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Publikationsdatum
14. Januar 2008
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Überraschende Entwicklung im Formatkrieg der hochauflösenden Video-Disks. Warner Bros gab in Las Vegas kurz vor Eröffnung der CES bekannnt, die Unterstützung für den Blu-Ray Konkurrenten HD-DVD aufzugeben. In Zukunft wird der weltweit grösste Medien Konzern als fünftes Hollywood Studio seine Filme nur noch im von Sony und Philips entwickelte Blu-Ray Format anbieten. "Wir antworten nur auf das Nachfrageverhalten der Kunden", begründete Barry Meyer, Chairman & CEO, Warner Bros die Entscheidung. Und führt weiter aus, „Wir glauben, dass der ausschliessliche Vertrieb in Blu-Ray das Potenzial für den Erfolg im Massenmarkt erhöht und es schlussendlich dem Handel, den Produzenten und vor allem den Verbrauchern nützen wird."

Offenbar zeigte die Zurückhaltung der Kunden im letzten Weihnachtsgeschäft Wirkung. Sowohl die Verkäufe von Blu-Ray Disks als als auch bei den HD-DVDs lagen weit hinter den Erwartungen zurück, was vor allem in den Kassen der grossen Filmstudio unerwartete Lücken hinterliess. Der Kunde mochte sich nicht auf ein Format festlegen und die Kombiplayer, welche beide Formate abspielen können, erreichten nicht das gewünschte technische Niveau - genau so wenig wie die Hybriddisk, einer Disk, die sowohl eine HD-DVD als auch eine Blu-Ray Schicht enthält.

Statt Kunden zu verunsichern will man wieder Kasse machen, und Warner als Zugpferd der Filmindustrie entschied sich jetzt, ein Format kräftig zu unterstützen. "Die Chance für die Einführung eines HD-Formats könnte verpasst werden, wenn die Konfusion der Kunden weiter anhält", warnt Meyer. Allgemein geht man in der Branche davon aus, dass die HD Diskformate sowieso nur eine Übergangslösung sind. Die Zukunft gehört dem Download von HD-Inhalten. Lange bleibt also nicht Zeit, um ein letztes Diskformat zu lancieren und zu amortisieren..

Die meisten Branchenanalysten werten den Entscheid als Vorentscheidung im Formatwettkampf um die Vorherschaft der hochauflösenden Disk im Wohnzimmer. Entsprechend verärgert ab der Entscheidung zeigte sich Toshiba. Die HD-DVD Promotion Group sagte ihre geplante Pressekonferenz in Las Vegas kurzfristig ab. Man will die neue Situation erst einmal analysieren und überdenken. Immerhin unterstützen aber Universal Pictures, Paramount und Dreamworks immer noch die HD-DVD und sind vertraglich an die HD-DVD gebunden - genau so wie Microsoft, obwohl Bill Gates in seinem letzten Interview als Microsoft Technologie Chef bekannt gab, man werde bei Kundennachfrage sehr schnell auf die Blu-Ray wechseln. Technisch sei man mit der Architektur der Xbox dazu einfach in der Lage.

Siebzig Prozent der neuen Filme auf Blu-Ray

Mit Warner Bros, Sony Pictures, Disney, Fox und MGM werden nun 70 Prozent der Hollywood Filme auf Blu-Ray veröffentlicht.

Die Blu-Ray wird nun unterstützt von Sony Pictures, Warner, Disney, Fox und MGM, die insgesamt siebzig Prozent der aktuellen Filme aus Hollywood produzieren. Die Luft für die HD-DVD wird also wirklich dünn. Sollte auch noch Paramount auf ihre Entscheidung vom letzten Sommer zurückkommen und wieder im Blu-Ray Format produzieren, dürfte der Wettkampf gelaufen sein. Die Abfindungszahlungen an die HD-DVD-Group wird man dann in Kauf nehmen. Auch Apple gab bekannt, künftig Rechner mit Blu-ray-Laufwerken auszuliefern. Firmenchef Steve Jobs ist allerdings bereits länger Mitglied des Blu-ray-Konsortiums.

Umgehend dementiert wurden unschöne Gerüchte, Warner Bros hätte für die Unterstüzung der Blu-Ray 500 Millionen Dollar von der Blu-Ray Gruppe erhalten, um so den Konkurrenten ins Abseits zu stellen."Unser Ziel ist alleine, das Wachstum des Marktes zu beschleunigen. Das war das Beste für Konsumenten, Händler und Hersteller. Es gab hier keinen Bieterkrieg" stellt Warner-Sprecher Kevin Tsujihara die Gerüchte in Abrede. Bereits früher munkelte man allerdings von Zahlung der Konkurrenten an Filmstudios - auch der HD-DVD Gruppe - zum Beispiel beim Wechsel von Paramount zu HD-DVD.

Der Markt für HD Disks dürfte mit dem Entscheid von Warner Bros nun so langsam richtig lanciert werden. Mit dem Entscheid für ein Fomrat wird auch das Kundevertrauen wieder steigen. Die Strategie von Warner Bros und der Blu-Ray Promotion Group könnte also durchaus aufgehen. Klar ist allerdings auch, dass dann mit den derzeitigen Dumping Preisen bei HD-Geräten und Blu-Ray Disks bald Schluss sein wird.


Nachtrag

20.02.2008 - Aufgrund der jüngsten Entwicklungen im Markt hat die Toshiba Corporation, Tokio, entschieden, die Entwicklung, Fertigung und Vermarktung von HD DVD-Playern einzustellen. In der Schweiz wird Toshiba jetzt die Auslieferungen von HD DVD-Playern an den Handel reduzieren und bis Ende März 2008 komplett einstellen.

Toshiba wird allerdings den vollständigen Produktsupport und Endkunden-Service für Besitzer von Toshiba HD DVD-Produkten aufrechterhalten.

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