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High End 2013 München

Eindrücke von der Messe für hochwertiges Audio

Über das Auffahrtswochenende traf sich die internationale Gilde der Audiophilen oder weniger prä­ten­ti­ös, die HiFi-Interessierten in München zur High End 2013.

Von Daniel Schmid · 20. Mai 2013
Attraktive Hi-Fi Präsentationen an der High End 2013 in MünchenAttraktive Hi-Fi Präsentationen an der High End 2013 in München

Nach den Anfängen 1982 in Düsseldorf und dem Hotel Kempinski in Frankfurt gastierte die High End nun bereits zum zehnten Mal in den Messehallen des M.O.C in München. Für eine reine Hotelmesse ist die High End längst viel zu gross geworden. Fast unglaubliche 363 Aussteller aus insgesamt 35 Ländern präsentierten in diesem Jahr ihre Produkte für hochwertiges Audio und nahmen zum Teil erhebliche Kosten auf sich. Redet da noch irgendjemand von Krise?

Wie ein angelsächsischer Kollege bestätigte, hat die High End in München inzwischen auch der CES in Las Vegas den Rang abgelaufen und sich als weltweite Leitmesse etabliert. Wer irgendwie im Markt für hochwertiges Audio vertreten sein will, muss in München präsent sein. Sei es auch nur mit einem kleinen Stand im Foyer. Abseitsstehen ist hingegen verboten.

Die High End ist nicht nur eine Bühne für HiFi-Produkte, sondern durchaus auch eine Messe im klassischen Sinne. Viele Gespräche werden geführt, man lotet Geschäftsmöglichkeiten aus und Newcomer versuchen, im Markt Fuss zu fassen. Entsprechend gross ist der Anteil des Fachpublikums. Aus gut siebzig Ländern pilgerten Journalisten und Branchenfachleute nach München und machten knapp einen Drittel der insgesamt 15’000 Messebesucher aus.

Breites Spektrum

Das Angebot der in München präsentierten Produkte ist durchaus vielschichtig und längst nicht alles, was unter dem Label “High End” läuft, muss zwangsläufig absurd teuer sein und sich im obersten Preissegment ansiedeln.

Auch für auf Stückzahlen bedachte Marken wie Denon, Panasonic oder Sony ist die High End eine willkommende Gelegenheit, ihre Angebote fürs Heimkino und für die audiovisuelle Wohnraumvernetzung anzubieten.

Natürlich ist auch unübersehbar der oberste Luxusgüterbereich namhaft vertreten, wo man die Preisgestaltung ungeniert auf Cartier- oder Hublot-Niveau ansetzt. Auch beim Design orientiert man sich gerne an den Vorbildern aus anderen Luxusbranchen. Der Metall-Look in Gold, Chrom und Titan ist bei gewissen Audiomarken hoch im Kurs. Man verkauft ja nicht nur guten Klang, sondern auch Standesbewusstsein und will sich mit einem entsprechendes Auftreten bei der Klientel empfehlen. Bisweilen wird mit der ganz grossen Kehle angerührt. Ob das Klangergebnis dann auch wirklich dem eignen Selbstverständnis entspricht, sei mal dahingestellt. Das Motto “Weniger ist mehr” hat durchaus auch im Audiobereich immer wieder seine Berechtigung. Spass macht es trotzdem, sich einmal vor eines dieser Monstersetups im sechsstelligen Preisbereich hinzusetzen.

Trends und zwei Innovationen

Dass die Vakuumröhre für viele HiFi-Begeisterte das Verstärkerelement schlechthin darstellt, ist beileibe keine Neuigkeit, aber die Anzahl an Röhrenverstärker war enorm. Die Palette reichte von handgefertigten und offen verdrahteten, höchst sympathischen Einzelstücken im Retrodesign wie gesehen bei Thöress bis zu wassergekühlten Trioden-Endstufen mit computerregulierter Ruhestromeinstellung inklusive Fernwartung vom Hersteller übers Internet bei Audio Power Labs 833T. 

Immer besser und aufwendiger werden die Wandler für hochauflösendes Audio. Das Thema bietet viel Platz für Newcomer, die aus andern Gebieten digitales Fachwissen mitbringen wie MSB aus den USA, M2Tech aus Italien oder Aurelic. Obwohl noch kaum Download-Files vorhanden sind, ist Direct Stream Digital (DSD) das aktuelle Thema. DSD hat gegenüber PCM so einige Vorteile. Wünschenswert wäre, man hätte wenigsten die Formatwahl zwischen DSD und PCM-Files beim Download hochauflösender Audiodateien. So ganz auf die Schnelle werden die meisten Studios da aber wohl nicht mitmachen.

Der Grimm LS1 zog zurecht viel Aufmerksamkeit auf sich. Die Entwickler kommen aus dem professionellen Studiobereich.

Auch wer meint, er kenne das High End Audio Umfeld im Detail, macht jedes Jahr wieder neue, ausserordentliche Entdeckungen an der High End. So geschehen mit dem niederländischen Lautsprecherhersteller Grimm. Dessen LS1 ist bereits im Erscheinungsbild ein ungewöhnliches Produkt. Die breite Schallwand scheint jedem Trend zu wiedersprechen, macht aber gerade auch aus akustischen Überlegungen Sinn.

Radikal ist das Konzept als Gesamtsystem inklusive Vorstufe, DA-Wandler, Frequenzweiche und Endverstärker. Lediglich die Quelle, sei es Phonovorstufe, CD-Player oder Medienserver, muss angeschlossen werden. Das Hirn ist ein Signalprozessor, der die Impulsantwort sowie den Phasen- und Amplidutenverlauf reguliert. Na, ja, digitale DSP-Korrektur im Lautsprecher, dachte der Autor, das gab es schon vor einer Dekade, und es klang noch nie gut. Doch weit gefehlt: Was dieser Lautsprechern an kompromissloser Präzision bei einem gleichzeitig hohen Grad an Musikalität bot, zog mich in den Bann wie sonst kaum eine Vorführung. Man konnte sich nur noch verbeugen.

Ausserordentliches biete auch Devialet mit seinem innovativem Vollverstärker. Die Mischung aus Class-A und Class-D-Verstärkung, integriertem Streamer, potenter Stromversorgung und alles in einem ungemein flachen, kompakten Gehäuse ist eine regelrechte (französische) Audiorevolution. Nun erweiterte man das Programm mit drei Modellen unterschiedlicher Ausgangsleistung. Digitale Einheiten und Phonomodule sind optional, ja nach Bedürfnissen. Der Klang dieses Winzlings ist unglaublich. Das Preis/Leistungsverhältnis stimmt. Unbedingt anhören!

Mehr zur High End 2013 in unserer Fotostrecke.

Onlinefassung: https://www.avguide.ch/magazin/high-end-2013-muenchen-eindruecke-von-der-messe-fuer-hochwertiges-audio
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