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MUSIKREZENSION
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Publikationsdatum
6. Oktober 2004
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Freunde des gerillten Vinyls bekommen feuchte Augen, wenn sie den Begriff RCA in Verbindung mit Living Stereo hören, denn diese legendären Aufnahmen waren während Jahrzehnten das Non Plus Ultra in musikalischer wie auch in klanglicher Hinsicht.

Was nur wenige wissen ist, dass diese Aufnahmen, wie auch diejenigen der Mercury Living Presence, meist dreikanalig aufgenommen wurden, da man damals der Ansicht war, für eine gute räumliche Wierdergabe seien drei Kanäle optimal.

Mit dem Aufkommen der zweikanaligen Vinyl-Platten war aber ein Kanal überflüssig. In der Folge wurden diese dreikanaligen Aufnahmen auf zwei Kanäle abgemischt. Der Klang des originalen Masterbandes war somit während Jahrzehnten dem Publikum nicht zugänglich.

Die SACD macht's nun aber möglich: Neu werden sowohl gewisse Aufnahmen von RCA Living Stereo- wie auch Mercury Living Presence auf SA-CD in originaler Form dargeboten.

Die analogen Masterbänder wurden direkt in den DSD-Bereich transformiert.

Eine unglaublich spannende Sache, die viele Fragen aufwirft:
- Genügen 3 Kanäle, um einen optimalen Raumklang zu ermöglichen?
- Braucht es überhaupt 5.1?
- Wie stand es mit der damaligen Klangqualit des so hochgelobten analogen Zeitalters?
- Wie gut können heute rund 40 jährige analoge Masterbänder noch klingen?

Ich schiebe also mit zittrigen Fingern die legendäre RCA Living Stereo Aufnahmen auf SA-CD mit Tchaikovskys Piano Concerto No.1 in meinen Kombispieler und horche den Klängen aus den drei mit identischen Hoch- und Mitteltönern bestückten Frontspeakern zu.

Der Sound kommt eher trocken aber mit extrem breitem Frontpanorama. Die Transparenz ist erfreulich hoch und man hört sehr viele klangliche und musikalische Detail.

Doch im Fortissimo klingen die Blechbläser und auch hohe Streicher etwas grell, den Bässen fehlt etwas Fundament. Der Flügel klingt eher schlank und entwickelt im Fortissimo wenig Druck.

Der Vergleich zur ebenfalls bei avguide.ch besprochenen Pentatone-Aufnahme mit dem gleichen Werk drängt sich auf.

Diese echte DSD-5.1-Aufnahme schlägt meiner Meinung nach die Legende aus den Jahren um 1960 klar.

Sie ist der Living Stereo-Aufnahme punkto Räumlichkeit und Transparenz überlegen. Die Klangfarben der diversen Instrumentengruppen kommen auf DSD besser zur Geltung und Streicher wirken samtiger und geschmeidiger. Der Klang des Flügels hat auf analog nie die Kraft und Wucht wie auf DSD.

Wer weiss, wie stark analoge Bänder halt doch einem gewissen Alterungsprozess unterworfen sind, wird aber von der noch vorhandenen Klangqualität sehr überrascht sein.

Alles in allem also nicht eine wiederentdeckte bessere Klangwelt, die alles neuemodische Zeugs über den Haufen wirft, sondern ein hochinteressantes Tondokument, das in keiner SA-CD Sammlung fehlen darf.

Und von der Interpretation her muss ich sagen: Einfach absolute Spitze dieser damals noch blutjunge Van Cliburn, von Fritz Reiner mit dem legendären RCA Symphony Orchestra ganz zu schweigen...
STECKBRIEF
Albumtitel:
Tchaikovsky Piano Concerto No 1. Rachmaninoff Piano Concerto No.2
Komponist:
Tchaikovsky, Rachmaninoff,
Label:
RCA/Universal
Jahr:
1962 / 1958
Bestellnummer:
82876 613922
Tonformat:
Stereo, Dreikanal
Medium:
Hybrid SA-CD
Musikwertung:
10
Klangwertung:
8
Preis:
40.00
Bezugsquellen
Wettbewerb