16. Oktober 2018 | seit 1999
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Publikationsdatum
16. Juni 2002
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Mehr als zweihundert Fachleute aus dem Kinogewerbe, der TV/Video-Produktion, der Industrie und den Schweizer Medien erlebten im Kino Corso in Zürich die Schweizer Premiere des ersten digitalen Kino-Grossprojektors der Welt, der die extrem hohe QXGA-Bildauflösung von 2048x1536 Bildpunkten erzielt – das ist viermal höher aufgelöst als mit der gängigen XGA-Computer-Auflösung. Das Resultat ist in der Tat beeindruckend: auf einer 11 x 6 Meter-Grossleinwand erscheinen abgetastete Film-, Video- und Grafik-Bilder in kinotauglicher Brillanz und Detailschärfe. Damit hat das digitale Kino, das in den kommenden Jahren nach und nach den klassischen 35-mm-Film ablösen wird, einen grossen Schritt nach vorn gemacht.

Digitales Kino

QXGA zeigt mit 2048 x 1536 Pixel eine viermal grössere Auflösung als die gängige XGA-Auflösung von Computerbildschirmen.
QXGA zeigt mit 2048 x 1536 Pixel eine viermal grössere Auflösung als die gängige XGA-Auflösung von Computerbildschirmen.
Digitales Kino bedeutet elektronische Produktion, Verteilung und Wiedergabe, das heisst die ganze Kette vom Studio bis zum Kino arbeitet mit digitalen Videosignalen. Die technischen Probleme sind weitgehend gelöst. Neben diversen Animationsfilmen ist auch Star Wars Episode II rein elektronisch produziert. Der Vertrieb erfolgt zur Zeit mit CD-ROMs – rund ein Dutzend ist für einen Film nötig - , eine Übertragung per Satellit direkt in den Projektor des Kinos ist die Variante der Zukunft. Nun hat JVC mit dem DLA-QX1G einen kinotauglichen Projektor vorgestellt, der ein Bild hoher Auflösung ohne Pixelstruktur zeigt und einen weichen Übergang von Bild zu Bild schafft. Damit ist auch das letzte Glied in der Kette zum digitalen Kino praxistauglich. Wann das elektronische Kino jedoch Realität wird, ist noch offen. Gemäss Patrick Lindenmaier, Projekt-Manager Digital Cinema Research Project und Gastreferent an der JVC-Präsentation, ist das keine technische Frage mehr, sondern eine politische. Zu klären ist wieder einmal der Kopierschutz und die Schaffung eines gemeinsamen Standards.

Hochauflösendes Fernsehen

Mit 1920 x 1080 Pixeln liegt HDTV innnerhalb der QXGA-Auflösung.
Mit 1920 x 1080 Pixeln liegt HDTV innnerhalb der QXGA-Auflösung.
Eine Anwendung werden die hochauflösenden Grossbild-Projektoren auch bei High Definition TV haben. Die Broadcastmedien bereiten sich auf die Ausweitung von digital HDTV vor. Speichermedien bewegen sich mit DVD oder D-VHS ebenfalls auf solche hochauflösenden Formate zu. Auch die Ausweitung von Breitband Internet-Verbindungen, Hochleistungs-PCs und Workstations macht es denkbar, hochauflösende Videos über das Netzwerk zu übertragen.
Mit dem vorgestellten Projektor hat JVC den Grundstein für die erfolgreiche Weiterentwicklung in das Anwendungssegment der Grossbildprojektion gelegt. Der DLA-QX1G kann dank seiner Auflösung von 2048 x 1536 Pixeln auch HDTV-Bilder mit ihren 1920 x 1080 Pixeln wiedergeben.

QXGA-Projektor

33 x 33 mm misst der QXGA-Chip, der das Bild mit über 3 Millionen Bildpunkten erzeugt.
33 x 33 mm misst der QXGA-Chip, der das Bild mit über 3 Millionen Bildpunkten erzeugt.
Der DLA-QX1G ist der welterste QXGA-Projektor, von JVC auf Basis der D-ILA-Lichtventil-Technik (DirectDrive-Image-Light-Amplifier) entwickelt. Das Herzstück bilden drei 1,3 Quadratzoll (33x33 mm) grosse D-ILA-CCD-Panels mit einer Auflösung von zusammen fast zehn Millionen Pixel (2048 x 1536 pro CCD). Der QXGA-Projektor ist damit nicht nur für Kino-, und HDTV-Anwendungen sondern auch für präzise Grafik-Projektionen z.B. in den Bereichen Design, Forschung, Simulation und Medizin geeignet. Seit der Weltpremiere in Hollywood im Februar diesen Jahres wurden in den USA bereits mehr als zwanzig Kinos, Präsentationsräume und Gross-Säle mit dem neuen QXGA-Projektor ausgerüstet, darunter auch das berühmte Kodak Theatre, wo die alljährliche Oscar-Preisverleihung stattfindet. In der Schweiz soll das erste Gerät noch vor Ende des Jahres 2002 installiert sein.

D-ILA

Dank LCOS-Technologie ist die Pixelstruktur in der Praxis nicht mehr wahrzunehmen.
Dank LCOS-Technologie ist die Pixelstruktur in der Praxis nicht mehr wahrzunehmen.
Im D-ILA-Projektor wird das Licht der Xenon-Lampe vom Chip reflektiert, der den steuernden IC enthält. Auf den spiegelnden Elektroden liegt der Flüssigkristall und die lichtdurchlässige Gegenelektrode. Im Gegensatz zu den konventionellen Projektionen durch die Flüssigkristallschicht nehmen bei dieser LCOS-Technologie (Flüssigkristall auf Silicon) keine steuernden Transistoren Licht weg. Der Lichtdurchlass des D-ILA-Chips beträgt 93%. Eine feine Pixelstruktur war denn auch erst ganz nah an der Leinwand zu erkennen, d.h. die erste Reihe merkt davon bereits nichts mehr.
Der hohe Lichtdurchlass und die hohe Pixeldichte erzeugen feine Bilder, die keine elektronischen Artefakte zeigen. Dank leistungsstarker Xenon-Lampe sind die Bilder hell und von hohem Kontrast. Die Gamma-Korrektur wird elektronisch ausgeführt. Die dabei erreichte feine Grauabstufung sorgt für eine exakte Wiedergabe von Schattenpartien auch in dunklen Bereichen und für eine korrekte Wiedergabe der Farbtöne.

DLA-QX1G

Das letzte Glied in der Kette zum digitalen Kino: DER DLA-QX1G von JVC
Das letzte Glied in der Kette zum digitalen Kino: DER DLA-QX1G von JVC
Für Kinotauglichkeit braucht ein Projektor mehr als hohe Auflösung. Der DLA-QX1G projiziert seine Bilder dank 2 kW Xenon-Lampe mit 7000 ANSI Lumen und einem Kontrastverhältnis von 1000:1 Die Farbtemperatur lässt sich mit drei Einstellungen dem Quellenmaterial anpassen. Wählbar sind auch drei Gammakurven zur Abstufung der Grautöne. Zum standardmässigen RGB-Eingang sind zwei optionale HDTV-Einschübe erhältlich. Vier Optiken gestatten eine Anpassung an die Projektionsverhältnisse. Ohne Linsen wiegt der Projektor 85 kg. Zwei DLA-XQ1G können übereinander gestapelt werden und so Bilder mit einer Helligkeit von 14000 ANSI Lumen erzeugen.

Produkterange

Grossbildprojektionen mit hoher Auflösung nehmen an Bedeutung zu. Hier die Tower-Simulation im Flughafen Zürich mit fünf DLA-C15
Grossbildprojektionen mit hoher Auflösung nehmen an Bedeutung zu. Hier die Tower-Simulation im Flughafen Zürich mit fünf DLA-C15
Neben dem brandneuen DLA-QX1G hat JVC Professional eine ganze Reihen an Projektoren mit D-ILA-Technik im Programm. Mit dem SXGA-Chip (1365 x 1024 Bildpunkte) ausgestattet sind der DLA-M5000 und der DLA-M2000 mit einer Helligkeit von 5000 bzw. 2000 ANSI Lumen. Der DLA-M5000SC hat eine Kontrastverhältnis von 1000:1, während es beim DLA-M5000L und beim DLA-M2000 350:1 beträgt. Ebenfalls SXGA-Auflösung hat der DLA-G3010. Er arbeitet mit einer UHP-Lampe (200 W). Dank eines neuen optischen Systems, das nur einen Strahlverteiler für die drei Grundfarben benötigt, konnte der Projektor kompakt gebaut werden. er wiegt nur 6 kg.

Fürs Kleinkino und Heimkino

Der Traum vom Heimkino: Im Corso 3 zeigte JVC den DLA-G150.
Der Traum vom Heimkino: Im Corso 3 zeigte JVC den DLA-G150.
Nach der Präsentation des DLA-QX1G im grossen Kinosaal zeigte JVC im Corso 3 den DLA-G150, der bei SXGA-Auflösung mit einer Helligkeit von 1000 ANSI Lumen und einem Kontrastverhältnis von 600:1 aufwartet. Dieser ohne Linsen knapp 15 kg schwere Projektor projizierte Bilder auf die Kinoleinwand, die für Videogrossprojektionen an Festivals oder Live-Übertragungen bestens geeignet sind. Kräftige Farben, kein erkennbares Rauschen und eine feine Auflösung auch kleinster Details erzeugten ein kinoähnliches Bild frei von digitalen Artefakten. Wer den geeigneten Raum hat, kann diesen Projektor bestimmt auch im Heimkino einsetzen.
Wettbewerb