Nicht zu bestreiten: Die genial gemachten AirPods Max mit ihrem Schutz-Holster, welches auch noch dafür sorgt, dass die Standby-Stromaufnahme minimiert wird.
Etwas geschrumpft, aber Ähnlichkeiten sind noch vorhanden: Links das Canon-Schlachtschiff EOS 5D IV, daneben die neue EOS R.Passt in die Hand
Wer die Canon-Spiegelreflexkamera EOS 5D IV kennt, könnte die EOS R für deren kleine Schwester halten. Schliesslich arbeitet in ihr ein sehr ähnlicher Sensor mit über 30 Millionen effektiven Pixeln. Sie verfügt jedoch über den neusten Digic-8-Bildprozessor, was zusätzliche Möglichkeiten eröffnet.
Während andere Hersteller den Wegfall des Spiegels konsequent ausnutzen und Kameras mit viel kleineren Abmessungen bauen, beharren Nikon und Canon weiter auf «Gehäuse-Boliden». Zwar ist die EOS R gegenüber einer 5D IV beinahe 2 cm niedriger, 15 mm kürzer und wiegt mit 660 Gramm ganze 230 Gramm weniger, aber unterschätzen sollte man ihre Abmessungen und das Gewicht dennoch nicht, vor allem nicht beim Einsatz mit grossen Optiken. EOS-R-Kamera und Kit-Objektiv RF 24–105 mm wiegen zusammen 1350 Gramm.
Mir lag die EOS R ausgezeichnet in der Hand, der Griff ist tief und sehr gut ausgeformt, kurz gesagt, er hat einfach das richtige Mass. Bei Händen durchschnittlicher Grösse bleibt auch der kleine Finger noch am Gehäuse und rutscht nicht unten durch. Ein Detail, auf das erstaunlich viele Fotografen grossen Wert legen und nur dafür in einen Batterie- oder Hochformatgriff investieren. Bei der EOS R ist dies nicht nötig. Auch grössere Objektive hält man sicher fest, und das Vollformat, auch wenn es jetzt spiegellos ist, verlangt noch immer nach voluminösen Objektiven, vor allem bei lichtstarken Gläsern.
Wie den meisten Profikameras fehlt auch der EOS R ein eingebautes Blitzgerät. Sie ist jedoch mit der übrigen Canon-Welt kompatibel. EOS-Systemzubehör und Speedlite-Blitzgeräte können an ihr angeschlossen werden. Sogar eine markenfremde PocketWizard-Funkfernsteuerung für Blitzgeräte harmonierte mit meiner EOS R, wenn auch nur im Automatikmodus.
Bei der Stromversorgung bleibt Canon beim langjährigen LP-E6-Typ, der für die EOS R in der neuen Version LP-E6N erscheint und auch per USB-Anschluss in der Kamera geladen werden kann. Leider ist diese Variante sehr wählerisch, was das USB-Ladegerät angeht. Von meinen drei Geräten funktionierte kein einziges. Hier möchte Canon wohl sein eigenes (teures) USB-Ladegerät PD-E1 verkaufen. Die normalen LP-E6-Akkus können in der EOS R verwendet, aber nicht per USB geladen werden.
Adapter sei Dank: Vorhandene EF-Objektive lassen sich mittels Zwischenstück an der EOS R andocken. Im Bild der Adapter mit dem neuen Objektiv-Steuerring.Altglas-Verwertung
Nicht jeder Canon-Fotograf wird sich beim Erwerb einer EOS R gleich alle vier neuen Optiken zulegen wollen oder können. Dies ist auch nicht nötig, denn ein schon vorhandener Canon-Objektiv-Park lässt sich mit den EF-EOS-R-Bajonettadaptern weiterhin verwenden. Bereits erhältlich sind der normale «nackte» Adapter sowie die Version mit Objektiv-Steuerring, die ich zum Test erhielt. An beiden lassen sich EF- wie auch EF-S-Optiken anschliessen, jedoch keine EF-M-Objektive der APS-C-Kameraserie von Canon.
Die EF-EOS-R-Adapter selbst sind linsenlos. Sie überbrücken im Grunde genommen nur die unterschiedlich langen Auflagemasse von EF- und RF-Bajonett und übertragen die Anschlusskontakte.
So adaptierte ich gleich ein älteres EF 17–40 mm f/4.0 L, ein EF 24–70 mm f/2.8 L USM, ein EF 100 mm f/2.8 sowie das EF 70–200 mm f/4 L IS USM. Alle Objektive verhielten sich an der EOS R wie gewohnt und stellten beim Fotografieren ohne Murren und erstaunlich zügig scharf. Das RF 24–105 mm war jedoch klar schneller beim Fokussieren und vor allem leiser.
Dies fällt umso mehr beim Filmen auf. Da die älteren EF-Optiken noch fürs Fotografieren auf Film optimiert sind und weil von Videoaufnahmen mit Fotokameras damals noch keine Rede war, knarzten die Altgläser ziemlich laut während der kontinuierlichen Schärfenachführung beim Filmen. Sie fokussierten recht zuverlässig, nur bei längeren Brennweiten gab es ab und zu ein Schärfepumpen. In Schnelligkeit und Hörbarkeit mussten sie sich jedoch klar vom RF 24–105 mm geschlagen geben. Sobald ich auf dieses wechselte, herrschte wieder absolute Ruhe. Am besten filmt man mit älteren EF-Objektiven bei manueller Fokussierung und setzt ein externes Mikrofon oder einen separaten Audiorecorder zur Tonaufnahme ein.
Bestens kam ich auch mit dem Objektiv-Steuerring im EF-EOS-R-Bajonettadapter klar. Er erweitert die Einstellmöglichkeiten komfortabel, und damit sind wir bei den neuen Bedienungsmöglichkeiten der Canon EOS R.



