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Publikationsdatum
28. September 2017
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Bei avguide.ch sind wir sehr auf ein gutes Musikerlebnis bedacht, ja sogar fixiert. Geräte und Systeme, die unseren Anspruch nicht erfüllen, sind so wenig erstrebenswert wie der schlechte Wein, den man nicht trinkt. Unser Anspruch hat seine Tücken:

Das gute Musikerlebnis ist nicht für jedermann dasselbe. Die Bandbreite reicht von der «perfekten Illusion eines Konzerts» im eigenen Heim bei den einen Hörern bis zu «vollen Bässen und kristallklaren Höhen» bei den anderen. In dieses grosse Schema passen irgendwie fast alle Audioprodukte, die es heute zu kaufen gibt.

Darum gibt es auch keinen einzigen Hersteller, der sagen würde: «Unser Zeugs klingt nicht so toll aber dafür ist es billig.» Es gibt aber zahlreiche Hersteller, auf die diese hypothetische Aussage zutrifft. Aber selbst diese können sich beim Prädikat «gutes Musikerlebnis» gefahrlos einordnen.

Marktwachstum im Audio-Markt

Die jüngsten Erhebungen von GFK anlässlich der IFA 2017 bestätigen ein weltweit erfreuliches Wachstum der gesamten Audio-Branche in fast allen Bereichen. Das Umsatzwachstum ist in mehreren Bereichen grösser als das Absatz-Wachstum. Ein Hinweis darauf, dass die Konsumenten höhere Preissegmente favorisieren, weil sie sich eine bessere Qualität versprechen.

Für das Wachstum seien laut GFK vor allem innovative Technologien verantwortlich: So die Bluetooth-Technologie, Streaming-Lösungen und Multiroom-fähige Audio-Systeme. Dazu gesellt sich Digitalradio.

avguide.ch meint

Ein für alle Mal: Bluetooth-Technologie, Multiroom-Fähigkeit und Streaming führen nicht zu einem besseren Musikerlebnis. Und wenn überhaupt, dann nicht «wegen», sondern «trotz».

Qualität dank Technologie?

Neue Technologien führen also laut GFK zu einem guten oder besseren Musikerlebnis und in Folge zu erhöhter Nachfrage und zu Marktwachstum. Das ist ein Irrtum.

Richtig ist, dass neue Technologien zu erhöhter Einfachheit und Flexibilität beim Musikhören führen. Stichworte: Mehr Mobilität, mehr Möglichkeiten, weniger Kabel, weniger Installationsaufwand, einfache Bedienung. Das spricht die Konsumenten an, weil es neu, praktisch und spannend ist.

Das gute (oder bessere) Musikerlebnis ist eine individuelle Wahrnehmung. Alle diese Übertragungstechnologien ersetzen zwar die ungeliebten Kabel, sind aber nicht besser als sie. Wenn das Musikerlebnis gut ist, dann nicht «wegen» Bluetooth oder Streaming, sondern bestenfalls «trotzdem».

Fazit

Das erste iPhone führte nicht zu besserem Telefonieren und besserem Musikhören. Es eröffnete neue Möglichkeiten und es war anders als andere Mobiltelefone. Der Appetit kam mit dem Essen. Die Konsumenten entdeckten die Möglichkeiten des iPhones und der vielen Apps.

Die Audio-Hersteller machen keine neuen Geräte mit neuen Technologien, um damit ein besseres Musikerlebnis zu bieten. Sie machen etwas Neues um den Konsumenten neue Möglichkeiten zu bieten, damit eine grosse Nachfrage entsteht.

Sie müssen aber vom guten Musikerlebnis schwärmen. Sie können unmöglich behaupten, dass das gar nicht so wichtig ist, weil die Wahrnehmungen weit auseinandergehen.

Die Audio-Hersteller müssen sich in Tat und Wahrheit darauf konzentrieren, dass es trotzdem gut klingt. Und das machen viele auch. Dessen bin ich mir sicher.

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