22. Mai 2018 | seit 1999
TESTBERICHT
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Publikationsdatum
1. Mai 2003
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Seit einer Dekade auf dem Markt, ist die MiniDisc das portable Audiomedium par Execellence. Der NetMD MZ-N1 ist die logische Weiterentwicklung, welche die MiniDisc mit Computer und Internet verbindet.

Was ist NetMD?

NetMD erlaubt die direkt Übertragung von Musikdateien von einem PC via USB auf den MiniDisc-Player. Die Übertragung via USB ist dabei deutlich schneller als eine Realtime Überspielung. Die Daten werden dank USB 2 mit bis zu 32-facher Geschwindigkeit übertragen.

Was wird benötigt?

Für die Überspielung der Audiodateien auf den NetMD Player benötigt man eine Software, welche die ATRAC Dateien lesen, bearbeiten und den USB-Bus zur Datenübertragung ansprechen kann. Eine von Sony vorgenommen Standardisierung des Transferprotokols gewährleistet die Kompatibilität zwischen NetMD Playern und Softwareprodukten verschiedener Hersteller.

Sämtliche Sony NetMD werden mit der Software OpenMG Jukebox ausgeliefert. Die Software verwendet den von Sony initiierten Standard OpenMG, der in Absprache mit der Musikindustrie, die Einhaltung der Urheberrechtsbestimmungen garantiert.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet in der rigiden USA die NetMD Player anfangs mit der Software „SimpleBurner“ vertrieben wurden, mit welcher ein Teil der Kopierschutz Restriktionen umgangen werden kann. Heute ist SimpleBurner nur noch als Download von Usersites erhältlich (z.Bsp. http://www.my-minidisc.de/download/tools_simpleburner.zip).

Unterstützt werden von OpenMG Jukebox sämtliche Windows Betriebssystem ab Windows 98. Für MacOS X und Linux ist ein von der Benutzergemeinde gestartetes OpenSource Projekt Open/NMD Project an der Entwicklung eine NetMD Software. (http://opennmd.monochromatic.net).

Wer sich für eine Übertragung von Musikdateien auf den NetMD ohne OpenMG interessiert findet unter http://www.minidisct.com/forum/showthread.php?s=&threadid=4825 entsprechende Tipps.

Welche Formate werden unterstüzt?

Angebote von Musikdiensten wie Pressplay können per Software auf die MD überspielt werden.
Angebote von Musikdiensten wie Pressplay können per Software auf die MD überspielt werden.
OpenMG verwendet für die Komprimierung der Audiodateien ATRAC Type-R und den ATRAC3 Codec wie ihn auch der RealPlayer verwendet. ATRAC3 entspricht dabei dem MD Longplay-Modus (LP2 oder LP4).

Wahlweise kann die Bitrate mit Einbussen in der Tonqualität von 132kbps auf 105kbps oder 55kbps reduziert werden. Damit lassen sich MDs von 160 bis 300 Minuten Spieldauer erstellen.

Der bei den grossen Heimgeräten verwendete Standard-Modus mit ATRAC Type-R steht nun auch beim NetMD zur Verfügung. ATRAC Type-R gehört sicherlich aktuell zu den ausgereiften und bestklingenden Komprimierungsverfahren.

Die OpenMG Software erlaubt den Import von Musiktiteln ab Audio-CD und den Dateiformaten MP3, WAV und WMA. Die Files können direkt oder erst bei der Überspielung in den NetMD in das ATRAC3 Format konvertiert werden. CD-Imports werden im ATRAC3 oder WMA-Format gespeichert. ATRAC Type-R muss beim Konvertieren von Audio-CDs draussen vorbleiben.

Welche Einschränkungen gibt es bei der Überspielung?

Überspielen der Musiktitel auf die MiniDisc per USB
Überspielen der Musiktitel auf die MiniDisc per USB
Um Musiktitel auf einem NetMD wiedergeben zu können, müssen diese vorab in den PC importiert und gespeichert werden. OpenMG verwendet eine hochentwickelte Kryptografietechnologie, welche die verwendeten Musiktitel eindeutig kennzeichnet und automatisch erkennt, wie oft und von welchem Computer der entsprechende Titel bereits auf eine MD überspielt wurde.

Ein Titel lässt sich maximal 3 mal vom Computer auf den NetMD-Player überspielen. Auf der MD gespeicherte Songs können jedoch nur wieder auf den Computer, von dem sie auch bespielt wurden, zurückgespielt werden. Mal schnell die MD des Kollegen auf den eigenen Computer übernehmen, liegt also nicht drin.

Auch ein Austausch von OpenMG ATRAC3-Dateien zwischen Computern - zum Beispiel in einem Netzwerk - wird automatisch unterbunden. Die OpenMG erkennt zudem die in Musikdaten enthaltenen Nutzungsregeln. Über kommerzielle Internetdienste wie Pressplay vertriebene Musiktitel beinhalten in der Regel eine Kennung, wie oft und auf wie vielen externe Geräte der Song überspielt werden darf. Die exakten Bestimmungen variieren nach Distributor und Label.

Audio-CDs mit einer speziellen Kopierschutzkennung werden ebenso wenig angenommen wie vorbespielte MDs.

Etwas unverständlich erscheint die fehlende Upload-Möglichkeit von per MD gemachten Analogaufnahmen über den Line- bzw. Mikrofoneingang. Während ein Kopierschutz von digitalen Dateien unter dem Gesichtspunkt des Urheberschutzes Sinn macht, schränkt der fehlende Upload von Analogaufnahmen den Nutzen des NetMDs ein. Eigene Aufnahmen können so nicht zum Beispiel zur Vertonung eines Videos in den Computer überspielt und nachbearbeitet werden.

Inzwischen wurde eine Petition lanciert mit dem Ziel, Sony zur Nachreichung der Upload-Funktionalität zu bewegen (http://www.minidisc.org/upload_petition_collected_0.html).

Im Alltag…

Mit seinen 87g gehört der MZ-N1 zu den ausgesprochenen Leichtgewichten. Die Verarbeitung und Anfassqualität des Magnesium-Gehäuses ist vom Feinsten und die Bedienung der leicht zugänglichen Bedienelemente intuitiv.

Musikstücke können auch unabhängig vom Computer direkt am Player zum schnelleren Auffinden nach Kategorien gruppiert werden.

Dank dem “G-Protection“ genannten Anti-Shock-System hat sich die Stossfestigkeit gegenüber früheren MD-Player nochmals markant erhöht. Ergänzende Details wie der Melodietimer machen den MZ-N1 zu einem Begleiter, den man einfach gerne dabei hat.

Dank den steten Bemühungen, den Stromverbrauch zu reduzieren, erreicht Sony nach 15 Jahren MiniDisc eine Spieldauer von über 50 Stunden im energiesparenden Longplaymodus.
Playlist erstellt mit OpenMG Jukebox
Playlist erstellt mit OpenMG Jukebox
Das Handling der Software ist weitgehend selbsterklärend, birgt aber auch Überraschung.

Mit dem Versuch, die mit einem Kopierschutzlayer versehene Herbert Grönemeyer CD „Mensch“ auf MD zu importieren, kam die Software nicht zurecht und quittierte ohne Vorwarnung den Dienst. Mit „normalen“ CDs zeigte sich die Software jedoch solide.

Die Konvertierung und Übertragung der Audiodateien auf die MiniDisc geht mit USB2 zügig von statten. Importierte Musiktitel lassen sich zu Playlists zusammenfassen und komplett auf die MD übertragen.

Generell bietet die OpenMG Software sehr bequeme Verwaltungsmöglichkeiten des eigenen Musikarchivs. Katalogisierung nach Album, Titel und Musikstil bieten einen Schnellzugriff auf die Titel, wie ihn die heimische CD-Sammlung nie bieten kann.

Im Hintergrund stellt die Software aus den meistgehörten Songs beziehungsweise den Archivleichen die persönlichen „Top 50“ und „Flop 50“ zusammen.

Fazit

Der NetMD modernisiert die bewährte MiniDisc mit der Schnittstelle zum PC. Wer die bequemen Editier- und Verwaltungsmöglichkeiten seiner MD Titel am PC nutzen möchten, wird so ideal bedient. Der Umgang mit der Software und NetMD ist leicht zu erlernen und stellt auch für unbedarfte keine Hürde dar.

Der MZ-N1 ist als MiniDisc-Player in jeder Beziehung ausgereift. Das Design und Ausstattung decken die Bedürfnisse an einen mobilen Musikbegleiter umfassend ab. Die Verarbeitung ist absolut hochwertig und setzt sich von den zahlreichen, schlecht verarbeitenden MP3-Playern ab. Sony kann hier von seiner immensen Erfahrung profitieren.

Als Hersteller von Hardware und Vertreiber von Inhalten (Sony Music) verfolgt Sony mit der Verschlüsselung der Inhalte und den zahlreichen Einschränkung bei der Datenüberspielung ein Konzept, dass sich konsequent an den Vorgaben der Musikindustrie orientiert und den Austausch von auf der NetMD gespeicherten Titeln einschränkt.

Auf dem Schulhofplatz wird dieses Konzept wohl gelegentlich in der Kritik stehen und keinen leichten Stand haben gegenüber den „offenen“ MP3-Playern.

Im Alltaggebrauch, beim Joggen, während Zugfahrten oder auf der Badewiese wird man sich hingegen an der guten Soundqualität und dem hohen Bedienkomfort des NetMD MZ-N1 erfreuen.
STECKBRIEF
Preis:
649
Profil:
MiniDisc mit USB-Anschluss. Musikupload per Software von Computer und Internet. Edle Verarbeitung und lange Abspielzeiten max. 320min.
Pro:
sehr gute Verarbeitung,
leichtes Magnesium Gehäuse,
gute Tonqualität,
lange Spieldauer
Contra:
kein Upload auf Computer von Aufnahmen ab Analogeingang,
Upload digitaler Aufnahmen nur auf Ausgangscomputer
Ausstattung:
G-Protection Jog Proof
USB- sowie Batterieaufladeständer
schneller Datentransfer via USB-Kabel
Internet Download mit Open MG Jukebox 2.2 (kompatibel Win98/ME/2000/XP)
Eingang:
- Joint-Text Recording
- optisch Digital / Line
- Mikrofon
Technische Daten:
Sampling Rate Converter (32, 44.1, 48 kHz)
D/A-Wandler 1 Bit
A/D-Wandler 1Bit
Datenkompressionsverfahren ATRAC 24 Bit