15. August 2018 | seit 1999
TESTBERICHT
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Publikationsdatum
23. Dezember 2002
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High-Fidelity für Puristen wird heutzutage nur noch selten angeboten. Eine löbliche Ausnahme stellt der britische Traditionshersteller Musical Fidelity dar, der aktuellen Surround-Sound-Trends eine Abfuhr erteilt und ganz auf bestmögliche Stereo-Wiedergabe setzt. Die Kombination aus CD-Spieler/Wandler/Vorverstärker und zwei Monoblock-Endverstärkern weiss wahrhaft audiophile Gelüste zu wecken.
Als Besonderheit verfügt der M250 über Trigger-Eingänge für die Ferneinschaltung
Als Besonderheit verfügt der M250 über Trigger-Eingänge für die Ferneinschaltung
Firmengründer Antony Michaelson kann heuer das 20jährige Jubiläum seines Unternehmens feiern. Musical Fidelity war – wie der Name schon sagt – von Anfang an der hochwertigen Musikwiedergabe verpflichtet. Nach vorübergehenden Abstechern in das Surround-Sound-Gebiet besinnt man sich heute ganz auf die Wurzeln zurück und spezialisiert sich auf hochwertige Stereo-Komponenten, die den audiophilen Musikliebhaber ansprechen. Dabei zeigen die Briten erstaunliche Schaffenskraft sowie Innovationsfreude und präsentieren stetig neue Komponenten, die sich durch ein hohes Qualitätsniveau und einen durchweg guten Bedienungskomfort auszeichnen.

Drei in eins

Aus dem Vollen gefräst: der massive Lautstärke-Drehknopf beim CD Pre24.
Aus dem Vollen gefräst: der massive Lautstärke-Drehknopf beim CD Pre24.
Beim CD Pre24 handelt es sich um eine Gerätekategorie, die man sonst selten zu Gesicht bekommt. Einem hochwertigen analogen Vorverstärker mit vier Line-Eingängen (einer davon als Tape-Monitor) sind ein CD-Spieler sowie ein Digital-Analog-Wandler beigefügt, welch letzterer weitere Digitalquellen wie DAT oder MiniDisc aufbereitet. Dazu findet sich eine umfangreiche digitale Anschlussperipherie inklusive Monitorausgang, über den man sämtliche Quellen digital verlustfrei auf einen DAT- oder MD-Recorder überspielen kann. CD-Preceiver/Wandler ist also die korrekte Bezeichung für diese vielseitige Schaltzentrale, die für die Musikwiedergabe – nebst Lautsprechern – nur noch einen Endverstärker benötigt. So gesehen entpuppen sich die anfänglich als recht gross empfundenen Abmessungen des CD Pre24 im Grunde genommen als sehr moderat, benötigt doch derjenige, der ausschliesslich CDs hören will, keine weitere Hardware im HiFi-Rack. Zumal dann wenn er dazu ferneinschaltbare Monoblock-Endverstärker wie die M250 kombiniert.

Das Erscheinungsbild des CD Pre24 hinterlässt einen hochklassigen Eindruck, den er zu gleichen Teilen der massiven Bauweise und dem übersichtlichen Design der aus dem Vollen gefrästen Alufrontplatte zu verdanken hat. Und der äussere Eindruck täuscht nicht: Das geöffnete Gerät zeigt einen wunderschönen, durchdachten Innenaufbau ohne jeglichen Kabelverhau, der deutlich macht, dass Musical Fideltiy über modernste CAD-Entwicklungstools für Schaltungstechnik und Platinenlayout etc. verfügt. Nicht zuletzt punkto Bedienungskomfort vermag der CD Pre24 dank Vollfunktions-Fernbedienung zu überzeugen.

Upsampling-Technik

Blitzsauberer Innenaufbau beim CD Pre24
Blitzsauberer Innenaufbau beim CD Pre24
Der aufwendige DA-Wandler arbeitet mit Upsampling-Technik. Dies bedeutet, dass die CD-Abtastrate von 44,1 kHz auf 96 kHz hochgerechnet und in einem Bereich verarbeitet wird, wo sich digitale Verzerrungen, Rauschen und Phasendrehungen verursacht durch Filter weit weniger auf den Hörbereich auswirken. Gleichzeitig will diese Technik die Auflösung von 16 Bit durch Einsatz von "Dithering" (Einfügen von Rauschanteilen im niedrigen Bitbereich) virtuell auf 24 Bit erhöhen. Natürlich kann dies echte hochauflösende Aufnahmen (wie SACD oder DVD-Audio) nicht ersetzen, aber das Ziel ist, jeder CD zu mehr Flair, Ambiente und Dynamik zu verhelfen. Interessanterweise ist der CD Pre24 zusätzlich mit einem Analog-Digital-Wandler ausgestattet. Damit wird es erst möglich, am digitalen Monitor-Ausgang auch analoge Quellen anzubieten. Dies eröffnet interessante Perspektiven für besitzer älterer DAT-Recorder, die mit veralteten 16-Bit-AD-Wandlern ausgestattet sind. Dank des Einsatzes eines hochwertigen 24-Bit-AD-Wandlerchips (Crystal CS5396) erreicht der CD Pre24 nämlich eine theoretische Dynamik von 120 dB. So kann man beispielsweise Schallplatten guten Gewissens auf DAT archivieren.

Kraftpakete

Das Gehäuse aus massiven Aluprofilen sorgt für gute Wärmeabfuhr und verleiht dem Endverstärker eine enorme Stabilität.
Das Gehäuse aus massiven Aluprofilen sorgt für gute Wärmeabfuhr und verleiht dem Endverstärker eine enorme Stabilität.
Wenig gibt es über die Monoblöcke M250 zu berichten. Diese kompakten Kraftmeier liefern satte 450 Watt an 4 Ohm und arbeiten wie alle Musical Fidelity Verstärker mit relativ wenig Rückkopplung. Auch hier findet sich die robuste Bauweise, die sich in hoher Resonanzarmut und entsprechend sauberem Klang auszahlen soll. Als willkommenes Extra verfügt der M250 über eine Ferneinschaltung, die man entweder über eine Triggerleitung vom Vorverstärker oder – noch viel einfacher – via Einschaltautomatik, sobald ein Musiksignal ankommt, aktiviert. Dreissig Minuten nachdem kein Signal mehr eintrifft, gehen sie wieder in Standby zurück. Damit kann man die M250 komplett "vergessen" und dank geringer Frontabmessungen auch direkt hinter den Lautsprechern verstecken. Auch an den Bi-amping/Bi-wiring-Einsatz wurde gedacht: Der M250 verfügt nicht nur über zwei Paar massive Lautsprecherklemmen, sondern auch noch über einen seriellen Line-Ausgang, an den man einen weiteren Monoblock anschliessen kann. So spart man ein zweites, langes NF-Kabel zwischen Vor- und Endstufe, wobei man sagen muss, dass der CD Pre24 sowieso nur einen einzigen Stereoausgang anbietet.

Top-Klang

Zunächst musste sich der CD Pre24 im Vergleich zu renommierten Mitbewerbern klanglich behaupten. Gehört wurde mit dem Endverstärker McIntosh MC2102 sowie den Lautsprechern B&W 800 und KEF Reference 201. Tonal plazierte sich der Musical Fidelity zwischen dem Arcam CD23 und T+A CD 1240 R. Gegenüber dem Landsmann spielte er etwas strahlender und generierte noch mehr "Luft" zwischen Einzelinstrumenten. Dem setzte der T+A eine extrem dynamische und plastische Spielweise gegenüber, die allerdings – je nach Filterstellung – stellenweise etwas ins Unruhige abzudriften drohte. Hier lag denn auch eine grosse Stärke des Briten: Der CD Pre24 verlor nie die Ruhe im Sturm und wirkte auch bei Fortissimo-Passagen völlig unangestrengt und homogen. Diese "innere Ruhe" und Ausgeglichenheit schätzt man umso mehr, je länger man mit dem CD Pre24 hört. Sie verleiht der CD-Wiedergabe den gewissen "human touch", mit dem Musikkonserven erst wirklich zum Leben erwachen. Stimmen erklingen süss, Instrumente mit natürlichem Timbre und wunderschönen Klangfarben.

Offenbar bewirkt die Upsampling-Technik wirklich einiges, denn auch alte Digitalaufnahmen erstrahlen in neuem Glanz und klingen irgendwie schöner, als man sie in Erinnerung hat. Die dynamischen Eigenschaften lassen nichts zu wünschen übrig. So erklingt ein hart angeschlagenener Flügel im Diskantbereich durchdringend klar und stabil, ohne ins Metallische abzugleiten. Percussion kommt unglaublich fein und ziseliert. Der Tieftonbereich schliesslich enorm konturiert und druckvoll bis in tiefste Lagen. Hier zahlt sich wohl der hohe Aufwand aus, den man bei der Stromversorgung des CD Pre24 getrieben hat. Interessant war der Vergleich mit dem Referenz-Player DVD-A1 von Denon. Ähnlich wie der T+A ging dieser DVD-Audio-Spieler scheinbar etwas dynamischer und mit höherer Ortungsschärfe zu Werke als der Brite. Aber dennoch machte hier der Musical Fidelity Punkte gut, denn er erwies sich als Meister der feinen Zwischentöne, bei enormer musikalischer Stimmigkeit. Da musste der Denon schon HDCD-Aufnahmen bemühen, um sich vom Briten abzusetzen. Dies zeigt, dass separate CD- Spieler-/Wandler gegenüber Kombi-Playern (egal ob DVD-Audio oder SACD) doch noch ihre Berechtigung haben.

Überraschungstäter

Die äusserlich unscheinbaren Monoblöcke M250 waren im Hörtest für mehr als eine Überraschung gut. Enorme Musikalität kombiniert mit exzellenten dynamischen Eigenschaften – so könnte man ihren Charakter auf den Punkt bringen. Wie der CD Pre24 verfügen sie über eine Mühelosigkeit der Wiedergabe, die ihresgleichen sucht. Fortissimo-Passagen schütteln sie locker aus dem Ärmel und bleiben dabei harmonisch ausgeglichen. So schafften sie es problemlos, die doch fast 30000 Franken teuren B+W 800 zu Höchstleistungen zu motivieren. Dabei hatte man nie das Gefühl, dass das Qualitätsniveau der vergleichsweise preisgünstigen Endstufen der Superbox nicht adäquat wäre. Auch in puncto Räumlichkeit der Wiedergabe sowie Tiefgang und Basskontrolle waren keinerlei Einschränkungen zu verzeichnen, wie es überhaupt schwerfallen dürfte, den M250 irgendwelche Schwächen zu attestieren.

Fazit

HiFi-Stereofonie der Extraklasse – für Puristen. Musical Fidelity besinnt sich zum 20jährigen Jubiläum auf sein Wurzeln und präsentiert ein stimmige, musikalische Wiedergabekette, die weder in puncto Verarbeitung, Handling noch Klang Wünsche offenlässt.
STECKBRIEF
Preis:
CD Pre24: 4490 Franken; M250: 3580 Franken (Paar)
Profil:
HiFi-Stereofonie der Extraklasse – für Puristen.
Pro:
erstklassiger Klang,
Top-Verarbeitung,
Einschaltautomatik,
Handling
Contra:
-
Ausstattung:
CD Pre24,
Hochpegel/XLR 3/-
Tape 1
Digital ein optisch/koax. 2/2,
Digital aus optisch/koax. 1/1,
Digital Monitor aus 1,
Ausgänge line/symm. 1/-,
Technische Daten:
CD Pre24,
Abmessungen (BxHxT) 44 x 14,2 x 37,5 cm
M250,
Abmessungen (BxHxT) 19,2 x 12,5 x 46 cm,
Ausgangsleistung 8/4 Ohm 250/240 Watt
Wettbewerb