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Digital Excellence

Test Meitner MA3

Der Trend zu kompakten, digitalen Audiozentralen ist auch im High-End-Audio-Bereich unverkennbar. Mit dem Meitner MA3 ist nun ein digitales «All-In-One-Frontend» von einem der renommiertesten Hersteller der Audiobranche in der Schweiz erhältlich.

Von Daniel Schmid · 28. Januar 2022
Im Test: der Meitner MA3.Im Test: der Meitner MA3.

Erst mal zur Klärung des Markennamens: «Meitner Audio» ist ein 2008 lancierter Subbrand der EMM Labs mit Sitz in Calgary, Kanada. Ziel ist es, die   Kerntechnologie der in der preislichen Oberliga angesiedelten EMM-Labs-Produkte einer breiteren Käuferschicht zugänglich zu machen. Wie der Name andeutet, ist die MA3-Digitalzentrale das dritte Produkt in der «Meitner Audio»-Serie.

Die EMM Labs gehören – zusammen mit dCS und Weiss Engineering – zum exklusiven Club von Herstellern digitaler Audioprodukte, die mit mindestens einem Standbein auch im professionellen Studiobereich aktiv sind und dort breites Ansehen geniessen. Mit einem kleinen Team an hoch qualifizierten und innovativen Köpfen entwickelt die Firma «Cost-No-Object»-Produkte mit Referenzcharakter für die Audioindustrie und für engagierte Heimanwender.

Erstmals bekannt wurde EMM Labs mit DSD-Konvertern. Die EMM-Labs-Wandler wurden zum De-facto-Standard der Aufzeichnungsindustrie für DSD-Produktionen. Praktisch alle SACD-Produktionen beruhen auf Wandler-Technologien von EMM Labs. Das Unternehmen entwickelte unter anderem auch das erste vollständige Mehrkanal-DSD-Wiedergabesystem von der Disc bis zum Vorverstärker. Letzteres entstand unter der  Beteiligung von Andreas Koch, dem ehemaligen Leiter von Studer Digital. Er gehörte ebenfalls zum Team der EMM Labs.

Der Mastermind der EMM Labs ist Ed Meitner – seine Initialen dienten der Namensgebung. Ed Meitner ist eine Legende in der Audiowelt. In den Neunzigerjahren arbeite er im Auftrag von Sony und Philips am DSD-Format. So entwickelte er den ersten Analog-zu-Digital-DSD-Konverter für Sony und machte damit die DSD-Technologie in den Aufnahmestudios erst nutzbar.

Schon bald als «Mister DSD» bekannt, hatte er entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung von Hardware für das neue digitale Format und wurde zur weltweit anerkannten Koryphäe für Wandlertechnologien. Legendär ist der in der 1995 unter dem Label Musatex lancierte BiDAT. Dieser überragte die meisten DAC-Konkurrenten seiner Zeit. Ende der Neunzigerjahre bündelte er seine Aktivitäten für DSD-Wandler in der Gründung der EMM Labs.

Ed Meitner gab sich nie zufrieden mit den von der Industrie angebotenen DAC-Chips ab Stange. Die diskreten DA-Wandler-Module von EMM Labs beruhen auf einer eigenen Entwicklung fernab der grossen Fertigungstrassen von Burr-Brown, AKM, ESS und anderen.

Neben den digitalen Meriten geht fast unter, dass Ed auch im analogen Bereich bahnbrechende Entwicklungen vorantrieb, wie etwa den ersten VCA-gesteuerten Vorverstärker in Olive Studiokonsolen 1972. Für viele überraschend ist sein neustes Projekt: ein rein optisch abtastender Tonabnehmer für Vinyl-Schallplatten.

Für alle, die mehr zu Ed Meitner aus erster Hand erfahren möchten, verweisen wir ausnahmsweise hier auf ein in Englisch geführtes Interview der Kollegen von «Audiophile Style»:

Digitale Audiozentrale

Digitale Audiozentralen bestehend aus Streamer, DA-Wandler und Vorverstärker, werden auch im Premium-Audio-Bereich zum Standard. Unkompliziertes Musikhören auf höchstem Niveau aus einem kompakten Gerät ist die Devise. Im einfachsten Set-up benötigt man neben dem Meitner MA3 denn auch lediglich einen Aktivlautsprecher.

Shahin Al Rashid, seinerseits Verkaufsleiter bei EMM Labs, beschreibt das anvisierte Publikum wie folgt: «Wir wollten mit dem MA3 eine einfache, komplette Digitalquelle in einem Gehäuse herstellen, die sich an versierte Audiophile richtet, die sie als zentrale Digitalquelle zu einem guten Preis nutzen können.»

Technisch bediente man sich beim Meitner MA3 im hauseigenen Fundus: Die Kernkomponenten wurden vom DAC-Vorverstärker EMM Labs DV2 und dem Streamer NS-1 entnommen, die mit stattlichen 33'000 Franken respektive 5000 Franken in der Preisliste stehen.

Um den Preis des Meitner MA3 auf die anvisierten 10’000 Dollar zu drücken, verzichtete man auf preistreibende teure Komponenten, welche kompromisslos eingesetzt zwar letztlich nochmals einige Prozente an Klangqualität draufsetzen, welche aber die Produkte für einen Grossteil der Interessierten unerschwinglich machen.

Innenansicht: Gut sind die proprietären Module für DAC und Clock sichtbar. Viel freier Platz mit genügend Abstand zum Netzteil.Innenansicht: Gut sind die proprietären Module für DAC und Clock sichtbar. Viel freier Platz mit genügend Abstand zum Netzteil.

Nahezu die gesamte Signalkette mit den Kernkomponenten wie DSP-Prozessor, DAC-Module, analoge Ausgangsstufe und Lautstärkeregelung entspricht im MA3 dem DV2. Abstriche gab es beim Gehäuse, bei der Stromversorgung und den teuren Spezialkomponenten. Der DV2 verwendet ein Schaltnetzteil mit temperaturstabiler Vorwärtsregelung, das über viele Jahre entwickelt und verfeinert wurde und bis zu dreimal mehr Strom liefert als das konventionell geregelte OEM-Netzteil des MA3.

Beide verwenden Kondensatoren mit einer Toleranz von 1 %, aber im DV2 werden sie im Haus von Hand auf 0,1 % genau abgeglichen. Die teuren Keramikplatinen aus der Raumfahrtindustrie sind ebenfalls dem DV2 vorbehalten. Das einfachere  Gehäuse des MA3 leitet Wärme weniger effizient ab, dadurch entsteht ein Tick mehr Wärmedrift. Die Liste liesse sich noch weiterführen. Gefühlt würde ich sagen, es sind nicht die schmerzlichsten Einsparungen. Einen direkten klanglichen Vergleich zum DV2 hatte ich jedoch nicht.

Das von Kris Holstein für den MA3 entworfene Industriedesign mit der 9-mm-Alu-Frontplatte und eingraviertem Meitner-Schriftzug gefällt mir mit seiner  zurückhaltenden und etwas minimalistischen Art ausgesprochen gut. Audiophile Komponenten müssen ja nicht per se durch ein extravagantes, bizarres Erscheinungsbild auffallen. Die Frontplatte mit  eingraviertem Meitner-Schriftzug gibt es wahlweise in Weiss oder Schwarz.

Die Bedienung könnte nicht einfacher sein. Der gerasterte Volumenregler mit seinem stattlichen Durchmesser erlaubt die Einstellung der Lautstärke in 1-dB-Schritten. Eine Drucktaste schaltet sequenziell die digitalen Eingänge durch. Das grosszügig dimensionierte OLED-Display ist auch aus einiger Entfernung wunderbar lesbar und zeigt die gewählte Quelle, das digitale Format, die Lautstärke und – sofern in den Metadaten vorhanden – auch den aktuell gespielten Interpreten und den Namen des Albums.

Das Display ist auch aus einiger Entfernung gut lesbar und zeigt Format, Volumen und Metainformationen zum gespielten Stück an.Das Display ist auch aus einiger Entfernung gut lesbar und zeigt Format, Volumen und Metainformationen zum gespielten Stück an.

Ebenso gradlinig und schnörkellos präsentiert sich die elegante und haptisch ansprechende Fernbedienung aus gebürstetem Aluminium. Neben der Quellenwahl und Lautstärkeregelung schaltet sie den Ton stumm und dimmt bei Bedarf die Display-Helligkeit am MA3.

Auf der Rückseite finden sich die sechs Eingänge für digitale Quellen. Vom professionellen AES/EBU über Ethernet-Netzwerk, TOS, Coax und USB ist die erwartete Palette vorhanden. Alle Audioeingänge sind über die für digitale Signale entwickelten Isolatoren galvanisch vom Rest der Elektronik getrennt. Am USB-Port anliegende Signale werden zusätzlich einem proprietären und von EMM Labs patentierten Reclocker zugeführt. Diese über den USB-Bus oft belasteten Signale werden zeitlich neu zurechtgerückt, bevor sie den DA-Modulen zugeführt werden. Mehr dazu im Technikteil unten.

Über den Typ-A-USB-Eingang lässt sich wahlweise ein WiFi-Adapter (was ich nicht empfehlen würde) oder ein mit FAT-32 formatiertes USB-Speichermedium mit Audiodateien anschliessen.

Wer analoge Quellen hören möchte, benötigt einen Vorverstärker. Alle anderen betreiben den MA3 über die symmetrischen Ausgänge – oder asymmetrisch über Cinch – direkt an einer Endstufe oder an Aktivlautsprechern. Die analoge Ausgangsstufe wurde von Ed Meitner persönlich designt. Sie arbeitet voll symmetrisch und in einer reinen Klass-A-Topologie.

Die Rückseite mit dem Anschlussfeld für fünf digitale Quellen plus Ethernet-Netzwerk.Die Rückseite mit dem Anschlussfeld für fünf digitale Quellen plus Ethernet-Netzwerk.

Wandler mit DSD-Technologie

Für alle Technikinteressierten werfen wir einen Blick auf den digitalen Signalweg, der beim MA3 identisch ist wie im Referenzsystem DV2.

Nach dem digitalen Eingang wird das Signal mit einem «MFAST» genannten Reclocker neu eingelesen. MFAST steht für «Meitner Frequency Acquisition System». Die meisten Wandler verwenden PLL-Schaltungen (Phase Lock Loop), um den eingehenden Datenstrom mit dem internen Takt zu synchronisieren. Diese Synchronisation ist eine Hauptquelle für Jitter. Im Gegensatz zu PLLs, die Jitter lediglich abschwächen, entferne die proprietäre MFAST-Technologie diesen komplett. In der nächsten Stufe wird das Signal galvanisch isoliert, was Störfelder von aussen entkoppelt, bevor es zum DSP zur Signalaufbereitung geht.

MDAT2 oder «Meitner Digital Audio Translator» ist das Herz und das eigentliche Rechenzentrum in der Signalkette. Im DSP wird der ankommende Datenstrom auf einen extrem hochfrequenten 16-fachen DSD-Singlebit-Stream hochgerechnet. Dieser bildet die Basis für die Optimierung der Transienten mit einem von den EMM Labs entwickelten Filter-Algorithmus. Der Algorithmus arbeitet auf der Zeitebene, was konstante Phasen und Gruppenlaufzeiten ermöglicht. Konventionelle Anti-Aliasing-Filter mit Oversampling werden mit dieser Topologie hinfällig. Durch diese unterschiedliche Herangehensweise zur Filterung entstehen deutlich weniger Ein- und Ausschwinger, sogenannte Filter-Ringing-Effekte. Dies illustriert das Messdiagramm unten (von EMM Labs) anhand der Wiedergabe eines Rechtecksignals und einer Impulsantwort.

Die MDAT2-Verarbeitung reduziert Ein- und Ausschwingverhalten der Transienten. Oben: konventioneller Multibit-DAC. Unten: EMM Labs MDAT/MDAC (Bild EMM Labs).Die MDAT2-Verarbeitung reduziert Ein- und Ausschwingverhalten der Transienten. Oben: konventioneller Multibit-DAC. Unten: EMM Labs MDAT/MDAC (Bild EMM Labs).

Ein Sahnestück ist die VControl genannte digitale Lautstärkeregelung. Diese wurde ebenfalls vom DV2-DAC übernommen und beruht auf einem weiteren Patent von EMM Labs. Sie ermöglicht auch bei kleinen Lautstärken die Beibehaltung der vollen digitalen Wortbreite in Bits. Das hört sich einfach an, ist in der Praxis aber sehr komplex in der Umsetzung. Einfache digitale Lautstärkeregler – wie im Smartphone – verringern bei niedriger Lautstärke die Anzahl Bits. Aus einem 16-Bit-Signal werden so schnell lediglich 4–6 Bits. Entsprechend harsch klingt es bei kleiner Lautstärke. Die Vcontrol-Technologie von EMM Labs ist meines Wissens der einzige DSP-Lautstärkeregler, der bei DSD-Streams ohne Klangeinbussen funktioniert.

Nach der beschriebenen Aufbereitung der digitalen Daten in einen auf Zeit, Phase und Pegel optimierten DSD-Stream kann man die Vorteile einer DSD-Wandlung mit gutmütigen Ausgangsfiltern ausspielen. Das MDAC2 genannte Wandlermodul ist weltweit einzigartig. Der MDAC2 ist das Resultat von Ed Meitners drei Jahrzehnte langer Arbeit bei der Entwicklung digitaler Audiosysteme. Als diskreter DSD1024/16xDSD-D/A-Wandler ausgelegt, wird er nach wie vor vollständig in den Produktionsstätten von EMM Labs in Kanada hergestellt. Im Gegensatz zu DAC-Chips von der Stange sind die Kosten wenig überraschend deutlich höher, aber damit gehört man zu den wenigen Herstellern mit kompletter Kontrolle über den analogen und digitalen Signalfluss.

Mehr zum Thema DSD-Technik finden hier.

Praxis & Hörtest

Der integrierte Netzwerk-Player bietet die heute üblichen Optionen. Neben der Einbindung der Streamingdienste Qobuz, Tidal und Spotify sowie vTuner für Internetradio agiert er auch als UPnP-Renderer für alle, die ihre Musik lieber als Dateien auf einem NAS-Speicher ablegen. Abonnenten von Tidal-Master werden sich über die volle MQA-Unterstützung freuen.

Die Steuerung erfolgt über die bekannte mConnect-HD-App, die für Android- und iOS-Tablets oder -Smartphones verfügbar ist. Über die App greift man auch auf das über USB angeschlossene Speichermedium zu.

Einfach, aber solide: Die mConnect-HD-App.Einfach, aber solide: Die mConnect-HD-App.

Die mConnect-App ist seit Jahren auf dem Markt. Sie ist sehr ausgereift, einfach und solide. Sie wird von diversen Herstellern – teilweise mit aufgesetzten Customskins – verwendet. Meiner Meinung nach ist es mehr als sinnvoll, auf einen bewährten Player zurückzugreifen. Audio-Hersteller, die sich auch als App-Entwickler engagieren, machen sich in der Regel keinen Gefallen. Die Aufwände für regelmässige Updates und Support sind enorm hoch, der Zusatzgewinn klein.

Wem mConnect nicht ausreicht, greift auf den Komfort von Roon zurück. Auf dem internen Server des MA3 ist die Roon Bridge installiert, sodass der MA3 von einer Roon-Core als Endpoint erkannt wird. Klanglich sind – wenn überhaupt – nur marginale Unterschiede zwischen den Playern auszumachen. Der Vorteil von Roon liegt klar in der übersichtlichen Darstellung des Musikarchivs. In der Testphase benutze ich beide Player etwa im selben Mass.

Der Meitner MA3 stand mir während einiger Wochen für diverse, ausgiebige Hörsessions zur Verfügung. Über den symmetrischen Stereoausgang direkt verbunden mit meinen Manger-S1-Aktivlautsprechern bildete er mit ihnen eine maximal puristische Kette. Als Musikquellen dienten die Streamingdienste sowie ein USB-Stick mit einem Pool an ausgewählten Aufnahmen in diversen High-Res-Formaten.

Den Höreindruck von DA-Wandlern zu beschreiben, kann bisweilen ein kniffliges Unterfangen sein. Durch die Verwendung von Standard-Chips mit hoher Integrationsdichte unterscheiden sie sich oft nur noch im Netzteil und in der analogen Ausgangsstufe. Mit diesen Wandlern lässt sich gut und genussvoll Musik hören, wie auch unser Kaufratgeber «Aktuelle DACs 2021» aufzeigte. Vielfach unterscheiden sie sich jedoch klanglich nur noch in Nuancen.

Beim Meitner MA3 ist das anders. Er geht so differenziert und mit so viel Ruhe und Natürlichkeit ans Werk, dass er sich deutlich von anderen unterscheidet. Weder neigt er zu nervösen Sperrfeuern wie gewisse ESS-Chips, noch sind Härten, Ecken und Kanten oder andere Hinweise auf digitale Artefakte hörbar. Der Meitner MA3 wirkt immer unglaublich geschmeidig, entspannt und organisch. Die dezente Einfärbung vieler DAC-Chips mit einer gewissen «digitalen Signatur» geht ihm gänzlich ab.

Der ideale DA-Wandler fügt bei der Umwandlung von der digitalen in die analoge Domäne dem Signal keinen Eigenklang hinzu. Beschreibt man den «spezifischen Klang» eines DA-Wandlers, beschreibt man eigentlich seine Fehler. Das aussagekräftigste Kriterium ist, wie weit es ihm gelingt, die musikalische Information einer Aufnahme in all ihren Facetten wie Klangfarben, Räumlichkeit und Intensität so kohärent darzustellen, dass man ihn nicht wahrnimmt.

Meitner MA3.Meitner MA3.

Sie ahnen es bereits: Dem Meitner MA3 gelingt dies in einer Tiefe und Selbstverständlichkeit, wie ich es bisher auch in einem Wandler der Oberliga äusserst selten antraf.

In Kombination mit den Manger S1 ermöglicht der Meitner MA3 eine ungemein  natürliche und gerade deswegen faszinierend ausdrucksstarke Wiedergabe. Bisweilen erinnerte mich die Transparenz und die Gelassenheit an die Erfahrungen mit guten SACD-Playern, die sich beim Streaming mit vielen DACs nicht einstellt. Mein Faible für den geschmeidigen und runden Klang des DSD-Formats hat sich bis heute nicht verändert. Die Meitner-Wandler kommen diesem Klangideal auch mit Multibit-Aufnahmen am nächsten.

Der Notizblock war aus professionellen Gründen beim Test immer griffbereit und blieb trotzdem oft leer. Wiederholt ertappte ich mich, wie sich der gewohnte kritische Reviewer-Habitus partout nicht einstellen wollte. Zu faszinierend war der Blick, den ich mit dem Meitner MA3 in meine Musiksammlung gewann. Auch bei sattsam bekannten Alben überraschten mich die verfeinerte Palette an differenzierten Klangfarben. Standards wie Eric Claptons «Old Love», eine «soulige» Liebesbezeugung an Pattie Boyd, wirkte frisch herausgeputzt und versprühte durch die eindringliche Unmittelbarkeit Gänsehaut-Atmosphäre. Aber auch eher trockene Studioaufnahmen profitierten stark durch die aus Offenheit und Transparenz entstandene klangliche Nähe. Bei Misha Mullov-Abbado perkussiv gespielten Kontrabässen auf «Shanti Bell» fühlte man sich als Gast im Aufnahmeraum, so direkt führt einem der MA3 ans musikalische Geschehen.

Der Wegfall an Verzerrungen, seien sie analogem oder digitalem Ursprungs,  intensiviert die musikalische Wahrnehmung. Der MA3 macht Variationen an Klangfarben oder audiotechnischen Feinheiten intensiv erlebbar. Sei es das unverwechselbare Timbre des eingesetzten Mikrofonvorverstärkers bei Lizz Wright auf «The Orchard», sei es die bewussten Kolorierungen wie auf Adam Nussbaums Album «Relax Your Mind», wo man mit altem Equipment den verfärbten Vintage-Sound der Sechziger sucht. Der Meitner MA3 schafft es, im Studio gefällten Entscheidungen zur Klangästhetik dank seiner Präzision und Neutralität in all ihren  Schattierungen in voller Vitalität und mit scharf gestellter Linse ins Wohnzimmer zu transportieren. Das ist wahres High Fidelity im ursprünglichen Sinn.

Fazit

Eine Anschaffung für 10'000 Franken ist für die meisten von uns viel Geld, keine Frage. Trotzdem würde ich den Meitner MA3 als «kosteneffektiv» bezeichnen. Im Meitner MA3 steckt enorm viel herausragende Audiotechnik wie etwa die famose Wandlersektion oder die digitale Lautstärkeregelung. In der Summe addieren sie sich zu einem Klangerlebnis mit Suchtpotenzial, das sich relativ deutlich von den meisten Mitbewerbern absetzt. Durch die Integration aller Funktionen in eine digitale Schaltzentrale spart man Ausgaben für zusätzliche Komponenten, Kabel und nicht zuletzt Platz.

Steckbrief
Modell:
MA3
Profil:
Digitale Audiozentrale mit herausragender Audiotechnik wie die famose Wandlersektion, Streamer und digitaler Lautstärkeregelung.
Pro:
Klang der Wandler
Einfache Bedienung
Digitaler Lautstärkeregler
Grosses Display
Contra:
Kein Eingang für analoge Quellen
Preis:
10,490.00 CHF
Hersteller:
Meitner Audio
Jahrgang:
2021
Vertrieb:
Audiosphere GmbH
Masse:
435 x 400 x 92 mm
Gewicht:
7,4 kg
Farbe:
Weiss / Schwarz
Lautstärkeregelung:
Ja
Netzwerkanschluss:
Ja
Analog Output:
2 x XLR, 2 x Cinch
Digital Input:
AES/EBU, TOS, SPDIF, USB, NET
Digitale Wortbreite:
SPDIF 24 / USB 32 Bit
Samplingfrequenz:
SPDIF 192 / USB 384 kHz
Wandlerchip:
MDAT2 / MDAC2
Onlinefassung: https://www.avguide.ch/testbericht/test-meitner-ma3-digital-excellence
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