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MUSIKREZENSION
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Publikationsdatum
8. November 2015
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Laut ihrer Werbeagentur will sie "die klassische Eleganz der Fifties und Sixties zurück in die Musik bringen", und ihr neustes Album soll "den lässigen wie zauberhaften Charme eines Audrey-Hepburn-Filmes wiederauferstehen lassen". Während alle Arrangements des neusten Albums  "We Could Be Lovers" von ihr stammen und sie mit ihrem Gesang und Klavierspiel klar im Vordergrund steht, kommen auch ihre hochkarätigen Musikerkollegen Jo Caleb, Gitarre - Pierre Boussaguet, Bass - Gregory Hutchinson, Schlagzeug - und zahlreiche Gastmusiker gebührend zu Wort.

Vom ersten Moment an gefällt mir diese Hi-Res-Aufnahme in flac 96kHz/24Bit. Da ist nichts gekünstelt, da wirkt nichts affektiert, da will mann/frau nichts anderes spielen als ganz einfach Jazz. Klar sind das keine neuen Töne. Doch sie wirken frisch und lebendig und nichts klingt verstaubt oder gar abgedroschen.

Die australische Jazz-Lady legt sich mit jugendlicher Frische und Dynamik ins Zeug, und solierende Instrumente wie Saxophon, Trompete, Vibraphon, Gitarre lockern die ganze Sache klanglich auf. So unterhält jedes Stück, mal getragen, mal sehr gefühlvoll und manchmal überaus spritzig, bestens, und Langeweile kommt bei dieser abwechslungsreichen Kost nirgends auf.

Sarah beherrscht ihre Stimme derart, dass sie alle ihre Gefühle damit ausdrücken kann. Und wenn sie einen oder mehrere Töne ganz leicht zu tief oder zu hoch ansetzt, so will sie das auch. Schliesslich ist das keine Barock- sondern Jazz-Musik. Ihre Improvisationen auf dem Klavier scheinen spontan zu entstehen und wirken ganz und gar nicht eingeübt.

Obwohl "The Cabot" (Your Non-Profit Community Performing Arts Center) behauptet, "Sarah McKenzie has already won wide recognition for her individualistic voice and skillful phrasing", könnten Kritiker dennoch fragen: Ja und wo ist denn das Einmalige, das Charakteristische an Sarahs Stimme und deren Klavierspiel? Woran erkennt man sie bereits nach wenigen Takten sofort, und was ist ihr Markenzeichen?

Nach meinem Empfinden macht sie ganz einfach elegant swingende Jazz-Musik und stellt ihr Ego dabei eher in den Hintergrund. Sie will ganz klar ihre Musik und nicht sich selbst im Vordergrund wissen. Das ist nach meinen persönlichen Erfahrungen mit Sängerinnen eher eine Seltenheit! Und das macht sie - wenigstens für mich - echt einmalig.

Und einmalig ist auch die Interpretation des letzen Stückes auf ihrem Album. Das Moon River habe ich ich echt noch nie so ausgewalzt, so bis ins letzte ausgekostet gehört. Und es gelingt der jungen Jazz-Lady tatsächlich, die gefühltriefende, musikalische Spannung während des ganzen Stücks aufrecht zu erhalten, ohne sich dabei auch nur annäherungsweise dem peinlichem Kitsch zu nähren.

Zu dieser 2014 im legendären Sear Sound Studio in New York aufgenommenen und nun entweder als CD erhältliche, oder in Flac 96 kHz/24 Bit zu downloadenden  Aufnahme (https://www.highresaudio.com/artist.php?abid=461430) ist zu  sagen, dass sie eine absolut perfekte, aber unspektakuläre Studio-Arbeit ist. Der Sound der Band kommt satt und warm.  Sarahs Stimme klingt schön und dynamisch. Natürlich wird da am Mischpult geschraubt, hervorgehoben und zurückgesetzt. So entsteht im Abhörraum ganz gewiss keine rauchige Jazz-Keller-Stimmung, sondern eine fast klinisch saubere, dennoch locker entspannte Studio-Atmosphäre. Und das freut den audiophilen Hörer, der Wert auf saubere, wohldefinierte Klänge legt.

Fazit
Lockerer, konventioneller Jazz mit einer jungen, sehr begabten und senkrecht startenden Jazz-Musikerin.

STECKBRIEF
Interpret:
Sarah McKenzie
Besetzung:
Sarah McKenzie, Klavier und Gesang - Jo Caleb, Gitarre - Pierre Boussaguet, Bass - Gregory Hutchinson, Schlagzeug - und zahlreiche Gastmusiker
Albumtitel:
We could be lovers
Komponist:
div.
Herkunft:
Australien
Label:
Universal
Erscheinungsdatum:
2015
Spieldauer:
43:31 Min
Tonformat:
flac 96kHz/24Bit
Medium:
flac download
Musikwertung:
8
Klangwertung:
8
Download:
Wettbewerb