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Publikationsdatum
8. April 2001
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Nachdem es 128 MByte als Festspeicher im Briefmarkenformat bereits zu kaufen gibt und 256 sowie 512 MByte in Vorbereitung sind, wundert es nicht, dass bereits der 1 GByte Festspeicher angekündigt wird. Sein Produktionstart ist laut Matsushita auf das Jahresende 2002 geplant, während Sony seinen 1 GByte Memory-Stick im Jahre 2003 herausbringen wird. Mit diesen Kapazitäten, die ja noch immer nicht das Ende der Entwicklung bedeuten, eröffnen sich Perspektiven, die in ihrer Auswirkung noch nicht abzusehen sind.

Faszinierende Vielfalt in den Anwendungen

Memory-Cards sind nicht nur Speicher für Momentaufnahmen von Bild, Ton und Daten, sondern vor allem auch ideale Überbringer für Daten aller Art, die aus portablen Geräten ausgelagert und im PC weiter verarbeitet werden sollen. Je grösser diese Speicher werden, desto vielseitiger werden auch die möglichen Anwendungen. Hinzu kommt, dass auch die Schreib-/ Lesegeschwindigkeit soweit erhöht wird, dass Videobildfolgen mit hoher Datenrate ein- und ausgelesen werden können. Auf der PC-Seite sind es entsprechende Memory Card Adapter im Disketten-Format oder der serielle USB-Datenbus, mit deren Hilfe sich die Daten mühelos einlesen lassen.

Diesem Trend kommen bedeutende Fortschritte in der Qualität oder der Daten-Ausdünnung bei den Datenkompressionsverfahren zugute, darunter MP3 für die Kompression von Tondaten und MPEG 4 für die Kompression von Bilddaten. Heute schon sind mit einer 64 MByte Memory-Card 60 Spielminuten Musik möglich und wenn der 1 GByte Festspeicher da ist, wird man überlegen müssen, ob es sinnvoll ist, für Videoaufzeichnungen weiterhin Magnetband zu verwenden. Die rasante Entwicklung lässt sogar die Frage zu, ob man in naher Zukunft überhaupt noch Laufwerke benötigt, um etwas aufzunehmen. Dann allerdings würden selbst moderne Speicher wie DVD oder MiniDisc ihre Daseinsberechtigung verlieren.

Bereits heute stehen Memory Cards der verschiedenen Normen auf breiter Multimedia-Front im Einsatz. Dazu gehört die elektronische Fotografie mit digitaler Fotokamera oder Camcorder, die vor allem durch die E-mail-Kommunikation immer populärer wird, sowie die Nutzung der MP3-Technologie, die durch Internet-Anbindung ihren besonderen Reiz hat. Doch auch ohne Internet werden MP3 und Memory Cards in Kürze in die HiFi-Welt aufgenommen. Erste MP3 taugliche HiFi-Komponenten mit eingebautem Memory Card Recorder werden an der IFA in Berlin gezeigt.

Ein besonderer Reiz liegt im winzigen Format der Speichermedien, die eine äusserst kompakte Bauweise der Geräte zulassen. Der Walkman am Handgelenk ist Realität geworden.

Keine Einigung in der Norm.

Leider ist es wieder einmal nicht gelungen, eine Einigung in der Normenfrage zu erzielen. Die Konsumenten müssen sich mit vier verschiedenen Normen herum schlagen, wobei sich allerdings Führungspositionen mit der SD-Memory-Card von Matsushita/Panasonic und dem Memory-Stick von Sony abzeichnen.

Das Kürzel SD steht für die Sicherheitstechnologie Secure Digital und soll unerlaubtes Überspielen verhindern. Hier nun die verschiedenen Memory Cards im Überblick:

Multimedia Card: Europäische Entwicklung einer Speicherkarte für den Natel- und MP3-Player-Betrieb. Es sind Versionen von 32 und 64 MByte Speicherkapazität erhältlich.

SD-Memory-Card: Ist eine Gemeinschaftsentwicklung von Panasonic, Sandisc und Toshiba mit Kopierschutz gegen unerlaubte Aufnahmen. Dieser Festspeicher hat praktisch die gleiche Grösse wie die Multimedia Card und ist mit ihr kompatibel. Es gibt verschiedene Ausführungen mit 16- 32- 64- 128 und in Kürze 256 MByte Speicherkapazität. Dieser vielversprechenden Norm haben sich bereits weit über 100 Unternehmen angeschlossen.

Smartmedia-Card: Sie ist eine Entwicklung von Samsung und zugleich die kleinste aller Speicherkarten. Die Steuerelektronik befindet sich nicht auf der Speicherkarte, sondern muss im jeweiligen Gerät vorgesehen werden. Das kann unter Umständen zu Kompatibilitätsproblemen führen. Es sind Speichergrössen von 8 bis 128 MByte mit allen gängigen Zwischenwerten im Handel.

Compact-Flash-Card, Typ 1: Sie ist eine der gängigen Speicherkarten, die vor allem im Fotosektor grosse Verbreitung gefunden hat. Diese papierflache Karte zeichnet sich durch komfortables Handling und mechanische Robustheit aus. Es sind Kapazitäten von 8 bis 256 MByte mit den bekannten Zwischenwerten im Handel. Die Preise sind annähernd so hoch wie die der Smartmedia-Card.

Memory Stick: Dieses von Sony lancierte Produkt im Format eines Kaugummistreifens wurde in aller Konsequenz von der ersten Stunde an für den Einsatz im multimedialen Bereich entwickelt. Gleichzeitig mit der Ausgabe der ersten Memory Sticks kamen auch entsprechende Consumer-Produkte für den sinnvollen Einsatz im PC-, Audio- und Videobereich auf den Markt. Wie bei den übrigen Speicherkarten sind zur Zeit Kapazitäten bis zu 128 MByte auf dem Markt. Im Gegensatz zu Panasonic hat Sony nicht in erster Linie Wert auf möglichst kleine Gehäuse gelegt, sondern auf bequemen Umgang mit den Memory Sticks. Inzwischen hat man aber doch die Chance für die Entwicklung von Miniaturgeräten erkannt und bringt in diesen Tagen einen Speicher mit halber Länge des Memory Sticks heraus, ohne dass in der Leistungsfähigkeit Abstriche gemacht werden müssen.

Die klassischen Datenspeicher: Als klassischer Datenspeicher zählt die FloppyDisc mit 1,4 MByte Speichervermögen. Zwar kann man in Anbetracht der Entwicklung die geringe Kapazität belächeln, aber dem entgegen steht der überaus günstige Preis und der gedachte Verwendungszweck als Textdatenspeicher, wofür die Kapazität in jedem Fall genügt. Grössere Kapazitäten sind nur für die Speicherung von Bildern nötig. Vor allem für den LAPTOP-Einsatz wurde die PC-Card entwickelt, die es als Festspeicher ebenfalls in verschiedenen Kapazitätsgrössen gibt. Inzwischen wurden verschiedene weitere Produkte, bis hin zum Natel in Grösse der PC-Card entwickelt und es ist seit einiger Zeit sogar ein winziges Festplattenlaufwerk in Grösse einer PC-Card erhältlich. Für den Einsatz in Fotoapparaten hat sich die PC-Card auf Grund ihrer Grösse nicht durchgesetzt.

Zukunftsvisionen

Vielseitige Anwendungsmöglichkeiten der SD-Memory Card wie hier in einem Panasonic Kopfhörer/Player mit MP3- und AAC-Tonformat
Vielseitige Anwendungsmöglichkeiten der SD-Memory Card wie hier in einem Panasonic Kopfhörer/Player mit MP3- und AAC-Tonformat
Schon jetzt kann man beobachten, das mit dem Erscheinen neuer Speichergrössen die Speicherkarten kleinster Kapazitäten wieder vom Markt genommen werden. Wo sind heute noch 4MByte-Karten im Handel? Still und unbemerkt verschieben sich die Leistungen nach oben und als sicher gilt, dass selbst die zur Zeit angepeilte Speichergrösse von 1 GByte nur ein Zwischenziel ist. Dabei lassen sich mit einem Gigabyte bereits Anwendungsbereiche erschliessen, die bisher nur mit mechanischer Unterstützung von Bändern oder Platten wahrgenommen werden konnten. Als absolut sicher kann angenommen werden, dass die aktuellen Preise sich nicht halten lassen, sondern bereits in wenigen Jahren weit weit nach unten abgesunken sind.

Es braucht nicht allzu viel Phantasie, um sich eine revolutionäre Szenerie auszumalen. Manche der heutigen noch gängigen Speicherkarten werden vom Markt verschwinden. Übrig bleiben mit Sicherheit die SD-Memory-Card von Panasonic und der Memory-Stick von Sony. Überall dort, wo sich der Speicherchip einsetzen lässt, wird man Bilder sehen, Texte schreiben und Musik hören können, kann diese und andere Daten mit E-Mail ohne Papier, ohne Briefmarken und ohne Wartezeit versenden. Dabei wird das neue Übertragungskonzept UMTS hilfreich sein, unterstützt von komfortabel ausgestatteten Palmtops.

Und beleuchten wir die UE-Szene, dann sehen wir HiFi-Anlagen, Portable Kleingeräte, Fernsehgeräte und SET TOP-Boxen, die mit Slots für den Einschub der Speicherkarten ausgestattet sind. Einige Lösungen werden bereits in diesem Jahr an der IFA in Berlin gezeigt. Erste Ansätze wie Camcorder mit MP3-Player oder Fotokameras die zur Herstelllung von Videosequenzen taugen, gibt es sogar jetzt schon. Unsere Enkelkinder werden es lustig finden, dass sich früher eine Scheibe drehen musste, um Musik zu hören oder einen Film abzuspielen.

So wird sich Unterhaltungselektronik schrittweise weiter mit der PC-Welt verbinden. Reparaturen werden immer seltener, der Ruf nach zentralen Werkstätten immer lauter. In Zukunft wird die Fernsehwelt im PC ebenso realistisch sein wie die PC-Welt im Fernsehen. Zu entscheiden hat der Kunde, wo und wie er die vielseitigen Angebote nutzen und welchen Memory Stick er dabei einsetzen möchte.
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