Foto-App oder Foto-Cam? Für das Einfangen von Urlaubserinnerungen eignen sich sowohl Fotokameras als auch aktuelle Smartphones. Jeder Bilderfänger hat seine Vor- und Nachteile.«Wir schicken Ihnen gerne unser neustes Smartphone an Stelle einer Kompaktkamera zu», lautete die Antwort auf meine Frage nach einer kleinen Fotokamera für die Ferien. Immer weniger Hersteller entwickeln solche Modelle weiter oder haben sie überhaupt noch im Angebot. Nach Action- und Outdoor-Cams kommen gleich die Systemkameras mit wechselbaren Objektiven. Den Bereich dazwischen haben die Smartphones für sich erobert.
Bisher hatte ich Smartphone-Knipser und Handy-Filmer belächelt. Aus diesen winzigen Kameras können doch keine guten Bilder kommen. Klar habe ich davon gehört, dass damit schon Kinofilme gedreht wurden. Aber da waren Profis am Werk und zusätzliches Equipment im Einsatz. Und das schleppt wohl kein Urlauber in die Ferien oder mit auf Reisen.
Nachdem ich vier aktuelle Smartphones ausprobieren durfte, musste ich meine Meinung gründlich revidieren! Die Fotos und Videos auf diesen Geräten können sich durchaus sehen lassen. Und wie die Hersteller zwei oder gar drei Optiken in den schmalen Gehäusen unterbringen, ist wirklich eine technische Meisterleistung.
Zum Glück für die Fotobranche gibt es immer noch physikalische Grundlagen, die sich nicht so einfach per App umgehen lassen. Deshalb finden sich in unserem Ratgeber auch noch drei typische Fotokameras für Ferien und Reisen.
Das sind die Canon PowerShot G7 X Mark II, die Nikon Coolpix B700 und die Panasonic Lumix DC-TZ202. Ihnen gegenüber stehen die Smartphones Apple iPhone X, Huawei P20 Pro, Samsung Galaxy S9+ sowie Sony Xperia XZ2.
Man sollte nun nicht den Fehler machen, die Handys mit professionellen Fotokameras zu vergleichen, wie dies teils in der Hersteller-Werbung geschieht. Oben habe ich bewusst geschrieben, dass die Bilder AUF den Smartphones sehr gut ausschauen. Werden sie an Freunde weitergeleitet oder auf sozialen Medienplattformen geteilt, schaut man sie in der Regel auch wieder über das Handy-Display an.
Dort sehen sie dank OLED- und HDR-Bildschirmtechniken optimal aus. Am grossen Monitor zuhause bei 100-Prozent-Darstellung betrachtet, zeigen sich dann so einige Unterschiede – und Aha-Erlebnisse sind garantiert.
Für die Mehrheit der Smartphone-Fotografen sind die Resultate aus den eingebauten Kameras jedoch absolut genügend. Hier stehen vor allem Spass, Erinnerungswert und – geben wir es zu – Selbstdarstellung im Vordergrund. «Seht mal, ich bin hier, mache dies, esse das!» ist wichtiger als eine sorgfältig komponierte Fotografie. Was mit den Foto-Handys natürlich auch geht.
Bei den Smartphones beschränken wir uns auf die vorinstallierten Kamera-Apps. Genauer angeschaut wurden bei allen Teilnehmern das Fotografieren per Vollautomatik, das Freistellen im Allgemeinen und der Porträt-Modus im Speziellen sowie die Panorama-Funktion.
Im Urlaub meist wichtiger als die perfekte Fotografie: Erinnerungsbildchen per Handy.Haltbarkeit und Sensorgrösse
Nass erwischt: Die Smartphones im Vergleich sind alle wie das hier gezeigte iPhone X staubdicht und gegen kurzes Eintauchen ins Wasser immun.Ein Kollege erklärte mir zu den Bildern seiner Bergwanderung: «Wenn ich beide Hände frei habe, greife ich gerne zur Fotokamera und zoome am Objektiv ein und aus. Weiter oben am Berg, mit einer Hand am Sicherheitsseil, nahm ich lieber das iPhone aus der Gesässtasche und fotografierte mit einer Hand den Aufstieg bis zum Gipfel.»
Es sei halt einfacher und bequemer, als jedes Mal den Fotoapparat aus der Kameratasche zu holen, meinte er. Und um den Hals baumeln lassen wollte er ihn auch nicht. Ob ihm das iPhone denn nie aus der Hand gefallen sei, fragte ich weiter. «Nein, ich habe seit Langem eine Silikon-Schutzhülle drum herum.» Dass dies sehr empfehlenswert ist, habe ich auch beim Ausprobieren der vier Handys gemerkt. Bereits beim Auspacken sind mir die Dinger beinahe aus den Fingern gerutscht.
Die aktuellen Smartphones sind sehr schmal, haben abgerundete Kanten und einige auch «curved displays» ohne Einfassung. Besonders das Huawei P20 Pro ist extrem fein poliert. Sobald es auf einer schrägen Oberfläche liegt, rutscht es langsam weg.
Das iPhone konnte ich am besten halten. Es war das kleinste Gerät im Vergleich. Das Sony Xperia ist nicht völlig flach, sondern in der Mitte etwas bauchig, es besitzt dadurch mehr «Grip». Huawei und Samsung sind mit knapp 74 mm am breitesten, ich fand sie zu Beginn am schwierigsten zu halten.
Alle Smartphones sind spritzwasser- und staubgeschützt – und zwar nicht nur auf dem Datenblatt. Den unfreiwilligen Test machte meine Schwester an einem Waldweiher, wo ihr beim Fische fötelen das iPhone entglitt. Kurz bevor es im schlammigen Boden versank, konnte sie es noch greifen, wischte es kurz trocken und knipste fröhlich weiter. «Psst, nicht Apple erzählen, gell Ursi.»
Ein solches Eintauchen hätten die drei Fotokameras kaum überlebt und wären reif für die Entsorgung gewesen. Dafür hatte ich sie dank gummierten Auflagen und ergonomischen Handgriffen viel besser im Griff. Hier störten mich – beziehungsweise meine grossen Wurstfinger – eher zu kleine Tasten und Rädchen.
Optisch zoomen
Die Bilder aus den Foto-Smartphones überzeugen am meisten, wenn man nicht digital zoomt. Hier können die Fotokameras noch punkten. Beim optischen Zoom wird im wahrsten Sinne des Wortes der Unterschied sichtbar.
Wegen ihrer flachen Bauweise sind die Smartphones in Sachen Zoom praktisch chancenlos. Die Geräte mit zwei oder drei Objektiven schalten zwar zwischen Tele- und Weitwinkeloptik um und bieten so echte optische Zooms, kommen damit jedoch maximal auf eine fünffache Vergrösserung.
Alles, was darüber hinausgeht, wird digital vergrössert. Die vorhandenen Bildpunkte werden so gut wie möglich interpoliert und grösser dargestellt. Das fällt beim Betrachten auf dem Handy-Bildschirm bis zu etwa 5-fachem Zoom noch nicht speziell auf. Bei grösserem Zoomfaktor sind die Qualitätseinbussen aber deutlich an groben und unscharfen Konturen sowie an matschigen oder pixeligen Bildflächen sichtbar. Im Huawei-Handbuch heisst es dazu lapidar: «Wenn Sie das optische Zoomlimit Ihrer Kamera vergrössern, verringert sich die Bildqualität.»
Darüber würden unsere drei Fotokameras nur müde lächeln, wenn sie könnten. Kein Vergleich mit ihren bis zu 60-fachen optischen Brennweiten. Damit lässt sich von der Landschaft über die gesamte Fassade einer Burg bis hin zum kleinsten Detail an der Turmspitze alles ablichten.
Während beim Huawei nach 3-fachem optischen Zoomen bei Brennweite 83 mm (bzw. bei 5-fachem Hybridzoom bei 135 mm) Schluss ist, bietet Panasonic 390 und Nikon gar 1440 mm an. Canon beschränkt sich auf 100 mm optische Brennweite.
In der Bildstrecke steht Huawei am 10-fachen digitalen Tele-Anschlag, damit es überhaupt noch in die Nähe der Fotokameras kommt. Mit dem entsprechenden Pixelbild in 100-%-Ansicht.
Auflösung und Sensorgrösse
Der zweite Noch-Unterschied zwischen Smartphone und Fotokamera ist die Grösse ihrer Bildwandler. Bisher waren die Fotocams mit ihren grösseren Sensoren besser gestellt. Unsere beiden Kompaktkameras Canon und Panasonic besitzen einen 1-Zoll-Sensor (Diagonale), was 13,2-mal 8,8 Millimeter Seitenlänge und einer Fläche von 116 mm² entspricht. Das ist etwas kleiner als ein Micro-SD-Kärtchen. Der Sensor der Nikon Coolpix ist mit 1/2,3-Zoll noch kleiner.
Die Smartphone-Hersteller halten sich mit der Grössenangaben ihrer Sensoren erstaunlich bedeckt. Laut Web-Gurus werkelt im Samsung Galaxy ein 1/2,6-Zoll grosser Chip, der damit unserer Nikon sehr nahe kommt. Sony liegt mit seinem 1/2,3-Zoll gleichauf, beim iPhone X munkelt man von 1/2-Zoll und Huawei gibt für seinen 40-Megapixel-Sensor 1/1,7-Zoll an. Damit hat er die grösste Sensor-Fläche unter den vier Smartphones und ist sogar noch grösser als derjenige in der Nikon Coolpix.
Das sagt jedoch noch nichts über die Grösse einer einzelnen Fotodiode aus, dem Bauelement, welches das Licht einfängt. Durch die riesige Auflösung von 40 Megapixel ist ein Pixel hier noch unvorstellbare 1 µm (Mikrometer) klein. Also ein Millionstel eines Meters bzw. ein Tausendstel Millimeter!
Beim Fotografieren in der Dämmerung und generell bei ungünstigen Lichtverhältnissen muss der Kameraprozessor bei solch kleinen Sensorflächen schnell elektronisch nachhelfen. Je nach Algorithmus des Smartphones funktioniert das mehr oder weniger erfolgreich. Griesseln im Bild, verpixelte Farbflächen oder künstlich anmutende Fotos sind oft die Folge.
Um dem entgegenzuwirken, schalten Smartphones mit mehreren Kameramodulen bei wenig Licht von der Normal- auf die lichtstärkere Weitwinkeloptik um, meist ohne Wissen des Fotografen, und rechnen das Foto auf den Bildwinkel des Normalobjektivs um.
Huawei fasst beim 40-Megapixel-Sensor jeweils vier Pixel zusammen. Die Fotoauflösung beträgt dann nur noch 10 Megapixel. Durch die grössere Lichtempfindlichkeit gelingen damit jedoch erstaunliche Bilder in der Dämmerung und am Abend.
Alle drei Fotokameras besitzen eine Auflösung von 20 Megapixel. Die Fläche pro einzelne Fotodiode ist jedoch bei den 1-Zoll-Sensoren grösser. Die Nikon braucht mehr Licht, um auf die gleichen Bildresultate wie die Canon und die Panasonic zu kommen. Oder umgekehrt muss sie früher zu elektronischen Massnahmen greifen, um ein gleich helles Bild zu erhalten.
Im Vergleich zur Sensorgrösse einer APS-C- oder Vollformat-Kamera wirken die Bildwandler der Smartphones und Kompaktkameras dennoch wie Zwerge. Der 1-Zoll-Sensor passt flächenmässig fast dreimal in einen APS-C-Chip und gut siebenmal in einen Vollformatsensor mit 36 x 24 mm Fläche.
Nebenbei: Wer die obige 1-Zoll-Diagonalen-Angabe laut Pythagoras (Wurzel aus A Quadrat plus B Quadrat) nachrechnet, kommt auf rund 16 mm. Wieso nicht 25,4 mm, was einem Zoll entspricht? Bei Bildsensoren geht die Definition auf das Videoröhren-Zeitalter zurück, wo statt des eigentlichen Durchmessers die tatsächlich nutzbare Fläche gemessen wurde. Das sind dann noch knapp 2/3 eines Zolls.
Bokeh, Selfie und Panorama
Unscharfer Hintergrund: Das Spiel mit Unschärfe und Bokeh-Effekt beherrschen Smartphones immer besser. Hier das Samsung Galaxy S9+ in der Live-Fokus-Einstellung mit anpassbarer Hintergrund-Unschärfe.Eine weitere Domäne, die bislang vor allem Kameras mit grossen Sensoren und lichtstarken Objektiven vorbehalten war, ist der Tiefenschärfe-Effekt. Zum Beispiel ein unscharfer Hintergrund bei Porträtaufnahmen. Oder bewusst eingesetzte Schärfenbereiche mit schönen, cremigen Unschärfe-Kreisen, den sogenannten «Bokehs».
Da Smartphones mit Mini-Bildwandlern und Weitwinkel-Objektiven die Aufnahmen generell von vorne bis hinten scharf abbilden, wird dieser Unschärfe-Effekt mit innovativen Funktionen simuliert. Dabei wird die Unschärfe gleich bei der Aufnahme aus zwei Fotos berechnet, eine Tele- und eine Weitwinkelaufnahme dazu kombiniert oder erst später aufs Bild angewendet. Die Ergebnisse fallen je nach Handy-Marke und Motiv-Abstand unterschiedlich gut aus.
Wie oft man diesen Effekt anwendet, sei mal dahingestellt. Möchte man seine Urlaubsbekanntschaft in den Mittelpunkt stellen, ist ein verschwommener Hintergrund durchaus gewünscht. Sollen tolle Landschaft plus tolle Bekanntschaft gemeinsam aufs Selfie, muss wieder alles scharf sein.
Apropos Selfie: Hier können naturgemäss die Smartphones brillieren. Sie schalten blitzschnell zwischen Haupt- und Selfie-Kamera um und haben das gesamte Display für die Aufnahmekontrolle zur Verfügung. Die Fotokameras müssen dazu erst den Bildschirm hoch- oder seitlich ausklappen. Bei der Panasonic TZ202 ist dies gar nicht möglich, da sie ein fest eingebautes Display besitzt.
Auch gegen die High-Tech-Bildschirme der Smartphones ziehen die Fotokameras den Kürzeren. Ihre LC-Displays können schlichtweg nicht mit Leuchtkraft, Kontrastumfang und Farbenvielfalt der Handy-Riege konkurrenzieren. Wobei es Huawei und Samsung mit der Darstellung schon wieder übertreiben und dadurch oft kitschig und unnatürlich wirken. Vielleicht hat dies etwas mit dem Farbempfinden von Koreanern und Chinesen zu tun. Apple und Sony sind da eher zurückhaltender.
Bei Aufnahmen unter sonnigem Himmel haben mich die Smartphone-Bildschirme sehr positiv überrascht. Es war durchaus noch etwas darauf zu erkennen, auch wenn man ihnen ab und zu etwas Schatten spenden musste. Die beiden Fotokameras Nikon und Panasonic konnten hier nur mit ihren Suchern mithalten. Die Canon taugte unter diesen Bedingungen mangels Suchers höchstens noch als Beauty- oder Rasierspiegel.
Verschönern oder verunstalten: Die Smartphone-Selfies lassen sich mit den unterschiedlichsten Filtern bearbeiten.Alles so schön breit hier
Panorama-Aufnahmen setzten alle vier Smartphones gut zusammen, wenn ihr Blick in die Ferne schweifte und man ruhig schwenkte. Sobald sich aber Objekte in unterschiedlichen Abständen vor den Linsen befanden oder sich etwas zu stark bewegte, gab es merkwürdige Resultate. Und Gegenlicht beim Schwenken mochten alle Handys nicht wirklich.
Beim Landschafts-Panorama überzeugte dann jedoch die Fotokamera Panasonic TZ202. Zwar fiel sie mir beinahe aus der Hand, als sie in der Panorama-Einstellung losratterte, so unerwartet laut im Vergleich zu den stillen Smartphones war sie. Dafür brachte nur sie Gräser, Bäume, Wiesen und Häuser so klar, scharf und ohne digitale Überzeichnung hin – auch in der 100-%-Darstellung.
Die vier Smartphones und die Nikon B700 lagen hier etwa gleichauf. Und die Canon G7 X Mark II? Die hat gar keine Panorama-Einstellung. Jedenfalls habe ich keine gefunden.
Grössere Unterschiede gab es bei den Panoramen vom Balkon aus mit Hausfassade, Geländer und Stützpfeiler innerhalb des Schwenkbereichs. Senkrechte Kanten blieben einigermassen gerade, doch das Balkongeländer schräg im Bild wurde von allen Handys nicht sauber zusammengesetzt. Beim Huawei hörte es gar im Nichts auf. Die Fassaden-Platten unterhalb der Fenster hatten bei Apple, Huawei und Sony beinahe jegliche Zeichnung verloren. Am besten konnte hier Samsung mit dem Gegenlicht umgehen, patzte aber auch beim Geländer. Und als der Test-Redaktor noch dämlich in den Schwenk hineinwinkte, errechnete es ein ganz spezielles Porträt.
Mit Samsung, Sony und der Nikon-Fotokamera sind 360-Grad-Rundumschwenks möglich, mit dem Rest nur etwa 180-Grad-Panoramen.
Unschlagbar ist das Smartphone beim sofortigen Teilen der Fotos. Vor allem die junge Generation möchte jedes aufgenommene Bildchen unbedingt Freunden und Feinden zeigen. Bei der Fotokamera muss dazu erst mehr oder weniger umständlich eine Verbindung übers Smartphone hergestellt werden.
Nebenbei protokolliert das Handy automatisch, wo jedes Foto aufgenommen wurde. Und die Datensicherung läuft meist unbemerkt im Hintergrund in eine Cloud – auch in den Ferien übers Hotel-WLAN. Hoffentlich, denn wenn das Smartphone verloren geht oder geklaut wird, sind auch alle Fotos und Videos weg. Dann ist in der Regel neben dem ideellen oder emotionalen Verlust auch der finanzielle Schaden weit grösser als beim Abhandenkommen einer kleinen Fotokamera, wo für jeden Urlaub ein neues Speicherkärtchen verwendet werden kann.
Vorteil Fotokamera: Dank Sucher ist auch im Sonnenlicht ein Bild zu erkennen, der ergonomische Handgriff gibt festen Halt, und über die Tasten und Rädchen werden Einstellungen direkt ausgeführt. Bei der Nikon B700 schwenkt das Display auch seitlich aus.Smarte Bedienung
Mit dem Smartphone wird telefoniert, gemailt, gewhatsappt, im Web gesurft, elektronisch gelesen, gespielt, Filme angeguckt, fotografiert und vieles mehr. Die Bedienung erfolgt dabei immer über dieselbe Oberfläche. Ohne weiteres Zubehör ist die Handhabung besonders beim Filmen und Fotografieren – sagen wir mal – etwas gewöhnungsbedürftig. Vor allem die ältere Generation vermisst eine haptischere Bedienung.
Da gibt es keinen richtigen Auslöser, die Zoomtaste fehlt oder muss mittels Lautstärke-Regler simuliert werden, alle Einstellungen geschehen über winzige Symbole – und überhaupt, wie halte ich das Ding richtig, ohne zu verwackeln oder die Linse zu verdecken? Ein Stativgewinde ist nicht vorhanden, und ohne eingebauten Bildstabilisator ist es kaum möglich, im Schummerlicht einer Bar ein einigermassen scharfes Selfie zu erstellen.
Digital Natives, also Leute, die bereits mit einem Snapchat-Konto und virtueller Brille auf die Welt kommen, werden darüber nur lachen. Dennoch sind dies meiner Meinung nach durchaus praktische Gründe für das Fotografieren mit einer richtigen Fotokamera.
Apple iPhone X – einfach mit Zweifach-Objektiv
Apple iPhone X: Design-Smartphone mit Dual-Kamera und tastenlosem Display. Das iPhone X ist das Top-Smartphone von Apple und in Silber und Spacegrau erhältlich. Mit seinen Abmessungen von 144 x 71 x 8 Millimetern ist es das kleinste Handy im Vergleich, und mit 174 Gramm zudem das leichteste. Durch die hohe Bildschirmauflösung von 2436 x 1125 Pixel und das fast randlose Design wirkt es jedoch grösser. Da es keine Hardware-Home-Taste mehr gibt, steht der ganze Bildschirm als Anzeige- und Befehlsfläche zur Verfügung.
Im iPhone X ist eine 12-Megapixel-Dual-Kamera mit optischer Bildstabilisierung eingebaut. Das Weitwinkelobjektiv bietet Blende f/1,8 und eine Brennweite von 28 mm, die Tele-Optik f/2,4 und 52 mm. Damit ist ein knapp zweifaches optisches Zoom (1,86x) möglich, indem man zwischen den beiden Objektiven hin- und herschaltet. Bis zur zehnfachen Vergrösserung geht's dann nur noch digital. Fotos der Hauptkameras werden mit 4032 x 3024, Selfies mit 3088 x 2320 Pixel Grösse aufgenommen.
Praktischer Einsatz
Die mitgelieferte Kamera-App ist umfangreich und trotzdem Apple-typisch einfach zu bedienen. Viele Parameter sind bereits standardmässig im Auto-Modus aktiviert. Für Einsteiger wie mich ist das dann doch etwas verwirrend. Einiges ist beim iPhone X auch anders als noch bei den Vorgängern.
So hatte ich mich gewundert, wieso neben dem eigentlichen Foto immer noch ein kurzes Videoschnipsel gespeichert wurde. Aha, «Live Photo» ist an, bei dem zusätzlich unmittelbar vor und nach der Aufnahme ein sekundenkurzes Video festgehalten wird, das dann in einer Endlosschleife abgespielt wird. Oder es werden Einzelbilder daraus mit Effekten versehen.
Ebenfalls eingeschaltet ist die HDR-Funktion, die bei hohen Kontrasten durch Verrechnen mehrerer Aufnahmen ein ausgewogenes Foto zu erzeugen versucht. Kann funktionieren, aber auch nicht. Das iPhone X entscheidet selbst, wann es nötig ist. Leider ist die Funktion nicht direkt in der Kamera-App, sondern nur übers Einstellen-Menü abschaltbar. Dort lässt sich auch bestimmen, dass sowohl das normale Bild als auch das HDR-Foto gespeichert werden.
Die Kamera hat die schwierige Licht- und Schattensituation erkannt (links) und die HDR-Funktion eingeschaltet (rechts).In der Standard-Aufnahme-App – simpel «Foto» genannt – wird durch Tippen auf das Display bestimmt, wo die Schärfe liegen soll. Erscheint das Sonnensymbol, kann durch einfaches Hoch- oder Runterstreichen die Belichtung manuell angepasst werden. Weitere Eingriffe in die Belichtung sind nicht oder nur über zusätzliche Foto-Apps möglich. Ein professioneller Modus wie bei Huawei und Samsung ist nicht vorhanden.
Dafür gibt es im Modus «Porträt» den Tiefeneffekt für einen weichgezeichneten Hintergrund. Dieser lässt sich auch im Nachhinein ein- oder ausschalten. Ebenso sind unterschiedliche «Porträtbeleuchtungen» und Fotofilter auf das Bild anwendbar.
Bildqualität und Fazit
Das Apple iPhone X bringt eine erstaunlich hohe Bildqualität, die am exzellenten Super Retina Display mit erweitertem Farbraum (DCI-P3) besonders deutlich zum Ausdruck kommt. Am normalen sRGB-Bildschirm ist diese Qualität leider nicht darstellbar.
Die Farben bei Tageslicht-Aufnahmen wirken natürlich und unaufdringlich, wobei das Grün gegenüber den Fotokameras sowie Huawei und Samsung etwas entsättigt und gelblich daherkam – ähnlich wie beim Sony Xperia. Die Schärfe der iPhone-Bilder geht in Ordnung, kommt jedoch in 100-%-Ansicht nicht an die «crispen» Nahaufnahmen der Fotokameras heran. Bei Blüten-Aufnahmen hatte der Autofokus im Weitwinkel oft Probleme, überhaupt scharf zu stellen. Erst mit der Tele-Linse klappte es dann.
Das Freistellen von Porträts beherrscht das iPhone X sehr gut, wenn genügend Unterschied zwischen Vorder- und Hintergrund besteht. Bei scharfen Kanten ist dies kein Problem, aber bei filigranen Strukturen wie Haaren oder Pelzen greift der Algorithmus schon mal daneben und zeichnet Bereiche weich, die eigentlich noch zum Gesicht gehören.
Porträt mit Hintergrundunschärfe: Die Unterscheidung gelingt nicht immer sauber. Besonders Haare bereiten Probleme.Das Apple iPhone X deckt mit den mitgelieferten Foto-Apps bereits viele Aufnahmemöglichkeiten ab. Die beiden Kameramodule erlauben optisches Zoomen, wenn auch nur für eine bescheidene Vergrösserung. Wer mehr manuelle Belichtungseinstellungen möchte, muss zu Drittanbieter-Apps greifen.
Die Bedienung der Kamera-Anwendung ist einfach und macht Spass. Die Abmessungen des iPhone X «passen» und es wäre für mich das optimale Ferien-Handy, wenn ich nicht in der Android-Welt leben würde.
Canon G7 X Mark II – unauffälliger Allrounder
Canon G7 X Mark II: Edle Kompaktkamera mit grossem Sensor.Die zweite Ausgabe der Canon G7 X ist mit ihren Massen von 105 x 61 x 42 mm die kleinste unter den drei Fotokameras, und mit 319 Gramm zudem die leichteste. Die Verarbeitung im zeitlosen, edlen Design ist hochwertig, und die metallene Oberseite mit den griffigen Einstellrädern liegt spürbar gut in den Fingern.
Die Kamera besitzt einen grossen 1-Zoll-Sensor und ein 4,2-faches Zoomobjektiv. Im Weitwinkelbereich liegt sie mit 24 mm gleichauf wie Nikon und Panasonic, im Tele-Anschlag muss sie die beiden jedoch ziehen lassen. Ihre 100 mm haben gegen die 360 oder 1440 mm Brennweiten der Foto-Mitbewerber kaum etwas auszurichten.
Dafür triumphiert die G7 X Mark II mit einer Lichtstärke von 1:1,8-2,8 beinahe über die gesamten übrigen Kandidaten, nur das Samsung Galaxy S9+ ist mit f/1,5 noch etwas lichtempfindlicher. Der 20,1 Megapixel grosse Bildsensor liefert Fotos in einer maximalen Auflösung von 5472 x 3648 Pixel. Aufnahmen sind im JPEG- und RAW-Format möglich.
Praktischer Einsatz
Die Bedienelemente sind angenehm gross und eindeutig beschriftet. Durch die gummierten Flächen an Vorder- und Rückseite liegt die Kamera bequem und sicher in der rechten Hand. Das Objektiv lässt sich sanft motorisch zoomen und ist auch während des Filmens zu gebrauchen. Etwas, das man mit den Smartphones vergessen kann.
Die wenigen Bedienungselemente verteilen sich auf der rechten Kameraseite. Das Moduswahlrad bestimmt die Belichtungsautomatiken, die manuellen Modi, die Szenenprogramme und die Videofunktion. Darunter befindet sich das Rad für die Belichtungskorrektur. Beide Räder laufen ziemlich zäh, lassen sich dank geriffelten Rändern dennoch gut fassen.
Heavy Metal: Die beiden robusten Drehräder der G7 X Mark II wollen kräftig gedreht werden. Viele Funktionen sind auch über den geriffelten Objektiv-Ring steuerbar.Einzelne Funktionen und Werte können über die Vierwege-Wippe oder den Objektivring eingestellt werden. Letzteres braucht etwas Übung und Fingerspitzengefühl, besonders beim manuellen Scharfstellen. Wer möchte, darf die G7 X Mark II auch über ihren Touchscreen steuern. Dieser lässt sich um 180 Grad hochklappen und befindet sich dann in der Selfie-Position, inklusive Menü für eine fünfstufige Hautglättung.
Display hoch! Die Canon G7 X in Selfie-Pose.Im Modus «Hybrid Auto» zeichnet die Kamera vor jeder Aufnahme zwei- bis viersekündige Videoclips der Szenen auf, die später in einem Filmtagebuch zusammengestellt werden können. Im Szenen-Modus optimiert die Kamera vom Benutzer ausgewählte Aufnahme-Situationen und stellt zahlreiche kreative Funktionen zur Verfügung.
Hauptzielgruppe und Lieblingsmotiv der Canon G7 X Mark II sind laut Handbuch wohl junge Eltern, bzw. deren Nachwuchs. Nur so ist es zu verstehen, dass die Motiv-Symbole für «Lächeln», «Schlafen», «Babys», «Lächelnde Babys» und «Schlafende Babys» speziell hervorgehoben und ausführlich erklärt werden.
Wer oft draussen fotografiert, wird den fehlenden Sucher an der G7 X Mark II sehr vermissen. Der 7,5 cm grosse LCD-Monitor tut zwar sein Bestes, bei gleissendem Sonnenlicht ist aber nicht mehr viel darauf zu sehen.
Wenn der filigrane Blitz aufgeklappt ist, sollte etwas vorsichtiger mit der Kamera umgegangen werden, um ja nichts abzuknicken. Die G7 X Mark II hat übrigens als einzige Kamera im Vergleich noch ein separates Akku-Ladegerät im Lieferumfang dabei. Die beiden anderen laden den Akku via USB-Lade-Adapter in der Kamera, die dann natürlich blockiert, bzw. ans Kabel gebunden ist.
Den Kontrastumfang hat die Canon G7 X Mark II auch ohne HDR-Funktion einigermassen gut im Griff (links). Die Freistellung von Personen gelingt dank grossem Sensor und Blendensteuerung auch im Haarbereich perfekt (rechts).Bildqualität und Fazit
Bei genügend Licht stellt die Canon G7 X Mark II bei Fotografieren schnell und genau scharf. Reihenaufnahmen mit knapp 8 Bildern pro Sekunde sind möglich und verblüffend gut für dieses kleine Gerät. Auch hier gilt: Helles Tageslicht vorausgesetzt.
Die besten knackigen Bilder liefert die G7 X Mark II in Weitwinkelstellung und bei ISO 125. Randverzerrungen werden jedoch nicht gut auskorrigiert. Das Rauschen hält sich bis ISO 800 in Grenzen. Bei ISO 1600 ist auf hellen Flächen vor allem Luminanz-Rauschen sichtbar. Danach werden Strukturen teilweise glattgebügelt. Ist dann auch noch wenig Licht vorhanden, sind Artefakte und Bildrauschen deutlich sichtbar, einheitliche Farbflächen bekommen farbige Sprenkel. Wird in Innenräumen der Blitz hinzugeschaltet, verbessert sich die Situation etwas.
Wer im RAW-Format fotografiert, hat in der Nachbearbeitung mehr Spielraum für Korrekturen. Das machen dann eher die Foto-Experten als die Ferien-Selfie-Knipser. Die Farben sind wie von Canon gewohnt sehr realitätsnah und ansprechend. Bei Selfies mit Blitzeinsatz im Innern konnten die Hauttöne überzeugen. Die Belichtung erfolgte präzis und liess sich auch nicht durch einfallendes Tageslicht im Hintergrund verwirren.
Natürlich und korrekt: Bei genügend Licht bringt die Canon G7 X Mark II sehr ansprechende Fotos mit realitätsnahen, satten, aber nicht zu bunten Farben.
Ansprechendes Bokeh: Natürliche Farben mit schöner Hintergrundunschärfe sind für die G7 X Mark II auch kein Problem.Die Canon G7 X Mark II ist eine kompakte Immer-Dabei-Kamera im edlen und robusten Design. Grosser 1-Zoll-Sensor und lichtstarkes Objektiv helfen über den relativ kleinen Brennweitenbereich hinweg. Die Kamera ist absolut ferientauglich und macht sich auch neben einem Smartphone gut. Sie lässt sich sowohl per Touchscreen als auch über Tasten und Rädchen bedienen und kommt damit Handy-Benutzern wie «echten» Fotografen entgegen.
Huawei P20 Pro – künstliche Intelligenz knipst mit
Cooles Farbspiel: Das Huawei P20 Pro «Purple» zeigt schon durch sein Äusseres, dass es etwas Besonderes ist.Das Topmodell von Huawei bringt gleich drei Kameramodule mit. Stolz prangt auch der Leica-Schriftzug auf der Oberfläche. Der 40-Megapixel-Sensor kriegt seine Aufnahmen über eine 27-mm-Weitwinkel-Optik mit Lichtstärke f/1,8. Beim 8-Megapixel fotografiert eine bildstabilisierte Optik mit f/2,4 und einer Brennweite von 83 Millimeter. Schliesslich gibt es noch ein 20 Megapixel grosses Monochrom-Modul mit 27 mm Brennweite und f/1,6.
Bei der Aufnahme arbeiten meist alle Module gleichzeitig. Je nach Situation werden die Resultate miteinander verrechnet. Im Standard-Fotomodus sind Weitwinkelaufnahmen mit 10 oder 40 Megapixel Auflösung möglich. Zoomen lässt sich jedoch nur bei 10 MP, dafür als echtes 3-faches optisches Zoom bis 81 mm Brennweite. Digital geht es dann weiter bis zur 10-fachen Vergrösserung.
Das 20-MP-Modul liefert schon ab Kamera sehr schöne Schwarzweiss-Bilder, seine Informationen werden als zusätzliche Detailangaben auch in die übrigen Fotos eingebunden. 40-MP-Bilder werden mit 7296 x 5472 Pixel, 10-MP-Fotos mit 3648 x 2736 Pixel als JPEG-Dateien gespeichert. Das Huawei P20 Pro kann auch RAW-Bilder im DNG-Format aufzeichnen, jedoch nur im Pro-Aufnahmemodus und nur mit der Weitwinkel-Optik.
Flotter Dreier: Zuoberst das 8-Megapixel-Teleobjektiv, dann die beiden AF-Laser, danach das 40-MP-Weitwinkel-Modul und, alleinstehend, der 20-MP-Monochrom-Sensor. Darunter der Blitz mit Farbtemperaturmessung.Praktischer Einsatz
Als ich die Einstellmöglichkeiten im Porträtmodus durchging, wollte ich das Huawei gleich in Barbie- oder Tussi-Handy umbenennen. «Wollen Sie auf Ihren Selfies immer fantastisch aussehen? Sie können verschiedene Verschönerungseinstellungen vornehmen und eine Datenbank für benutzerdefinierte Verschönerung erstellen» sind noch die harmloseren Versprechungen. Da gibt es verschiedene «Beauty-Ebenen» und «grössere Werte wirken sich deutlich verschlankender aus und erzeugen Verschönerungs-Effekte».
Bislang sind mir Chinesinnen eigentlich nicht als unattraktiv aufgefallen. Aber lassen wir das. Jedenfalls werkelt im Huawei standardmässig eine künstliche Intelligenz (KI) in Form eines Kamera-Assistenten für automatische Szenen- und Objekterkennung. Das funktioniert bei vielen Motiven gut bis sehr gut, bei anderen wiederum überhaupt nicht.
Der Kamera-Assistent wird im Handbuch nicht erwähnt, man stösst eher zufällig auf ihn, um ihn auszuschalten. Wenn nicht, wundert man sich, dass er im Portrait-Modus oder sobald er Haut «sieht», diese «ums Verrecken» glattbügeln will. Der Beauty-Salon lässt grüssen, aber das hatten wir ja schon.
Blenden-Modus mit simulierten Objektiv-Öffnungen bzw. Blenden-Ebenen (hier f/1,4).Huawei stellt die Schärfe per Lasertechnik ein, Gesichter werden damit gut erkannt und mit Rahmen markiert. Wem der Fokusbereich nicht gefällt, drückt den Auslöser etwas länger, um den Autofokus zu sperren. Die Belichtung kann ebenfalls manuell verändert werden, indem das Sonnen-Symbol nach oben oder unten gezogen wird.
Der Porträt-Modus erlaubt es, die Beleuchtungsart und -intensität auch nach der Aufnahme anzupassen. Im Blenden-Modus simuliert das Smartphone Blendenveränderungen zwischen f/0,95 und f/16 und den damit verbundenen Unschärfegrad. In beiden Modi ist eine gute Gesichtserkennung nötig, um den Hintergrund sauber zu separieren. Dann bietet er das beste Freistellungs-Resultat der vier verglichenen Smartphones.
Der Kamera-Assistent (künstliche Intelligenz) des Huawei P20 Pro kann Licht und Schatten nur zum Teil auskorrigieren, möchte jedoch alle Haut im Foto glattbügeln. Das Freistellen gelingt ihm sehr gut.Bildqualität und Fazit
Mit seinem 40-Megapixel-Sensor übertrifft das Huawei P20 Pro bei der Auflösung seine Mitstreiter locker. Auch Bilder mit 10 Megapixel und interpolierte Fotos aus den drei Kameramodulen sind überzeugend, teils sogar detailreicher als die 12-MP-Bilder aus dem Samsung.
Dank des Tele-Objektivs ist ein echter 3-facher Zoombereich vorhanden. Auch der 5-fache Hybridzoom bringt kaum Verschlechterungen im Bild. Huawei muss damit erst viel später als seine Vergleichspartner auf digitale Vergrösserung umschalten.
Bei wenig Licht können die Huawei-Fotos ebenfalls von den Zusatzinformationen aus allen Modulen profitieren. Hinzu kommt der Vorteil des flächenmässig grössten Sensors aller vier Smartphones.
Die JPEG-Bilder sehen sehr knackig und scharf aus, die Farben wirken brillant und satt, manchmal für meinen Geschmack schon zu unnatürlich und bunt. Doch das kommt bei den Smartphone-Fotografen anscheinend sehr gut an. Und wie erwähnt, die Web-Darstellung der Bilder lässt sich nicht mit dem exzellenten Huawei-Display vergleichen.
Die künstliche Intelligenz des Kamera-Assistenten kann man lieben oder hassen. Wer von den manchmal unvorhersehbaren Resultaten unabhängig sein möchte, schaltet ihn ganz aus und erkundet das Huawei-Smartphone im Pro-Modus.
Aufnahme mit Weitwinkel-Kamera, 27 mm Brennweite: Detailreiches Blütenbild mit schöner Hintergrundunschärfe, Licht/Schatten-Verhältnis ausgewogen, Farben schon etwas unnatürlich «digital kitschig».
Aufnahme mit 5-fachem Hybrid-Zoom, 135 mm Brennweite: Leichte digitale Weichzeichner-Artefakte und künstliche Kantenschärfe erkennbar, aber für viele noch vorzeigetauglich.
Aufnahme mit Weitwinkel-Kamera, 27 mm Brennweite, Blenden-Modus: Knackige Schärfe, kräftige Farben und Spiel mit der Schärfenebene.Über alles betrachtet kriegt man mit dem Huawei P20 Pro zurzeit das beste Foto-Handy. Die Ferienbekanntschaft wird sich bestimmt auch über die tollen Bilder freuen.
Nikon Coolpix B700 – Feldstecher für Safaris
Lange Röhre: Die Nikon Coolpix B700 mit 60-fachem optischen Zoom.Bullig kommt sie daher mit ihrem massiven Objektiv-Rohr, und schwer. Über ein Pfund bringt die Bridge-Kamera Nikon Coolpix B700 auf die Waage und übertrifft damit gewichtsmässig alle anderen Teilnehmer. Mit ihrem 60-fachen optischen Zoom schaut man auf der Safari ins Auge des Löwen oder fängt am Himmel Details ein, die man von Auge nicht sieht. Weite Landschaften bringt sie dank 24-mm-Weitwinkel gleichermassen ins Bild.
Bei der Sensorgrösse liegt die Coolpix B700 mit 1/2,3-Zoll gleichauf wie das Sony Xperia XZ2. Und mit 20,3 Megapixel hat sie gerade mal ein Megapixel mehr an Auflösung als das Sony-Handy. Fotos speichert die Kamera im JPEG- und im Nikon-RAW-Format ab, mit maximal 5184 x 3888 Pixel.
Die B700 ist auf der rechten Seite mit Tasten und Rädchen für die Bedienung übersät. Sie besitzt neben dem Sucher einen auch seitlich ausschwenkbaren Bildschirm. Dieser zeigt zwar ein scharfes Bild, kann jedoch mit seinen 921'000 Bildpunkten keinen Blumentopf gegen die über 2 Megapixel starken Smartphone-Displays gewinnen. Nicht besser geht's dem elektronischen Sucher mit der gleichen Pixel-Auflösung. Immerhin sieht man die Fotomotive darin auch bei strahlender Sonne. Ein weit hochklappender Blitz ist ebenfalls eingebaut.
Praktischer Einsatz
Die Bridgekamera liegt sehr gut in der Hand und lässt sich auch mit grossen Fingern sicher bedienen. Mit den vielen Direkt-Tasten und individuell belegbaren Funktionstasten sowie drei Wahlrädchen am Gehäuse kann sie zügig eingestellt werden.
Der Bildschirm ist in alle Richtungen schwenkbar und erlaubt die unmöglichsten Fotopositionen ohne körperliche Verrenkungen. Er lässt sich nach innen schliessen und ist so beim Transport gut geschützt.
Aufnahmen aus freier Hand werden vom optischen Bildstabilisator wirkungsvoll entwackelt, auch im vollen Tele-Anschlag bei 1440 mm. Da sich dabei die Lichtstärke verschlechtert (bis f/6,5), sollte man bei wenig Licht darauf achten, dass die ISO-Automatik möglichst wenig Rauschen ins Bild bringt oder durch zu aggressive Rauschunterdrückung die Details in den Fotos zugeschmiert werden. Der Autofokus hält das Motiv beim Fotografieren schnell und sicher in der Schärfe.
Praktisch: Das Display der Coolpix B700 lässt sich schwenken und drehen.Neben der Vollautomatik gibt es den Szenen-Modus mit Motiverkennung, Nachtaufnahme, Nachtporträt, Landschaft sowie den «Creative»-Modus. In den PSAM-Einstellungen lassen sich Belichtungszeit und Blendenwert selbst manuell anpassen. Häufig verwendete Einstellungen sind im Modus U hinterlegbar.
Beim Fotografieren vergrössert eine eigene Überblickstaste vorübergehend den Blickwinkel, damit das Motiv leichter eingerahmt werden kann. Serienaufnahmen gibt es in diversen Varianten, inklusive einer «Pre-Shot-Cache»-Funktion, um den perfekten Moment nicht zu verpassen.
Während Canon Babys bevorzugt, sind bei Nikon Tierfreunde willkommen, gibt es doch das «Tierporträt»-Menü, wo die Kamera auslöst, wenn sie das Gesicht eines Hundes oder einer Katze erkennt – als Einzelfoto oder Dreier-Serie.
Sauber freigestellt: Wie bei allen Fotokameras lassen sich auch mit der Coolpix B700 über Blendensteuerung und optisches Zoom problemlos unscharfe Hintergründe erstellen.Bildqualität und Fazit
Bei Tageslicht sind der Nikon Coolpix B700 angenehm scharfe 20-Megapixel-Aufnahmen mit natürlichen Farben zu entlocken. Dies leider nicht im gesamten Bild, denn an den Rändern nimmt die Schärfe ab. Zwar hat das Kameraobjektiv einen grossen Durchmesser, doch die nicht sehr lichtstarke Anfangsblende von f/3,3 und der kleine Sensor fordern ihren Tribut. Noch extremer wird es bei vollem Teleanschlag, bei dem die Motive einiges weicher werden als bei Weitwinkel-Aufnahmen.
Fotos im Innern werden ebenfalls weichgezeichnet und verlieren ihre Details. Das Rauschen bei ISO 400 lässt sich noch verkraften, bei höheren Werten fällt es je nach Motiv unangenehm störend auf. In solchen Situationen sollte man möglichst den Klappblitz einsetzen.
Wer im RAW-Format fotografiert, hat wie immer mehr Reserven beim nachträglichen Entrauschen. JPEG-Fotografen sollten die Komprimierungs-Stufe überprüfen. Sie steht meist voreingestellt auf «Norm»(al). Mit «Fine» wird weniger stark komprimiert, und es lässt sich noch ein Quäntchen mehr an Qualität herausholen.
Die Schärfe in der Mitte überzeugt, sie reicht leider nicht bis an die Bildränder (Nikon Coolpix B700).
Innenaufnahmen werden im Telebereich gern weichgezeichnet. Ohne Blitz ist störendes Bildrauschen wahrnehmbar (Nikon Coolpix B700).Die Nikon Coolpix B700 ist eine Kamera für alle, die weit Entferntes nah heranholen möchten. Sei dies am Himmel, bei der Vogelbeobachtung oder auf Safari. Die ausgezeichnete Bildstabilisierung kann auf Reisen und in engen Umgebungen ein Stativ ersetzen.
Die robuste Bridge-Kamera lässt sich gut bedienen und individuell anpassen, hat jedoch Schwächen bei der Bildqualität. Wer auf genügend Licht achtet und das Mehrgewicht auf sich nimmt, wird mit ihr zufrieden sein.
Panasonic Lumix TZ202 – vielseitig mit 4K-Foto
Kleiner Globetrotter: Lumix TZ202, Travel-Zoom-Topmodell von Panasonic.Die Lumix TZ202 ist das neue Topmodell der Travel-Zoom-Kameraserie von Panasonic. Der 1-Zoll-CMOS-Sensor mit 20,1 Megapixel Auflösung ist der gleiche wie im Vorgängermodell TZ101. Neu ist das 15-fache Zoom-Objektiv, das im Telebereich nun bis 360 mm reicht. Das ist fünfmal weiter als beim Vorgänger.
Dazu musste jedoch die Lichtstärke etwas verringert werden und beträgt bei 24-mm-Weitwinkel nur noch f/3,3 gegenüber dem Vorgänger mit f/2,8. Beim Fotografieren unter ungünstigen Lichtverhältnissen kommt die neue Kamera somit schneller an ihre Grenzen. Dafür darf man mit 3 cm im Makro-Modus etwas näher ran ans Motiv.
Geblieben ist der geniale 5-Achsen-Bildstabilisator, mit dem man bei Tageslicht auch im Tele-Anschlag noch scharfe Aufnahmen erhält. Mithilfe der Panasonic-typischen 4K-Foto-Funktion können zudem schnelle Motive mit 30 Bildern pro Sekunde aufgenommen und als Einzelbilder mit acht Megapixel Auflösung gespeichert werden. Normale Fotos, im JPEG- oder RAW-Format fotografiert, haben eine maximale Grösse von 5472 x 3648 Pixel.
Praktischer Einsatz
Das fein polierte Gehäuse sieht elegant aus und liegt dank Gummiauflagen vorne und hinten recht gut in der Hand. Mit Abmessungen von 111 x 66 x 45 mm in geschlossenem Zustand passt die Kamera noch gut in eine Jackentasche, beult eine Hosentasche jedoch schon ziemlich aus. Mit 340 Gramm, samt Akku und Speicherkarte, ist sie die zweitschwerste im Vergleich.
Wer die TZ202 das erste Mal einschaltet, sollte darauf gefasst sein, dass die Optik noch um ganze vier Zentimeter herausfährt. Wird in den Telebereich gezoomt, kommen nochmals vier Zentimeter an Optik zum Vorschein. Das sieht dann schon etwas, nun ja, obszön, aus.
Der eingebaute Blitz schliesst sauber mit der Gehäuseoberkante ab und ist von aussen kaum zu erahnen. Er wird über einen eigenen mechanischen Schalter aktiviert, kann also nicht automatisch aufspringen. Ist er ausgefahren, liegt er nahe an der optischen Achse und kann trotz eingeschalteter Reduzierung des Rotaugeneffekts zu «Stopplicht»-Augen führen.
Neben den klassischen Foto-Modi (PASM) für die manuelle Belichtungsanpassung stehen zahlreiche Motivprogramme sowie eine intelligente Automatik bereit, die Gesichter und andere Motive erkennt und die Belichtung optimal darauf einstellt.
Im Menüpunkt «Freigestelltes Porträt» und «Seidige Haut» wird darauf hingewiesen, sollten Teile des Hintergrunds hautfarbene Bereiche enthalten, dass diese ebenfalls geglättet werden.
Die kleinen Tasten sind je nach Fingergrösse Gewöhnungssache bis Ärgernis. Ich startete oft unbeabsichtigt den 4K-Foto-Modus über die Fn1-Taste, die sich, etwas ungünstig platziert, gleich unter der Daumenauflage befindet.
Kompakte Kamera mit Sucher: Die Lumix TZ202 besitzt neben dem fest eingebauten Touchscreen einen kleinen elektronischen Sucher mit 2,3 Millionen Bildpunkten Auflösung. Die hinteren Bedienungsknöpfe sind etwas klein geraten.
Wer gerne herumfingert, kommt mit dem Touchscreen ebenfalls auf seine Kosten. Dieser lässt sich leider nicht aufklappen und wird bei Selfie-Freaks kaum Gefallen finden. Doch fürs Scharfstellen ist er genial. Ein Druck darauf und der Fokusbereich ist eingestellt und kann vergrössert, verkleinert und verschoben werden. Ebenso lässt sich die Belichtung irgendwo im Bild messen und fixieren.
Der Hybrid-Kontrast-Autofokus reagiert verblüffend schnell und stellt präzise scharf – genügend Licht und Kontrast vorausgesetzt. Das manuelle Scharfstellen gelingt am besten durch Drehen am griffigen Objektivring, unterstützt durch eine «Peak»-Anzeige, die scharfe Kanten hervorhebt.
Der Multifunktionsring am Objektiv ist sowieso eine clevere Alternative zur Navigation über die Pfeiltasten. Man kann ihm andere Funktionen zuweisen, genauso wie den vier echten (am Gehäuse) und fünf virtuellen (auf dem Touch-Screen) Funktionstasten.
Scheint die Sonne aufs Display, ist der fest eingebaute, elektronische Sucher Gold wert. Es ist zwar keine OLED-Ausführung, aber mit 2,33 Millionen Bildpunkten Auflösung lässt sich gut damit arbeiten. Leider ist er etwas klein geraten und aufmerksamen Augen wird ein leichter Regenbogen-Effekt beim Umherschauen auffallen.
Extreme Hell/Dunkel-Unterschiede kann die Lumix TZ202 nicht optimal ausgleichen. Freistellen und unscharfer Hintergrund bereiten der Kamera hingegen keine Schwierigkeiten.Bildqualität und Fazit
Mit ihrem 1 Zoll grossen Sensor verspricht die Lumix TZ202 gegenüber den kleineren Bildwandlern der Smartphones eine sehr gute Bildqualität mit feiner Detailabbildung. Die 20,3 Megapixel Auflösung bieten zudem grössere Qualitätsreserven bei Bildausschnitten. Hier kann höchstens Huawei mit seinen 40 Megapixeln mithalten, jedoch nur bei Weitwinkel-Aufnahmen.
Demgegenüber steht die etwas schwache Anfangslichtstärke von f/3.3, die am Tele-Anschlag sogar f/8.0 erreicht. Bei der Aufnahme sollte somit genügend Licht vorhanden sein, damit die Elektronik nicht gleich nachhelfen muss und das Bildrauschen erhöht.
Tageslicht-Fotos zeigen ähnlich wie bei der Canon-Kamera bei Kantenschärfe und Bildrauschen ein sehr gutes Ergebnis. Auch die Farb-Anmutung ist sehr ähnlich. Farbsäume an kontrastreichen Übergängen werden gut korrigiert und sind nur in sehr grellen Bildteilen bei detaillierter Betrachtung ersichtlich.
Klar und realitätsgetreu: Aufnahmen bei Tageslicht hat die Lumix TZ202 sehr gut im Griff. Die Farb-Anmutung erinnert sehr stark an die Canon-Fotos.
Duftverströmend: Nahaufnahme mit Weitwinkel-Brennweite 26 mm (Panasonic TZ202).
Rosenkavalier: Noch während meines Fotografierens setzte sich dieses Viech auf dem Blütenblatt in Pose (Panasonic TZ202).Bei Dämmerlicht und Aufnahmen in Innenräumen ab ISO 800 fällt die Qualität vor allem im Telebereich sichtlich ab. Weitwinkelaufnahmen sind meist noch brauchbar. Wer die Bilder im RAW-Format aufnimmt, hat bei der späteren Bildbearbeitung grössere Korrekturmöglichkeiten.
Mit der 4K-Fotofunktion wird im Handumdrehen der perfekte Moment aus einer 4K-Aufnahme mit 30 B/s separiert und als JPEG-Foto mit 8-Megapixel-Auflösung gespeichert. Ideal, um das präzise Eintauchen beim Kopfsprung der Tochter zu dokumentieren – oder der «Ränzler» von Papa.
Am meisten konnte jedoch der elektronische Sucher überzeugen. Wo mit den Smartphones und der sucherlosen Canon-Kamera ungefähr Richtung Motiv gezielt werden musste, zeigte der TZ202-Sucher die Bildkomposition in aller Klarheit.
Die Panasonic Lumix DC-TZ202 ist eine attraktive kleine Kamera, die ihrem «Travel-Zoom»-Namen alle Ehre macht.
Samsung Galaxy S9+ – Mechanischer Blender
Für Mädchen, Buben und Büro: Das Samsung Galaxy S9+ gibt es in vier Farbvarianten, Coral Blue, Titanium Gray, Lilac Purple und Midnight Black.Das Galaxy S9+ von Samsung ist mit 158 mm das längste Smartphone im Vergleich. Das Huawei ist 3 Millimeter kürzer, mit 74 mm aber gleich breit wie das Samsung. Mit je 180 Gramm wiegen beide gleich viel.
Mechanische Tasten gibt es wie beim iPhone nur an den Seiten. Das Display ist am Rand leicht gebogen und zieht sich etwas über die beiden längeren Kanten. Mit 2960 x 1440 Pixel übertrifft das Galaxy S9+-Display die Auflösung aller übrigen Bildschirme im Vergleich. Oben und unterhalb des Displays befinden sich 7 Millimeter breite Rahmen. Im oberen sind LED-Anzeige, Lichtsensoren, Iris-Erkennung, Lautsprecher und Selfie-Kamera untergebracht.
Samsung gibt seinem Top-Modell zwei 12-Megapixel Hauptkameras mit optischer Bildstabilisierung mit. Das Weitwinkel-Modul mit 26 mm Brennweite verfügt über eine mechanische Blende mit Öffnungs-Werten von f/1.5 und f/2.4. Dies ist zurzeit einzigartig bei Smartphones. Wer genau hinhört wird ein leises Klicken beim Umschalten ausmachen. Das von Samsung als Tele-Kamera bezeichnete Objektiv besitzt eine Lichtstärke von f/2.4 und eine Brennweite von 52 mm, was eher einem Normal-Objektiv entspricht.
Zwischen den beiden Objektiven lässt sich im Auto-Fotomodus hin- und herschalten. Damit hat man ein zweifaches optisches Zoom bis maximal 52 mm Brennweite. Darüber hinaus wird digital vergrössert. Fotos speichert das S9+ mit 4032 x 3024 Pixel als JPEG- und im Pro-Fotomodus auch noch im RAW-Format als DNG-Datei.
Augenpaar: Die beiden Kamera-Objektive des Galaxy S9+ sind vertikal untereinander und mittig angeordnet, darunter der Fingerabdruck-Sensor, rechts daneben Blitz und Puls-Sensor.Praktischer Einsatz
Das Samsung Smartphone bringt gleich zehn verschiedene Foto-Modi mit. Seine Favoriten kann man getrennt nach Haupt- und Frontkamera auswählen. Sie stehen immer nach Starten der Kamera-App bereit. Im automatischen Betrieb werden durch Tippen auf den Bildschirm Fokusbereich und Belichtung bestimmt. Letztere kann via Lampen-Symbol noch manuell angepasst werden, ebenso der Blitzlicht- und Fotofilter-Einsatz.
Der «Live-Fokus» des Galaxy S9+ ist mit dem Blenden-Modus von Huawei vergleichbar. Dabei lässt sich vor oder nach der Aufnahme die Hintergrundunschärfe in 7 Stufen verändern. Die Freistellung erfolgt dabei nicht immer so sauber wie beim Huawei. Dafür lässt sich die natürliche runde Form des Bokehs in Herzchen, Sternchen, Blümchen oder Kaninchen(!) umwandeln.
Das Galaxy S9+ schafft hier eine ausgewogene Belichtung, bis auf die extrem hellen Bereiche im Haar und auf der Schulter (links). Das Freistellen beherrscht es ziemlich gut, hat bei «schwierigen» Haaren noch kleine Probleme (rechts).Wer im «Live-Fokus» die Dual-Aufnahme einschaltet, kann danach in der Fotogalerie auf das Tele- und das Weitwinkelbild getrennt zugreifen. Die meisten manuellen Einstellmöglichkeiten bietet der Pro-Modus. Nur hier lassen sich die beiden mechanischen Blenden anwählen. Bei dunklem Bild aufgrund zu tiefer Belichtungskorrektur warnt die Kamera-App mit roter Anzeige des Korrektur-Wertes.
Samsung erkennt auch mehrere Gesichter gut und markiert sie mit einem gelben Kreis. Der Autofokus arbeitet zügig, und auch der Verfolgungs-AF krallt sich an den angetippten Bereich und verfolgt ihn bis zum Bildrand. Leider ist seine Auswahl-Grösse nicht veränderbar und kleinere Motive sind schwieriger zu treffen.
Was hingegen nicht nur mir gehörig auf den Keks ging ist das überempfindliche Display-Verhalten beim Auswählen von Foto-Modi oder Parameter-Einstellungen. So nervt man sich einfach, wenn beim geringsten Berühren und Ziehen unbeabsichtigt der Modus gewechselt und zum Beispiel auf Selfie-Betrieb geschaltet wird. Da durch horizontales Wischen sowohl die Foto-Modi wie auch die Aufnahme-Einstellungen angepasst werden, kommen sich die beiden oft in die Quere.
Hinzu kommt noch, dass viele Symbole und Skalen ins Aufnahmebild eingeblendet werden und je nach Motiv kaum noch erkennbar sind.
Bei ungünstiger Hintergrundfarbe und -helligkeit sind die eingeblendeten Symbole kaum noch zu erkennen (links). Die normalerweise runden Unschärfe-Flecken im Hintergrund (Bokeh) können umgeformt werden (rechts).Bildqualität und Fazit
Dank den beiden umschaltbaren Optiken ist beim Galaxy S9+ eine zweifache optische Vergrösserung ohne digitale Bildstörungen möglich. Bei genügend Licht aufgenommene Fotos werden auf dem Samsung-Display sehr gut wiedergeben. Sie verblüffen zum Teil mit unglaublicher Schärfe und Detailauflösung. Hier lohnt es sich, den automatischen Foto-Modus zu verlassen und mit den Pro-Einstellungen zu experimentieren.
Die Farben kommen bei den meisten Motiven knackig, frisch und kräftig bunt daher, vergleichbar mit den Aufnahmen des Huawei-Handys. Da wie dort wirken Fotos mit dem Weitwinkel-Objektiv aufgenommen oft natürlicher und weniger digital bearbeitet als die Tele-Objektiv-Bilder.
Bei Innenaufnahmen mit höheren ISO-Werten bringt Huawei mit seiner Ausstattung erwartungsgemäss die besseren Fotos. Hier setzt bei Samsung die Rauschunterdrückung mit Weichzeichnung früher ein.
Landschaftsaufnahmen in gutem Licht gelingen mit dem Samsung Galaxy S9+ ausgezeichnet.
Tigerbild in 100-%-Ausschnitt: Verblüffende Schärfe und natürliche Farbwiedergabe. Das Motiv wurde vom Galaxy-Handy automatisch der Kategorie «Haustier», «Katze», zugeordnet!
Diese Nahaufnahme hat das Galaxy S9+ mit seinem 52-mm-Objektiv souverän freigestellt.Mit dem Samsung Galaxy S9+ lässt sich sehr gut fotografieren und filmen, wenn man die Foto-App mit der nervenden Umschaltung in den Griff gekriegt hat.
Die Smartphone-Grösse wird nicht jeden überzeugen, doch das sehr hochauflösende Display ist eine Klasse für sich und dank Tageslichtfunktionen lassen sich auch am sonnenüberfluteten Badestrand die Bikini-Schönheiten ins Visier nehmen.
Sony Xperia XZ2 – Einäuger mit Auslöser
Modernisiert: Das Sony Xperia XZ2 im minimalistischen Design mit gläserner Vorder- und Rückseite.Das neue Xperia XZ2 sieht für Sony-Verhältnisse schon richtig schick aus. Vorbei sind die dicken Display-Umrandungen der Vorgänger. Nur oben und unten gibt es noch Balken, denn ganz so viel Bildschirm wie Samsung oder Huawei will Sony dann doch nicht zeigen.
Das XZ2 ist in Höhe und Breite etwas kleiner als das Huawei, mit 6 mm oben und unten jedoch das dünnste im Vergleich. In der Mitte baucht es sich auf 11 mm auf und lässt sich dadurch besser halten als die beiden anderen Androiden. Das «Gorilla Glas 5» an Vorder- und Rückseite lässt es edel aussehen, bringt mit beinahe 200 Gramm dafür das höchste Gewicht aller vier Handys in die Waagschale.
Während die übrigen drei Smartphones OLED-Displays besitzen, setzt Sony auf die eigene IPS-LCD-Technik «Triluminos», die ebenso satte Farben bringt wie OLED. Die Bildschirm-Auflösung hinkt mit 2160 x 1080 Pixel jedoch den andern hinterher.
Die einzige Hauptkamera der Xperia nimmt Fotos durch eine 25-mm-Weitwinkeloptik mit Lichtstärke f/2.0 auf. Der 1/2.3 Zoll grosse Bildsensor mit 19 Megapixel Auflösung liefert JPEG-Dateien mit maximal 5056 x 3792 Pixel. Die Auflösung der Front/Selfie-Kamera fällt mit 5 Megapixel sehr gering aus.
Da es nur ein Fix-Objektiv gibt, fehlt dem Xperia XZ2 ein optisches Zoom. Es kann somit nur digital ins Bild hinein vergrössert werden. Diese Tatsache umschreibt Sony elegant: «Wenn Sie dreifach zoomen oder eine noch höhere Zoomstufe verwenden, kann dies Auswirkungen auf die Bildqualität haben. Nehmen Sie stattdessen ein Foto ohne Zoom auf und schneiden Sie es entsprechend zu.»
Praktischer Einsatz
Ein/Aus- und Lautstärke-Tasten befinden sich am Xperia XZ2 an der gleichen Seite, und darunter gibt es, wie es sich für einen Kamera-Hersteller gehört, eine eigene Auslöser-Taste. Damit lässt sich auch die Kamera aktivieren.
Die Aufnahmemöglichkeiten sind mit vier Auswahl-Modi einfach und übersichtlich gehalten. Neben «Manuell», «Überlegene Automatik» und «Video» sind unter «Kamera-Apps» weitere Funktionen wie etwa Panorama oder kreative Effekte abrufbar.
Wird mit der überlegenen Automatik fotografiert (wer kreiert eigentlich solche Begriffe?), lassen sich nur Farbe und Helligkeit anpassen und den Fokus auf den gewünschten Bereich setzen. Der Rest geschieht automatisch. Gesichter werden in allen Aufnahmemodi erkannt und gelb umrahmt.
Wichtige Bedienungssymbole heben sich gut vom schwarzen Hintergrund ab, die ins Bild eingeblendeten Anzeigen und Skalen sind hingegen schwieriger zu erfassen.
Ins Bild eingeblendete Symbole sind kaum zu erkennen (links). Bei der Bildbearbeitung ist es besser gelöst (rechts).Wie bei einer richtigen Kamera lässt sich mit halb heruntergedrücktem Auslöser die Schärfe speichern, um einen anderen Bildausschnitt zu wählen. Zum Aufnehmen wird dann ganz durchgedrückt, mit dem Vorteil, dass die Bilder weniger verwackeln, da man nicht auf das Display tippen muss.
Speziell ist auch die «Vorhersagende Aufnahme», die bei bewegten Motiven zwei bis vier Fotos speichert, um daraus das beste auszuwählen. Sony weist darauf hin, dass diese Funktion auch unerwartetes Gelächter erkennen kann.
Den Bokeh-Effekt kann das Xperia XZ2 mangels Dualkamera nur durch Berechnen des unscharfen Hintergrunds bieten. Das klappt aber nur selten richtig gut. Hier bringt etwas Ausprobieren mit Nahaufnahmen in verschiedenen Abständen oder das gezielte Scharfstellen im manuellen Fotomodus die besseren Ergebnisse.
Kontrastreiche Aufnahmesituationen beherrscht die Xperia XZ2 gut. Auch die Hutstruktur ist im hellen Bereich noch zu erkennen (links). Porträts im Auto-Fotomodus werden von vorne bis hinten scharf (rechts). Bildqualität und Fazit
Dank des grossen 19-Megapixel-Sensors darf man noch ganz wenig ins Bild hineinzoomen, ohne gleich alle feinen Strukturen und Details zu zerstören. Dennoch ist man schnell am digitalen Anschlag bei der Fotoqualität, was bei den nur 5 Megapixel grossen Selfies besonders auffällt.
Landschaftsaufnahmen bringt das Xperia XZ2 in natürlich wirkenden, fast schon etwas zu entsättigten Farben und mit hoher Detailgenauigkeit aufs Bild. Wer näher heran möchte, sollte sich das Zoomen verkneifen und dafür auch mal einen längeren Weg zu Fuss gehen.
Wer gerne Selfies aufnimmt, wird mit der XZ2 nicht glücklich werden. Zu grob werden die weitwinkligen Bilder und sehen nur bei Tageslicht einigermassen ordentlich aus.
Tipp am Rande: Die Xperia XZ2 kommt mit dem 16:9-Bildformat (17 Megapixel, 5504 x 3096) als Standard-Einstellung. Damit verschenkt man jedoch 2,13 Millionen Pixel gegenüber dem 4:3-Format. Hier lohnt sich die Umstellung auf die höhere Auflösung von 19 Megapixel mit 5056 x 3792 Bildpunkten.
Natürlicher Eindruck: Bei Landschaftsaufnahmen ist das Xperia XZ2 in seinem Element.
Abstand verändern: Durch geschicktes Positionieren der Kamera sind mit dem XZ2 auch ansprechende Fotos mit unscharfem Hintergrund möglich.
Automatik aus: Kräftige Farben, scharfe Details und weicher Hintergrund durch eigene Einstellungen im manuellen Foto-Modus der Sony Xperia XZ2.Das Sony Xperia XZ2 gehört zu den Spitzenklasse-Handys. Mit seiner Kamera-Anwendung lassen sich sehr einfach Bilder erstellen, man ist jedoch nicht so flexibel wie mit den Smartphones der Mehrkamera-Riege. Wie man hört, soll ein Xperia XZ3 dieses Manko bald ausbügeln.
Wer sich mit Zoomen und Selfies zurückhalten kann, dem wird das Xperia XZ2 sehr schöne Ferienerinnerungen einfangen.
Fazit
Ferientauglich sind sie alle: Genügend Licht vorausgesetzt fangen Smartphones wie Fotokameras schöne Urlaubserinnerungen ein.Die vier Smartphones haben mir die technischen Fortschritte bei den eingebauten Kamera-Modulen im wahrsten Sinne des Worte vor Augen geführt. Es ist beeindruckend, welche Bildqualität aus diesen flachen Dingern kommt. Vor allem bei den Handys, die durch Umschalten zwischen mehreren Objektiven richtiges optisches Zoomen ermöglichen. Noch sind die Vergrösserungsfaktoren bescheiden, aber ein Anfang ist gemacht. Die Unterschiede beim Vergleich mit digitalem Zoomen sind klar sichtbar.
Ein engagierter Hobby-Fotograf wird dennoch viele Einschränkungen beim Smartphone-Fotografieren bemängeln. Fehlender Sucher, fehlende Blendensteuerung, keine richtigen Tele-Brennweiten, keine Programm-, Verschlusszeit- und Blenden-Automatik oder fehlende ND-Filter. Von der Bedienung ohne Tasten und Drehrädchen mal ganz abgesehen.
Smartphone-Fotografen werden dagegen einwenden, dass man dies alles gar nicht braucht, oder die obigen Begriffe schlicht nicht verstehen. Hauptsache, am Schluss kommt ein «schönes» Ferien-Foto heraus. Das wird noch etwas per Filter aufgehübscht und klick, ab ins Web. Instant-Foto, Wisch und Weg, morgen interessiert sich keiner mehr dafür.
Beide Sichtweisen muss man gelten lassen. Wer Fotos ausschliesslich am Smartphone-Bildschirm betrachtet, ist zufrieden damit und kennt nur diese digitale Bildqualität. Die Kamera-App ist eine unter vielen und soll einfach funktionieren.
Maskenball: Mit zahlreichen Motiv-«Verschönerungen» ist simple Unterhaltung garantiert.Spass und künstliche Intelligenz
Smartphones sollen Spass machen beim Fotografieren. Der fernöstliche Spieltrieb ist den Android-Modellen Huawei, Samsung und Sony kaum abzusprechen. Der Fun-Generation gefällt es scheinbar, sonst würden diese oft kindlichen Apps kaum programmiert. Auch die zahlreichen Beauty-Einstellungen entsprechen wohl dem Bedürfnis, auf den Social Media Plattformen möglichst perfekt zu imponieren.
Die Smartphones machen es uns einfach, schnell und bequem ohne fotografische Kenntnisse Bilder einzufangen. Sie unterstützen einem mit automatischer Motiv-Erkennung, Kamera-Assistenten, Sprach-Steuerung oder «überlegener Automatik».
Der geballte Einsatz von künstlicher Intelligenz für Gesichts-Erkennung, Iris-Scanning, Motiv-Unterscheidung und automatischer Kategorien-Zuordnung gab mir dann doch etwas zu denken. Wo ich bei der Fotokamera noch selber die gewünschte Motiv-Einstellung auswählen durfte, erkennen die Smartphones selbständig und meistens korrekt das richtige Sujet. Was mit all den Daten, die automatisch in die Foto-Clouds der Hersteller gesichert werden, weiter geschieht, lässt sich nur erahnen.
Leider geht auch bei den kompakten Fotokameras der Trend in eine ähnliche Richtung. Immer mehr Automatiken nehmen dem Fotografen, oder heisst es in Zukunft «Visueller Emotionen-Sammler», die technischen Einstellungen ab. Das kann man gut oder schlecht finden, aber irgendwann wird die Erkenntnis «Nicht die Kamera, sondern die Fotografin, der Fotograf macht das Bild» nicht mehr zutreffen.
Motiv-Auswahl: Bei den Fotokameras darf das Sujet noch selber bestimmt werden. Ob Smartphone oder Fotokamera, bei genügend Licht liefern sie alle schöne Ferienbilder. Was man bevorzugt, hängt auch vom geplanten Urlaub ab und wie intensiv man fotografieren möchte. Weite Landschaften, Swimming-Pool, Nachtleben, Safari, Wandern, Städtereisen - allein, mit Familie oder in der Gruppe - vielleicht ist die Kombination von Smartphone und Kompaktkamera die ideale Lösung.