Gemäss Veranstalter waren die verfügbaren Plätze in den vier Hallen und drei Atrien seit Monaten ausgebucht. Insgesamt 513 Aussteller aus 41 Ländern mit rund 900 Marken verteilten sich auf 30'000 Quadratmetern. Mit der beeindruckenden Vielfalt an Audioprodukten lockte die Messe bei sommerlichen Temperaturen an den zwei Fachbesucher- und zwei Publikumstagen insgesamt 22'198 Besucherinnen und Besucher an. Damit liegen die Zahlen knapp über denen des Vorjahres, wobei der Anteil der Fachbesucher mit 11'237 Personen erstmals den des Publikums übertraf. Hinzu kamen 588 Medienvertreter aus der Fachpresse sowie Blogger und Youtuber
Die zweite grosse Neuheit verbirgt sich im Innern der Kamera. Die Fujifilm X-T4 besitzt einen eingebauten Bildstabilisator nach dem Sensor-Shift-Prinzip. Sie ist damit die zweite Fujifilm-APS-C-Kamera, neben der um einiges voluminöseren X-H1, die über eine sogenannte IBIS («In Body Image Stabilisation») verfügt. Davon profitieren viele Fujinon-Festbrennweiten, die nicht mit einem optischen Stabilisator («OIS») im Objektiv ausgestattet sind.
Laut Fujifilm arbeitet der neue Fünf-Achsen-IBIS achtmal präziser als in der X-H1 und ist etwa 30 Prozent kleiner und 20 Prozent leichter. Damit soll er einen Verschlusszeitenvorteil von bis zu 6,5 Blendenstufen bringen, wenn die Kamera mit den entsprechenden Fujinon-XF/XC-Objektiven verwendet wird. Eine Bildstabilisierung über 6,5 Stufen wird mit 18 der 29 XF/XC-Objektiven erreicht.
Im Test konnte so auch bei längeren Verschlusszeiten für Aufnahmen bei wenig Licht oder mit niedrigen ISO-Werten ohne Verwacklungen aus der Hand fotografiert werden. Mit dem angeflanschten Objektiv war die Wirkung zudem optimal, da der IBIS und der OIS zusammenarbeiteten. Das verbraucht natürlich auch mehr Strom.
Ich hatte die Stabilisierung deshalb auf «NUR AUFNAHME» gestellt, dann ist sie nur in Betrieb, wenn der Auslöser bei AF-C halb gedrückt oder die Kamera ausgelöst wird. Bei Einstellung «DAUERHAFT» wäre sie die ganze Zeit aktiv. Für Aufnahmen ab Stativ lässt sie sich ganz abschalten.
Die diesjährige Messe trug den Slogan «Diversity in Audio» – und wurde diesem Motto auch gerecht. Die High End München präsentierte sich ausgesprochen vielseitig. Die Spannweite könnte preislich und konzeptionell kaum grösser sein. All-In-One Verstärkerstreamer für wenige Hundert Franken finden sich an der High End genauso wie Verkaufsflächen mit neuen Produktionen für Bandmaschinen.
Luxury Audio ist der treffende Begriff für die vorgeführten Musikanlagen in den beiden Atrien von Halle 4. Kaum eine der vorgeführten Kette, die nicht den sechsstelligen Preisrahmen sprengt. Auch die Schweizer Vertreter von Stenheim, über Nagra bis zu CH Precision mischen dan an vorderster Front mit. Aries Carat aus Zypern oder die chinesische ESD Acoustic knacken mit ihren aufwendigen Setups aus Röhrenelektronik und Hornlautsprechern (die zur vollen Entfaltung eine mittelgrosse Turnhalle beanspruchen) dann auch mal locker die Millionen-Grenze.
Bevor wir aber den Bahnstrahl der weniger Privilegierten auf die scheinbar exzessive Branche richten, muss man eine Lanze für die Hersteller brechen. Denn Luxury Audio hat unbestritten seinen Markt inklusive einer vielversprechenden Rendite. Die Anzahl der Menschen, die sich dieses exklusive Hobby leisten können, ist in den letzten 20 Jahren global überproportional gestiegen. Laut dem Portal Statista hat sich die Anzahl der Superreichen weltweit seit 2004 verfünffacht. Auch ein eher bodenständiger Hersteller wie Canton brachte daher einen auf 300 Exemplare limitierten Reference-Lautsprecher für 50'000 Franken auf den Markt, der überraschend schnell ausverkauft war. In diesem Jahr legt man mit einem noch teureren Nachfolger gerne nach. Warum sollte man diesen exklusiven Markt nicht bedienen?
Hersteller wie Quad, Rega, Unison Research, Jadis, Lindemann, Rose oder Clearaudio und viele mehr decken das ab, was ich Premium Audio nenne und das für eine breite Schicht an Musikliebhabern im Anschaffungshorizont liegt. Solange die reine Musik im Mittelpunkt steht, muss man in Bezug auf den Genussfaktor kaum zurückstecken. Was zum Beispiel die neue Dali Rubikon 8 mit NAD-Elektronik an Klangtreue und Dynamik zeigte, dürfte in den meisten gängigen Wohnräumen besser funktionieren als manches überbordende Produkt aus der vermeintlich audiophilen Traumfabrik.
Wer bei der X-T4 auf den Auslöser drückt, wird positiv überrascht. Der Verschluss arbeitet sanfter und vor allem leiser als beim Vorgänger. Auch Serienbild-Aufnahmen erinnern nun nicht mehr so stark an Maschinengewehrsalven.
Die Fujifilm X-T3 hat bereits einen bemerkenswert schnellen und treffsicheren Autofokus. Seine Leistung wurde laut Hersteller bei der X-T4 nochmals verbessert. Ein neuer AF-Algorithmus und eine verbesserte Phasenerkennung sorgen für eine schnelle AF-Geschwindigkeit von nur 0,02 Sekunden. Sehr dynamische Motive werden nun mit doppelt so hoher Präzision erfasst und innerhalb des Bildes automatisch von der Kamera verfolgt.
Die intelligente Gesichts- und Augenerkennung wurde ebenfalls weiterentwickelt. Sie greift Porträtfotografen unter die Arme und stellt Schärfe und Belichtung für Gesichter von Menschen an beliebiger Stelle im Bild ein. Damit wird auch verhindert, dass die Kamera bei Gruppenporträts auf den Hintergrund scharfstellt. Der Fotograf kann dabei bestimmen, ob die Kamera automatisch auf ein Auge scharfstellt oder dem linken oder rechten Auge den Vorzug gibt.
Die Erkennung funktioniert auch bei kontinuierlicher Scharfstellung (AF-C) und beim Videofilmen. Weder eine aufgesetzte Lesebrille noch ein etwas schräger, nicht direkter Blick in die Kamera brachte die Erkennung ins Schleudern. Im praktischen Vergleich kam die X-T4 schon sehr nahe an die Alpha-Kameras von Sony heran, der aktuellen Gesichts/Augen-Erkennungs-Referenz.
Was der X-T4 noch fehlt und bei den meisten Mitbewerbern zum Standard gehört, ist die automatische Augenerkennung bei tierischen Motiven. Mit der X-T4 muss die Schärfe noch selbst auf das Büsi-Auge eingestellt werden.
Die Gesichts- und Augenerkennung wurde ab Werk auf die Funktionstaste «Fn1» gelegt und lässt sich dadurch sehr schnell ein- und ausschalten. Diese Funktionstaste auf der Kameraoberseite befindet sich bei der X-T4 nicht mehr unter, sondern rechts neben dem Auslöser. Sie ist auch nicht mehr mit «Fn» beschriftet wie noch bei der X-T3. Es steht gar nichts mehr drauf.
Die zunehmende Überalterung der Endkunden war allenthalben ein Thema. Erstmals gab es eine Gaming-Zone mit Fokus auf Klang beim Zocken – ein offensichtlicher Versuch, ein jüngeres Publikum für Audioqualität zu begeistern. Die Gaming-Zone wirkte jedoch eher anbiedernd und wenig überzeugend. Eine eigene Halle, in der man Musikanlagen - ähnlich wie bei den «World of Headphones» - im Bereich um 5000 bis 10'000 Franken vergleichen könnte, wäre für den Gewinn von Einsteigern in die Welt des hochwertigen Audios wohl relevanter und lebensnaher.
Im folgenden Fotorundgang versuchen wir, einen Querschnitt der vielseitigen High End München 2024 abzubilden.
Die Analogfilm-Simulationen können auch für Videoaufnahmen verwendet werden. Mit den Einstellungen «Spitzlichter», «Schatten», «Farbe» und «Schärfe» sind sie noch feiner abstimmbar. Die Fujifilm X-T4 hat dazu einen neuen Regler erhalten. Mit «Klarheit» lässt sich der Kontrast bei den mittleren Tonwerten verändern, ohne die Lichter und Schatten zu beeinflussen. Er funktioniert ähnlich wie die gleichnamige Funktion in Photoshop und Lightroom.
Wer mit der Fujifilm X-T4 überlegt und korrekt belichtet, kann die JPG-Fotos direkt aus der Kamera ohne weitere Bearbeitung verwenden. Besonders Profis mit hohem Bilderdurchsatz, etwa Hochzeits-Fotografen mit mehreren Hundert Fotos pro Event, sparen sich damit Stunden an zusätzlicher Arbeit mit Raw-Entwickeln am Computer.
Magico zeigte erstmals den neuen Lautsprecher S5 2024. Die Auslieferung der Magico S5 2024 ist für das dritte Quartal dieses Jahres geplant. Angaben zum genauen Preis liegen derzeit noch nicht vor. Die griechische Pilium-Verstärkerelektronik (wie die 200 kg schwere Zeus-Dual-Mono-Endstufe im Bild mit einem Preisschild von 160'000 EUR) fand sich in einigen Ketten.
Eigener Moviemodus: Videofilmer können bei der Fujifilm X-T4 über einen Drehschalter in den Videobetrieb wechseln und die Filmparameter unabhängig von den Fotoeinstellungen konfigurieren.Auf die Gefahr hin, dass ich des nationalen Chauvinismus verdächtigt werde: Stenheim gelang mit Alumine Five LE (106'000 CHF) und Nagra Elektronik (67'000 CHF) eine der schönsten Präsentationen. Dass beim Besuch gleich noch mit «Kunscht isch geng es Risiko» eine Hommage an die Musik von Mani Matter von Roman Nowka's Hot 3 & Stephan Eicher auf dem Plattenteller drehte, machte die Swissness komplett.
Wilson Watt/Puppy MkIIEiner der ikonischsten Lautsprecher überhaupt, die Wilson Watt/Puppy. Bei seiner Einführung 1986 setzte er neue Standards in Klang und Verarbeitung. Die Version 5.1 agierte in den 90er-Jahren in unzähligen Fachmagazinen als Referenz. Nun lanciert Wilson die Watt/Puppy nach 15 Jahren Unterbruch diesen Sommer in einer MKII Version neu. Selten war ich auf eine Produkteinführung so gespannt. Einer der ersten Testberichte lesen Sie auf avguide.ch Ende Juni.
Luxman.Gelebte Tradition mit Legendenstatus: Als 1925 der Rundfunk in Japan startete, wurde auch Luxman gegründet. Die Geräte strahlen eine ungemeine Zeitlosigkeit aus. Ich war durchaus angetan vom Klangerlebnis mit dem sanften Wohlklang-Charakter.
EAR Yoshino.Viele dynamische Lautsprecher ähneln sich oft in der Klangcharakteristik. Flächenstrahler fanden sich an der Messe leider selten. Eine wohltuende Ausnahme gab es bei EAR zu hören, wo der originale Quad ESL57 vorgeführt wurde. Ein himmlisches Vergnügen. Seit mehr als 30 Jahren werden die Produkte von EAR in Huntingdon, England entwickelt – und auch nach Hinschied von Mastermind Tim de Paravicini lebt die Firma weiter.
Jadis mit Davis «The Wall».Seit nunmehr gut 40 Jahren produziert André Calmettes im französischen Villedubert unter dem Label Jadis Röhrenelektronik erster Güte – und das zu vergleichsweise moderaten Preisen. Präsentiert an den Davis «The Wall»-Lautsprecher war dies eine der Vorführungen, bei denen man gerne etwas länger sitzen bliebt.
ESD Acoustics Super Dragon.Die Super Dragon von ESD Acoustic zog die Aufmerksamkeit auf sich. Für die ultimative Hornkonstruktion kauft man die Patente von Dr. Bruce Edgar, der mit seinem Edgarhorn unter Kennern Kultstatus besitzt. Selbstbewusst scheute man sich nicht, grösstenteils chinesische Musik vorzuführen.
Bändchenlautsprecher Alsyvox Caravaggio aus Spanien.Vollbereichs-Flächenstrahler sind selten geworden. Eigentlich Schade. Eine Ausnahme sind die Bändchenlautsprecher von Alsyvox aus Valencia.
Western Electric 91E.Western Electric, ein äusserst traditionsreicher Name, kehrt auf das audiophile Parkett zurück. Mehr als 150 Jahre nach der Gründung von Western Electric wurde 2018 eine neue Produktionsstätte errichtet. Neben der Produktion der 300B-Röhre wird dort ein Forschungs- und Entwicklungslabor für Verstärker betrieben. Das Ergebnis dieser Bemühungen sind neben einer Vorstufe und den 300B-Monos der Vollverstärker 91E.
Dali Rubikon 8.Tolles Engineering bei Dali. In den Treibern der Dali Rubikon 8 steckten viele gut durchdachte Detaillösungen. Klarheit und Dynamik sind beeindruckend.
Unison Research.Neben der neuen Black-Edition-Röhrenamps, bei denen man neu statt auf EL34- auf KT77-Endröhren setzt, zeigte Unison Research die neue Opera Quinta-Lautsprecherlinie. Die verwendeten Treiber wurden in Zusammenarbeit mit Scan Speak entwickelt. Details im Finish sind noch in Arbeit. Erhältlich ab circa Herbst 2024.
Burmester BX-100.Burmester zeigt das Vorserienmodell ihres neuen BX100-Lautsprechers. Das Design lässt sich vor dem Kauf komplett personalisieren. Erhältlich ab Ende 2024.
Plattenspieler EMT 928 II und Röhren-Vorverstärker EMT 128.2018 übernahm Micha Huber in Turbenthal mit seiner Firma HiFiction die Traditionsmarke EMT. 2022 führt man den batteriebetriebenen Plattenspieler EMT 928 II ein. Bereits ein Jahr vorher kam der überarbeitete Röhren-Vorverstärker EMT 128 auf den Markt.
Project Tonarme.Project bietet inzwischen nicht nur bei den Evo-Tonarmen ein unglaublich breites Sortiment an. Alles zu moderaten Preisen, produziert 35 km nördlich von der Stadtgrenze Wiens.
Rose aus Korea.Der südkoreanische Hersteller Rose ist nicht nur wegen seiner Streamer-Produkte im Aufwind. Der Vollverstärker RA180 glänzt mit einem aussergewöhnlichen und ansprechenden Design sowie mit seinen vier leistungsstarken Mono-Endstufen in einer neuartigen, an die Class D angelehnten Technik.
«World of Headphones».Das Ausprobieren mit unterschiedlichen Konfigurationen und Amps an der «World of Headphones» machte Spass. Im Bild der Tisch von Campfire. Neu auf dem Markt: der Moon Rover In-Ear-Planar mit magnetostatischen Treibern für 1200 Franken.
Kopfhörerverstärker Feliks Audio Envy.Kopfhörerverstärker mit 300B-Röhren waren gleich mehrfach anzutreffen. Als Beispiel im Bild der Envy von Feliks Audio.
Metaxas & Sins: Papillon.Das von Kostas Metaxas gegründete Unternehmen Metaxas & Sins steht hinter der Entwicklung eines völlig neu konzipierten, professionellen Studiorecorders und Abspielgeräts für Reel-to-Reel-Bänder. Kostas ist auch ein erfolgreicher Tontechniker, der Hunderte von Live-Konzertaufnahmen mit offenen Magnetbändern gemacht hat.
Markus Thomann, Klangschloss.Das Klangschloss an der High End München: Markus Thomann präsentierte die mit puristischer, rein 2-kanaligen Aufnahmetechnik anlässlich des Klangschlosses eingefangenen Konzerte im Landenberghauses in Greifensee, welche nun in einer Vinyl-Pressung käuflich erwerbbar sind.
Glasmembranen.Im Sektor mit den OEM-Zulieferern fand sich so manche spannende und originelle Überraschung. Im Bild die Glas-Lautsprechermembran von Gast aus Taiwan. Neben der Vorzüge der Steifheit der Glasmembran lassen sich Beleuchtungen realisieren.
Lautsprechersoftware.FINE X-over ist eine Software zur Programmierung von Frequenzweichen in DSP-basierten Lautsprechern. Die dänische Firma Loudsoft gehört seit Jahren zu den Spezialisten für Entwicklungssoftware von Lautsprechern.
Thöress Röhren-PhonovorstufeDie Messe ermöglicht auch kleineren, spezialisierten Boutique-Herstellern, sich zu präsentieren. Im Bild der in Deutschland komplett von Hand verdrahtete Röhren-Phonovorverstärker von Thöress.
Xtonebox Silver 6011.Design aus den Fünfzigern und aktuelle Technik mischen sich bei Xtonebox aus Spanien. Ein Design zum Verlieben und komplett von Hand in Einzelstücken gefertigt. Das nennen wir wahre Passion für stilvolles Musikhören.

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