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TESTBERICHT
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Publikationsdatum
14. Oktober 2002
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"Schlag auf Schlag" heisst das Motto bei den Pioneer Kombi-Playern für DVD-Audio und SACD: Während der Vorgänger des DV-656A-S, der DV-747A, 2500 Franken kostete, geht der Junior dieses Spielers für knappe 800 Franken über den Ladentisch.

Abgespekte Version?

Nicht abgespeckt: vielseitige AnschlussmöglichkeitenNicht abgespeckt: vielseitige Anschlussmöglichkeiten
"Ja ganz klar, das ist natürlich eine abgespeckte Version des DV-747A", hiess es zunächst auf der Redaktion. Doch ein Blick auf die Rückseite des Gerätes belehrte die Redaktoren eines Besseren: Die Ausstattung des neusten Wurfes ist nahezu identisch mit derjenigen des Vorgängers. Doch der Newcomer kann sogar noch mehr: Er spielt zusätzlich noch die DVD-R und DVD-RW ab.

Der sehr niedrig gehaltenen Player ist leicht, aber ordentlich verarbeitet. Im Gegensatz zur Plastic-Front besteht das Gehäuse aus Blech. Ein Blick in das Gerät offenbart modernste, industrielle Massenfertigung. Die Fernsteuerung ist recht einfach und übersichtlich gehalten, kann aber keine anderen Komponenten steuern.
Vor der Inbetriebnahme lohnt es sich, die wichtigsten Einstellungen vorzunehmen. Die Grundeinstellung für die SACD ist Stereo und die Lautsprecher sind vorerst alle als "large" gewählt. Auch das Bild lässt sich im Menü den persönlichen Wünschen und der Charakteristik des Fernsehers bezüglich Schärfe, Kontrast, Farbsättigung und Farbbalance zwischen rot und grün anpassen. Die Fine Focus-Schaltung soll mehr Details aus dem Bild herausholen.

Bassmanagement nicht für alle Quellen

Der Aufdruck verrät: Kombispieler für DVD-Audio und SACD
Der Aufdruck verrät: Kombispieler für DVD-Audio und SACD
Folgender Text im Manual gibt zu denken: "Wenn man eine DVD-Audio oder DTS-Quelle anhört, werden die C, LS und RS-Lautsprecher automatisch auf "large" gestellt". Pech haben also alle Leute mit kleinen und damit nicht basstüchtigen Center- und Surround-Lautsprechern. Sie werden bei DVD-Audio und DTS-Quellen den vollen Basspegel auf ihren kleinen Boxen haben, was nicht gut klingen wird und in Extremfällen bei sehr hohen Pegeln sogar zu Beschädigungen führen kann.

Warme Sounds und brillante Bilder

Sauberer Aufbau im Stile guter Massenfertigung
Sauberer Aufbau im Stile guter Massenfertigung
Die Frage ist, ob Kombispieler überall Kompromisse eingehen und von Spezialisten klar geschlagen werden. So hatte sich auch der Junior gegenüber hochwertigen CD-SACD- und DVD-Audio-Spielern zu bewähren. Der Kombispieler bekannte dabei klar Farbe: Sein Klang ist warm, dezent, die Hoch- und Obertöne kommen fein und mit schmeichelndem Charakter. Die Räumlichkeit ist mit sehr gut zu bezeichnen, wobei die Spezialisten zuweilen noch eine Nuance mehr Raum aus der Software herauskitzeln konnten.
Von einer generellen Unterlegenheit des Kombispielers kann jedoch nicht die Rede sein. Je nach Klangmaterial stellt der Junior sogar teurere Spezialisten in den Schatten. So zum Beispiel ist er der Star bei Streichermusik, wo er den Hörer mit überaus geschmeidigen, nie grellen Klängen entzücken kann. Ein rund dreimal so teurer Vergleichsspieler brachte Violinen härter und je nach Aufnahe sogar grell. Auch Stimmen bringt der Junior ausgesprochen schön und ohne unnatürliche Kehligkeit.
Weniger überzeugend wirkt der Pioneer bei Klaviermusik. Hier bringt er die harten Diskantanschläge nicht ganz so impulsfest wie die Konkurrenz. Das gilt übrigens für alle drei Disziplinen CD, SACD und DVD-Audio. Auch wenn es um die Wiedergabe perkussiver Klänge geht, wirkt der Kombinierer etwas träge und lässt eine gewisse Spritzigkeit vermissen.
Er kann jedoch ein echter Problemlöser sein, wenn es darum geht, eine nach hart tendierende Anlage zu entschärfen. Tatsache ist, dass knallharte Klänge auf die Dauer eher nerven als weichere Sounds.

Dezente Klänge

Gut zu bedienen, aber nicht für andere Koponenten geeignet
Gut zu bedienen, aber nicht für andere Koponenten geeignet
Der Freund dezenter, warmer Sounds wird vom Pioneer begeistert sein. Anders der Impulsfetischist, dem alles zu träge und langsam ist und der einen ultraschnellen Player sucht. Es geht hier nicht unbedingt um "besser" oder "schlechter", sondern ganz klar um den persönlichen Geschmack und ob die Charakteristik des Spielers zu den restlichen Komponenten passt.
Die Bildqualität ist mit sehr gut zu bezeichnen. Effizient und wirkungsvoll sind die Bildbeeinflussungsmöglichkeiten. Wie sein grosser Vorgänger, erlaubt dieser Player sehr feinfühlige Korrekturen.
Die Wirkung der Fine Focus ist sichtbar, und gibt dem Bild noch ein Quentchen mehr Schärfe. Für ein optimales Bild mit einem Rückprojektor zum Beispiel, musste der Kontrast, die Schärfe und der Chromapegel auf das Maximum gestellt werden.

Fazit

Beim neusten Wurf eines Kombiplayers hat Pioneer zweifellos ins Schwarze getroffen und einen ausgesprochen angenehm, edel und dezent klingenden Kombispieler mit tadelloser Bildqualität auf den Markt gebracht. Einzig das Tüpfelchen auf dem i fehlt: Das Bassmanagement funktioniert wohl bei der SACD, aber unverständlicherweise bei DVD-Audio und DTS nicht.

Streitfall Bassmanagement

Bei dieser DVD-Audio kommt eine riesige Kirchenorgel über die hinteren Kanäle
Bei dieser DVD-Audio kommt eine riesige Kirchenorgel über die hinteren Kanäle
Ideal für einen optimalen Surround-Sound wären fünf identische und basstüchtige Boxen. Leider sind solche Lautsprecher in der Regel gross, und wenige Leute sind gewillt, deren fünf im Wohnraum aufzustellen. Ein durchaus akzeptabler Kompromiss besteht darin, für den Center- und die Surroundlautsprecher kleine Systeme einzusetzen und den Bass dieser Kanäle über die beiden grossen Frontboxen oder den Subwoofer wiederzugeben. Dazu dient das Bassmanagement, welches bei Dolby Digital immer zur Verfügung steht. So kann man im Set up Menü alle, oder auch nur die Center oder Surroundlautsprecher als "small" oder "large" anwählen. Wird der "small"-Modus gewählt, wird diesem System der Bass weggefiltert und entweder zu den grossen Frontboxen oder dem Subwoofer geleitet. Bis vor kurzem waren die Hersteller der Meinung, dass audiophile, nicht datenreduzierte Systeme wie die hochauflösende DVD-Audio und die SACD kein Bassmanagement haben dürfen, um die hochstehende Qualität nicht zu beeinträchtigen. Diese praxisfremde Meinung wurde jedoch revidiert und bei den meisten neueren DVD-Audio- sowie allen Sony SACD-Spielern funktioniert das Bassmanagement für alle Tonquellen, was sehr zu begrüssen ist. Man stelle sich vor, was passiert, wenn bei der Nishimura Orgel-DVD (siehe Rezension in avguide) die riesige Hauptorgel ungefiltert aus den hinteren Micro-Lautsprechern erschallte....
STECKBRIEF
Preis:
800.-
Profil:
Preisgünstiger Kombispieler mit sehr guter Bild- und Tonqualität
Pro:
beherrscht alle gängigen Formate,
charmanter, feinzeichnender Klang,
Bild-Management mit Speicher,
günstiger Preis
Contra:
kein Bassmanagement auf DVD-A und DTS
Ausstattung:
Wiedergabe: DVD-Audio, DVD-Video, DVD-R, DVD-RW, SACD, CD, CD-R, CD-RW, SVCD, MP3, Video-CD,
Technische Daten:
Abmessungen (BxHxT): 42 x 6.9 x 28 cm
Decoder für DD,DTS,DVD-A,SACD