Stereo M, die moderne HiFi-Anlage mit Pfiff.Für gestandene Semester von HiFi-Fans besteht eine HiFi-Anlage im Grundprinzip aus zwei Lautsprechern, einem Verstärker und einem Plattenspieler. Optional waren dann Tuner und Tonbandgerät. Doch mit der Zeit veränderte sich die HiFi-Landschaft und zu den Einzelkomponenten kamen Gerätekombinationen wie Receiver, etwas später sogar Kasseiver. Die Entwicklung führte bis zu fernsteuerbare All-in-One-Anlagen mit wahren Micro-Lautsprechern, welche die Herzen der HiFi-Freunde anekelten, diejenigen der holden Weiblichkeit jedoch betörten. Doch die heutige Jugend, von den neuen Medien fasziniert, verlangt nach ganz anderen Geräten.
Vom Low-End zum High-End
Die musikalischen High-Lights für die heutige Generation heissen ganz klar Bluetooth- und WLAN-Lautsprecher. In diesem Test interessiert uns vor allem das WLAN, da es echte HiRes-Wiedergabe verspricht, während Bluetooth mit seinem datenmässigen Flaschenhals seine klanglichen Limiten hat.
Der WLAN-Lautsprecher ist natürlich aktiv und hat nicht nur eingebaute Audio-Verstärker und aktive Frequenzweichen, sondern eine ganze Vielfalt an Elektronik intus, um via WLAN, meist auch noch via Bluetooth, Musik zu streamen und auch um das Verlangen nach Multiroom erfüllen zu können. Diese Produktegattung ist heute bereits in Form von kleineren, preisgünstigen und nicht gerade HiFi-würdigen Schnuckel-Produkten der Renner.
Doch was eher im unteren Qualitätsbereich so grossen Erfolg hat, scheint nun mit gewachsener Qualität der WLAN-Übertragung, die – wie schon erwähnt – auch Musik in High-Resolution übertragen kann, auch in den gehobenen HiFi-Bereich überzugreifen. Mit dem Slogan «Streamen in High-Resolution», und das Ganze erst noch in komfortabler Multiroom-Manier, wird man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht nur die junge Generation, sondern auf die Dauer auch die gestandenen High-End-Fans ansprechen können.
In der Gerüchteküche brodelt es seit einiger Zeit, dass sogar namhafte Hersteller von erstklassigen passiven High-End-Boxen die Zeichen der Zeit erkannt und im Sinn haben, auf den WLAN-Zug aufspringen. Doch um die Konsumenten nicht vom Kauf von den bisherigen konventionellen Produkten abzuhalten, verraten diese Hersteller bezüglich der neuen Produkte rein gar nichts. Bekannt ist lediglich, dass diverse Boxenbauer ihre neuen Hits schon diesen Sommer auf den Markt bringen.
Audiophile Wundertüte
Schönheit in Weiss mit einer Fülle an Möglichkeiten. Zudem entzückt das HiFi-verwöhnte Auge ein hochwertiges koaxiales Mittel-Hochton-Chassis unterstützt von einem kraftstrotzenden Kevlar-Bass.Das in Schwarz oder Weiss erhältliche Stereo M ist ein WLAN-Bluetooth-Lautsprecher-System für kleinere bis mittelgrosse Wohnräume und kommt im konventionellen, mittelgrossen Regal-Lautsprecher-Look daher. Diese recht schweren Boxen mit ihren stabilen, vibrationsarmen Gehäusen werden in Berlin entwickelt und China nach den hohen Anforderungen nach Teufel-Massstäben sehr sorgfältig gebaut. Im Paarpreis von 1099.- Franken sind Versandkosten, Zoll und Vorlageprovision eingeschlossen. Passende Ständer dazu gibt's für 407.55 Franken. Mindestens nach unseren Erfahrungen kann es aufgrund einer nicht ganz optimalen Zuverlässigkeit des DPD-Speditions-Unternehmens zu Verzögerungen in der Auslieferung kommen (Stand April 2018).
Eine separate Fernbedienung zum Stereo-M-System ist überflüssig, denn hier kommt ein Smartphone oder ein WLAN-tüchtiger Audioplayer mit der Raumfeld-App zum Einsatz. Mit dieser lässt sich das ganze System sehr einfach in Betrieb nehmen und dann auch im Multiroombetrieb äusserst komfortabel mit unterschiedlichen Programmen und individuellen Lautstärken betreiben. Gewöhnen muss man sich allerdings an eine gewisse Verzögerung bei Lautstärkeregelungen via App.
Diese App ist die Schaltzentrale und dient natürlich auch, um das System in Betrieb zu nehmen. Dazu wird erst das Smartphone ans WLAN geschaltet und dann via App auch das Stereo-M-System. Das geht dank sinnvoller Menüführung ruckzuck, und in wenigen Minuten ist das System spielbereit. Die App bietet eine Fülle an Features wie WLAN-Streaming und Multiroom von Spotify & Co., Internetradio sowie Musik ab USB und NAS. Dabei werden praktisch alle gängigen Dateiformate unterstützt.
Bezüglich Spotify gibts einen dem Stereo-M-System beigelegten Prospekt. Da ist Folgendes zu lesen: «Dein neues Gerät hat Spotify Connect. Mit Spotify kannst du über die Spotify-App auf deinem Handy, Tablet oder PC die Musik steuern, die auf deinem Gerät abgespielt wird. Du kannst telefonieren, Spiele spielen und sogar dein Handy ausschalten – die Musik läuft ununterbrochen weiter.»
Nicht zuletzt ist eine Klangregelung für Bässe-Mitten und -Höhen vorhanden. Via Bluetooth ist ein direktes Musikstreaming von Apple Music, Amazon Music, Spotify und eine Vielzahl weiterer Musikdienste möglich. Die Stereo M arbeiten dabei mit Bluetooth 4.2 samt datenreduzierendem A2DP-Codec, jedoch ohne aptX HD von Qualcomm oder dem Sony-hauseigenen Bluetooth-Klangverbesserer LDAC.
Am Hauptlautsprecher sind Bedientasten für die Steuerung von Play/Pause, Skip, Lautstärke & zusätzlich frei belegbare Stationstasten für Radio und Playlisten vorhanden. Im Detail alle Möglichkeiten zu besprechen, würde den Rahmen dieses Tests sprengen. Deshalb werden hier nur die wichtigsten Punkte erwähnt.
All in One in modernster Form
Future meets classic: Die Stereo M lassen sich auch mit einem Plattendreher kombinieren, falls ein Phonovorverstärker dazwischengeschaltet wird.Für die Ausstattung der Stereo-M-WLAN-Lautsprechersysteme haben die cleveren Teufel-Ingenieure aber auch gar nichts ausgelassen und schöpfen praktisch alle sinnvollen Möglichkeiten, die ein solches System bietet, aus.
Grundsätzlich besteht das Stereo-M-System aus einer aktiven Haupt- und einer passiven Nebenbox. Diese beiden Boxen sind durch ein fettes, dickes Kabel mit hochwertigen XLR-Steckern verbunden. Dies bedeutet, dass in der Hauptbox die gesamte Elektronik sitzt. Und das sind 6-Class-D-Verstärker mit einer Gesamtleitung von 160 Watt, die aktiven Frequenzweichen und die gesamte restliche Elektronik fürs Streaming im WLAN und via Bluetooth.
Auf der Rückseite der Hauptbox sind folgende Anschlüsse zu finden: Aux-Eingang mit Cinch-Buchsen, LAN- und USB-Kabelanschlüsse. Wer hier sogar einen analogen Vinyl-Plattendreher anschliessen will, benötigt allerdings noch einen Phono-Vorverstärker.
Dass die Stereo M keine billige Massenware ist, unterstreicht man auch mit der Bestückung. Die Boxen enthalten echte Dreiwegsysteme. Eine wahre Augenweide für Kenner ist der im Hause Teufel entwickelte Koaxialtreiber, der einen Gewebemembran-Hochtöner mit einem ihn umrundenden Mitteltöner mit Aluminium-Hexacone-Sandwich-Membran besitzt. Ebenfalls nobel kommt der Basstreiber mit seiner verwindungssteifen Kevlar-Membran daher. Die akustisch verlustarme Frontabdeckung sitzt leicht entfernbar und doch präzise an vier Magneten.
Messungen auf Aufstellung
Der Frequenzgang der Stereo, im Abhörraum gemessen, würde einem Studio-Monitor alle Ehre machen. Ja, die Jungs aus Berlin verstehen ihr Handwerk! So verläuft der Frequenzgang vom tiefsten Subbass bis zum höchsten Obertonbereich verblüffend linear. Auch die Richtcharakteristik ist sehr gut was von einem solch genialen koaxialen-Treiber auch erwarten werden konnte. Die Klangregelung ist sinnvoll ausgelegt: Sowohl Bässe, Höhen als auch Mitten lassen sich je nach Bedarf anheben oder absenken.
Für die Stereo M gelten die für Regalboxen bekannten Regeln: Auf einem Regal platziert klingen die Systeme bassfreudig und recht räumlich. Im Regal zwischen Bücher eingequetscht, erfreuen sie zwar die Augen der holden Weiblichkeit, das Klangbild kann sich aber bei weitem nicht so frei entfalten wie auf den von Teufel angebotenen Standfüssen.
Highfidele Klänge ab WLAN?
Bedienen lassen sich die Stereo M nicht nur über die App, sondern auch in begrenztem Ausmass über diverse Elemente an der Front der aktiven Hauptbox.Wie alle Lautsprecher, so brauchen auch die Chassis der Stereo M eine gewisse Einlaufzeit. So wird der Klang von Stunde zu Stunde besser definiert, die Bässe noch etwas tiefer und knackiger.
Der Hörtest und die Steuerung des Stereo M wird nicht mit irgendeinem Smartphone, sondern mit dem echt audiophilen und WLAN-tüchtigen Pioneer-XDP-300R-HiRes-Player durchgeführt. Äusserst gespannt bin ich nun, ob mein WLAN den Klang meiner Hi-Res-Aufnahmen voll übertragen oder hörbar limitieren würde. Sehr interessant ist der Vergleich der Vivaldi-Cello-Konzerte einmal via analogem Aux-Eingang, via WLAN und sozusagen als Zugabe noch via Bluetooth.
Via analogem Line-Eingang erklingen brillante und feingezeichnete Streicherklänge. Das Cello schwelgt in herrlichen, klaren Kantilenen und auch bogentechnische Feinheiten kommen klar definiert, aber nicht überzeichnet. Ja, so klingt wahrhaft ein Cello! Auch die feinsten Zupfer des leisen Begleit-Cembalos kommen klar und sehr obertonreich. Die Räumlichkeit dieser Aufnahme kann echt faszinieren. Das Klangbild wirkt ausgesprochen räumlich.
Doch via WLAN kommt (für mich wenigstens) die Überraschung: Der Klang ist hat praktisch dasselbe Niveau und unterscheidet sich nur in Nuancen. Der WLAN-Test ist für mich auch nach dem Anhören und Vergleichen von diversen Musikarten wie Jazz-Rock-Pop bestanden und damit abgeschlossen. Kompliment an die Teufel-Sound-Ingenieure.
Ernüchternd ist es, wie diese HiResolution-Aufnahme nach audiophilen Gesichtspunkten beurteilt (!) via Bluetooth wiedergeben wird. Das Cello, ein echtes Meisterinstrument, wird zum Schüler-Cello degradiert. Die Räumlichkeit ist begrenzt und feine Schallrückwürfe, welche die Raumakustik des Aufnahmeraums bestimmen, werden glatt unterschlagen. Dem feinen, leisen Begleitcembalo fehlen Obertöne, und die Zupfer kommen mit deutlich hörbar verringerter Feinzeichnung.
Das zeigt ganz klar die Grenzen der Bluetooth-Übertragung ohne die Erweiterung mit aptX oder LDAC. Natürlich reicht diese Klangqualität für nicht ganz so anspruchsvolle Musik völlig aus, doch echt audiophile Klänge sind da ganz gewiss nicht zu erwarten. So erklingt zum Beispiel eine ältere Asia-Aufnahme wie das Album «Alpha» mit sehr schönen Pop-Songs auch über Bluetooth kaum schlechter als via WLAN.
Klar und neutral
Der gute Klang ist nicht zuletzt den hochwertigen Chassis zu verdanken, die im eigenen Hause entwickelt und in China produziert werden.Für mich als Freund warmer, satter klassischer Streicherklänge könnten die Stereo M etwas mehr Schmelz und Charme zeigen. Doch das ist ganz klar Geschmackssache, und wie heisst es doch so schön: Über Geschmack lässt sich nicht streiten, und: jedem Tierchen sein Pläsierchen! Die Stereo M sind ganz und gar keine Klangschmeichler und Schönfärber, sondern klingen grundehrlich und stellen Aufnahmen so dar, wie sie auch aufgenomen wurden. Die Brillanz und Vitalität dieser Systeme kommen ihnen nicht nur bei herrlich swingendem Jazz, sondern auch bei knallharten Rock-Aufnahmen zugute. So ist es absolut erstaunlich, was die Stereo M an unverzerrten Schallpegeln, Dynamik und Vitalität liefern können. Zudem kann man bei gewissen zu hell geratenen Aufnahmen die Klangregler benutzen und die Höhen bei Bedarf dezent absenken, oder bei matten Aufnahmen sogar anheben.
Bei kritischen Solostimmen zeigt sich auch die Qualität des Gehäuses, das erfreulich wenig mitvibrierte. So erklingt Rebecca Pidgeons glockenreine Stimme auch dementsprechend frei von Verfärbungen und wie erhofft: nahezu glockenrein. Beim Tiefstbass-Test mit David Sanbornes ultratiefen Kontra C ist diese Sub-Frequenz mit einer Frequenz von 32,7 Hz (!) zwar deutlich hörbar, aber nicht ganz so kräftig wie erhofft. Ein kraftstrotzendes Kontra C eines Synthesizers von einer Regalbox zu verlangen, ist zugegebenermassen nicht sehr realistisch. Insgesamt hat der Bass aber einen erfreulichen Druck und ist erst noch sehr sauber. Bei sakraler Orgelmusik bringen die Stereo M neben tiefen Bässen auch hochbrillante Mixturen, eine lobenswerte breite Stereoperspektive und eine Klangbühne mit beeindruckender Tiefe.
Im Regal zwischen Bücher eingeklemmt kann sich das Klangbild, wie schon prophezeit, nicht optimal ausbreiten und der Bass kann dominieren. Auf dem Regal klingt es schon besser und wer das letzte Quäntchen Audiophilität aus den Boxen erhalten will, leiste sich die eleganten Ständer und platziere die Stereo M mit einer gewissen minimalen Distanz zu den Rückenwänden. So kann sich auch die bemerkenswerte Räumlichkeit des koaxialen Chassis voll und ganz bemerkbar machen und der Hörer wird mit dieser Aufstellung durch einen transparenten und ausgesprochen räumlichen Klang belohnt.
Fazit
Wer sich heute eine gut klingende HiFi-Anlage modernster Prägung kaufen will, benötigt lediglich ein Paar Stereo M, ein WLAN-tüchtiges Smartphone samt Raumfeld-App und los geht's mit Musik ab zeitgemässen Programm-Quellen und – dank Aux-Eingang – auch ab analogen Quellen. Was hier die Stereo M leisten, liegt ganz klar über dem bisher gewohnten Niveau von WLAN-Lautsprechern. Insgesamt darf man die klanglichen Leistungen mit einem Sehr Gut bezeichnen. Die Stereo M bewegen sich hier im Gebiet zwischen gehobenem HiFi und der Grenze zum High-End. Das Preis-Leistungs-Verhältnis darf damit als ausgezeichnet gewertet werden.