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Publikationsdatum
20. Mai 2017
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Es ist wieder einmal so weit. Die High End München, weltgrösste Fachmesse für High End Audio, geht über die Bühne, flankiert von der HiFi-Deluxe im Marriot Hotel. Es gibt einen Besucheransturm, und die Sache ist bereits gelaufen. Die Erfolgsmeldungen der Veranstalter werden uns am Montag erreichen.

Im Zentrum des Jubels stehen nach wie vor teure Audiosysteme, die aus vielen teuren Komponenten bestehen und mit vielen teuren Kabeln ausgerüstet sind. Alles steht fein säuberlich auf vielen teuren Gestellen. Alles gut für den eigenen Hörraum, aber nicht wirklich für ein normales Wohnzimmer.

Das Tesla-Symptom

Die Besucher freut es immer noch. Sie drücken sich im übertragenen Sinn die Nasen platt wie am Schaufenster des Maserati-Händlers. Ob sie aber einen Maserati kaufen werden  oder nicht lieber einen Tesla?

Viele Kunden und Besucher sind älteren Datums und freuen sich, dass es High End Audio noch gibt und über die vielen wunderbaren Geräte, die da rumstehen. Sie werden aber nur noch wenig investieren, weil sie vielleicht bald in eine kleinere Wohnung, besser geeignet für den anstehenden Lebensabend, umziehen werden. In zwei bis zehn Jahren kommt der Tag.

Die High-End-Anlage klassischen Zuschnitts geht dann auch in Pension.

Die Besucher, bei denen dieser Tag noch fern ist, haben andere Interessen und ein anderes Verständnis. Sie sind die Hippies oder die Kids der digitalen Revolution in der Musikwiedergabe.

Die digitale Musikwiedergabe erobert gerade High End Audio.

Die Beschwörungen

Gutes Beispiel für ein wohnzimmergerechtes High-End-System...

Es ist sicher alles nicht so eindeutig, wie ich es hier beschreibe. Oder doch? Viele Fachmedien berichten unablässig begeistert über die grosse Vielfalt des Angebots. Eigentlich ist es aber nur eine Ansammlung vieler High-End-Produkte, die sich schlecht verkaufen. Nur wenige verkaufen sich sehr gut. Es sind die Teslas darunter.

Viele Protagonisten beschwören die Individualität des Qualitätsempfindens beim Musikhörer. Hören wir aber wirklich alle so unterschiedlich? Sind es nicht die ewig gleichen Audiogeräte in immer neuem Gewand, die uns so auseinandertreiben? Sind es nicht die integrierten, innovativen Lösungen mit DSP und Aktiv-Elektronik, die neue Mehrheiten finden?  Die Teslas?

Viele Protagonisten beschwören die Rückkehr von Vinyl und feiern quasi den Sieg des Analogen und dessen verborgene, unergründbare Qualität. Die Plattenspieler, die wirklich in grossen Stückzahlen verkauft werden, kosten aber weniger als 500 CHF pro Stück und haben mit High End nichts zu tun. Ein Hoax? Wo ist der Tesla der Plattenspieler? Ist es das Ding, bei dem der Teller auf einem Magnetkissen über der Zarge schwebt, wie Raumschiff Enterprise am Start?

Wohin der Wind uns weht

Die High-End-Kunden der Zukunft bestimmen, wohin der Wind uns wehen wird. Eine digitale Generation von Musikliebhabern. Sie denken schon heute in anderen Kategorien als denen der Geräte und Komponenten. Sie denken an die Musik, die sie von überall her in bester Qualität streamen können. Sie denken an den unverzichtbaren Lautsprecher, der dann aus den Daten Schall erzeugt.

In Zukunft geht es um die Transformierung von Musikdaten in Schall. So direkt, so einfach und verlustlos wie möglich. Geeignet für alle Wohnräume und einfach zu bedienen.

Ich bin gespannt auf die High-End-Messe in München im Jahr 2025.