Mittwoch, 30. September 2026 · seit 1999 Newsletter · Werbung · Über avguide.ch
Magazin

DSD reloaded

Direct Stream Digital aus dem Netz

Seit kurzem steht Musik im DSD-Format (Direct Stream Digital) als Download vielerorts zur Verfügung und wird von einer zunehmenden Zahl Herstellern (Geräte und Software) unterstützt. Gewinnt das Musikerlebnis durch dieses Format?

Von Christian Wenger · · Seite 1 von 5
DSD - Direct Stream Digital aus dem Netz
DSD - Direct Stream Digital aus dem Netz

Als die digitalen Downloads laufen lernten, war DSD nicht darunter. SACDs zu rippen, ist nur dem Nerd möglich, der den Code knackt. Nichts für Musikhörer und einfache Computer-Anwender. DSD haftet ein Klang-Mythos an. Die daraus entstehende Nachfrage wird von Anbietern (Musik, Software und Geräte) pragmatisch befriedigt. Es ist daher wichtig, das Thema differenziert anzugehen, auf der rationalen und auf der emotionalen Ebene.

DSD: Archivierungsformat

Sony entwickelte DSD in den 1990er Jahren als Archivierungs-Format für die SACD (Super Audio CD). Man verfolgte das Ziel, dem Musikhörer, die Klangqualität des Studio-Masters (analog oder digital) zur Verfügung zu stellen und den Musikproduzenten (Labels) einen effektiven Kopierschutz zu garantieren.

Als digitales Aufnahme-Format wird DSD selten verwendet, weil die Aufnahmen prinzipiell nicht digital bearbeitet werden können. Dazu ist die Umwandlung in das gebräuchliche PCM-Format erforderlich, was die Klangvorteile beeinträchtigen dürfte. Aus diesem Grund basieren die meisten SACDs auf PCM-Aufnahmen oder Analog-Master. Letztere sind wiederum teils mittels Umwandlung in PCM bearbeitet (!). Es gab und gibt nur wenige reine DSD-Aufnahmen (weitab des Mainstreams), die nachträglich nicht mehr bearbeitet wurden. Man kann sie als echte oder native DSD-Aufnahmen bezeichnen.

Ohne wesentlich auf technische Einzelheiten einzugehen, hat DSD den Nachteil eines deutlich höheren Rauschens oberhalb von 20 kHz, was für die Audio-Verstärker ein Problem darstellen kann. Analoge Tiefpass-Filter können das Rauschen zwar stark dämpfen, aber mit dem Nachteil des nichtlinearen Phasengangs dieser Filter. Daher wird das Tiefpassfilter oft digital implementiert und zwar in einem Konverter, der DSD auf PCM wandelt.

Aus den genannten Gründen sind die klanglichen Vorzüge von DSD, oder was davon auch immer übrig bleibt, kritisch zu hinterfragen. Bei Downloads ist die beschriebene Aufnahmekette genau zu beachten.

Der Autor Christian Wenger

Christian Wenger war Elektrotechniker und Marketingfachmann in der Industrielektronik und Inhaber von InConcert Audio in Olten. Von 2013 bis 2024 schrieb er als Redaktor für avguide.ch. Heute lebt der Connaisseur und Weinliebhaber pensioniert in Südfrankreich und bleibt Mitinhaber der avguide.ch GmbH.

Mehr aus dem Magazin Alles im Magazin →