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Publikationsdatum
12. Juni 2000
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Von MP3 spricht momentan alle Welt und manche behaupten gar, der MP3-Klang sei von einer CD nicht zu unterscheiden. Ein Grund für audiophile Ohren, dieser Sache auf den Grund zu gehen.

Datenreduziertes HiFi

Die Welt der Musikkonserven scheint sich in zwei extreme Bereiche aufzusplittern: Auf der einen Seite wird versucht, mit einem gigantischen Aufwand an Daten und neuen Discs wie DVD und SACD, den Klang zur absoluten Perfektion zu bringen und auf der anderen hat man als Ziel, mit möglichst geringen Datenmengen einen Klang, der laut Werbung "kaum von einer normalen Audio-CD zu unterscheiden ist", über neue Medien wie etwa das Internet zu übertragen. Ob der im Verhältnis 1:12 datenreduzierte MP3-Klang tatsächlich CD-Qualität zeigt, darf echt bezweifelt werden. Erfahrungen mit dem MP3-Urplayer, dem RIO PMP300 sowie dem Grundig MP3 Player MPAXX zeigten die Wahrheit.

Reduzierte Daten - reduzierter Klang

Der MP3-Urspieler, bei welchem sich schon bald kein Teilchen mehr drehte.
Der MP3-Urspieler, bei welchem sich schon bald kein Teilchen mehr drehte.
MP3 ist momentan d a s Audioformat des leider immer noch relativ langsamen Internets und reduziert den Datenstrom einer CD um den Faktor 12. Dies bedeutet, MP3-Dateien enthalten lediglich 1/12 der originalen Datenmenge einer CD. Eigentlich erscheint es unglaubhaft, dass mit einer solch drastischen Datenreduktion noch akzeptable Klänge möglich sind. Doch die Ingenieure des Fraunhofer Institutes haben ein geniales Datenreduktionsverfahren entwickelt, welches nicht einfach Höhen und Bässe beschneidet, sondern ganz raffiniert nur solche Klänge wegschneidet, auf die unser Gehör sowieso nicht sehr empfindlich ist. Die ganze Sache darf als (fast) perfekt gelungene Überlistung des Gehörs bezeichnet werden.

Der Computer als Zentrale

Die MP3-Player spielen zwar alleine wie etwa ein Walkman, brauchen aber zur Fütterung mit neuem Klangmaterial den Computer. Zum Lieferumfang gehören neben dem Player eine CD mit der Installationssoftware, sowie ein Minikopfhörer und ein Adapter zum Anschliessen an das parallele- oder serielle Port des Computers.

Musiksoftware für den MP3-Player erhält man auf zwei verschiedene Arten. Die Installationssoftware enthält ein Programm, welches normale CDs in MP3-Dateien umwandelt. Dies ist je nach Schnelligkeit des PCs eine langwierige Sache und kann auch mit einem sehr schnellen Prozessor ohne weiteres doppelt so lange dauern wie die eigentliche Spielzeit des Stückes. Weiter ist es möglich, MP3-Dateien vom Internet herunterzuladen. Weitere Infos über das MP3-Tonsystem und die Möglichkeit, einen "Software-MP3-Player" und zahlreiche Musiktitel gratis via Internet auf den Computer zu laden, erhält man über die Adresse www.MP3.com.

Noch ein Traum: Die Softwaresammlung

Kleine Karte, grosser Preis: Die SmartMedia-Flash-Memory Speicherkarte
Kleine Karte, grosser Preis: Die SmartMedia-Flash-Memory Speicherkarte
Wer sich aber eine MP3-Software Sammlung anlegen will, den ergreift das nackte Grauen, denn die Preise für die Flash-Memory-Karten sind immer noch viel zu hoch, um sich eine umfangreiche Musiksammlung anzulegen. Also heisst es, die ein- oder zwei mitgelieferten Karten zu füllen und bei Überdruss der Stücke diese wieder neu zu bespielen, was recht zeitaufwendig und umständlich
ist.

Der grosse Moment

Unbekannte und via Internet heruntergeladene Software ist natürlich nicht geeignet,die eigentliche Klangqualität dieses Mediums zu ergründen. Also wurde die sehr heikle CD "The High End Test Record - Impression" in die MP3-Ebene gebracht und die originale CD mit der MP3-Version verglichen.

Gleich bei Track 1 (männliche Stimme) waren leichte Zisch- und Faucheffekte zu hören, die auf dem Original natürlich fehlten. Die harten Anschläge eines Konzertflügels kamen deutlich hörbar aufgeweicht, aber dennoch erstaunlich sauber. Bei Streichern fiel auf, dass MP3 die Klangfarben der Instrumente deutlich reduzierte. Die Wiedergabe wirkte jedoch keineswegs unsauber, aber deutlich steriler.

Feinheiten des Klanges wurden glattwegs wegpoliert. Beim sogenannten Boxenkiller, einem Drum-Solo welches mit feinen Beckenimpulsen beginnt, geriet das MP3-Format dann völlig aus dem Takt und verzitterte die feinen Impulse teilweise fast bis zur Unkenntlichkeit. Bei unkritischem Klangmaterial allerdings funktioniert MP3 erstaunlich gut. Es werden keine Höhen oder gar Bässe beschnitten, der Klang ist verblüffend klar und rauschfrei. Der Verlust an Klanginformation ist bei einem 0815-Stück sicher weniger gut zu hören als bei einem anspruchsvollen Drumsolo.

Fazit

Unser Hörtest zeigte es ganz klar: MP3 hat im HiFi-Bereich nichts zu suchen! Es ist zwar unglaublich, wie ein Tonformat, welches mit 1/12 der Datenmenge einer normalen CD auskommt, überhaupt noch klingt .Wer differenziertere, anspruchsvollere Musik hören will, lasse die Finger davon. Die neuen MP3-Player läuten jedoch ein neues Audiozeitalter ein. Nicht höchste Klangqualität ist hier gefragt, sondern die Tatsache, dass man in Verbindung mit einem Computer Musik ab CD oder dem Internet auf einen Mini-Spieler mit Mini-Datenträger herunterladen kann und diese über ein sagenhaft kleines Teilchen, bei dem sich nichts mehr dreht und abnutzt, überall und je nach Klangansprüchen in durchaus akzeptabler Qualität geniessen kann.
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