Neben Satinweiss kommt Schwarz Hochglanz bei den Kunden zurzeit am besten an. Die CM10 lässt sich auf Wunsch auch ohne Bodenplatte aufstellen. Dann wirkt sie noch schlanker.Gegenüber der CM9 verfügt die CM10 über einen dritten Tieftöner, was besseren Tiefgang und satteres Bassfundament verspricht. Aber natürlich wurde auch das Gehäusevolumen vergrössert: Knapp 80 Liter sind ein stattlicher Wert, den man der schlanken Standbox allerdings kaum ansieht. Irgendwie haben es die Designer geschafft, die CM10 zierlicher erscheinen zu lassen, als sie nominell daherkommt.
Insbesondere die Versionen in Satinweiss oder hochglänzendem Schwarz dürften hohe Wohnraumakzeptanz – durchaus auch von weiblicher Seite – erfahren. Liebhaber klassischer "Holzboxen" können zwischen rötlichem Nussbaum und Wenge wählen.
Die Basschassis kommen zusammen auf eine Membranfläche, die beinahe derjenigen eines stattlichen 12-Zoll-Tieftöners entspricht. Allerdings versprechen drei Antriebe in Kombination mit den kleineren, besser kontrollierbaren Einzelmembranen – bei vergleichbarem Maximalpegel – ein überlegeneres Impulsverhalten.
Gut bestückt

Da die gut 34 Zentimeter tiefe Box in vielen Fällen relativ nahe an einer Rückwand stehen dürfte, hat B&W zwei verschiedene Bedämpfungsmöglichkeiten für den rückwärtigen Bassreflexkanal vorgesehen. So kann man wahlweise mittels durchgehender oder ringförmiger Schaumstoffeinsätze den Tiefton-Indirektschall an die jeweilige Wohnraumakustik anpassen. Fast schon ein B&W-Markenzeichen ist der "sickenlose" Kevlarmitteltöner, dessen klangliches Auflösungsvermögen sogar für die exklusive 800er-Serie ausreicht.
Ähnlich wie bei dieser (und im Unterschied zum Einsatz in der CM9) ist der Chassiskorb ohne Verschraubung, über einen hoch dämpfenden Dichtring entkoppelt, auf der Schallwand fixiert. Dies ist ein recht aufwendiges Unterfangen, denn der Korb muss mittels einer durchgehenden Gewindestange von der Rückwand aus angepresst werden. Davon versprechen sich die Briten weniger Resonanzen aus dem Wechselspiel von Gehäuse und Mitteltöner.
Ähnlich positiv wirkt sich die relativ harte Membranaufhängung über einen schmalen Ring aus geschäumtem Polymer aus. Zwar kann die Kevlarmembrane dadurch nur geringe Auslenkungen machen. Laut Bowers & Wilkins spricht sie schneller auf Impulse an, als wenn sie in einer nachgiebigen Gummisicke aufgehängt wäre. Zudem wird weniger unerwünschte Bewegungsenergie von der Sicke auf die Membrane zurückgeworfen.
Der Mitteltöner findet in der CM10 im Übrigen fast ideale Arbeitsbedingungen vor, denn die schmale und fast unmittelbar über dem Chassis endende Schallwand setzt der Abstrahlung weder seitlich noch nach oben hin nennenswerte Hindernisse entgegen.
Visuelles und technisches Highlight
Der neue, speziell für die CM10 entwickelte On-Top-Hochtöner sorgt für enorme Feinzeichnung ohne jegliche artifizielle Übertreibung. Auch die räumliche Abbildung profitiert enorm von dieser Konstruktionsweise."Tweeter on Top" war eine Erfindung der Briten in den späten 70er-Jahren, mit der sich dann auch die allererste B&W 801 (1979) von der Highend-Konkurrenz abhob. Damals schon erkannte man, dass ein aufgesetzter Hochtöner Vorteile bei der seitlichen Schallausbreitung mit sich bringt. Denn damit wird verhindert, dass Hochtonanteile entlang der Schallwand bis zu den Gehäusekanten laufen und dort durch scharfe Gehäusekanten gebrochen werden. Solcher Indirektschall kommt dann verzögert beim Hörer an und kann zu einem diffusen Klangbild führen.
Darüber hinaus lässt sich die Impulsantwort des aufgesetzten Hochtöners perfekt an die des Mitteltöners anpassen, indem man Ersteren so positioniert, dass er im Übergangsbereich zeitgleich mit Letzterem abstrahlt. Eine solche Auslegung muss natürlich die Frequenzweiche miteinbeziehen, denn deren Bauteile (Kondensatoren und Spulen) führen zu Phasendrehungen des Musiksignals.
Bereits mit der aktuellen 800er-Serie hat B&W jedoch eine Kehrtwendung hin zu möglichst einfachen Filtern mit flacher 6-dB-Wirkung vollzogen, mit denen ein gutes Impulsverhalten des Lautsprechers problemlos zu verwirklichen ist. Voraussetzung bildet freilich, dass die verwendeten Treiber von Hause aus bereits über ideale Wiedergabeeigenschaften verfügen, die kaum korrigiert werden müssen.
Bei der CM10 kommt ein neu entwickelter Hochtöner zum Einsatz. Bereits bei der kompakten Designbox PM1 (Testbericht avguide.ch) wurden Merkmale der berühmten Diamantkalotte (wie deren hohe Resonanzfreiheit) in bezahlbare Regionen herunter transferiert. Auch beim Hochtöner der CM10 ging es darum, den Frequenzbereich, wo die Membrane in Partialschwingungen aufbricht, möglichst weit über den hörbaren Bereich hinaus zu verlagern.
Dazu kreierte B&W eine doppelschichtige Aluminiumkalotte, deren innere Kuppel im Zentrum ausgeschnitten ist. Das stabilisiert die Membran, ohne allzu viel an bewegter Masse zuzulegen. B&W spezifiziert eine lineare Wiedergabe bis zu 28 kHz, Materialresonanzen sollen erst ab 39 kHz auftreten. Wer dies als höchstens fledermausrelevant abtut, verkennt die Tatsache, dass modernes High-Resolution-Musikmaterial de facto diesen Frequenzbereich abdeckt, sowie den Umstand, dass sich das supersonische Wiedergabeverhalten auch auf den hörbaren Bereich auswirkt.
Souveräne Klangpracht
Souveräner Klang dank modernter Lautsprechertechnik und perfekte Verarbeitung - hier mit Wenge-Furnier.Als passender Spielpartner zur CM10 kam der ebenfalls brandneue Vollverstärker RA-1570 von Rotel (Testbericht avguide.ch) zum Einsatz, der mit sattem Netzteil und hohem Dämpfungsfaktor selbst schwierige Boxen in den Griff bekommt. So auch den stellenweise recht niederohmigen Bassbereich der CM10 (3,1 Ohm), der hohe Anforderungen an die Stromlieferfähigkeit des Verstärkers stellt. Der RA-1570 hatte damit keine Probleme und erfreut dank integriertem USB-DAC mit der Wiedergabe von High-Resolution-Musiktiteln mit bis zu 192 kHz Samplingfrequenz.
Zunächst durfte sich die Standbox aber gebührend lange einlaufen, bevor sie im Hörraum zur Probe gestellt wurde. Danach erfüllte sie mühelos die hoch gesteckten Erwartungen und offenbarte sehr schnell, dass sie ein anderes Kaliber darstellt als die ebenfalls famose CM9. Gegenüber dieser legt sie in allen Frequenzbereichen noch einen Zacken zu: Bei ähnlich hoher Basspräzision entfaltete sie mehr Druck in tieferen Regionen und zeigte schon bei moderatem Pegel eine vitale, pulsierende Darbietung.
Auch die Mitten scheinen durch die spezielle Aufhängung des FST-Mitteltöners punkto Durchzeichnung gewonnen zu haben. Diese zwar deutlichen, aber noch nicht frappierenden Vorteile gegenüber der CM9 toppt die CM10 jedoch durch eine absolut souveräne Hochtonwiedergabe, der man punkto Feinzeichnung und unaufdringlicher Transparenz ruhig ein Kränzchen winden kann. Hier haben die B&W-Ingenieure ganze Arbeit geleistet, und der preisbewusste Musikliebhaber stellt erfreut fest: Es muss nicht unbedingt eine sündhaft teure Diamantkalotte sein, um in audiophile Gefilde entschweben zu können.
Der aufgesetzte Hochtöner setzt der CM10 tatsächlich die Krone auf. Dennoch "sticht" er keineswegs aus der insgesamt souveränen Darbietung der CM10 heraus. Im Gegenteil: Diese klingt wie aus einem Guss und hinterlässt tatsächlich den Eindruck, dass alle drei Frequenzbereiche – Tiefen, Mitten und Höhen – auf vergleichbar hohem Niveau liegen. Damit gelingen ihr auch schwierige Aufgaben wie die Wiedergabe komplexer, grossorchestraler Musikpassagen ganz mühelos. Sie verliert im Orchestergetümmel nie die Übersicht und zeigt eine weit gefächerte stereofone Abbildung mit aussergewöhnlich guter Tiefenstaffelung.
Traumhaft schön mit High-Res-Titeln
Die Bowers & Wilkins CM10 fügt sich prima ins Wohnambiente ein. Der neuentwickelte Hochtöner bewährt sich besonders bei hochauflösendem Audio wie den Downloads von highresaudio.comIhre Vorzüge kann die CM10 insbesondere mit High-Resolution-Files voll ausspielen. So erklang Schumanns Klavierkonzert G-Dur mit Paolo Giacometti (Download über Channel Classics) pulsierend und dramatisch mit aussergewöhnlich fein differenziertem Hochtonbereich. Bei aller Detailfreude wirkte das Klangspektakel nie aufgesetzt oder gar artifiziell, sondern in allen Belangen ausgewogen und im Lot.
Bei kleineren Ensembles – egal ob Klassik oder Folk – punktet die Box mit wunderbaren Klangfarben und sehr hoher Verfärbungsfreiheit. Auch hier hat man den Eindruck, dass der Aufnahmeraum regelrecht ausgeleuchtet wird, so plastisch werden Stimmen oder Einzelinstrumente vor den Hörer projiziert. Sara K.s "If I Could Sing Your Blues" ab dem Album "No Cover" (erhältlich über highresaudio.com) schüttelte die CM10 traumhaft relaxed und ansatzlos dynamisch aus dem Ärmel. Auch hier zeigte sie eine von der Box losgelöste Wiedergabe, wie man sie sonst fast nur von audiophilen Kleinlautsprechern her kennt.
Bei Mark Knopflers "Boom, Like That" ab dem Album "Shangri La" (verfügbar als 24/96-Download ebenfalls auf highresaudio.com) bewies die Standbox Stehvermögen und agierte selbst bei sehr hohem Abhörpegel niemals unsauber oder gar gestresst. Gerne nimmt man zur Kenntnis, dass der Bass dabei staubtrocken und perfekt konturiert bleibt.
Fazit
Tatsächlich ist Bowers & Wilkins mit der CM10 wieder mal ein grosser Wurf gelungen. Dabei klingt die schlanke Standbox mit ihrem neuen "On-Top"-Hochtöner weniger spektulär als vielmehr in allen Bereichen auf einem so ausgewogen hohen Niveau wie wohl nur wenige Lautsprecher in ihrer Preisklasse. Und mit ihrem nicht übertriebenen, per Schaumstoffstöpsel anpassbaren Tieftonbereich eignet sie sich durchaus auch für kleinere bis mittelgrosse Räume.