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Klangskulptur

Test: Standlautsprecher Chora 816 von Focal

Die Standlautsprecher Chora 816 von Focal zeigen eindrücklich, was zu einem relativen Spartarif heute machbar ist. Ihrem musikalischen Charme kann man erliegen.

Von Christian Wenger · 11. Dezember 2019
Focal Chora 816.Focal Chora 816.

Die Chora-Modellreihe von Focal kann als Einstiegsdroge interpretiert werden. Preislich sehr erschwinglich für ausgewachsene Passivlautsprecher einer Top-Marke verspricht die Chora auch Kompromisslosigkeit im Rahmen des Möglichen. Der erste Eindruck nach dem Auspacken liess diese relative Kompromisslosigkeit erahnen.

Ich bekam vom Importeur die schwarze Variante mit schwarzem Hochglanzlack an der Frontseite, dunkelgrauer Abdeckung und einer qualitativ überzeugenden Kunststoffbeschichtung an den Seiten und an der Rückwand. Eine Folie zwar, aber sie fühlt sich an wie schwarz eloxiertes Aluminium. Sensationell!

Der eigentliche Hammer ist aber ein massiver Kunststoffsockel, den ich mit den vier mitgelieferten Schrauben an die Bodenplatte des Standlautsprechers Chora 816 schraubte. Verkehrt herum, wie sich später herausstellte. Die Schallwand neigte sich dann beim Aufstellen nach vorne. Kann jedem passieren, aber man merkt es sogleich. Nach korrekter Montage ergibt sich ein beeindruckendes Bild. 

Der Sockel ist gegen hinten leicht geneigt und neigt so auch die Schallwand nach hinten. Der Sockel ist gegenüber der Schallwand einige Zentimeter nach hinten versetzt und ragt auf der Rückseite ein wenig heraus. Seitlich angeschrägt erinnert dieser Sockel ein wenig an die Stealth-Kampfflugzeuge. Mit dem Sockel erzielt dieser im Grunde konventionell gestaltete Standlautsprecher eine schwebende Leichtigkeit. Es ist eine Skulptur, die gleichermassen ansprechend wie unauffällig wirkt.

Man kann auf den Sockel mit seinen Parkett-freundlichen Gummifüssen verzichten und stattdessen einfach die mitgelieferten Spikes an den Boden schrauben. Dann steht die Schallwand präzise senkrecht und derselbe Lautsprecher sieht dann eher gewöhnlich aus. Alleine der Sockel erzielt eine komplett andere und aus meiner Sicht viel attraktivere Optik. Er macht die Chora 816 zu einem totalen Hingucker, ohne Übertreibung.

Ich habe nun bereits so oft das Wort «Sockel» verwendet, dass jeder Google-Nutzer mit Suchbegriff «Sockel» nun diesen Testbericht findet. Das ist so nicht beabsichtigt, aber ich muss noch einen draufsetzen: Ohne Sockel liegt die Hochtonachse bei jedem Hörabstand und Sofa-ähnlicher Sitzgelegenheit auf Ohrhöhe. Dank der Rückwärtsneigung wird aber bei zunehmender Hördistanz eine verbesserte Abstrahlung bewirkt. Das kommt modernen Räumen entgegen, zum Beispiel, wenn der Essbereich weiter hinten im Raum auf diese Weise von einem besseren Musikerlebnis profitiert. Für die normale Hördistanz von etwa drei Metern ergeben sich durch die Neigung keinerlei Nachteile. Empfehlung: Mit Sockel.

Die «Stealth»-Sockel der Chora schonen den Parkettboden, eignen sich dank Rückwärtsneigung auch für weiter entfernte Hörpositionen und erzeugen eine schwebende Anmutung.Die «Stealth»-Sockel der Chora schonen den Parkettboden, eignen sich dank Rückwärtsneigung auch für weiter entfernte Hörpositionen und erzeugen eine schwebende Anmutung.
Bodenansicht mit den klassischen Spikes ohne Sockel für harte Entkopplung und konventionelle Optik. Die Schallwand ist in diesem Fall senkrecht und nicht mehr nach hinten geneigt.Bodenansicht mit den klassischen Spikes ohne Sockel für harte Entkopplung und konventionelle Optik. Die Schallwand ist in diesem Fall senkrecht und nicht mehr nach hinten geneigt.
Der «Stealth»-Sockel, wie ich ihn nenne, mit Gummi-Absorbern und stabil mit vier Imbusschrauben am Lautsprecher befestigt. Auch die Standfestigkeit ist damit besser.Der «Stealth»-Sockel, wie ich ihn nenne, mit Gummi-Absorbern und stabil mit vier Imbusschrauben am Lautsprecher befestigt. Auch die Standfestigkeit ist damit besser.

Technik

Die Chora 816 von Focal ist ein 2.5-Wegsystem und verfolgt damit einen bewährten Ansatz. Der Tieftöner arbeitet von der unteren Grenzfrequenz von 45 Hz (-6dB) bis 270 Hz. Der Tief/Mitteltöner von 45 Hz (-6dB) bis 2,7 kHz. Während der eigentliche Tieftöner im oberen Bassbereich ausblendet, macht der Tiefmitteltöner weiter bis in den oberen Mitteltonbereich. Dann folgt die Domäne des Hochtons, ausgeführt von einer Hochtonkalotte aus einer Aluminium-Magnesium-Legierung. Die Kalotte ist invers, also nach hinten gewölbt. Der Frequenzgang über das gesamte Spektrum ist mit 50 Hz bis 28 kHz innerhalb von +/- 3dB spezifiziert.

Unten der Tiefton-Treiber und oben der Tief/Mittelton-Treiber. Beide mit 16,5-cm-Membranen aus Schieferfasern und sehr weichen Gummisicken.Unten der Tiefton-Treiber und oben der Tief/Mittelton-Treiber. Beide mit 16,5-cm-Membranen aus Schieferfasern und sehr weichen Gummisicken.

Tieftöner und Tief/Mittletöner verfügen über eine Membrane aus Schieferfasern, die vermutlich mit einem Kunststoff laminiert sind. Die Schwingspulen haben unterschiedliche Durchmesser, was typisch ist und sich an den unterschiedlichen Staubschutz-Abdeckungen erkennen lässt.

Kein Rasierapparat: Die inverse Hochtonkalotte aus einer Aluminium-Magnesium-Legierung unter dem Schutzgitter mit Wabenstruktur.Kein Rasierapparat: Die inverse Hochtonkalotte aus einer Aluminium-Magnesium-Legierung unter dem Schutzgitter mit Wabenstruktur.

Die Chora 816 ist ein Bassreflex-System mit einem ca. 10 cm langen Bassreflex-Rohr an der Schallwand. Auch wenn Bassreflex-Öffnungen aus optischen Gründen heute sehr oft auf der Rückseite oder am Boden der Lautsprecher positioniert werden, gefällt mir diese Variante. Man hat damit einfach weniger Probleme mit Bassmoden. Die Optik kann sich trotzdem sehen lassen.

Die Frontabdeckung verdeckt die beiden Tieftontreiber und lässt die Bassreflex-Öffnung und den Hochtöner sichtbar. Die Befestigung erfolgt über vier selbstzentrierende und mit Soft-Pads geschützte Magnete hinter der Abdeckung. Die Chora 816 wirkt mit und ohne die Abdeckung sehr harmonisch und schön mit einem wohldosierten Techno-Touch. Das bodenseitige Focal-Logo verstärkt den durchaus erhabenen Eindruck.

Sauberes und gut zugängliches Anschlussfeld für Bananenstecker oder Kabelschuhe an den Lautsprecherkabeln.Sauberes und gut zugängliches Anschlussfeld für Bananenstecker oder Kabelschuhe an den Lautsprecherkabeln.
Die Chora 816 wirkt ohne Sockel zwar wesentlich konventioneller, für den Hörtest spielte das jedoch keine Rolle.Die Chora 816 wirkt ohne Sockel zwar wesentlich konventioneller, für den Hörtest spielte das jedoch keine Rolle.

Klangwelten

Testkette mit Lavardin-Vollverstärker und MAN301-Musikserver von Weiss Engineering.Testkette mit Lavardin-Vollverstärker und MAN301-Musikserver von Weiss Engineering.

Die Testanordnung charakterisierte sich durch eine freistehende Platzierung der beiden Standlautsprecher mit 3-Meter-Stereo-Dreieck und exakter Einwinkelung auf meinen Hörtest-Platz. Ich nahm den Lavardin-IS-X-Réference-Vollverstärker mit Lautsprecherkabeln von Absolue Création. Als Quelle diente mir der MAN301 mit Zugriff auf mein NAS.

Zunächst beeindruckte mich die exakte dreidimensionale räumliche Abbildung der Chora 816. Alle Achtung: Das hätte ich nicht erwartet. Die Instrumente wurden selbst bei komplexen und grossen Orchestern so zusammenhängend wie differenziert im Raum dargestellt, dass es keinerlei Unsicherheiten auf der Klangbühne gab. Es war alles eindeutig und der Aufnahme entsprechend. Ich bewegte mich dann zur Seite auf die Höhe des rechten Lautsprechers mit 2 Metern Abstand und bemerkte lediglich eine Verlagerung der Klangbühne – aber keineswegs ein Auseinanderfallen. Ein Hinweis auf exakte Phasenverhältnisse.

Im Bassbereich gibt es Grenzen: 50 Hz ist die klare Ansage. Bis dort und nicht wesentlich weiter oder tiefer. Doch das schaffen sie recht präzise. Der Grundtonbereich erscheint mir sehr präsent. Damit erzeugt man diese Klangwärme, die zwar nicht immer richtig, aber immer schön ist. Diese Schmeichelei liess mich schmunzeln. Die Leute wissen schon, wie schön es klingen muss, damit sich das verkauft. Zugegeben, der Hörraum ist im Grundtonbereich bestimmt nicht linear. Diese Tatsache trug zu diesem Eindruck bei.

Alle Stimmen gefielen mir ausserordentlich gut, immer ergreifend (Beispiel: Abbey Lincoln, «Blue Monk»). Besonders genial kamen grosse Streicher mit Feinzeichnung, Sanftheit und Milde. Nicht diese übertriebene und leider oft angewandte Akzentuierung zwecks Effekthascherei. Klavieranschläge waren sauber und schnell (Alfred Brendel, Mozart, Klavierkonzert Nr. 15, Philips, St. Martins).

Punkto Dynamik bin ich zufrieden. Wer sich Techno in Partylautstärke reinziehen will, kommt wohl an die Grenzen. Leise Hören lässt sich Chora 816 ausgezeichnet.

Ich traute mich dann noch, meinen Vintage-NAD-3020-Verstärker (erste Serie, revidiert) anzuschliessen. Das Resultat war beeindruckend. Der NAD war damals (wie heute) der grosse Category-Killer und erstaunt heute noch mit seiner Qualität.

Fazit

Ein rundum gefälliger Anblick.Ein rundum gefälliger Anblick.

Ist die Focal Chora zu einem Paarpreis von 1398 Franken auch ein Category-Killer? Darauf will ich mich nicht festlegen. Die Chora ist das «Lower Cost»-Resultat eines Herstellers, der es versteht, das Genom seiner Spitzenerzeugnisse gekonnt in Richtung eines günstige(re)n Lautsprechers zu manipulieren. Die Chora 816 ist kein «Happy Meal», sondern wie die Top-Gastronomie eines Restaurants, das man zufällig im Hinterland entdeckt hat und das niemand zu kennen schien. Oder anders gesagt: das noch unbekannte, aufstrebende Streichquartett, dessen Eintrittspreise noch tief sind.

Steckbrief
Modell:
Chora 816
Profil:
2.5-Weg-Standlautsprecher mit Bassreflex-Port in eleganter Erscheinung trotz konventioneller Gehäuseform.
Pro:
Aufstellung mit formschönem Sockel oder ohne Sockel mit Spikes für unterschiedliche Hörabstände und underschieldiche Geschmäcker.
Sehr gute Klangeigenschaften mit viel Charme und Musikalität
Ausgezeichntes Preis-Leistungs-Verhältnis
Contra:
Da fällt mir nichts ein
Preis:
1,398.00 CHF
Hersteller:
Focal
Jahrgang:
2019
Vertrieb:
Horn Distribution CH AG
Masse:
303 x 388 x 1023 mm
Gewicht:
18,5 kg
Farbe:
3 Farbkompositionen
Bass:
2 x 165 mm Schieferfaser-Membran
Bauprinzip:
Bassreflex
Empfohlene Leistung:
40 bis 200 Watt
Frequenzgang:
50 Hz bis 28 kHz ± 3dB
Hochton:
25 mm AL/MG Invers-Kalotte
Impedanz:
8 Ohm
Maximale Leistung:
200 Watt
Wirkungsgrad:
89,5 dB
Onlinefassung: https://www.avguide.ch/testbericht/test-standlautsprecher-chora-816-von-focal-klangskulptur
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