I Better Leave an Blur, aber dies sind nicht besonders bedeutungsvolle Aussagen. Popmonster sind eine Band der Jetztzeit, und das hört man, aber der grosse Unterschied zu Bands wie z. B. Core ist: Popmonster machen Musik für Leute von 15 bis 50. Oder anders gesagt: Popmonster biedern sind weder an herrschende Trends (z. B. TripHop, HipHop-Pop oder Punk-Pop) an, noch bewegen sie sich auf den ausgelatschten Pfaden des Retrorocks. Sie haben es geschafft, sich genau in der Mitte von Tradition und Moderne aufzuhalten, womit sie zeitlos sind. An diesem Album haben sich CH-Popbands zu messen.

STECKBRIEF
Albumtitel:
Debutalbum
Label:
RecRec
Jahr:
2000
Bestellnummer:
RecRec/Bassbelle
Medium:
CD
Musikwertung:
10
Klangwertung:
9
Bezugsquellen
Wettbewerb