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Publikationsdatum
28. Mai 2007
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Noch mehr Pixel auch in der Einsteigerklasse, hohe Zoomfaktoren in Verbindung mit effizienten optischen Bildstabilisatoren und bessere Ausstattung: Die Digitalkameras jeder Preisklasse legen immer noch mächtig zu, ein Ende des Booms ist nicht abzusehen.

Damit die Schnappschuss-Lust nicht zum Frust wird, gilt es beim Kauf einiges zu beachten.

Elegant gestylt und in aufreizend leuchtendem Gold, dezentem Silber oder frechem Azurblau präsentieren sich die Dinger im Schaufenster - und sind schon verkauft, kaum sind sie aufs Regal gestellt. Digitalkameras setzen ihren Siegeszug unaufhörlich fort.

Die Gründe für den Boom liegen auf der Hand: Sie sind einfach in der Handhabung, benötigen keinen Film, man kann die Bilder sofort anschauen, vergleichen und bei Bedarf sofort löschen.

Die Fotos können auf den PC überspielt werden, dort im Grossformat angeschaut, elektronisch weitergereicht oder für eine Präsentation verwendet werden.


Was will ich mit der Kamera?

Kompaktkameras sind speziell beim Einsatz unter schwachen Lichtbedingungen und bei langen Verschlusszeiten anfällig gegen verwackelte Bilder. Abhilfe schafft bei der Digital IXUS 950 IS von Canon der optische Bildstabilisator. (Bild: Canon)

Schönes Design ist nicht alles. Bevor der Geldbeutel gezückt wird, sollte die Frage geklärt werden, für welchen Einsatzzweck die Kamera benötigt wird.

Digitalkameras nehmen die Motive mit Sensor-Chips auf und unterteilen die aufgenommenen Bildsujets in Rasterpunkte, genannt Pixel. Je mehr Pixel, desto besser die Auflösung eines Bildes.

Für normale Schnappschüsse, die anschliessend in Fotopapiergrösse ausbelichtet oder bis zu A4-Formatgrössen ausgedruckt werden oder nur auf dem Bildschirm betrachtet werden, genügt der heutige Einsteiger-Standard mit 6 bis 7 Mio. Pixel vollauf.

Die Preisspanne der 6 bis 7 Mio-Pixel-Kameras reicht je nach Ausstattung von 200 bis 600 Franken. Bei teureren, halbprofessionellen Kameras liegt der Standard heute um die 10 Mio. Pixel.

Die hohen Auflösungen selbst bei Einsteigermodellen haben zur Folge, dass heute die Qualität des Objektives mehr bedeutet als die Pixelzahl.

Nicht nur die Schärfe, auch die Lichtstärke des Objektivs ist sehr wichtig, gerade für Aufnahmen bei schlechten Lichtverhältnissen. Als Faustregel gilt: Je grösser der Linsendurchmesser, desto lichtstärker das Objektiv.

Kameras mit winzigen Linsen können in der Regel nur bei sehr gutem Licht brauchbare Aufnahmen liefern.
Wer Bilder in noch besserer Qualität und für den Ausdruck in Postergrösse anvisiert, greift zu Kameras mit erstklassigen Objektiven, welche die Namen bekannter Objektivhersteller tragen. Auch in diesen Klassen richtet sich der Preis nach der Ausstattung und eventuellem Zubehör.

Wer bei Innenaufnahmen möglichst viel vom ganzen Raum einfangen möchte, braucht ein extremes Weitwinkelobjektiv. Neu auf dam Markt sind kompakte Kameras für die Jackentasche, die lichtstarke Zoom-Objektive mit Brennweiten von 28mm bis 280 mm besitzen.

Um auf grosse Distanzen Motive greifbar nahe einzufangen, gibt es neben den Spiegelreflexkameras die High Zoom-Kameras, die in Verbindung mit sehr effizienten optischen Bildstabilisatoren gestochen scharfe Schappschüsse auf grosse Distanz aus der Hand ermöglichen. 


Worauf muss ich achten?

Die Features machen die Wahl der Kompaktkamera zur Qual. Die Easyshare V610 von Kodak hat 6 Megapixel, ein 10-faches optisches Zoom, eine Videofunktion und Bluetooth für die kabellose Bildübertragung. (Bild: Kodak)

Nebst der Pixelanzahl gibt es weitere Faktoren wie Kameragrösse, Gewicht, Grösse des Displays, Zoom-Eigenschaften, Bildstabilisator etc., die es beim Kauf zu beachten gilt.

Flache, kleinformatige Kameras passen in jede Jackentasche. Sie sind universell einsetzbar und verfügen heute teilweise über verblüffend grosse, strahlend helle, hochauflösende Displays und hohe Zoomfaktoren.

Wer bewegte Objekte - z.B. springende Kinder, Fahrzeuge, Skifahrer etc. - und nicht nur statische Motive aufnehmen möchte, sollte darauf achten, dass nebst dem Display auch ein herkömmliches Suchfenster vorhanden ist.

Dieses ist auch von Vorteil, wenn z.B. bei starker Sonneneinstrahlung das Motiv auf dem Display nur schwer zu erkennen ist. Allerdings sind auch Modelle auf dem Markt, die mit so genanntem Sunshine-Display auch bei hellem Umfeld das Bild noch recht gut erkennen lassen.

Die Sucher sind heute bei kompakten Kameras kaum mehr vorhanden, wohl aber bei den typischen Megazoom-Kameras, die rein äusserlich wie kleine Spiegelreflexkameras aussehen und natürlich den „echten" Spiegelreflexkameras.

Liess früher die Auslösegeschwindigkeit, das heisst die Differenzzeit zwischen dem Klick und der tatsächlichen Bildaufzeichnung zu wünschen übrig, so wurden diesbezüglich markante Fortschritte erzielt.

Heute bestimmt zur Hauptsache der Autofocus, wie schnell eine Kamera ein bewegtes Bild gestochen scharf einfangen kann. Hier haben die Spiegelreflexkameras ganz klar die Nase immer noch vorne.

Kompakte Digitalkameras mit winzigen Blitzlichtfenstern haben in der Regel nur eine schwache Blitzleistung, die nur für kleine Räume und sehr geringe Distanzen ausreicht. Wer auch auf grössere Distanz blitzen will, achte auf genügend grosse Blitzleistung oder leiste sich eine Kamera, zu der leistungsfähige, externe Blitzgeräte erhältlich sind.


Bildformate

Stark im Kommen sind Kameras, welche Bilder in den Formaten 4:3, 3:2 und sogar 16:9 aufnehmen können. Damit kann man das Bildformat dem Motiv anpassen.

Sehr wirkungsvoll sind Landschaftsaufnahmen im 16:9-Format. Zudem ist es ein Erlebnis, 16:9-Aufnahmen in einer Dia-Show an einem hochauflösenden 16:9-TV zu betrachten.

Auch Videos können heute von etlichen Digitalkameras sowohl im 4:3 wie auch im 16:9 - Format erstellt werden.


Sinnvolle Features

Nicht nur die integrierten Features bestimmen die Möglichkeiten der Fotografie, sondern auch das Zubehör wie Vorsatzlinsen, Filter, Blitzgeräte. Aussergewöhnliche Aufnahmen verspricht das Unterwassergehäuse WP-FX30 von Fujifilm. (Bild: Fujifilm)

Ein schneller Autofocus, das heisst eine schnelle automatische Scharfeinstellung ist ebenso sinnvoll und wünschenswert wie ein Bildstabilisator, welcher bei langen Belichtungszeiten oder nicht ganz ruhiger Hand das Verwackeln des Bildes und damit ein unscharfes Bildresultat vermindert.

Immer mehr Hersteller bauen deshalb in ihre Kameras sehr effiziente optische Bildstabilisatoren ein, mit denen man sogar extreme Teleaufnahmen ohne Verwacklungsgefahr aus der Hand schiessen kann

Mit vielen digitalen Kompaktkameras lassen sich auch Video-Sequenzen in immer besserer Qualität aufzeichnen. Mit einer Bildfrequenz von 30 Bildern pro Sekunde und einer VGA-Auflösung reicht die Qualität aus, um am Computer Bildschirm füllend eine durchaus brauchbare Qualität zu geniessen.

In Anbetracht der immer grösser werdenden Speicherkarten sind auch längere Video-Aufzeichnungen in höherer Qualität möglich. Eine Konkurrenz zu Camcordern sind die Digitalkameras jedoch nicht und werden es voraussichtlich auch in Zukunft nicht sein.

Serienbilder, die heute mit hoher Taktfrequenz geschossen werden können, sind nicht nur bei Sportaufnahmen sehr interessant. Gerade bei Aufnahmen von Personen löst sich der anfänglich übliche verkrampfte Gesichtsausdruck nach den ersten hörbaren Klicksern der Kamera.

Die zu fotografierende Person beginnt zu strahlen, weil sie nicht glauben kann, dass die Kamera immer noch weiterschiesst. Eine Möglichkeit, die analoge Kameras nur mit enormen Filmkosten bieten können.

Bei der Digitalkamera werden die nur mässig guten oder gar unbrauchbaren Bilder ganz einfach gelöscht, was weiter nichts kostet als ein bisschen Zeit.

Moderne Digitalkameras können bei schlechten Lichtverhältnissen automatisch die Empfindlichkeit erhöhen. Damit sind kürzere Verschlusszeiten und brillante Bilder bei wenig Licht möglich. Leider steigt dabei das Bildrauschen etwas an.

Mit den bekannten und bewährten Szenenmodi „Portrait", „Landschaft" und „Sport" werden die Kameraeinstellungen automatisch für das gewählte Motiv optimiert.

Neu sind bei etlichen Digitalkameras weitere Modi hinzugekommen, die sich nicht nur auf Verschlusszeit und Blende auswirken. So wird dem Bild im Modus „schöne Haut" ein weicher Charakter verliehen. Beim Party-Modus werden längere Verschlusszeiten mit einem Blitz kombiniert. Dadurch ergeben sich sehr lebendige Bilder mit Jubel-Trubel-Charakter.

Weiter gibt es Modi für „Feuerwerk, „Food", „Sternenhimmel", „Schnee", „Baby" und viele mehr. Dem Spieltrieb sind hier keine Grenzen gesetzt und es lohnt sich, alle Möglichkeiten mal auszuprobieren. Manche Modi sind durchaus brauchbar, andere wiederum machen kaum Sinn.


Spass mit Megazoom

Die Lumix FZ-50 bietet 10 Megapixel und hat trotz 12-fach Zoom kompakte Abmessungen. Der optische Bildstabilisator ermöglicht unverwackelte Bilder auch im maximalen Telebereich. (Bild: Panasonic)

Kameras mit sehr leistungsfähigen Zoomobjektiven sind sehr gefragt. Noch vor wenigen Jahren war das Dreifach-Zoom das Mass der Dinge. Dabei ist das optische- und nicht das qualitativ minderwertige Digitalzoom gemeint.

Heute gibt es bereits kompakte Kameras mit Zehnfach-Zoom und die etwas grösseren Megazoom-Kameras, auch High-Zoom-Kameras genannt, mit noch grösseren Zoomfaktoren. Zehnfach bedeutet, dass ein Motiv in zehnfacher Vergrösserung herangezoomt werden kann.

Megazoom-Kameras arbeiten nicht nach dem Spiegelreflex-System, bieten jedoch mit einem einzigen, nicht auswechselbaren Objektv extreme Zoomfaktoren bei noch recht kompakten Abmessungen.

Will man mit Spiegelreflexkameras und auswechselbaren Objektiven ähnliche Telebereiche erzielen, muss man zu weitaus grösseren, schwereren und relativ teuren Objektiven greifen.


Spiegelreflex für den Anspruchsvollen

Auch Spiegelreflexkameras können kompakt sein, wie die Nikon D40X mit 10 Megapixeln. Sie hat eine Einschaltzeit von 0,18 Sekunden und schiesst bis zu 3 Bildern pro Sekunde. (Bild: Nikon)

Die normalen Digitalkameras lassen sich in der Regel nicht mit Wechselobjektiven ausrüsten. Einige Hersteller bieten aber für ihre teureren Megazoom-Modelle optional Weitwinkel- oder Teleobjektiv-Vorsätze an, die aber nur mässig gut sind.

Nur bei den digitalen Spiegelreflexkameras (DSLR) lassen sich, wie bei den analogen Spiegelreflex-Modellen, die Objektive auswechseln, was einen breiteren Einsatzspielraum ermöglicht.

Preisgünstige Spiegelreflexkameras sind, obwohl sie von einigen hochwertigen Megazoom-Kameras hart konkurrenziert werden, für den engagierten Hobbyfotografen sehr attraktiv.

Digitale Spiegelreflex-Kameras für Amateure mit professionellen Ansprüchen gibt es ab etwa 1100 Franken, Zusatzobjektive nicht inbegriffen.


Fazit: Abklären und fragen...

Eine grosse Modellflut und die permanente Lancierung neuer Geräte mit immer raffinierteren Features machen die Wahl nicht einfach.

Deshalb: Einsatzzweck und Ansprüche an die neue Kamera vor dem Kauf ausloten und sich nicht scheuen, beim Fachhändler oder Fachberater nachzufragen.


Text: Consumer Electronics Information Services CEIS