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Publikationsdatum
9. September 2015
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Die Botschaft von TIDAL ist positiv formuliert, doch faktisch vermindert sich das Angebot der Streamingdienste, die HiFi-Qualität anbieten. - Waren es vor kurzem noch Qobuz, TIDAL und WIMP. Man rüstet sich mit der Fusion gegen den Markteintritt von Apple Music, welche dank der enormen Verbreitung von iTunes schnell die Führung im Musikstreaming übernehmen könnte.

Gewiss, es geht hier um FLAC (CD-Qualität), nicht MP3 oder AAC. Das ist den Musikkonsumenten mehrheitlich egal, den Musikhörern nicht. Die Nachfrage nach unkomprimierten Musiktiteln sei denn rasant wachsend, nennt man die hoffentlich selbst erfüllende Prophezeiung bei TIDAL. 

Die Fusion hat für den Kunden Vorteile. Sein Zugang zum unübersichtlich grossen Angebot fokussiert sich nur dank Playlisten auf seine Präferenzen. Grosse Streamingdienste überleben länger und die Playlisten bleiben gesichert. Garant für ein wenig Nachhaltigkeit.

Für die Fairness gegenüber den Musikern wird auch etwas getan. Werbefinanzierte Gratis-Abos gibt es bei TIDAL nicht. Man will zahlende Kunden, denn Musik muss etwas wert sein, und die Musiker sollen etwas verdienen können. Das ist aber nur möglich, wenn die Streamingdienste und die Labels Transparenz auf ihre Fahnen schreiben.

Nach Recherchen von David Byrne, dem ex Frontmann der Talking Heads, sind Einnahmen und Ausgaben allerorts eine Blackbox. Man erhält keine Auskünfte darüber, und die Musiker und Songschreiber wissen nicht, welchen Anteil am Kuchen ihnen zustehen würde. Genau so wenig wissen sie um die Grösse des Kuchens. Da knallt die Gabel am Ende auf den leeren Teller.

De Facto brauchen die Major Labels, um die es hier geht, keine Tonträger mehr zu produzieren oder viel weniger, und sie lassen sich die Nutzungsrechte von den Streamingdiensten fürstlich bezahlen. - Weniger Kosten und höhere Einnahmen bei steigendem Musikkonsum. Doch wird es künftig weniger solche Streamingdienste geben. - Weniger Nachfrage und weniger Einnahmen für die Musiklabels.

Am Ende werden die Musiker womöglich erneut abgestraft, mit der Entschuldigung, dass man nun halt weniger Einnahmen hätte. Dem Konsumenten scheint es egal zu sein, aber die Musiker können schon einiges bewirken, wenn die Cash Cows (...sorry Taylor Swift) sich gegen solche Praktiken energisch wehren und Transparenz durchsetzen könnten.

Gut, dass es TIDAL gibt, denn die Qualität ist einfach besser. In Gewissheit über die bevorstehenden Kämpfe der grossen Akteure im Musikbusiness und ihrer Investoren ist man gut beraten, Musik auch zu kaufen. Egal ob Downloads oder physische Tonträger. Man hat nur, was man hat.

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