Marantz PM7000N: Streaming inklusive.Eigentlich ein typischer Marantz, möchte man meinen. Angefangen von der charakteristischen im «barocken» Stil gehaltenen Gerätefront bis hin zu typischen Ausstattungsmerkmalen wie HDAM (Hyper Dynamic Amplifier Modules). Der erste Blick auf den PM7000N offenbart nicht gerade Aufregendes. Der zweite Blick hingegen schon: «Network integrated Amplifier» prangt stolz unter dem Markenlogo. Tatsächlich hat Marantz dem Verstärker ein ausgefeiltes Netzwerkmodul spendiert. HEOS stammt eigentlich von Denon; aber seit die beiden Marken unter dem gleichen Dach vereint sind, spricht nichts mehr gegen einen solchen Technologie-Austausch. HEOS wurde ursprünglich für Multiroom-Anwendungen entwickelt, dient im PM7000N jedoch primär zur nahtlosen Integration von Streaming-Diensten wie Spotify oder Tidal sowie Webradio (TuneIn). Leider bleibt Qobuz mit seinem HiRes-Angebot derzeit aussen vor. Dafür ist das brandneue Amazon Music enthalten, das hierzulande bereits auch in einer HD-Variante abonniert werden kann.
Der PM7000N bietet reichlich Anschlüsse für analoge und digitale Quellen. Auch ein Mono-Subwoofer-Ausgang ist mit an Bord. Toll sind die massiven Lautsprecherklemmen.Wer Streaming nutzen möchte, muss den PM7000N wahlweise via Ethernet oder WiFi ins Heimnetzwerk einbinden. Für letztere Variante besitzt der Verstärker gleich zwei Antennen und verspricht so kabellose Zuverlässigkeit selbst bei schwächeren Signalstärken. Aber auch klassischen Nutzern bietet der Marantz eine ganze Menge: Der integrierte DAC ist mit einem DA-Wandler-Chip vom Typ K4490 sehr hochwertig bestückt und dekodiert über die drei Digitaleingänge (2x optisch, 1x koaxial) bis zu 24-Bit/192-kHz. Ein PC-USB-Anschluss ist nicht vorhanden – einer für USB-Massenspeicher hingegen schon. Hierüber lassen sich auch DSD-Files (bis 5,6 MHz) abspielen. Auch nicht zu verachten ist der angebotene Phono-Eingang für MM-Tonzellen. An der Front findet sich ein Standard-6,35-mm-Kopfhörerausgang. Klanglich lässt er nichts zu wünschen übrig, solange man mittel- bis hochohmige Hörer anschliesst. Niederohmige Exemplare (< 50 Ohm) tönen in den Höhen hingegen etwas diskret.
Auch ohne Netzwerkanbindung ein Multitalent
Ganz interessant für Nutzer, die für ihren Verstärker keine Netzwerk-Anbindung wünschen: Ab USB-Datenträger kann man Musiktitel auch via Fernbedienung und dem fein auflösenden Gerätedisplay (also ohne HEOS-App) suchen und abspielen. Dies sogar relativ einfach, indem man durch die Ordner navigiert und durch Titellisten scrollt. Man muss dazu nicht extra Abspiellisten erstellen; der Marantz spielt einfach die nachfolgenden Titel automatisch ab. Nominell sollen sich an den Marantz auch portable USB-Festplatten anschliessen lassen. Es kann jedoch sein, dass bestimmte Modelle Probleme bereiten. Mit einem USB-Stick ist man hingegen auf der sicheren Seite. Auch HiRes-Files werden in sehr guter Klangqualität wiedergegeben. Der Quercheck zur Streaming-Variante derselben Files zeigte, dass direkt ab Qobuz (über einen externen, digital angebundenen Streamer) noch minim mehr Brillanz und Luftigkeit geboten wurde. Dies aber nur in Nuancen.
Links vom LAN-Anschluss findet sich ein USB-Eingang, an dem man USB-Massenspeicher zur Musikwiedergabe andocken kann. So lassen sich HiRes-Musikfiles auch ohne Heos-App abspielen.Ganz ähnlich wie bei USB kann man mittels Fernbedienung durch das TuneIn-Webradio-Angebot navigieren. Wer jedoch eine Favoritenliste erstellen möchte, kommt um das Erstellen eines HEOS-Benutzerkontos nicht herum. Dafür bekommt man dann eine wirklich komfortable App (wahlweise für Android oder iOS), die das alltägliche Musikhören deutlich erleichtert und zudem willkommene Extras wie Albumcover, Suchfunktionen und natürlich den Zugang zu den Musikprovidern anbietet.
Ein weiteres Plus fährt der PM7000N mit seinem Phono-Eingang ein: Es gibt ja genügend Beispiele, wo ein solcher auch in günstigen Verstärkerpreisklassen inbegriffen ist. Meist aber halt in gerade mal brauchbarer bis maximal guter Qualität. Nicht so beim Marantz. Was der Phono-MM-Eingang an Klangqualität und Rauschfreiheit anbietet, ist absolut verblüffend. Der Autor probierte verschiedene Tonzellen aus und durfte anerkennend konstatieren: Ein so guter Phono-Eingang ist in dieser Preisklasse absolute Mangelware. Er ist dermassen rauscharm ausgelegt, dass selbst ein Medium-Output-MC-System vom Schlage eines Benz Glider (Variante M mit ca. 1 mV bei 3,48 cm/sec) klaglos zur dynamischen Hochform auflief und strahlende Höhen bei ausgeprägter Räumlichkeit zum Besten gab. Hier liegt der Verdacht nahe, dass die «neu entwickelte FET-Eingangsstufe» (Originalton Marantz) in Tat und Wahrheit von der in den High-End-Geräten PM-10 bzw. KI Ruby verwendeten Schaltung abgeleitet wurde. Kompliment an Marantz für diesen Schachzug.
Die Fernbedienung ist ausnehmend übersichtlich gestaltet und bietet Direktzugriff auf die meisten Quellen. Auch die rudimentäre Navigation im Webradio ist möglich.Meisterleistung
Technisch betrachtet ist der PM7000N ein Meisterwerk. Das solid verarbeitete Gerät gefällt mit üppig dimensionierten, vorbildlich stabilen Lautsprecherklemmen. Das Innenleben zeichnet sich durch eine hohe Packungsdichte aus. Schier unglaublich, was hier alles Platz gefunden hat. Dabei reichte es für einen massiven Aluguss-Kühlkörper und einen gekapselten Ringkerntrafo. Eine weitere Spezialität ist wie gesagt die bewährte HDAM-Technik: Sie setzt anstelle herkömmlicher Operationsverstärker gekapselte, diskrete Schaltkreise in SMD-Bauweise ein, deren Einsatz sich – laut Marantz – in einem dynamischeren, präziseren und detaillierteren Klang auszahlen soll. Eine Werbeaussage, die unser Hörtest für einmal bestätigte. Wobei wohl auch die Marantz-eigene Stromgegenkopplung ihren Beitrag leistet.
Wer im Übrigen Angst vor der «negativen Ausstrahlung» von Streaming-Modul und DAC auf den analogen Bereich hat, nimmt beruhigt zur Kenntnis, dass beide gut abgeschirmt, separat untergebracht sind und bei Nichtgebrauch intern abgeschaltet werden. Traditionalisten werden im Übrigen die Klang- und den Balanceregler zu schätzen wissen. Puristen hingegen aktivieren lieber «Tone direct» und kommen so tatsächlich in den Genuss von noch mehr klanglicher Transparenz.
Viel drin: Trotz hoher Packungsdichte fand sich Platz für einen massiven Aluguss-Kühlkörper und einen gekapselten Ringkerntrafo. Netzwerkmodul und DAC sind abgeschirmt und separat untergebracht.2 x 60 Watt Ausgangsleistung an 8 Ohm klingt zwar nicht nach sehr viel, sollte aber für Musikliebhaber in Mietverhältnissen allemal ausreichen. Zumal der Verstärker mit sehr vitalem, dynamischem Klang auf Anhieb zu beeindrucken weiss. Er legt los wie ein ganz Grosser und zeigt auch vor machtvollen Tieftonattacken keine falsche Scheu. Der Bass kommt druckvoll und für einen Vollverstärker dieser Preisklasse sehr gut konturiert. Erstaunlich ausgeprägt ist das Mass an Konturenschärfe und räumlicher Durchhörbarkeit, welches der Marantz aus guten Aufnahmen hervorzaubert. Er bildet Einzelinstrumente plastisch und präzise nach und lässt ihnen dabei genügend Luft im Ensemble. Man kann als Zuhörer mühelos die Illusion nachvollziehen, sehr nahe «live» dabei zu sein, und muss dennoch nicht auf den Eindruck räumlicher Tiefe verzichten. Das ist ein Kunststück, das längst nicht allen Verstärkern gelingt.
Ebenso authentisch erscheinen die Klangfarben beispielsweise von alten Instrumenten, wobei der PM7000N kratzige Anstriche von Saiteninstrumenten keineswegs glattbügelt. Er agiert vergleichsweise prägnant in den oberen Lagen, was bei weniger gelungenen Aufnahmen gelegentlich zum Problem werden kann. Hier unterscheidet er sich signifikant etwa von einem Cambridge Audio CXA81 (Test hier), der deutlich mehr Nachsicht mit analytischem Klangmaterial zeigt. Wie immer kommt es jedoch auf die Kombination mit dem passenden Lautsprecher an. Solche, die von Hause aus eher brillant abgestimmt sind, mögen am Marantz dann und wann etwas zu viel an Lebensfreude an den Tag legen (selbst, wenn gerade hier die räumliche Transparenz oft sehr gut zum Tragen kommt). Auf der anderen Seite gibt es viele gute Schallwandler, welche die sehr vitale und präzise Gangart des PM7000N zu schätzen wissen. Im passenden Set kann man für vergleichsweise wenig Geld eine audiophile Wiedergabegüte realisieren, deren Faszination man sich nur schwer entziehen kann. Und dies sowohl bei digitalen wie analogen Quellen – Vinyl inklusive.
Herz für Vinyl-Liebhaber: Der Phono-MM-Eingang des wahlweise in Schwarz oder Silber erhältlichen PM7000N erfüllt wirklich hohe Ansprüche.Fazit
Kompliment an Marantz: Mit dem PM7000N hat der japanische Traditionshersteller einen Verstärker lanciert, der in allen Bereichen fleissig punktet und kaum Schwächen aufweist. Nicht nur das integrierte Streaming-Modul und der sehr gute DAC machen diesen Verstärker zum Ausnahmetalent. Auch die analoge Fraktion kommt dank ausgezeichnetem, extrem rauscharmem Phono-Eingang voll auf ihre Kosten. Aus sämtlichen Quellen generiert dieser bezahlbare Vollverstärker im Zusammenspiel mit den passenden Lautsprechern eine beeindruckende Klangqualität, wie man sie in dieser Preisklasse nur selten antrifft.
Der PM7000N kommt im traditionellen Marantz-Design.