avguide.ch Druckansicht · 02.11.2026

Klassiker mit Schönklang

Test Vollverstärker Marantz Model 50

Als klassischer Vollverstärker verzichtet der Marantz Model 50 auf integrierte DAC/Streamer. Hingegen ist eine äusserst hochwertige Phono-Stufe mit an Bord. Model 50 treibt selbst Lautsprecher der Spitzenklasse zu klanglichen Höhenflügen.

Von Martin Freund · 9. November 2023
Marantz Model 50.Marantz Model 50.

Bereits das Vorgängermodell PM8006 erfreute sich bester Renommees unter den Vollverstärkern der Oberklasse. Auch das neue Model 50 punktet mit erfreulich hohem Fertigungsaufwand und astreinem Klang.

Was zeichnet einen klassischen Vollverstärker der Oberklasse aus? Nebst hochwertiger Verarbeitung und reichlich Ausgangsleistung erwartet man eine komplette Ausstattung inklusive Phono-Eingang. Das neue Model 50 bietet dies alles – und zwar auf einem Niveau, das sich sehen und hören lassen kann. Gegenüber dem Vorgänger wurden sämtliche Schaltkreise überarbeitet und punkto Rauschfreiheit sowie Signaltreue auf Vordermann gebracht. So kommen im Neuen die Marantz-eigenen HDAM-Schaltkreise in den neuesten Varianten «SA2» und «SA3» zum Einsatz. Diese dienen als Puffer und als Impedanzwandler und bereiten die ankommenden Signale optimal für den weiteren Schaltungsverlauf vor.

Die Marantz-typischen, diskreten HDAM-Schaltkreise bilden eine hochwertige Alternative zu ICs. Der schaltungstechnische Aufbau des Model 50 ist mustergültig.Die Marantz-typischen, diskreten HDAM-Schaltkreise bilden eine hochwertige Alternative zu ICs. Der schaltungstechnische Aufbau des Model 50 ist mustergültig.

Unter anderem dadurch soll sich Model 50 durch ein besonders niedriges Grundrauschen (-7 dB im Vergleich zu herkömmlichen Schaltungen) auszeichnen. Dies kann durchaus Vorteile bei der Musikwiedergabe mit sich bringen. Letztere entfaltet sich sozusagen aus innerer Stille heraus. Eine hochwertige elektronische Lautstärkeregelung sorgt darüber hinaus für perfekten Kanal-Gleichlauf selbst kleinsten Pegeln; und die Balance-Einstellung geschieht – ebenso wie die die Bass- und Höhenregelung – äusserst präzise via IC. Die eingestellten Werte werden auf dem (Marantz-typisch als ikonisches «Bullauge» designten) Display angezeigt.

Grundsätzlich verfügt Model 50 über zwei Betriebsarten: Im «Source Direct»-Modus werden die Klangregler sowie der Balance-Steller überbrückt. Die Wiedergabe gewinnt dadurch tatsächlich noch etwas an räumlicher Transparenz und Feinzeichnung. Andererseits profitiert das Musikhören bei kleiner Lautstärke von einer gewissen Bassanhebung und – je nach Geschmack und angeschlossenen Lautsprechern – auch von einem massvollen Dreh am Höhenregler. In früheren HiFi-Dekaden verfügten eigentlich alle Vollverstärker über einen solchen Loudness-Steller, der einen gehörrichtigen Frequenzgang beim Leisehören sicherstellen sollte. Genau dies lässt sich mit Model 50 sehr feinfühlig realisieren, indem man sehr bequem via Fernbedienung zwischen «Source Direct» und voreingestellter Klangregelung hin- und herschalten kann.

Mustergültig ist auch die mechanische Konstruktion von Model 50, u. a. mit ultrastabilen Lautsprecherklemmen.Mustergültig ist auch die mechanische Konstruktion von Model 50, u. a. mit ultrastabilen Lautsprecherklemmen.

Das Fertigungsniveau des Model 50 ist ausgesprochen hoch und orientiert sich in vielerlei Hinsicht am teureren Model 40n. Lediglich auf eine hintergrundbeleuchtete Alufrontplatte muss man verzichten. Ebenso auf die Metallfernbedienung. Der Befehlsgeber liegt aber gut in der Hand und weiss ergonomisch zu gefallen. Die mechanische Konstruktion (u. a. mit speziell bedämpften Gerätefüssen und ultrastabilen Lautsprecherklemmen) sowie der Innenaufbau von Model 50 sind exemplarisch gut.

Genügend Leistung auch an niedrigen Impedanzen

Der Leistungsverstärker im Model 50 deckt mit 2 x 70 Watt bzw. 2 x 100 Watt (an 8 resp. 4 Ohm) das Bedürfnis so ziemlich der meisten Lautsprecher ab. Laut Marantz viel wichtiger als der nominelle Wert ist die Art und Weise, wie sauber und stabil die Leistung geliefert wird. Model 40n (Test nachzulesen hier) hatte es vorgemacht: Ein sehr potentes Netzteil mit doppelt geschirmtem Ringkerntrafo (Gewicht 3,4 kg) und üppig dimensionierter Siebkapazität (2 x 18'000 µF) findet sich auch in Model 50.

Von der spontanen Stromabgabe profitiert das Dynamikverhalten der angeschlossenen Lautsprecher. Ebenso vom Umstand, dass zwei parallel arbeitende Paare Leistungstransistoren pro Kanal in bewährter Stromgegenkopplung zum Einsatz kommen. Im Unterschied zu herkömmlicher Spannungsgegenkopplung sollen hierbei die Verstärker gegenüber schwierigen Lautsprecherlasten nahezu unempfindlich bleiben. Dies ist in der Praxis nicht unerheblich. Bekanntlich haben Lautsprecher eine Wechselstromimpedanz, die – temperaturabhängig – im Leistungsbetrieb abenteuerliche Schwankungen aufweisen können.

Die üppig dimensionierten Siebelkos sind sehr nahe bei den Leistungstransistoren montiert und sorgen für eine ausreichend spontane Stromversorgung.Die üppig dimensionierten Siebelkos sind sehr nahe bei den Leistungstransistoren montiert und sorgen für eine ausreichend spontane Stromversorgung.

Reiner Analogverstärker mit tollem Phono-Eingang

Im Unterschied zu Model 40n verzichtet Model 50 auf einen integrierten DA-Wandler und ein Streaming-Modul. Er kann sich somit (auch bezüglich der Stromversorgung) ganz auf seinen analogen Stammaufgaben konzentrieren und benötigt keinerlei Abschirmungen, welche seine Schaltkreise vor «digitalem Smog» schützen müssten. Augenscheinlich wird das beispielsweise beim separaten Phono-Board: Musste sich dieses bei Model 40n noch eine gemeinsame Platine mit dem DAC-Board teilen, so ist die aufwändig konzipierte, diskrete Schaltung bei Model 50 fein säuberlich für sich alleine aufgebaut. Mit der Folge, dass die Empfindlichkeit – bei gleichbleibend hervorragendem Rauschabstand von 87 dB – nochmal gesteigert werden konnte.

Die Phono-Platine in Model 50 ist sehr aufwändig diskret aufgebaut. Sie agiert extrem rauscharm und akzeptiert auch leise Tonabnehmer.Die Phono-Platine in Model 50 ist sehr aufwändig diskret aufgebaut. Sie agiert extrem rauscharm und akzeptiert auch leise Tonabnehmer.

Mit nominellen 1,4 mV akzeptiert der Phono-Eingang problemlos auch High-Output-MC-Tonabnehmer. Wir aber machten die harte Probe aufs Exempel und schlossen ein Medium-Output Benz Micro Glider (Ausgangsspannung 1 mV bei 3,48 cm/sec) an. Selbst bei sehr hoher Lautstärke konnte das Ohr (nach angehobenem Tonarm) direkt am Lautsprecher keinerlei Rauschen vernehmen. Chapeau! Die Klangqualität des Phono-Eingangs kann nur als exzellent bezeichnet werden. Man hat wirklich den Eindruck, dass die Musikwiedergabe von der Absenz jeglichen Rauschens/Brumms enorm profitiert. Grundsätzlich eignen sich alle Tonabnehmer, die mit einer Abschlussimpedanz von 47 kOhm harmonieren. Bei leisen Exemplaren sollte man lediglich einen etwaigen Pegelsprung beim Wechsel auf den Line-Eingang im Auge behalten.

Durchweg Positives kann man auch über den Kopfhörerausgang berichten: Selbst ein relativ niederohmiger Fidelio X3 von Philips (Impedanz 30 Ohm) gefiel klanglich mit staubtrockenen, druckvollen Bässen und schöner räumlicher Transparenz. 

Top-Klangqualität mit verschiedenen Lautsprechern

Ein paar Tage Einspielzeit sollte man einem brandneuen Marantz Model 50 schon gönnen. Anfänglich tönt er zwar schon sehr kultiviert, aber noch etwas brav. Nach und nach taut er spürbar auf, um schliesslich punkto Fein- und Grobdynamik eine überzeugende Leistungsentfaltung an den Tag zu legen. Wir hörten Model 50 zunächst mit einem Paar Bowers & Wilkins 703 S3 (Paarpreis: CHF 5000) und konstatierten dieser Kombi ein Ausmass an Klangkultur und Finesse der musikalischen Ansprache, das selbst allerhöchste Ansprüche zufriedenstellt. Klassikliebhaber werden das wunderbare Klangfarbentimbre lieben, das der innovative Continuum-Mitteltöner der 703 S3 in Verbund mit dem karbonbeschichteten Alukalotten-Hochtöner zum Besten gibt. 

Dank Karbonpartikel-beschichteter Alukalotte im aufgesetzten Nautilus-Gehäuse zeigt die 703 S3 ein unglaubliches Mass an Feinzeichnung. Model 50 setzt dieses voll um.Dank Karbonpartikel-beschichteter Alukalotte im aufgesetzten Nautilus-Gehäuse zeigt die 703 S3 ein unglaubliches Mass an Feinzeichnung. Model 50 setzt dieses voll um.

Model 50 bringt die Talente dieses Ausnahmelautsprechers voll zum Tragen. Auch die Raumausleuchtung guter Aufnahmen gehört zum Besten, was die Preisklasse hergibt. Und im Frequenzkeller hat man ebenfalls nie den Eindruck, dass die 100-Watt-Endstufen zu wenig Schub oder Tiefgang produzieren würden. Im Gegenteil: Selbst bei sehr hohen Pegeln kommen die zwei 16,5-cm-Tieftöner nie ans Limit, sondern agieren immer noch sauber und bestens konturiert. Dies werden auch die Anhänger härterer musikalischer Gangarten zu schätzen wissen.

Model 50 verfügt über elektronische Klangregler und Balancesteller. Sie können am Gerät über haptisch sehr schöne Metallknöpfe betätigt werden.Model 50 verfügt über elektronische Klangregler und Balancesteller. Sie können am Gerät über haptisch sehr schöne Metallknöpfe betätigt werden.

Das Einzige, was die Metal- und Hardrockfraktion vielleicht monieren könnte: So kultiviert und schön wie die Bowers & Wilkins 703 S3 im Hochtonbereich agieren – richtig «die Hände schmutzig machen» möchten sie sich angetrieben vom ebenfalls ausgesprochen harmonisch abgestimmten Model 50 nicht. Aggressive Gitarrenriffs hat man schon härter vernommen. Wir schauten uns deshalb im Bowers & Wilkins-Portfolio um und fanden die idealen Spielpartner (nicht nur) für dieses Musikgenre: Die Standboxen 603 S3 (Paarpreis: CHF 2300) setzen dank neu entwickeltem Titankalotten-Hochtöner Rock- und Popmusik ungemein vital und anspringend in Szene und bieten die gewünschte Härte – ohne dabei auf Kultiviertheit zu verzichten. 

Die neuen Standboxen 603 S3 von Bowers & Wilkins offerieren unglaubliche Klangqualität zum günstigen Preis.Die neuen Standboxen 603 S3 von Bowers & Wilkins offerieren unglaubliche Klangqualität zum günstigen Preis.

Schier unglaublich, auf welchem Niveau sich diese Kombination klanglich profiliert. Dies gilt ebenso für die direkte und offene musikalische Ansprache im tonalen Bereich: Der Continuum-Mitteltöner zeigt auch in der 603 S3 die Vorteile dieses Membranmaterials auf und verhilft diesem Lautsprecher zweifelsfrei zum Attribut «Stimmenwunder». Die beiden 16,5-cm-Tieftöner lassen ebenfalls nichts anbrennen und generieren, angetrieben von Model 50, scheinbar mühelos Druck bis in tiefste Lagen. Die Konturiertheit im Bass beeindruckt selbst bei hoher Lautstärke. Da ufert nichts aus, da dröhnt nichts: ganz offensichtlich auch ein Verdienst dieses Vollverstärkers. Model 50 von Marantz tritt zusammen mit den 603 S3 von Bowers & Wilkins den Beweis an, dass auch Pop- und Rockliebhaber allerbestes High-Fidelity verdienen.

Zu guter Letzt und spasseshalber nutzten wir die Gelegenheit, das absolute Potenzial dieses Vollverstärkers im Zusammenspiel mit einem Paar Bowers & Wilkins 805 D4 Signature auszuloten. Eine solche Kombination wird in der Praxis (aufgrund der hohen Preisdifferenz zwischen Lautsprecher und Elektronik) zwar kaum je vorkommen. Dennoch zeigt sie, zu welchem Wiedergabeniveau ein Verstärker fähig – bzw. eben nicht mehr fähig – ist. Eigentlich sollte man eine solche Vorführung ja im Blindtest machen, ohne zu wissen, dass ein Verstärker der Preisklasse unter CHF 2000 am Werke ist. 

«A class of it's own»: Die 805 D4 Signature von Bowers & Wilkins zeigen eine unvergleichliche Verarbeitung und Klangkultur. Letztere konnte Model 50 von Marantz erstaunlich gut ausloten.«A class of it's own»: Die 805 D4 Signature von Bowers & Wilkins zeigen eine unvergleichliche Verarbeitung und Klangkultur. Letztere konnte Model 50 von Marantz erstaunlich gut ausloten.

Model 50 motivierte die 805 D4 Signature zu einer klanglichen Darbietung, welche manchem High-End-Boliden gut anstehen würde. Keine Spur von klanglicher Enge oder mangelnder Feinzeichnung. Die Talente dieses Ausnahmelautsprechers – schier unglaubliche räumliche Transparenz und eine musikalische Ansprache, die ihresgleichen suchen – wurden ohne hörbare Abstriche überzeugend in Szene gesetzt. Und selbst punkto Dynamik liess sich der Marantz nicht lumpen und trieb die doch recht anspruchsvolle 805 D4 Signature problemlos zu kultivierter, raumfüllender Wiedergabe.

Fazit

Bei der Konzeption und der klanglichen Feinabstimmung dieses Vollverstärkers haben die Marantz-Ingenieure wieder mal ein goldenes Händchen bewiesen. Model 50 harmoniert mit allen möglichen Top-Lautsprechern und hat zweifellos das Zeug zum Klassiker. Der Verzicht auf ein integriertes DAC- und Streaming-Modul ergibt Sinn. Damit holt Model 50 traditionelle Musikliebhaber ab, die digital und analog lieber getrennt haben. Dazu passt bestens auch der hervorragende Phono-Eingang.

Als ideale Ergänzung zu Model 50 offeriert Marantz im Übrigen den CD 50n. Dieser kombiniert CD-Spieler, DAC und Streaming in einem Gerät und gefällt klanglich – so viel sei schon verraten – mit einer unglaublich stimmigen Wiedergabe von Compact Discs. Den Test des CD 50n lesen Sie demnächst hier auf avguide.ch …

Mit dem CD 50n hat Marantz dem Model 50 den idealen Spielpartner zur Seite gestellt. Er kombiniert Streamer, DAC und CD-Spieler der Spitzenklasse.Mit dem CD 50n hat Marantz dem Model 50 den idealen Spielpartner zur Seite gestellt. Er kombiniert Streamer, DAC und CD-Spieler der Spitzenklasse.
Steckbrief
Modell:
Model 50
Profil:
Klassischer Stereo-Vollverstärker mit mustergültigem Aufbau und kompletter Ausstattung inklusive hervorragendem Phono-Eingang. Bietet genügend Ausgangsleistung für die allermeisten Lautsprecher und überzeugt klanglich mit hoher Feinzeichnung, sehr guter Fein- und Grobdynamik sowie druckvollem, tiefreichendem Bass.
Pro:
Sehr hohe Klangkultur.
Komplette Ausstattung, u. a. mit Pre Out, Subwoofer Out und zwei schaltbaren Lautsprecherpaaren.
Treibt problemlos auch anspruchsvolle Lautsprecher.
Rauscharmer, klanglich hochwertiger Phono-Eingang, auch für leisere Tonzellen geeignet.
Stromsparende Abschaltautomatik.
Hochwertige Verarbeitung.
Contra:
Gehäuse der Fernbedienung aus Plastik.
Preis:
1,800.00 CHF
Hersteller:
Marantz
Jahrgang:
2023
Vertrieb:
B&W Group (Schweiz) GmbH
Masse:
442 × 431 × 130 mm
Gewicht:
14.2 kg
Farbe:
Schwarz, Silber
Airplay:
Nein
Bluetooth:
Nein
Chromcast:
Nein
Roon Ready:
Nein
Spotify Connect:
Nein
Symmetrischer Eingang:
Nein
WiFi:
Nein
Analog Input:
5 x Line, Phono
Analog Output:
Recorder, Pre Out, Subwoofer
Frequenzgang:
5 Hz – 100 kHz ± 3dB
Maximale Leistung:
200 Watt
Verstärkerleistung 8 Ohm:
2 x 70 Watt
Onlinefassung: https://www.avguide.ch/testbericht/test-vollverstaerker-marantz-model-50-klassiker-mit-schoenklang
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