Donnerstag, 17. September 2026 · seit 1999 Newsletter · Werbung · Über avguide.ch
Magazin

Report von der Messe

Finest Audio Show Zürich 2024

Am 2. und 3. November 2024, fand die Finest Audio Show, ehemals Swiss High End, in Regensdorf statt. Trotz Namenswechsel gab es nach wie vor viel Swiss High-end auf die Ohren.

Von Roland Pfenninger · · Seite 1 von 3
Thomas Flammer entwickelt und produziert in Kemptthal unter dem Label airplain modernste Aktivlautsprecher. Er und seine Frau Irene legen grossen Wert auf lokale Fertigung. Auch die Zutaten, vom Heil-A.M.T.-Hochtöner über die Weiss-Streamingmodule bis zur gestickten Abdeckung von Jakob Schlaepfer sind alle made in Switzerland.
Lautsprecher mit Plasmahochtöner sind trotz eklatanter Vorzüge nur selten anzutreffen. Rüdiger Lansche entwickelt und produziert in Konstanz seit über 40 Jahren Lautsprechersysteme mit seinem eigenen Ionenhörer.
So unspektakulär – und gerade deswegen sympathisch – kann klassisches HiFi sein. Die Harbeth P3ESR XD sind den legendären LS3/5 Zwei-Wege-Kompaktlautsprecher der BBC nachempfunden. Ein toller Lautsprecher um 3000 Franken für mittlere und kleine Räume.
Die aktiven Transmissionline-Lautsprecher vom Thomas Schneider aus Horgen werden kabellos im 5-GHz-Band mit Wisa-Standard angesteuert und benötigen somit nur je ein Netzkabel.
Die Kii Seven ist das neuste Produkt der deutschen Spezialisten für digitale Aktivlautsprecher und zeigt exemplarisch, welches Klangvolumen mit Aktivtechnik bei kompakten Abmessungen möglich ist. Die Kii Seven ist live zu hören bei AV Spalinger in Dietlikon.
Ein weiterer aktiver Lautsprecher aus der Schweiz ist die Hooter 200 von Musicwonder aus dem bündnerischem Mathon. Dank digitaler FIR-Filter für die Frequenzweiche und Entzerrung der Schallwandler erreicht man einen linearen Phasengang und eine optimierte Impulsantwort.
Noch ein kompakter, aktiver Lautsprecher: Das Model M1 von GGNTKT ist ein kompakter 2,5-Wege Aktivlautsprecher für kurze bis mittlere Hördistanzen mit Class-D-Endstufen von Pascal und einem DSP für Frequenzweiche und Linearisierung von Phase und Pegel. Vorführbereit bei HiFi Studio Sulzer in Zürich.
Eine Legende ist zurück. Revox hat die B77 MK III, eine Weiterentwicklung der ikonischen Tonbandmaschine B77, vorgestellt. Zusätzlich präsentiert Revox mit den «Analog Master Tapes Collection» originalgetreue Kopien von Studio-Masterbändern.
Die Fink-Lautsprecher entwickeln sich mit ihrem erfrischend zupackenden Klangcharakter immer mehr zum Geheimtipp. Im Bild die Modelle Borg und Kim. Rechts die Epos ES-14n. Gesehen bei Sacom.
Backes&Müller stellte 1975 seine ersten Lautsprecher vor und fokussierte sich vor vielen anderen auf Aktivlautsprecher. Inzwischen präsentiert man sich ganz in Weiss. Im Bild von links die IO, Neo und Jubilé.
Die PMC Fenestria bietet ausgefeilte technische Finessen wie ein komplexes Transmissionline-Gehäuse und eigenständige Treiber. Grosses audiophiles Kino für 75'000 Franken.
Bei K55 konnte man Kopfhörer der Spitzenklasse mit diversen Verstärkern ausprobieren.
Andreas Friedl und Peter Trenner (rechts) haben gut lachen. Seit 30 Jahren produzieren sie in Graz wunderbare Lautsprecher-Ikonen. Im Bild die 3. Generation der «Ra» mit 12-Zoll-Tieftöner und 1,75-Zoll-Kompressionstreiber, rechts in der Ecke die fulminante «ART».
Brandneu und eben in der Schweiz eingetroffen ist die Cyrus Series 40, bestehend aus Verstärker, Netzteil, Streamer und CD-Player. Einmal mehr bieten die innovativen Engländer kompaktes Premium-Audio zu moderaten Preisen an.
High-End-Audio-Faszination total bei Clarisys Audio aus Basel. Ihr Bändchensystem der Superlative wurde angetrieben mit Elektronik von Soulution Audio, Merrill, Lampizator und Convergent.
«Mr. Workshop» Matthias Böde führte in Vorträgen bei unterschiedlichen Ausstellern durch aktuelle Audiothemen. Anhand auf einem Nagra-Rekorder aufgezeichneter Beispiele demonstrierte er die Abstufung in der Klangpyramide von analogen Mastertapes bis zur MP3-Kodierung.
Fachjournalist und Musik-Rezensent Lothar Brandt brachte mit einer Auswahl an ausgesuchten Vinylaufnahmen Musik und Wiedergabequalität in Symbiose. Darum geht es eigentlich ...
AAA (Analog Audio Association) lud im «Meet & Relax»-Raum ein zum Stöbern und Entspannen an der «analogen» Bar bei einem guten Espresso.
Zudem gab es Einblicke in die Straight2tape-Session, welche in Echtzeit eingespielt und besucht werden können. Das Buch «Augenblicke für die Ohren. Aus dem Leben des Tonmeisters Jürg Jecklin» ist ein Muss für jeden Audioliebhaber.
1 / 19

Die mediale Ankündigung, dass nach vier Jahren «Schaffens- und Coronapause» sich nun wieder die Gelegenheit bieten würde, in den mit gediegenen Teppichen ausgekleideten Hotelzimmern des renommierten Mövenpicks von über 30 Herstellern/Verkäufer und rund 160 Audio-Marken quasi auf einem geballten «Plattenteller» serviert zu bekommen, vermochte Emotionen zu wecken.

So wartete am besagten Samstagmorgen um 10 Uhr eine beachtliche Schar, vorwiegend Männer im mittleren Alter, wie Schulbuben darauf, bis der Pausengong zum Eintreten lud. Es stürmten denn einige schnurstracks in die Lobby, griffen sich kurzerhand ein Programmheft und strebten weiter zielsicher auf einen der zwei Floors, auf denen in den verschiedenen Zimmern und kleinen Konferenzräumen delikate, audiophile Kost geboten wurde.

Eigentlich gab es keinen Grund zur Eile, denn die Messe dauerte bekanntlich zwei Tage – da wurde einem nichts «weggehört». Dennoch wollte auch ich zeitig in den noch nicht überfüllten Räumen meine «Favoriten-Anlagen» in aller Ruhe geniessen können. Apropos Ruhe: Ich empfand die Lautstärke den ganzen Tag hindurch weitestgehend angenehm. Das hat sicher auch damit zu tun, dass in den meisten Räumen die Lautstärke moderat, also nachbarschaftstauglich dosiert war. Und ja, natürlich nervte es, wenn dauernd die Türklinken in die Schlösser fielen, um Augenblicke später wieder geöffnet zu werden, so dass der Umgebungsschall aus den angrenzenden Räumen sich unliebsam einmischt.

Die früher permanent gefallene Entschuldigung von den Ausstellern für ihre offenbar nicht ganz so perfekte Perfomance, dass «speziell ihr Raum ein akustischer Alptraum sei», hörte ich dafür kaum mehr. Ein über alle Frequenzen vorhandenes Absorber-Angebot, teilweise elegant als Bilder getarnt, waren vermutlich im positiven Sinne mitschuldig.

Der «Meet & Relax»-Raum, wo die AAA (Analog Audio Association) eine Vinylbörse betrieb, lud zur Entspannung ein. Blättern konnte man auch im neuen Buch aus dem Leben des Tonmeisters Jürg Jecklin.Der «Meet & Relax»-Raum, wo die AAA (Analog Audio Association) eine Vinylbörse betrieb, lud zur Entspannung ein. Blättern konnte man auch im neuen Buch aus dem Leben des Tonmeisters Jürg Jecklin.

Wem das «Gewusel» aber dennoch zu viel wurde, hatte mindestens drei Möglichkeiten, sich diesem zu entziehen und etwas Ruhe zu finden. Im Boardroom im Untergeschoss und im 3. OG, Raum 329, konnte man Kopfhörer von 20 Marken und jeglicher Preis-Couleur miteinander vergleichen und katatonisch in die selbstgewählte Musik-Welt abtauchen.

Im «Meet und Relax»-Raum, der von der Schweizer Analog Audio Association installiert wurde, konnte man in gedämpfter Atmosphäre nostalgisch anmutende Analog-Anlagen bestaunen und in einem reichen Sortiment nach Vinyl-Trouvaillen wühlen. Snacks und Kaffee wurden einem dort, wie auch in der Hotel-Lobby und dem angrenzenden Hotel-Restaurant serviert.

Die Klassiker

Schön war es, dass man alte und neue Bekannte treffen konnte – ich meine Audio-Marken, Produkte, aber auch Händler und «User». Starten wir die Reise mit bewährten Vertretern der Audio-Zunft. Voran sei der kleine, britische Harbert P3ESR XD, also ein Zweiweglautsprecher, erwähnt. Dieser Lautsprecher wird wohl nie nerven, eignet sich bis zu mittleren Pegeln für jede Art von Musik und spricht eher den Genusshörer als den Chefanalytiker an. Mir fehlte lediglich ein wenig der «Wums» unten rum – oder anders gesagt: das Bass-Fundament. Die runde, analoge Klangcharakteristik wurde sicher auch von Plattenspieler und Röhrenverstärker, die in der Kette spielten, mitgeprägt. Für rund 3000 Euro ist das schon fast ein Sonderangebot, das man für kleine und mittlere Räume sicher prüfen sollte.

Ein Klassiker: die britische Harbert P3ESR XD für kleine und mittlere Räume.Ein Klassiker: die britische Harbert P3ESR XD für kleine und mittlere Räume.

Die Marke Diapason bietet Handwerkskunst aus Italien, welche zwar nicht ganz so hochglänzend daherkommt, wie wir es von anderen Italienern, z. B. von Sonus Faber, kennen, welche ihre Lautsprecher mit x Schichten Bootslack auf Hochglanz polieren. Dafür liegt die Diapson auch preislich etwas darunter. Bei der Hörprobe war das grösste Exemplar angeschlossen: die Dynamis für 55'000 Franken das Paar und 100 kg Kampfgewicht – ein rechter Brocken.

«Mr. Workshop», Matthias Böde, demonstrierte an dieser Anlage den Unterschied zwischen einer UHQCD (Ultimate High Quality CD) und einer herkömmlichen CD. UHQCD werden mit einer völlig neuen Methode der Disc-Replikation hergestellt: Die CDs werden aus Photopolymer gegossen und mit UV-Licht ausgehärtet. Als Kratz-Schutz wird eine weitere Schicht hochreinen Polycarbonats aufgebracht. Fazit: Eine UHQCD bringt definitiv eine klangliche Verbesserung in allen Bereichen und kann erfreulicherweise mit einem konventionellen CD-Player abgespielt werden.

Die Diapason-Dynamis-Lautsprecher, vorgeführt mit Luxman Elektronik.Die Diapason-Dynamis-Lautsprecher, vorgeführt mit Luxman Elektronik.

Fyne Audio – «very british», mit Coax-Chassis und einem Stammbaum, der wohl unschwer zu leugnen ist (Tannoy). Präsentiert wurde die sehr edel gefertigte F1.8s, markant durch ihre «gewellten Gummi-Sicken», für rund 15500 Franken. Für den optionalen Super-Hochtöner inklusive Kabelsatz kommen aber nochmals schlappe 4000 Franken pro Paar dazu.

Fyne Audio aus Schottland.Fyne Audio aus Schottland.

Das Superhochtöner-Konzept scheint Furore zu machen, denn auch ELAC rüstete seine Lautsprecher mit einem Superhochtöner auf, welcher quasi als Rundstrahler konzipiert ist und den Hochton nicht bündeln soll.

Bei Avantgarde Acoustic wurden die neue Duo SD sowie die neue aktive Zero Itron präsentiert. Avantgarde-typisch fallen sie rein optisch schon durch ihre übergrossen Kugelwellenhörner auf. Leider habe ich die Vorführung verpasst und werde diese Unterlassungssünde bei nächster Gelegenheit bei Aug & Ohr in Zürich wieder sühnen.

Avantgarde Acoustic mit der Duo SD sowie die neue aktive Zero Itron.Avantgarde Acoustic mit der Duo SD sowie die neue aktive Zero Itron.
Der Autor Roland Pfenninger

Testet für avguide.ch Lautsprecher und High-End-Komponenten — von der bezahlbaren Standbox bis zum Flaggschiff. In seinen Reportagen porträtiert er Schweizer Audio-Manufakturen und berichtet von den Messen.

Mehr aus dem Magazin Alles im Magazin →