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Testbericht · Philips · In-Ear-Kopfhörer

Filigran und klangstark

Test Kopfhörer Philips Fidelio T1

Von Martin Freund · · Seite 2 von 2
Fidelio T1Fidelio T1

True Wireless kombiniert mit aktiver Geräuschunterdrückung – kaum eine andere Kategorie von Kopfhörer ist so populär im portablen Einsatz. Aber nur wenige Modelle im Premium-Segment versprechen auch zu Hause Hörgenuss in HiFi-Qualität. Dazu gehört zweifelsfrei der neue Fidelio T1 von Philips, der kompaktes Design mit guter Praxistauglichkeit verbindet.

Fidelio verpflichtet: Das Premium-Label von Philips Audio verspricht seit jeher Top-Verarbeitung und eine Klangqualität, die auch hohe Ansprüche zufriedenstellt. Der Fidelio T1 ist der kleine Bruder der erfolgreichen Modelle Fidelio X3 (Test nachzulesen hier) und Fidelio L3 (Test nachzulesen hier). 

Wie schon der L3 ist auch der neue T1 mit einer aktiven Geräusunterdrückung ausgestattet. TP Vision (der Hersteller von Philips Audio) hat hier ein Verfahren namens «Advanced Hybrid Noise Canceling Pro+» realisiert. Es kombiniert aktive und passive Geräuschabschirmung. Letztere wird durch eine  gute Passform der Ohrpolster erzielt. Nur wenn die Stöpsel auch richtig sitzen, ist die Basis dafür gelegt, dass das ANC den unerwünschten, nach nach innen dringenden Restschall effizient auslöscht. Ein guter Sitz der Kopfhörer ist jedoch nicht nur für sicheren portablen Einsatz und guten Tragekomfort entscheidend, sondern auch für die resultierende Klangqualität: Besonders die tiefen Tönen gewinnen, wenn man die optimal passenden Polster auswählt. Im Lieferumfang des T1 finden sich Silikonstöpsel in fünf verschiedenen Grössen sowie zusätzlich formstabile Schaumstoffpolster in drei Grössen. Somit dürfte wirklich jedes Ohr das passende Gegenstück finden.

Für jedes Ohr das passende Gegenstück: Insgesamt stehen acht zusätzliche Stöpsel zur Auswahl.Für jedes Ohr das passende Gegenstück: Insgesamt stehen acht zusätzliche Stöpsel zur Auswahl.

Die aktive Geräusunterdrückung kann grundsätzlich in zwei Modi – «ANC ein» oder «Awareness-Modus» – gewählt werden. Dies wahlweise via Philips «Headphones App» (für Android oder iOS) oder per Touch-Steuerung mittels zweimaligen kurzen Antippens der runden Metallabdeckung auf dem rechten Ohrhörer. Ebenso kann man das ANC ganz ausschalten. In der App lässt sich zusätzlich die Intensität des Noise Cancellings in drei Stufen (hoch, niedrig, Reduzierung von Windgeräuschen) wählen. Die Touch-Steuerung funktioniert nach kurzer Eingewöhnung gut. Sie kommt auch bei der Musikwiedergabe (Play, Pause) sowie beim Entgegennehmen/Beenden von Anrufen zum Einsatz. Sogar der Google Sprachassistent (auf kompatiblen Android-Handys) ist darüber mittels Antippen des linken Ohrhörers aktivierbar. Insgesamt kommen im Philips Fidelio T1 sechs Mikrofone zum Einsatz – drei in jedem Ohrhörer – wobei zwei Mikrofone für die Geräuscherfassung zu Handen des ANC und eines für die Freisprechfunktion benötigt werden.

Grosse Klänge aus Zwergen-Speakern? Das kann und darf ja nicht wahr sein! Doch wer sich den Klang dieses Systems, sei es bei Background-Musik, swingendem Jazz oder gar anspruchsvollerer Klassik zu Gemüte führt, wird feststellen: Das tönt wirklich gar nicht übel!

Natürlich ist auch das neue 3.2.1 GSXL-System keine ernsthafte Konkurrenz für eine Top-HiFi-Anlage. Doch haben es die Bose Ingenieure inzwischen geschafft, das berüchtigte "Frequenzloch" zwischen den kleinen Gemstone Speakern und dem Subwoofer fast vollständig zu beseitigen.

Dementsprechend ausgewogen ist der Klang. Und je nach Aufnahme wächst die Klangbühne weit über die Boxen hinaus. Absolut verblüffend ist es, wie dieses kleine System bei jazzig-rockiger Musik einen knackigen, griffigen Sound entfalten kann.

Die Klangqualität der Bose-Datenreduktion verdient ein "gut" Die Klangunterschiede zwischen originaler CD und auf Festplatte gespeicherter Musik sind absolut tolerierbar.

High-Tech dicht gedrängt: Der winzige Fidelio T1 beherbergt hoch integrierte Komponenten auf engem Raum.High-Tech dicht gedrängt: Der winzige Fidelio T1 beherbergt hoch integrierte Komponenten auf engem Raum.

Die schick designte, mit Echtleder-Applikation bezogene Ladebox verlängert den Einsatz auf bis zu 35 Std. – ideal für längere Reisen und den Urlaub. Der Fidelio T1 ist mit der jüngsten Bluetooth-Norm 5.2 kompatibel und damit punkto Connectivity zukunftssicher ausgelegt. Kompatible Handys optimieren im Zusammenspiel die Audio-Übertragung selbst bei niedrigen Bitraten und überbrücken problemlos grosse Distanzen (theoretisch sogar über 10 m) zum Kopfhörer. Hohe Bitraten – wichtig für die Übertragung von HiRes-Audio – sind damit ebenfalls kein Problem. So unterstützt der T1 LDAC – nicht jedoch aptX Adaptive.

Mit dem schicken Ladecase werden portable Einsatzzeiten von bis zu 35 Stunden möglich.Mit dem schicken Ladecase werden portable Einsatzzeiten von bis zu 35 Stunden möglich.

Praxis und Fazit

Inbetriebnahme und Bluetooth-Koppelung fallen mittels der Philips Headphones-App kinderleicht. Google Fast Pairing ist ebenfall möglich. Mit den passenden Ohrstöpseln ist auch ein bewegter Einsatz kein Problem. Verliert ein Hörer doch mal den Halt, so muss dem Nutzer nicht gleich bange werden: Der T1 ist sehr robust konstruiert und zudem spritzwassergeschützt. Dank dem erstaunlich niedrigen Gewicht würde er sich prinzipiell auch zum Joggen eignen, aber die Furcht vor unbeabsichtigtem Herausfallen sowie eine leichte Trittschallübertragung trüben dann doch das bewegte Hörvergnügen. Der Tragekomfort ist letztlich nur subjektiv zu bewerten; verschiedene Testpersonen empfanden diesen mit passendem Ohrpolster als «in Ordnung» bis «gut». Nur, wer prinzipiell keine In-Ear-Hörer mag, wird sich auch mit dem Fidelio T1 nicht anfreunden können. Für diese Klientel gibt es von Philips Audio jedoch den formidablen Over-Ear-Hörer Fidelio L3, der inzwischen für super-günstige CHF 249 angeboten wird.

Die Qualität der Geräusunterdrückung hängt beim T1 (wie auch bei vergleichbaren In-Ear-Hörern) stark von Einsatz der optimal passenden Ohrstöpsel ab. Diese müssen richtig sitzen. Dann generiert das ANC auch ohne Musikhören eine deutliche Lärmentlastung vor allem bei unteren und mittleren Frequenzen. Bei  gleichzeitiger Musikwiedergabe schaltet der T1 (in ANC-Einstellung «hoch») eine Loudness-Funktion zu, die tieffrequenten Umgebungslärm zusätzlich überdeckt.

Fast nur Positives gibt es über die Klangqualität zu berichten: Der Fidelio T1 setzt alle Musikarten geschmackvoll und lebendig in Szene. Eindrücklich ist insbesondere das Niveau der Tieftonwiedergabe: druckvoll, tiefreichend und doch nicht zu «fett». Die tonal wichtigen Mitten werden nicht vom Bass überdeckt; auch hier agiert er T1 verfärbungsfrei und offen. Ebenfalls erfreulich: Die Tonqualität nimmt bei eingeschaltetem ANC kaum ab. Lediglich der damit verbundene Loudness-Effekt kann bassstarke Aufnahme dann doch etwas «aufdicken». Im Übrigen sollte man sich nicht davor scheuen, auf den in der App integrierten Equalizer zurückzugreifen. Insbesondere die Einstellung «kraftvoll» vermag zu gefallen, indem die Höhen klarer und besser durchhörbar erklingen.

Klang und Wirksamkeit der Geräuschunterdrückung hängen wesentlich auch vom optimal passenden Ohrstöpsel ab.Klang und Wirksamkeit der Geräuschunterdrückung hängen wesentlich auch vom optimal passenden Ohrstöpsel ab.

Interessant war der Hörvergleich mit dem PI7 von Bowers & Wilkins (Test nachzulesen hier). Dieser klang in den Höhen noch etwas freier und insgesamt etwas weiträumiger. So konnte der PI7 besonders bei klassischer Musik punkten. Der Fidelio T1 klang etwas direkter, dafür nicht ganz so räumlich transparent. Er punktete jedoch mit schön definierten Mitten und sattem Bass besonders auch bei Pop-Musik. Für den high-fidelen Musikgenuss zu Hause sind beide gut geeignet. Wer hauptsächlich zu Hause und weniger oft unterwegs hört, sollte vielleicht dennoch einen ohrumschliessenden True Wireless-Hörer wie den Fidelio L3 ins Auge fassen. Dessen Klangqualität ist noch hörbar besser – keine Wunder, können sich bei ihm doch leistungsstärkere 40-mm-Treibereinheiten in relativ grossen Hörmuscheln optimal entfalten. Für mobile Nutzer, die einen hochwertigen In-Ear-Hörer für jeden Einsatzzweck suchen, ist der Fidelio T1 eine valable Wahl im Permium-Segment.

Fazit

Der Philips Fidelio T1 punktet mit langer Einsatzdauer, einfacher Bedienung und hoher Klangqualität. Dank Bluetooth 5.2 arbeitet er auch mit der allerneusten Handy-Generation nahtlos zusammen. Punkto Verarbeitung, Design und Haptik gehört der T1 eindeutig ins Premium-Segment. Umso erfreulicher, dass der Preis für den klingenden Winzling vergleichsweise moderat ausfällt.

Ideal für lange Reisen: Der Fidelio bietet eine sehr lange Akkulaufzeit.Ideal für lange Reisen: Der Fidelio bietet eine sehr lange Akkulaufzeit.
Steckbrief
ModellFidelio T1
Preis349.00 CHF
HerstellerPhilips
VertriebAlltron AG
Jahrgang2021
Masse84,9 x 51,5 x 32,4 mm
Gewicht0,013 kg
FarbeSchwarz, Weiss
BluetoothJa
Noise CancellingJa
True WirelessJa
WirelessJa
BauprinzipIn Ear
Bluetooth CodecsVersion 5.2, LDAC, AAC, SBC
Ladezeit2 h
SprachsteuerungGoogel Assistant
Treibereinheit2-Weg, dynamisch
Verwendungsdauerbis zu 35 h

Testurteil

7 / 10

Plus

  • Wirksame, dreistufig wählbare Geräuschunterdrückung.
  • Klangqualität auch für höhere Ansprüche geeignet.
  • Geringes Gewicht.
  • Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
  • Hohe Praxistauglichkeit zu Hause und unterwegs.
  • Sehr gute Sprachverständlichkeit beim Empfang von Anrufen.
  • Acht unterschiedliche Ohrstöpsel im Lieferumfang.
  • Robust und spritzwassergeschützt.
  • Bluetooth 5.2-kompatibel.

Minus

  • Leichte Trittschallneigung.
  • Kein Ladeadapter im Lieferumfang.

Profil: Toll verarbeiteter und edel designter Bluetooth-In-Ear-Hörer mit aktiver Geräuschunterdrückung und erfreulich hoher Klangqualität auch bei aktiviertem ANC. Relativ guter Halt unterwegs über passende Stöpsel. Lange mobile Einsatzzeit. Den Fidelio T1 gibt es in zwei Farben, als Modell T1BK in Schwarz oder als Modell T1W in Weiss/Silber.

Der Autor Martin Freund

Martin Freund ist Redaktor bei avguide.ch und testet seit den Anfängen Verstärker, Lautsprecher und Analog-Komponenten. Der Fachjournalist beurteilt Geräte klanglich wie technisch mit einer Tiefe, wie sie heute selten geworden ist.

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