Cinema 50.Marantz geniesst einen ausgezeichneten Ruf nicht nur im Bereich HiFi/High-End, sondern auch im Segment hochwertiger Heimkino-Komponenten. Nun bringt der Traditionshersteller seine neue CINEMA-Serie auf den Markt. Sie wird angeführt von dem Flaggschiff-Vorverstärker/Prozessor AV10 und dem dazu passenden 16-Kanal-Verstärker AMP10 (für je CHF 7200).
Hinzu kommen vier AV-Receiver in verschiedenen Ausstattungs- und Leistungsklassen: Die Preise beginnen bei günstigen 999 Franken für das Einsteiger-Modell CINEMA 70s. Das Mittelklasse-Modell CINEMA 60 mit 7 x 100 Watt ist für 1400 Franken, respektive 1450 Franken inklusive DAB zu haben. Das Topmodell CINEMA 40 leistet satte 9 x 125 Watt und kostet CHF 2600. Das hier getestete Oberklasse-Modelle CINEMA 50 leistet 9 x 110 Watt und ist für CHF 2050 zu haben. Dies wahlweise in Schwarz oder in Marantz-typischem Silber-Gold. Der CINEMA 50 verfügt über die Marantz-proprietären analogen HDAM-Schaltkreise. Auch bei den Endstufen setzt man nicht auf Class-D, sondern spendierte aufwändig konzipierte, diskrete Class-AB-Verstärkerzweige in klanglich vorteilhafter Stromrückkopplungs-Topologie.
Schickes Design: Beim CINEMA 50 finden sich lediglich zwei Drehsteller auf der Front. Weniger oft benötigte Tasten sind hinter einer Klappe versteckt angeordnet.Auch der CINEMA 50 ist rundum präzise und hochwertig verarbeitet und gefällt insbesondere durch die optisch leicht abgesetzte, massive Aluminium-Front. Darauf findet sich das legendäre Marantz-«Bullauge», das sehr schön anzusehen ist, jedoch mit vergleichsweise spärlichem Informationsfluss aufwartet. Immerhin werden darauf die Quelle und die Lautstärke angezeigt. Bei UKW-Empfang ausserdem der Sendername. Eine Navigation beim Streamen von Musiktiteln ist darüber hingegen nicht möglich. Das Layout der Gerätefront wirkt sehr edel, da lediglich zwei Drehsteller (für die Quellenwahl und die Lautstärke) darauf zu sehen sind. Weniger oft benötigte Tasten – beispielsweise für den Sound-Modus oder die Zone-2-Steuerung – sind hinter einer Klappe versteckt. Hier finden sich dann auch ein USB-Eingang (für die Wiedergabe darauf gespeicherter Musiktitel) sowie der Anschluss für das mitgelieferte Einmess-Mikrofon.
Die Verarbeitung des CINEMA 50 kann sich auch im Detail sehen lassen. Insbesondere gefällt die optisch leicht abgesetzte Aluminimum-Frontplatte, die zum neuen Marantz-Design gehört.Die Inbetriebnahme des CINEMA 50 gestaltet sich dank eines schön animierten, neu gestalteten Bildschirmmenüs wirklich einfach. Eine komfortable Schritt-für-Schritt-Benutzerführung erlaubt auch dem Einsteiger eine problemlose Installation. Bei Unklarheiten lohnt sich ansonsten ein Blick in das vorbildlich gestaltete Handbuch (ebenfalls auf Deutsch), wo die einschlägigen Fachausdrücke in einem Anhang anschaulich erklärt werden.
Das gilt auch für neue Tonformate wie etwa Auro-3D, für die der Marantz bereits gerüstet ist. Innerhalb der Erstinstallation wird man auch flugs zur automatischen Kalibrierung geleitet. Dafür verfügt der Receiver über die neuste Version von Audyssey: MultEQ XT32 ist Audysseys genauestes Raum-Einmesssystem mit mehr als 10'000 einzelnen Kontrollpunkten im gesamten Frequenzbereich. Die hochauflösende Kalibrierfunktion wird auf alle angeschlossenen Lautsprecher inklusive Subwoofer angewandt.
Die optionale «Audyssey MultEQ Editor»-App zeigt anschaulich den Raumfrequenzgang vor und nach dem Einmessvorgang. Das Ergebnis überzeugt, wie hier beim linken Frontlautsprecher im Hörraum ersichtlich.Seine Stärken spielt MultEQ XT32 dabei besonders bei niedrigen Frequenzen aus, wo Korrekturen naturgemäss eher benötigt werden. Mittels bis zu acht verschiedenen Messpunkten im Bereich der Haupthörzone werden selbst feine Ausprägungen der Raumakustik erkannt und korrigiert. Standardmässig verfügt der CINEMA 50 über zwei Speicherplätze für verschiedene Lautsprecher-Konfigurationen. Optional kann man die speziell für Denon- und Marantz-AV-Receiver entwickelte «Audyssey MultEQ Editor»-App zu Hilfe nehmen. Dank des grösseren Speichers im Smartphone/Tablet können mehr Messdaten verarbeitet werden. Ausserdem kann man damit den Frequenzgang vor und nach der Messung (für jeden einzelnen Lautsprecher/Subwoofer oder für das Gesamtsystem) vergleichen und gegebenenfalls manuell modifizieren.
Ebenfalls ist es möglich, zwischen zwei Hochfrequenz-Rolloff-Zielkurven und Mittenkompensationen umzuschalten. So kann man sehr einfach je ein bevorzugtes Setting für den Heimkino-Einsatz und die Musikwiedergabe definieren. Diese sehr empfehlenswerte App ist für Android bzw. iOS für lediglich CHF 20 zu haben. Das Messmikrofon wird nach wie vor am Receiver angeschlossen. Die App paart sich per WiFi mit dem CINEMA 50 und nimmt das Einmessprozedere vor. Anschliessend lassen sich die Messergebnisse auf dem Receiver speichern. Das System funktioniert sehr effizient, ermittelte in unserem Fall automatisch die Grösse von Front-, Center- sowie Surroundlautsprechern (klein) und stellte die Übergangsfrequenz optimal ein.
Die übersichtliche Fernbedienung weiss punkto Ergonomie und Haptik zu gefallen.Nicht nur die Inbetriebnahme, auch die alltägliche Nutzung des Marantz CINEMA 50 fällt ausgesprochen leicht. Dazu trägt im Wesentlichen die übersichtlich gestaltete Marantz-«AVR»-App bei, welche eine fast komplette Steuerung des Geräts auch ohne Bildschirmmenü erlaubt. Toll dabei ist, dass man nahtlos von der Marantz-AVR-App zur HEOS-Streaming-App (und vice versa) wechseln kann. So hat man den CINEMA 50 mit seinen fast unbegrenzten Möglichkeiten im Handumdrehen im Griff.
Aber auch mit der übersichtlichen und haptisch hochwertigen Fernbedienung macht das Handling dieses Receivers richtig Spass. Hier bewähren sich die vier «SMART SELECT»-Tasten, auf denen man je eine bevorzugte Quelle mit allen passenden Vorsteinstellungen abspeichern kann – und dies getrennt in zwei Hörzonen. So fällt auch der Zugriff beispielsweise auf das Internetradio-Angebot (HEOS bietet den TuneIN-Service an) sehr leicht.
Toller Surroundklang
Der Marantz CINEMA 50 durfte im Zusammenspiel mit den Lautsprechern aus der ebenfalls brandneuen 700 S3 Serie von Bowers & Wilkins beweisen, was er klanglich alles draufhat. Unser Augenmerk galt dabei bevorzugt der Musikwiedergabe: Denn wir wollten wissen, ob die Vorbehalte vieler audiophiler Musikliebhaber gegenüber Surround Sound heutzutage noch berechtigt sind. So gibt es auch puristische Zweifel am Einsatz digitaler Raumeinmesssysteme, und besonders die virtuelle Erweiterung stereofoner Musik auf «Rundumklang» geniesst bei vielen Zeitgenossen einen zweifelhaften Ruf.
Gehört wurde der CINEMA 50 im Zusammenspiel mit Lautsprechern von Bowers & Wilkins. Der neue Center HTM71 S3 und die grossen Standboxen 702 S3 gehören zum Besten, was die Preisklasse hergibt. Die kleineren 703 S3 dienten zur Erprobung von Hörzone 2.Die Akzeptanz von vielen Lautsprechern in einem Hörraum strapaziert natürlich die wohnästhetische Toleranz. So beschieden wir uns bei diesem Hörtest mit einem 5-Kanal-Minimal-Setup: Als Frontlautsprecher kamen die Topmodelle aus der 700-S3-Serie zum Einsatz. Die 702 S3 von Bowers & Wilkins (Preis: CHF 6300) verfügen über drei 16,5-cm-Tieftöner mit speziellen Sandwich-Membranen und übertragen hinunter bis 28 Hz. Damit können sie (bei Verzicht auf den Einsatz eines Subwoofers) auch tieffrequente Anteile von Center- und Surround-Lautsprechern abdecken.
Eine tolle Sache ist, dass sie für Bi-Amping vorbereitet sind. So konnten wir beim CINEMA 50 vier Endstufen à je 110 Watt den beiden Frontlautsprechern zuweisen. Davon profitiert die Wiedergabequalität gerade bei den 702 S3 enorm, denn die Bi-Amping-Aufteilung liegt hier zwischen dem Tiefton- und Mittelhochtonbereich. Der sickenlose Continuum-Mitteltöner (mit neuartiger Zentrierspinne) und der Carbonpartikel-beschichtete Hochtöner wissen den eigenen Verstärkerzweig zu schätzen und danken es mit gesteigerter Klarheit bei jeder Lautstärke. Ausserdem steigert das Bi-Amping eindeutig die Souveränität bei sehr hohem Abhörpegel – dies sowohl bei der Musikwiedergabe als auch bei Heimkinoton.
Umfangreiche Anschlussperipherie: Fünf HDMI-Eingänge und drei HDMI-Ausgänge, allesamt HDCP-2.3-kompatibel, sollten für alle möglichen Anwendungs-Szenarien ausreichen.Als Center-Lautsprecher kam der neue HTM71 S3 zum Einsatz, der dank Continuum-Mitteltöner sowie dem gleichen «Tweeter on Top» wie bei den Frontlautsprechern über die passende Klangcharakteristik verfügt. Dieser Center kostet zwar stolze CHF 1950; dem Autor ist jedoch kein vergleichbares Modell bekannt, das mit einer so tollen Klangqualität sowohl im Heimkino-Einsatz wie besonders auch bei der Musikwiedergabe punkten kann.
Die Verständlichkeit von Dialogen und die Authentizität des Stimmtimbres profitieren enorm von einem so hochwertigen Center. Den Surround-Part in unserem Setting übernahmen ein Paar 706 S3 (Preis: CHF 1900). Wer den Gesamtpreis der Lautsprecher von Bowers & Wilkins zusammenzählt, wird natürlich feststellen, dass er im Missverhältnis zum Einstandspreis des CINEMA 50 (CHF 2050) steht. Dennoch macht eine solche Kombination das Qualitätsniveau des Receivers sehr deutlich, denn die Lautsprecher sind im Hörtest nicht mehr ein limitierender Faktor.
Der brandneue Centerlautsprecher HTM71 S3 von Bowers & Wilkins gehört zum Besten, was der Autor in dieser Produkteklasse bisher anhören durfte. Am Marantz CINEMA 50 läuft er zur Hochform auf.Etwaige Bedenken, ob der CINEMA 50 für die edlen Boxen aus dem B&W-Stall gut genug wäre, räumte Marantz schon nach kurzem Reinhören gründlich weg. Wir hörten zunächst echte HiRes-Surroundaufnahmen ab (von einem Blu-Ray-Kombiplayer zugespielten) Mehrkanal-SACDs. Dabei interessierte uns zunächst auch die Frage, ob denn die Audyssey-Kalibrierung aus audiophiler Sicht klangliche Nachteile mit sich bringen würde. Die eindeutige Antwort: Nein! Im Gegenteil: Schaltet man die Raumkorrektur per Druck auf die «DIRECT»-Taste aus, so schrumpft nicht nur die superbe dreidimensionale Abbildung mit plastischer Ortbarkeit von Solisten und Einzelinstrumenten auf ein Mittelmass, auch die Definition und Natürlichkeit der Klangfarben nimmt im subjektiven Hörempfinden eindeutig ab. Der Zugewinn bei aktivem Audyssey war hingegen erstaunlich und wurde von allen anwesenden Testpersonen unisono als dramatisch empfunden.
Als SACD leider vergriffen, aber als Mehrkanal-Download noch erhältlich: Pergolesis «Stabat Mater» in der DSD-5-Kanal-Aufnahme von Channels Classics.So erklang Pergolesis «Stabat Mater» in der DSD-5-Kanal-Aufnahme von Channels Classics so betörend schön und emotional eindringlich, wie man es selbst über hochwertigste Stereoanlagen kaum je erlebt. Wesentlichen Anteil an diesem beeindruckenden Musikerlebnis hat zweifellos der exklusive Centerlautsprecher HTM71 S3, der vom CINEMA 50 feinste HiRes-Signale zugespielt bekam.
Auch Aufnahmen von Solo-Instrumenten profitierten vom echten Surroundformat. So etwa Rachmaninovs «Piano Pieces», gespielt von Nareh Arghamanyan. Absolut verblüffend, wie grossartig und livehaftig der Flügel in den Hörraum transferiert wurde. So überzeugend hat der Autor klassische Klaviermusik schon lange nicht mehr gehört. Die gleiche Aufnahme in SACD-Zweikanal gehört, klang nicht annähernd so «echt». Bei diesen Mehrkanal-Abmischungen fällt auf, dass die Surround-Kanäle als solche gar nicht dediziert wahrgenommen werden. Erst beim Wechsel auf Zweikanal fällt der Verlust dem Ohr so richtig auf.
Klaviermusik in Surround aufgenommen: Rachmaninovs «Piano Pieces», gespielt von Nareh Arghamanyan.Auch Pop- und Jazz profitieren von HiRes-Surround. So zum Beispiel Tierney Suttons Gesang auf «Something Cool» im Zusammenspiel mit einem Piano-Trio. Wunderbar entspannter Swing und schönes Stimmentimbre verleihen dieser älteren DSD-Surround-Aufnahme über die Marantz/Bowers-&-Wilkins-Kombi gehört einen enormen Reiz. Und selbst Quadrophonie-Abmischungen wie «Out of Sight» von Poncho Sanchez, bei denen Perkussionsinstrumente über die Surround-Kanäle abgemischt sind, klingen nie billig oder aufgesetzt, sondern richtiggehend geschmackvoll und spannend.
Geschmackvolle Quadrofonie-Abmischung: Pocho Sanchez «Out of Sight».Leider sind ja viele SACDs vergriffen, sodass man nur schwer an echtes HiRes-Surround herankommt (es sei denn über Musik-Downloads). Deshalb stellt sich natürlich die Frage, wie gut ein moderner AV-Receiver wie der CINEMA 50 Zweikanal-Format auf Mehrkanal aufpoliert – und auch, ob klangliche Nachteile damit verbunden sind. Zu diesem Zweck hörten wir diverse gut bekannte HiRes-Tracks ab USB-Stick. Per Druck auf die «SOUND MODE»-Tasten auf der Marantz-Fernbedienung kann man problemlos zwischen puristischem Zweikanalton und virtuellem Dolby Surround umschalten. Erstaunlicherweise bevorzugten auch hier alle anwesenden Testpersonen ganz klar die Wiedergabe in simuliertem Dolby-Raumklang. Nachteile bezüglich Feinzeichnung oder Definition waren nicht auszumachen. Das Gleiche gilt jedoch nicht für DTS Neural:X oder Virtual:X, die je nach Musikmaterial als zu künstlich empfunden wurden.
Atmosphärische Stimmung und knallharte Action auf «Edge of Tomorrow» mit der fabelhaften Emily Blunt.Zu guter Letzt durfte der CINEMA 50 anhand der Blu-Ray «Edge of Tomorrow» (Tonspur: DTS HD) zeigen, was er im anspruchsvollen Heimkino-Einsatz leistet. Auch in unserem 5-Kanal-Setup generierte er eine unglaublich spannende Szenerie mit feinem Raumklangambiente und brachialen Effekten bei Action-Szenen. Positiv fiel die Gelassenheit auf, mit welcher der Marantz sehr hohe Pegel aus dem Ärmel schüttelte. Ebenso positiv vermerkt wurde die Sauberkeit und Dröhnfreiheit der Basswiedergabe.
Höchstens im Tiefbassbereich hätte man sich noch etwas mehr Druck und Durchschlagskraft gewünscht. Wer dies möchte, kommt um den Einsatz eines Subwoofers nicht herum. Tatsächlich verfügt der Cinema 50 über vier dedizierte Subwoofer-Ausgänge. Man kann so (auch dank Audyssey-Einmessungen) das ultimative Tiefton-Erlebnis realisieren, wenn dies das Budget (und die Toleranz der Nachbarn) zulässt. Aber schon von einem einzelnen Subwoofer profitiert nicht nur der Heimkinoton; auch die Räumlichkeit der Musikwiedergabe gewinnt subtil und nachhaltig an Authentizität von einer sauber abgestimmten Tiefbass-Erweiterung.
Fazit
Zusammenfassend kann man sagen, dass der Marantz CINEMA 50 für die HiRes-Musikwiedergabe prädestiniert ist. Unabhängig davon, ob das Ausgangsmaterial in Zweikanal- oder Surround-Abmischung vorliegt, generiert dieser AV-Receiver der Oberklasse eine ebenso eindrückliche wie natürliche dreidimensionale Klangkulisse. Die fortschrittliche Audyssey-Raumkalibrierung überzeugt selbst Klangpuristen. Und auch punkto Ausstattung und Handling gefällt der CINEMA 50 ausnehmend gut. Der Preis von CHF 2050 kann angesichts der durchweg tollen Performance als sehr fair gelten.
Saubere Sache: Vorne im Gerät finden sich ein leistungsfähiger Schnittkerntrafo sowie die 9-Kanal-Class-AB-Endstufe mit üppig dimensionierten Aluminium-Kühlkörpern. Bei Höchstleistung schalten sich zwei unhörbare Ventilatoren zu.