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Publikationsdatum
5. Mai 2010
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Die diesjährige NAB (National Association of Broadcasters), die vom 10. bis 15. April in Las Vegas stattfand, hatte die drei üblichen (ungeschriebenen) Themen jeder technischen Messe: grösser, schneller, günstiger - eingepackt in handfeste Hardware und Software wie 3D-Ausrüstung oder MPEG4- und mobile TV-Lösungen. Und jeder Anbieter, der es irgendwie vermochte, schmückte sich mit seinem Beitrag zu „Avatar“.

HD und 3D

3D-Equipment für die künftigen Investitionen der Filmproduzenten (Bild: Panasonic)

Canon, Panasonic, RED, Sony und andere zeigten ihre 3D-Ausrüstung, die zum greifen plastische Bilder produzierten, für die aber noch wenige Käufer in Sicht waren. Das Problem bei der heutigen professionellen Videoausrüstung scheint zu sein, dass man dafür 10'000 Franken oder mehrere 10'000 Franken hinblättern kann, die Konsumentinnen und Konsumenten am Bildschirm jedoch keinen Unterschied feststellen. Auf der Seite der Fernsehanstalten sollten zudem die mehreren 10'000 Franken für die Erneuerung der gesamten Ausrüstung reichen und nicht nur für eine einzelne Kamera. Zudem müssen Fernsehanstalten und Kabelanbieter zunächst ihre Aufrüstung auf das hochauflösende Fernsehen abschliessen, bevor sie daran denken können, eine Ausrüstung zu kaufen, die zwei räumlich leicht versetzte HD-Aufnahmen gleichzeitig wiedergeben kann.

Viele Formate, viele Bildschirme

Dennoch: jeder Programmanbieter denkt laut über 3D nach. Das aktuelle Hauptproblem jedoch scheint zu sein, denselben Inhalt für drei verschiedene Bildschirme zu produzieren: für den Fernseher, das Internet und das Mobiltelefon.

 

Besser, schneller, günstiger ist ein Motto, das sich in der Nachbearbeitung durchsetzt. Die Anbieter in diesem Bereich wie Quantel, Autodesk, Adobe, Grass Valley, Boris FX oder CineForm bieten zunehmend Lösungen an, die nicht proprietär sind und einen einfacheren Austausch innerhalb einer Arbeitsgruppe erlauben.

Speicherhunger

Vom Rohmaterial bis zur Endversion legen Produzenten alles in verschiedenen Formaten auf Bänder, Discs, Festplatten etc. ab. Dabei haben sie wohl kein geringeres Chaos als der Privatanwender.

Das konkrete Anliegen der Programmproduzenten war: mehr Speicherplatz. Nicht nur 3D, schon HD und die diversen Formate für die diversen Bildschirme produzieren eine Unmenge an Daten, die als Rohmaterial, als nachbearbeitete Clips und als fertiges Produkt gespeichert werden wollen. Für die letzten digital produzierten Filme sind es nicht Gigybyte und auch nicht Terabyte, sondern Petabyte an Speicherplatz, die benötigt werden. (Das soll so viel sein, wie das Pentagon benötigt.)

 

Dementsprechend sind Speicherlösungen ein Wachstumsmarkt. Zwischen 2009 und 2015 soll der Platzbedarf um einen Faktor 10 wachsen, während die vorausgesagten Auslieferungen gar um den Faktor 12 wachsen sollen (von 4 PB auf 47,3 PB). Im Jahre 2009 setzte sich der Speicher in der Unterhaltungsindustrie folgendermassen zusammen: 86% Band, 10% Festplatte, 5% optische und 0,3% Flash-Medien. Bis 2015 soll der Bandanteil auf 83% sinken.

Für kommende Generationen

Der weitaus meiste Speicher wird für die Archivierung verwendet (Quelle: Coughlin Assoc.)

93% des gesamten Speicherplatzes sollen für die Archivierung genutzt werden. Kurzlebige Produkte werden für Generationen aufbewahrt. Doch die Kurzlebigkeit ist eine vermeintliche. Filme wie „Vom Winde verweht“ oder „Psycho“ werden wohl täglich irgendwo auf der Welt gezeigt und füllen die Kassen der Archive, die zu eigentlichen Profit-Center werden.

 

So wird auch die Speicherindustrie profitabler, nicht zuletzt weil Hardware und Betriebssysteme laufend wechseln und auch weil die digitalen Bits unabhängig von der eingesetzten Technik deutlich weniger lang haltbar sind als ein sorgfältig aufbewahrter Film. Es braucht nicht viele korrupte Bits, um eine ganze Festplatte unlesbar zu machen.

Wettbewerb