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Publikationsdatum
27. Juni 2005
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„Konvergenz“, also das Zusammen- wachsen von Computerwelt und Unterhaltungs- elektronik, ist ein viel gebrauchtes Schlagwort. Tatsächlich werden laufend neue Geräte wie Audioserver oder Harddisc-TV- Recorder, aber auch portable MP3-Player vorgestellt, die in der Architektur oder Funktion stark von der Computertechnik bestimmt sind.

Parallel dazu wird vielerorts das Szenario heraufbeschworen, der Computer halte demnächst Einzug in die Wohnstube und verdränge die klassische Unterhaltungselektronik. Dass dem nicht so ist, hat diverse Gründe, wie unser Beitrag zeigt.

Killt die IT- die UE-Branche?

IT-Firmen wie Apple mit dem iPod haben einzelne Bereiche der Unterhaltungselektronik übernommen, und zwar kampflos, weil die UE-Branche geschlafen hat.
Tatsache ist: IT-Hersteller dringen mit preisgünstigen Produkten in den UE-Bereich vor.
Wird es ihnen jedoch gelingen, sich auf die Dauer ein Stück vom UE-Kuchen zu ergattern, oder sogar einige UE-Hersteller aus dem Rennen zu werfen?

Schauen wir heute den Markt an, dann stellen wir fest, dass nur wenige IT-Hersteller die klassische UE auf ihrem Stammgebiet konkurrenzieren. Dabei ist der Marktanteil gering.

Die IT Branche ist dort stark, wo die UE sich wegen der Auseinandersetzungen mit der Software-Branche um Urheberechtsprobleme nicht getraut hat, rechtzeitig mit adäquaten – d.h. den Bedürfnissen der Konsumentinnen und Konsumenten entsprechenden – Produkten auf den Markt zu kommen.

Zudem hat die IT neue Unterhaltungselektronik-Kategorien geschaffen. MP3 und DivX sind Produkte der IT- und nicht der UE-Branche.

Hier gibt es IT-Firmen, die den traditionellen UE-Marken den Rang abgelaufen haben. So sind z.B. Apple mit dem iPod, iRiver oder Archos bei MP3-Playern stark. NetworkPlayer/Homeserver gibt es von IT-Firmen wie Pinnacle, KISS, FAST etc. Das WindowsMediaCenter ist ein auf Unterhaltung ausgerichtetes Betriebssystem.

Die IT wird also die UE nicht ablösen, sondern um zusätzliche Produktkategorien erweitern, die gerade das junge Publikum, welche mit der Technologie umgehen können, ansprechen.

Das vernetzte Heim

Exemplarisch für die neuen Möglichkeiten der Unterhaltungselektronik ist das Internetradio. Hochwertige Audio-Komponenten schaffen einen klanglich optimalen Zugang zum vielfältigen Programm (hier: Nettune von Onkyo).
Nicht alle Fachleute sind heute der Ansicht, dass das vernetzte Wohnheim im Land der Mieter schnell Fuss fassen wird. Zudem wird bezweifelt, ob das überhaupt jemand braucht. Ketzerisch gesagt kann man das Licht über den altbekannten Schalter besser anknipsen als über ein Touchscreen …

Momentan darf man feststellen, dass viele Leute eine Riesenangst vor der Funktionsweise des Homeservers und dessen Bedienung haben, die sich noch zu stark an den technisch orientierten Abläufen der PC-Installationen orientieren.

Der Nutzer hält sich daher nach wie vor an Einzelkomponenten. Hier gibt es ja bereits auch solche, die sich vernetzen lassen, sei dies über ein Hersteller spezifisches Linksystem oder über den Anschluss ans Internet.

Der Fernseher übernimmt zusätzliche Funktionen, indem er auch als Computermonitor eingesetzt werden kann. Hier geht es aber nicht darum, Computerarbeiten am TV zu erledigen, sondern Games zu spielen und die Inhalte des Homeservers anzuzeigen. Doch der Bildschirm behält seine Funktion als TV-Gerät weiterhin bei.

Nebeneinander verschiedener Technologien

Es müssen nicht immer hochintegrierte Chips sein. Der G 10 von T+A ist ein riemengetriebener Plattenspieler, dessen HighTech in einem hohen mechanischen Aufwand besteht.
Wie auch in anderen Branchen zu beobachten ist, werden vielfach Technologien nicht einfach abgelöst und verschwinden von der Bildfläche, sondern zusätzliche Möglichkeiten werden geschaffen.

Es wird ein Nebeneinander geben von einfachen Komplett/Kompaktsystemen für jedermann, hochwertigem Stereo für den Musikliebhaber, Heimkino für den Filmfreak, MediaControllCenter mit Breitbandanschluss für die New Generation und GameFreaks.

Die Möglichkeiten der Unterhaltung wachsen. Sie decken immer mehr Bedürfnisse spezifischer Nutzergruppen ab. Entsprechend diversifiziert auch das Angebot an Unterhaltungsgeräten. Einige kommen aus der IT-Ecke, doch die klassische Unterhaltungselektronik bleibt, da nur sie gewisse Bedürfnisse adäquat abdecken kann.

Der Lautsprecher der Zukunft

Aufwendig gefertigtes Lautsprechergehäuse – wie hier bei Elac mit Aluminium-Stangpressprofilen und innen mit horizontalen und vertikalen MDF-Versteifungen und Zugstreben verspann -, minimieren die berüchtigten Gehäuse-Resonanzen, die den Klang verfälschen.
Hierzu gehört etwa der Lautsprecher. Um Luft zu bewegen und Schall zu erzeugen, braucht es einen kräftigen Antrieb durch relativ kräftige Ströme.

Genau wie man ein Düsentriebwerk nicht in ein Gehäuse aus Balsaholz einbauen kann, muss ein Lautsprecher auch in Zukunft stabil gebaut sein.

Kleine Plastikschüsseln sind nicht die Lösung, wie es der grauenhafte Klang der heutigen Billigangebote von Heimkinos füt total Fr. 299.- zeigen.

Resonanzfreie Gehäuse, also Lautsprecherboxen, die Musik wiedergeben und nicht selbst tönen, müssen stabil sein, und das geht nicht ohne eine robuste, gewichtige Bauweise.

Gute und stabil gebaute Lautsprecher – auch solche von Subwoofer-Satelliten-Systemen - werden also immer relativ schwer und entsprechend auch teuer sein.

Lautsprecher, die das ganze Frequenzspektrum vom Tiefbass bis zu den Obertönen mit guter Dynamik und ausreichendem Schallpegel wiedergeben sollen, benötigen relativ kräftige Ströme.

Diese können nicht von portablen Kleingeräten wie MP3-Spielern kommen, sondern benötigen aus einem leistungsfähigen Verstärker mit gross dimensioniertem Netzteil.

Von analog zu digital – der Verstärker

Auch digitale Endstufen benötigen wie bei Revox einen erheblichen Konstruktions- und Bauteile-Aufwand, um die klanglichen Vorteile voll ausschöpfen zu können.
Die heute noch umstrittenen Digitalverstärker – die sogenannten Class-D Verstärker – können, trotz ihres exzellenten Wirkungsgrades, nicht entscheidend kleiner gebaut werden, denn der eigentliche Stromlieferant ist der Transformator und der ist und muss gross bleiben.

Das hochgelobte „geschaltete Netzteil“ das klein und leistungsfähig ist, trifft man heute fast ausschliesslich im professionellen Beschallungsbereich bei den sehr teuren Top-Produkten an, jedoch nicht im HiFi-High-End-Bereich.

Der kräftige Verstärker, der leistungsfähige Beschallungsanlagen treiben kann, wird daher nie in Notebooks und Minigeräte eingebaut werden können.

Zudem ist man sich einig, dass es heute teurer ist, einen gut klingenden Digitalverstärker zu bauen als einen klassischen analogen. Etliche Hersteller, die sich im Bau von Digitalverstärkern versucht haben, gehen wieder zur bewährten analogen Technik zurück.

Music forever

Für Musik ist kein Aufwand zu exquisit: Die Membranen der Woodcone-Lautsprecher von JVC bestehen aus Birkenholz, welche man in Sake (Reiswein) taucht, um sie formbar zu machen. Das Holz zeichnet sich durch eine hohe Klangausbreitungsgeschwindigkeit aus und besitzt eine hohe innere Dämpfung.
Musik ist ein Kulturgut, das nicht so schnell verloren gehen wird.

Musik in den eigenen Wänden zu hören, wird immer ein Bedürfnis sein. Dabei wird auch eine ansprechende Tonqualität stets ein Thema bleiben.

Musikliebhaberinnen und –liebhaber können auf die Dauer nicht mit scherbelnden oder gepressten Klängen leben. Doch eine musikgerechte Klangqualität können – aus technischen und physikalischen Gründen - nur hochwertige Komponenten gewährleisten.

Dies zeigt gerade der aktuelle Trend zu hochwertigen Stereokomponenten, die ebenso eine Renaissance erleben wie der gute alte Vinyl-Plattenspieler.

Allerdings lässt sich nicht bestreiten, dass für viele Nutzer MP3 und ein iPod die musikalischen Bedürfnisse völlig abdeckt.

Einzelkomponenten auch in Zukunft gefragt

Wer anstelle des Kinos am liebsten die Gänsehaut-Atmosphäre eines unvergesslichen Konzerts oder einer Opernaufführung nach Hause holen möchte, ist mit hochwertigen Komponenten wie dem Stereoverstärker PMA-SA1 von Denon, der den gesamten Tonumfang und die nötige Dynamik wiedergeben kann, gut beraten.
Wer hohe Ansprüche an Bild und Ton stellt, wird auch in Zukunft kaum All-in One-Kombinationen wählen, es sei denn, es handle sich um teure Gesamtlösungen, wie sie zum Beispiel von Revox angeboten werden.

Einzelkomponenten werden auch in Zukunft gefragt sein, und sie werden sich in zwei Richtungen aufteilen.

Die eine Richtung geht back to the roots. So bringt beispielsweise Denon neu einen analogen Spitzenverstärker, der keinen Mikroprozessor enthält und auch nicht fernsteuerbar ist. Das puristische Gerät wird seine Kunden finden.

Der andere „sowohl als auch“ - Weg wird zum Beispiel von der Edelklangschmide Burmester beschritten.

Bis Ende dieses Jahres soll mindesten die Hälfte aller Burmester Einzelkomponenten über eine RS 232- und eine USB-Schnittstelle verfügen.

Damit lassen sich diese höchstwertigen Einzelgeräte in Gesamtlösungen integrieren und zusammen mit Projektor, Leinwand, Beleuchtung etc. über ein Touchscreen Panel steuern.

Das Kabel - nur alter Schrott?

Der Nautilus Lautsprecher von B&W ist das Resultat eines fünfjährigen Forschungs-Programms, mit dem Ziel, den bestmöglichen Lautsprecher zu bauen, der sich am menschlichen Ohr orientiert. Seine Leistungsfähigkeit ist untrennbar mit hochwertigen Kabeln verbunden.
Durch die Luft lassen sich Funk- und Infrarotsignale übertragen, aber keine grossen Leistungen. Das heisst, es wäre theoretisch zwar möglich, aber in einem Raum, wo der Lautsprecher seine Leistung im Wattbereich durch die Luft erhält, wäre der Hörer mit erheblichem Elektrosmog belastet.

Das Thema Elektrosmog ist ja bereits bei sehr kleinen Sendeleistungen ein Thema, bei grossen im wahrsten Sinne des Wortes ein „haarsträubendes“...

Als grosse Errungenschaft werden heute Anlagen bezeichnet, bei denen alle oder nur die hinteren Lautsprecher ihre Signale ohne Kabel sondern via Funk erhalten. Die eigentliche Leistung kommen aber immer noch via Kabel aus der Steckdose zu diesen Aktivboxen.

Es wird also auch in Zukunft nicht ohne kräftige Ströme, die durch Kabel fliessen, gehen.

Die Nase voll von HiTech

Weg von High-Tech bieten Modelle wie die Tivoli-Radios. Sie beschränken sich auf das Wesentliche: einfache, intuitive Bedienung und gute Klangqualität.
Ein interessantes Phänomen ist das Tivoli-Radio, das auch von anderen Marken fleissig kopiert wird.

Diese nostalgischen Geräte verfügen über ganz wenige, riesengrosse Drehknöpfe, sind ultrasimpel, auch von zittrigen Fingern zu bedienen und – was sehr wichtig ist – sie klingen sogar monofon bemerkenswert gut.

Viele Leute haben die Nase voll von HiTech, von Fernbedienungen mit hunderten von Möglichkeiten, von kleinen Tästchen die noch kleiner beschriftet sind, von umständlichen Bedienungsanleitungen ganz zu schweigen.

Das Unglaubliche an der Sache ist, dass diese „back to the roots“-Geräte auch bei den jungen Musikhöreren ganz gross ankommen.

Das habe ich bemerkt, als mir mein Tivoli-Radio von meinen Sohn kurzerhand entwendet wurde. Seither steht das Gerät in seinem Musikraum zwischen digitalen Mischpulten, Synthesizern und HardDisc Recording Geräten und spielt jeden Tag.

Fazit

„Back to the roots and keep it simple”. Die herkömmliche Unterhaltungselektronik wird bleiben und sich vermehrt spezialisieren.

Gleichzeitig wird sie von den neuen Mediennutzungsmöglichkeiten wie Musik/Video-Download über Breitbandanschlüsse und den HomeServer ergänzt.
Wettbewerb