Nanometis-Aktivlautsprecher: Wireless von Goldmund.Der Schweizer Top-High-End-Hersteller Goldmund befasst sich schon länger mit Wireless-Systemen als die meisten seiner Zunft. Man erkannte schon vor einigen Jahren die grundlegenden Vorteile aktiver Lautsprechersysteme auf höchstem Niveau und die drahtlose Anbindung der Quellen.
Goldmund entwickelte dafür eine proprietäre Technologie, die keine Wünsche offenlässt. Wireless ist nicht gleich wireless. Die Verbindung arbeitet autonom, also unabhängig vom hauseigenen WiFi. Als Hub bzw. Verbindung von Quellen zu allen passenden Lautsprechern von Goldmund dient unter anderem der kleine Talisman Hub. Es spielt also keine Rolle, ob man damit die winzigen Nanometis in diesem Test ansteuert oder die viel grösseren Lautsprecher, wie man sie von Goldmund kennt.
Darüber hinaus hat die Schweizer Luxusmarke einen Sinn fürs Praktische. Warum sollen finanzkräftige Kunden Musik auf "Goldmund-Niveau" nicht auch im Home Office am Arbeitsplatz geniessen können? – Oder in der kleinen Bibliothek. Die Nanometis-Lautsprecher wurden für solche Anwendungen entwickelt: Desk-Top-HiFi und HiFi in kleinen Räumen.
Das Talisman-Audiosystem
Das Talisman-Audiosystem lässt sich in zwei Konfigurationen betreiben: Man kann die Nanometis-"Lautsprecherchen" mit dem mitgelieferten USB-Dongle direkt mit dem PC/Mac auf dem Arbeitsplatz oder abseits davon betreiben, oder man kauft sich dazu den Talisman Hub für die Verbindung mit analogen oder digitalen Quellen.
Der Unterschied liegt ganz eindeutig in der Qualität der Musik: Mit dem Dongle kann man 16 Bit bei 48-kHz-Samplingrate wireless abspielen. Mit dem Talisman Hub sage und schreibe bis 32 Bit und 384 kHz (nur USB) für PCM- und DSD-Formate. Das ist der Hammer, und nicht nur für eine drahtlose Verbindung.
Der Dongle funktionierte im Test völlig problemlos bei acht Meter Distanz. Der Talisman Hub ebenso. Goldmund spezifiziert die Reichweite abhängig von Aufstellung und Raumverhältnissen mit 5 bis 20 Metern. Damit ist für ausreichende Flexibilität gesorgt.
Nanometis via Dongle
Der kleine Sender wird einfach in einen USB-Port des PCs oder Macs gesteckt.Einfacher geht es nicht. Man verbindet die Lautsprecher mit der Steckdose und steckt den Dongle in einen USB-Port des PCs. Der PC installiert automatisch die Treiber. Dann muss man die Lautsprecher mit dem Sender paaren. Erfolgreiche Paarung wird durch eine kleine LED auf der Rückseite der Lautsprecher angezeigt.
Die Paarung nimmt man mit Betätigung eines kleinen verborgenen Tasters auf der Rückseite der Lautsprecher vor, am besten mit einer aufgebogenen Büroklammer oder einem dünnen Stift. Die LED quittiert die erfolgte Paarung. Nun muss man noch den richtigen Audio-Ausgang des Computers wählen und los gehts.
Natürlich kann man alle Musikangebote nutzen, die mit einem PC/Mac verfügbar sind. Hi-Res-Musik wir ebenfalls abgespielt, reduziert auf 16/48. Es gibt keine Einschränkung, die einem die Zornesfalte in die Stirn graben würde.
Nanometis via Talisman Hub
Der Talisman Hub mit dem hochwertigen Netzteil und der einfachen Fernbedienung.Der Talisman Hub ist wie eine kleine Schmuckschachtel, nur viel gewichtiger. Auf der Frontseite erstreckt sich eine dezente, futuristisch anmutende LED-Zeile, auf der man links die Lautstärke und rechts den gewählten Eingang von 1 bis 4 quasi intuitiv wahrnimmt. Die drei Digitaleingänge USB, S/PDIF (Chinch), S/PDIF (optisch) und der Analogeingang können rückseitig mit einer Taste durchgewählt werden. Zwei weitere Tasten dienen der Lautstärkeregelung. Dazu gesellt sich ein Kopfhörerausgang.
Dieselben Funktionen lassen sich natürlich fernbedienen. Das Netzteil gehört nicht zur Sparte "Asien-billig-hin-und-zurück". Es ist sehr hochwertig in allen Belangen und funktioniert von 110 VAC aufwärts bei 50 oder 60 Hz Netzfrequenz, also überall. Es ist eindeutig "zum Verbergen" gedacht und passt nicht zum Design des Talisman Hub.
Der Set-Up mit meinem Mac war ein Kinderspiel. USB-Verbindung herstellen, Lautsprecher paaren, gleich wie mit dem Dongle und dann den Audioplayer auf dem Mac starten und das Gerät anwählen.
Was er nicht kann, ist das Streaming. Dafür benötigt man eine Streaming Bridge, einen Musikserver oder eben den PC. Der Talisman Hub ist eine Wireless-Schnittstelle und eine nachhaltige dazu. Die Grenze zur Musikquelle wurde scharf gezogen, gewiss eine Frage der Philosophie von Goldmund.
Mein zuweilen etwas zickiger Musikplayer von Pure Music aber auch der Audirvana Plus arbeiteten am Talisman Hub völlig problemlos und zwar an jedem USB-Ausgang des MacMini Baujahr 2010. Bei anderen USB-fähigen DA-Wandlern ging das nicht immer wie erwünscht.
Der Talisman Hub sendet die digitalen Datenströme an die beiden Lautsprecher bis hin zu irrwitzigen 32 Bit/384 kHz, drahtlos.
Anschlüsse des Talisman Hub.Was man unter Qualität versteht
Die Nanometis-Lautsprecher und der Talisman Hub werden standardmässig in 2 stabilen Flight Cases aus Aluminium geliefert.Es beginnt mit der Verpackung, die man besser nicht entsorgt. Die kleinen Lautsprecher finden sich in einem Flight-Case in Formschaumstoff eingehüllt, zusammen mit allen Netzkabeln und dem Dongle. Der Talisman Hub findet man im zweiten, kleineren Flight Case mit Netzteil und Kabeln. Bombensicher.
Man kann das System in wenigen Minuten zuhause abbauen, verpacken und mitnehmen in Richtung Feriendomizil oder Yacht. Das sei gewiss kein ungewöhnliches Szenario für waschechte Goldmund-Kunden. Ich musste mich allerdings beim Hersteller rückversichern, weil ich nicht glauben konnte, dass ich hier die Standard-Verpackung vor mir habe.
Erster Blick auf die Nanometis-Speaker.
und dann noch der Talisman Hub.Noch mehr Qualität
Nanometis aus Voll-Aluminium. Keine Vibrationen.Die Bauweise der Geräte ist erschütternd solide. Es sind massive Aluminiumgehäuse von beeindruckender Schwere. Wer sie in der Hand wiegt, vergisst den Preis. Die Lautsprecher erzeugen Vibrationen, die im Nanobereich stattfinden, wenn überhaupt. Man kann sie einfach hinstellen, überall. Der Hersteller scheint beinahe trotzig auf die Beigabe von Filz- oder Neopren-Unterstellern zu verzichten. Ich habe sie vergeblich gesucht.
Der Talisman Hub ist aus demselben Aluminium geschnitzt. Ein Gerät, wie man es als Komponente in Kampfflugzeugen findet. Die Oberfläche ist dezent lackiert mit ansprechend sanfter Haptik ohne Kanten, und die güldenen Goldmund-Ebleme strahlen einen unvergleichlich dezenten Luxus aus. Nach dem Fotografieren habe ich die Schutzfolien gleich wieder angebracht.
Schrauben findet man nur auf der Rückseite der Lautsprecher und ich hütete mich, den Schraubendreher auch nur anzuschauen. Dank einer kleinen Taschenlampe konnte ich einen Blick durch die Bassreflex-Ports auf die Platine in den Lautsprechern erhaschen – SMD-Technik höchster Güte auf hochwertigstem Leiterplattenmaterial. Da kenne ich mich aus, dank meiner früheren Industrie-Karriere.
Es ist, wie wenn man eine teure Luxusuhr mit Manufakturwerk in Händen hält. Die Synapsen im Gehirn bündeln die Energie nach dem Empfang von der Sensorik in den emotionalen Trakt des Zellgewebes und erzeugen den "Habenwollen-Effekt". Selbst dann, wenn man dieses Produkt gar nicht braucht.
Musikerlebnis
Talisman Hub, Werkbild.Ich habe im Nahfeld mit ca. einem Meter und dann bei zwei Metern Hördistanz getestet. Die Lautsprecher leicht eingewinkelt. Die Nanometis standen auf Stativen, und meine Sitzposition war auf die Hochtonachse ausgerichtet. Ergänzend hörte ich auch "casual" von meinem Pult aus sechs Metern Distanz. Der Hörtest erfolgte ausschliesslich mit dem Talisman Hub. Die Musikbeispiele waren alle Hi-Res vom Mac mit dem Pure Music Audioplayer via USB.
Das beiläufige Hören aus grosser Distanz beeindruckte mich sehr. Ich hätte nicht gedacht, dass die Nanometis einen 60-m2-Raum so überzeugend "beschallen" können. Die gute Akustik hat hier mitgespielt, aber alle Achtung.
Im Nahfeld und "Midfield" wird eine extrem holografische Klangbühne erzeugt, einhergehend mit dem kompletten akustischen Verschwinden der Lautsprecher. Aus Distanz ist das Klangbild sehr "relaxed" und angenehm. In den bevorzugten Hörpositionen stellt sich ein sehr intensives, hochdynamisches Musikerlebnis ein. Es ist packend und lässt die Gedanken nicht mehr von der Musik abschweifen.
Objektiv beurteilt sind keinerlei Klangverfärbungen bzw. Verzerrungen erkennbar. Selbst bei hohen Pegeln. Die Lautsprecher können vollends ausgesteuert werden. Der Tiefton ist bei 84 Hz begrenzt, was man natürlich gut wahrnimmt. Mehr ist beim besten Willen nicht möglich. Der Mid-Bass und der High-Bass treten leicht aus dem Spektrum hervor und bei hohen Pegeln entstehen leichte Kompressionseffekte.
Beck's "Paper Tiger":
Der aufnahmebedingt künstlich erzeugte Raum mit den anschwellenden Streichern ist erstklassig zu hören. Im Nahfeld wirkt das wie die Betrachtung einer Stadt in Suisse Minature mit dem Effekt von etwas übertriebener Perspektive. Das ist aber auch ein typischer Nahfeld-Effekt.
Cantate Domino, Proprius (Kirche, Chor, Orgel):
Die Jahrhundert-Aufnahme aus den 1970er Jahren zeigt, dass die Nanometis sowohl das Ganze als auch das intimste Detail hervorbringen und den inneren Zusammenhang nicht verlieren lassen. Man kann die Sänger zählen, ohne dass sich das aufdrängt.
Somethin' Else, Cannonball Adderley, Blue Note:
Man sitzt im Studio vor den Musikern. Die unbegreiflich gute Basslinie verliert natürlich an Substanz, ist aber trotzdem so präsent, dass der Live-Charakter bestehen bleibt. Die Instrumente von Miles und Julian Adderley wirken gespenstisch echt und greifbar.
Fazit
Apropos Bankkonto: Die Nanometis kosten mit Dongle 6000 CHF. Jedwelche Empörung ist aber völlig überflüssig. Die Aktivlautsprecher sind bei dieser minimalen Grösse überragend. David ist Goliath. Aus mehreren Metern Distanz kann man sie mit jedem "gemeinen Brüllwürfel" verwechseln, niemals aber, wenn man sie richtig in Szene gesetzt hört oder in die Hand nimmt.
Der Talisman Hub kostet 8000 CHF. Das ist einerseits verständlich, weil das Gerät technisch auch für Goldmund-Lautsprecher ausgelegt ist, die ein Vielfaches davon kosten. Dann fällt das nicht ins Gewicht. Kritisch ist der Preis im Vergleich zu den Nanometis, weil die ohne den Talisman ihr Klangpotenzial nicht ganz ausspielen können.
Goldmund zeigt bei diesem System das Machbare, und das wird viele Musikhörer kaum interessieren, weil sie lieber auf Schäppchenjagd gehen. Der solvente Kenner aber sollte sich für die kleine Stube die Anschaffung überlegen, auch wenn er weder Yacht noch Ferien-Villa sein Eigen nennt.