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Spiegelloses Heavy Metal

Test: Vollformat-Kamera Panasonic Lumix DC-S1R

Die Vollformat-Kamera Lumix S1R von Panasonic besitzt eine riesige Auflösung, Leica-L-Bajonett, Dual-Bildstabilisierung, einen High-End-OLED-Sucher, einen 3-fach klappbaren Touchscreen, intelligenten Autofokus und filmt in HDR- und 4K-60p-Video.

Von Hanspeter Frei · 3. Juli 2019
Vollformat mit Leica-L-Bajonett: Die neue Panasonic Lumix S1R bietet Dual-Bildstabilisierung, leistungsstarken Sucher und professionelle Video-Features.Vollformat mit Leica-L-Bajonett: Die neue Panasonic Lumix S1R bietet Dual-Bildstabilisierung, leistungsstarken Sucher und professionelle Video-Features.

Für den Testbericht erhielt ich ein schweres, voluminöses Paket von Panasonic. Hervor kamen die spiegellose Vollformat-Kamera DC-S1R mit dem Lumix-S-Standardzoom 24105 mm / F4.0 / Makro / OIS und das Lumix S Pro Telezoom 70–200 mm / F4.0 / OIS.

Im ersten Moment fällt einem weniger die Grösse der Lumix S1R als vielmehr ihr Gewicht beim Hochheben auf. Mit der angeflanschten 24–105-mm-Optik stemmt man gleich über 1,7 Kilogramm Schwermetall.

Im Vergleich dazu ist der neue Vollformater Canon RP zusammen mit dem vergleichbaren Objektiv (24–105 mm, f/4) mit seinen 1,2 kg ein richtiges Leichtgewicht. Wird an Stelle des Lumix-S-Standardzooms das Telezoom 70-200 mm befestigt, hebt man stolze 2,3 Kilogramm in die Höhe. Ein vorheriges Hantel-Training ist sehr empfehlenswert.

Die Panasonic S1R zeigt auch mit ihrer übrigen Ausstattung, dass sie für professionelle Ansprüche konstruiert ist. Ihr staub- und spritzwasserfestes Magnesiumgehäuse soll laut Hersteller auch härtester Beanspruchung widerstehen und bei Temperaturen von bis zu -10 Grad Celsius funktionieren. Der Verschluss ist für 400'000 Auslösungen ausgelegt und sie bietet zwei Speicherkartenslots für SD- und XQD-Karten. Für eine längere Ausdauer auch unterwegs sorgt die Lademöglichkeit per USB-Anschluss.

Neben der Lumix S1R mit effektiven 47,3 Megapixel Auflösung, der derzeit höchsten Auflösung bei spiegellosen Vollformat-Kameras, stellte Panasonic gleichzeitig das Modell S1 mit 24,2 Megapixel vor. Es verwendet einen kleineren CMOS-Sensor, ermöglicht dafür die Standard-ISO-Einstellung bis zu ISO 51200.

Auf Herbst 2019 kündigte Panasonic das Modell Lumix S1H an. Eine neue spiegellose Vollformatkamera, die laut Hersteller als weltweit erste digitale Wechselobjektiv-Systemkamera Videoaufnahmen in 6K/24p ermöglicht und speziell für Videoaufnahmen konzipiert ist.

Familienbande: Von links, Panasonic Lumix GH5, G9 und S1R. Der grosse Vollformat-Sensor der S1R ist nicht zu übersehen.Familienbande: Von links, Panasonic Lumix GH5, G9 und S1R. Der grosse Vollformat-Sensor der S1R ist nicht zu übersehen.

Micro-FourThirds-Abstammung

Zurück zu unserer Lumix S1R. Sie kann ebenso wenig wie die S1 und S1H ihre Abstammung von der Panasonic Micro-FourThirds-Familie verleugnen. Vom Gehäuse-Design über die Anordnung der Bedienungselemente bis hin zu den Menüstrukturen wurde vieles von ihr übernommen, und das ist durchaus positiv zu verstehen.

So konnte ich mit meinen grossen Händen wie schon bei der GH5 und G9 auch die S1R sicher und fest am tiefen, gummierten und ergonomisch geformten Handgriff halten. Mit dem Unterschied, dass sich die S1R durch ihre schiere Grösse mehr nach Spiegelreflexkamera anfühlt als nach kompakter Spiegelloser.

Während andere Hersteller wie Sony den Wegfall des Spiegels konsequent ausnutzen und Kameras mit viel kleineren Abmessungen bauen, kennt der «Grössenwahn» bei Panasonics Lumix S1R keine Grenzen und übertrifft sogar die Gehäuse-Boliden von Nikon und Canon.

Den Profi kümmert das wenig. Für ihn liegen damit auch grössere Objektive sicher in der Hand. Und im Studio auf dem Stativ stört das Gewicht sowieso nicht. Den befragten Hobby- und Ab-und-Zu-Fotografen sowie Smartphone-Knipsern war die Lumix S1R jedoch ganz klar zu klobig und vor allem zu schwer.

Am grossen Body ist genügend Platz für Tasten, Drehräder und Schalter vorhanden. Wer die S1R mit der G9 vergleicht, wird sehr viele Gemeinsamkeiten bei deren Platzierung und Funktionen entdecken. Fotografinnen und Fotografen mit Lumix-G- und GH-Kameras bedienen eine S1R ohne grosses Umlernen. Unterschiede gibt es höchstens in der etwas anderen Beschriftung einzelner Tasten, dem neuen «Lock»-Hebel und dem separaten Ein/Aus-Schalter der S1R. Ach ja, noch etwas: Das vordere Drehrad ist unter den Foto-Auslöser gewandert und der Videoaufnahmeknopf befindet sich jetzt nicht mehr auf der Oberseite, sondern wurde auf die Rückseite gleich rechts neben den Sucher verlegt.

Dieser elektronische Sucher ist schlichtweg der beste, der mir jemals ins Auge gestochen hat. Er besitzt eine sagenhafte Auflösung von 5,76 Millionen Pixeln in OLED-Qualität und zeigt dank seiner Bildwiederholrate von 120 Bildern/s ein klares und ruckfreies Bild aufs Motiv. Zudem gibt es drei wählbare Suchervergrösserungen (0,7x, 0,74x und 0,78x), was nicht nur Brillenträger dankbar zur Kenntnis nehmen.

Hochformat: Für Porträts lässt sich das Display der Lumix S1R von unten anheben und erleichtert so vertikale Aufnahmen.Hochformat: Für Porträts lässt sich das Display der Lumix S1R von unten anheben und erleichtert so vertikale Aufnahmen.

Bildschirm aufklappen

Beim 8,1 cm grossen TFT-LCD-Monitor hat Panasonic bei den APS-C- und Vollformat-Mitbewerbern abgekupfert. Er besteht aus einem robusten Klappmechanismus, der sich bei Gebrauch dennoch etwas filigran anfühlt. Er lässt sich um drei Achsen schwenken und erlaubt eine bequeme Kamerahaltung auch in ungewöhnlichen Aufnahmepositionen. Leider kann er nicht wie bei den Micro-FourThirds-Modellen seitlich um 180 Grad aufgeklappt und nach vorne gedreht werden. Dies wird Youtuber und Selfie-Fans enttäuschen. Zudem entfällt auch das praktische Einklappen mit der Display-Seite nach innen für einen sicheren und geschützten Transport, Gorilla-Glas hin- oder her.

Dafür lässt sich auf dem Touchscreen-Display sehr gut per Finger durch Menüs navigieren, in Bilder hineinzoomen, beim Fotografieren scharfstellen und wenn gewünscht auch gleich das Foto aufnehmen. Navigieren und Autofokus-Feld bestimmen geht auch mit dem Joystick, der das Feld neu auch diagonal über das Display bewegen kann. Mir war dieser Stummel etwas zu empfindlich und ich bin ab und zu übers Ziel hinausgeschossen. Zudem hatte ich mit dem Bestätigen von Einstellungen durch mittiges Draufdrücken auf den Stick einige Mühe. Schliesslich habe ich dies dann nur noch mit der SET-Taste erledigt.

Wer gerne im Dunkeln munkelt bzw. fotografiert, wird sich über Nachtmodus, LiveView-Boost und beleuchtete Tasten freuen. Die Knöpfe für Weissabgeleich, ISO-Wert und Belichtungskorrektur sind unterschiedlich ausgeformt und dadurch ohne Hinzusehen ertastbar. Man kann sich voll auf seine Aufnahmen konzentrieren. Auf dem grossen hintergrundbeleuchteten Info-LC-Display auf der Oberseite der S1R sind alle wichtigen Einstellungen auf einen Blick ersichtlich.

Wie den meisten Profikameras fehlt auch der Lumix S1R ein eingebautes Blitzgerät. Sie ist jedoch mit der übrigen Panasonic-Welt kompatibel und ich blitzte problemlos mit einem externen Micro-FourThirds-Blitzgerät – von Olympus.

Die Panasonic Lumix G9 lässt grüssen: Viele Bedienungselemente der Micro-FourThirds-Kamera (links im Bild) finden sich auch an der Lumix S1R wieder.Die Panasonic Lumix G9 lässt grüssen: Viele Bedienungselemente der Micro-FourThirds-Kamera (links im Bild) finden sich auch an der Lumix S1R wieder.

High-Res, High-Speed, 6K und Post-Fokus

Mustergültige Anordnung: Die Funktionen der Tasten und Drehräder sind klar ersichtlich. Das Schulterdisplay zeigt die gewählten Einstellungen.Mustergültige Anordnung: Die Funktionen der Tasten und Drehräder sind klar ersichtlich. Das Schulterdisplay zeigt die gewählten Einstellungen.

Das Objektiv anflanschen, den riesigen Akku sowie eine Speicherkarte einschieben und mit dem grossen, unübersehbaren Ein/Aus-Schalter die Lumix S1R starten. Auf dem Schulterdisplay erscheinen die aktuellen Kameraeinstellungen. Am griffigen, doppelstöckigen Wahlrad links aussen stelle ich mit dem oberen Rad meinen gewünschten Betriebsmodus ein. Neben den bekannten PASM- und Video-Symbolen stehen noch drei Speicherplätze (C1-C3) für eigene Konfigurationen sowie die Esels-Position zur Verfügung.

Mit Letzterer ist das iA-Symbol für «Intelligenter Automatikmodus» gemeint, und ich frage mich, was dies an einer Kamera für Profis soll. In dieser Betriebsart versucht die S1R zehn typische Szenen wie Porträt, Landschaft, Makro oder Nacht automatisch zu erkennen und optimal zu belichten. Gut, für Schnappschuss-Aufnahmen und bequeme Fotografen hat diese Automatik sicher ihre Berechtigung. Wobei dann auch gleich zu Kompaktkamera oder Smartphone gegriffen werden könnte. Dafür braucht es kein Heavy Metal.

Um das Moduswahlrad zu drehen, muss erst die Sperrtaste gedrückt und gehalten werden. Das dient der Sicherheit gegen ein versehentliches Verstellen, nervt jedoch, wenn's schnell gehen muss. Hier finde ich andere Lösungen wie etwa jene der GH5 besser, wo die Sperrtaste in Position «Blockieren» oder «Freigeben» einrastet.

Wer die Esel-Einstellung verlässt, darf die S1R über viele Direkttasten und das umfangreiche Menü bedienen. Darin navigiert man mittels Touchscreen, Joystick, Cursor-Tasten oder Steuerwahlrad auf der Kamerarückseite. Mir gefiel das Quick-Menü am besten. Über seine Direkttaste aufgerufen, lassen sich rasch häufig verwendete Funktionen einstellen, ohne über den Menübildschirm zu gehen. Die Anzeigen des Quick-Menüs dürfen nach eigenen Wünschen angepasst werden.

Ebenso lässt sich die Standardbelegung der Funktionstasten nach eigenem Gusto umprogrammieren. Die Anpassung selbst funktioniert simpel. Einfach die gewünschte Funktionstaste ungefähr zwei Sekunden gedrückt halten, und schon wird die aktuelle Tasteneinstellung mit ihren Belegungsoptionen angezeigt. Neben den physischen Tasten am Gehäuse gibt es noch fünf weitere Funktionstasten (Fn3 bis Fn7), die als Touch-Symbole am rechten Rand des Aufnahmebildschirms erscheinen und auch geändert werden können. Die Cursortasten, der Umschalter auf der Vorderseite und der Joystick lassen sich ebenfalls vom Benutzer neu belegen.

Falls diese Anpassungen nicht ausreichen, kann man im Hauptmenü unter «Mein Menü» bis zu 23 eigene, häufig verwendete Menü-Elemente zusammenstellen. Wer oft zwischen unterschiedlichen Foto- und Videoaufgaben wechselt, freut sich über die drei Benutzer-Speicherplätze, die sich mit eigenen «Setups» belegen und per Wahlrad aufrufen lassen.

Schliesslich lassen sich bis zu zehn Sets an Einstellungsinformationen der Kamera auf einer SD- oder XQD-Karte abspeichern und damit dieselben Einstellungen auf mehrere S1R-Kameras übertragen.

In schneller Serie

Die untere Ebene des Wahlrads dient als «Drive-Schalter» für die Serienbilder- und 6K/4K-Foto-Funktionen. Zwei davon lassen sich aus den vielen Möglichkeiten auswählen und auf die beiden Serienbild-Positionen legen. Ohne Nachfokussieren sind bis zu 9 Bilder im RAW- und JPEG-Format, und mit kontinuierlichem Autofokus noch 6 Bilder pro Sekunde möglich. Wer es schneller braucht, wählt die 6K/4K-Fotoaufnahme. Sie erstellt mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde eine Videosequenz, aus der dann Einzelbilder mit 18 oder 8 Millionen Pixel extrahiert werden. Jedoch nur im JPEG-Format.

Besonders interessant wird 6K/4K-Foto zusammen mit der Pre-Burst-Aufnahme. Damit verpasst man keinen entscheidenden Moment mehr. Bei Pre-Burst beginnt die Aufnahme bereits eine Sekunde vorher, bevor der Auslöser vollständig heruntergedrückt wird.

Die Post-Fokus-Funktion hat die Lumix S1R ebenfalls von den Micro-FourThirds-Modellen geerbt. Hier werden Serienbilder in der gleichen Bildqualität wie 6K/4K-Fotos aufgenommen, während automatisch auf verschiedene Bereiche scharfgestellt wird.

Nach der Aufnahme wird ein Foto mit dem gewünschten Schärfebereich ausgewählt und als JPEG-Bild gespeichert. Oder die Fokuspunkte werden miteinander verrechnet. Produktefotos oder Makroaufnahmen können so im Nachhinein von vorne bis hinten geschärft werden. Die Post-Fokus-Funktion eignet sich am besten für unbewegte Motive. Idealerweise fixiert man die Kamera dabei auf einem Stativ.

Die beiden letzten Einrastungen des Drive-Schalters gehören dem Selbstauslöser und den Zeitraffer- oder Stop-Motion-Aufnahmen. Selbstverständlich beherrscht die S1R auch das normale Bracketing. Es sind automatische Belichtungsreihen mit unterschiedlichen Werten für Helligkeit, Weissabgleich, Fokus und Blende möglich.

Mega-Auflösung und HLG

Neben der standardmässig schon riesigen 46,7 Megapixel Fotoauflösung mit 8368 x 5584 Pixeln kann die Lumix S1R noch mehr. Im High-Resolution-Modus werden per Pixelshift Bilder mit einer Auflösung von sagenhaften 187 Megapixeln erzeugt. Im 3:2-Verhältnis entspricht dies 16'736 x 11'168 Bildpunkten.

Der hochauflösende Foto-Modus eignet sich ideal für statische Objekte und Landschaftsaufnahmen ab Stativ. Bewegt sich während der Aufnahme dennoch etwas im Bild, versucht die Kamera mit zwei wählbaren Methoden, die Bewegungsunschärfe zu kaschieren. Bei meinen Aufnahmen gelang dies relativ gut bei leichtem Schaukeln von Blättern im Wind. Raschere Bewegungen von Menschen, Tieren oder Fahrzeugen erhielten jedoch diesen typischen Nachzieheffekt auf dem Foto. Manchen gefällt das.

Die Einstellungsbereiche bei High-Resolution sind im Vergleich zu normalen Fotoaufnahmen etwas eingeschränkt. So kann die Blende nur bis maximal F16 abgeblendet werden, die Verschlusszeit ist zwischen einer bis 1/16'000 Sekunde fixiert, die ISO-Empfindlichkeit geht bis zu maximal ISO 3200 und die Scharfstellung muss Einzel-AF oder manuell sein. Der Verschlusstyp ist zudem fest auf elektronisch eingestellt und damit eine Blitzauslösung nicht möglich.

Wird für den Bildstil HLG (Hybrid Log Gamma) gewählt, nimmt die Lumix S1R ein Bild mit grossem dynamischen Bereich auf. Helle Lichter und dunkle Bereiche werden in hoher Qualität und Farbreichtum so aufgenommen, wie sie sich dem menschlichen Auge darstellen. Hybrid Log Gamma ist ein HDR-Format, nach dem internationalem Standard ITU-R BT.2100 und nur für den Bildschirm bestimmt. Die Kamera stellt eine 8K- und 4K-Auflösung zur Wahl.

Als HLG-Bildstil kann Standard oder Monochrom ausgewählt werden. Da HLG-Fotos nicht direkt von Monitor und Sucher der Kamera angezeigt werden, lässt sich im S1R-Menü eine HLG-Ansichtshilfe zur Bestätigung einschalten. Das Wiedergabegerät wie TV oder Monitor muss ebenfalls die Darstellung von Bildern im HLG-Format unterstützen. Manchmal muss dafür das Eingangssignal angepasst werden. An meinem UHD-TV zum Beispiel musste ich das HDMI-Signal höchster Qualität (4K60 4:4:4, 4K60 10-Bit-HDR) auswählen, bevor die HLG-Fotos in voller Pracht erstrahlten.

Depth From Defocus

Bei der Fokussier-Methode bleibt Panasonic auch im Vollformat bei seiner DFD-Technologie (Depth From Defocus). Diese wurde bei den Micro-FourThirds-Modellen oft kritisiert und zeigte auch bei der S1R im Videobereich, weniger beim Fotografieren, seine typischen Schwächen.

Die DFD-Technologie berechnet die Entfernung zum Motiv, indem sie zwei Bilder mit unterschiedlicher Defokussierung auswertet und zugleich die optischen Kenndaten des aktuellen Objektivs abruft. Basierend auf der Kontrasterkennungs-AF-Technik kann es dabei zu leichtem Fokuspumpen kommen, da nicht sofort und präzise auf den richtigen AF-Punkt gefahren werden kann wie bei der Phasen-Autofokus-Technik.

Bei meinen Testfotos konnte ich jedoch keine grösseren Verzögerungen bei der Scharfstellung feststellen, auch nicht bei rasanten Serienbildern im Verfolgungsmodus. Der AF arbeitete schnell und präzise. Ich nehme an, dass durch die grösseren Bildsensoren des Vollformats mehr Informationen, vor allem bei Schwachlicht, zur Schärfeeinstellung genutzt werden können, als beim Micro-FourThirds-System.

Die Lumix S1R erkennt beim Scharfstellen nicht nur Gesichter und Augen, sondern kann auch zwischen menschlicher Gestalt (ganzer Körper oder obere Hälfte) und Tieren wie Vögel, Hunde und Katzen unterscheiden. Anmerkung dazu im Handbuch bei Hunden: auch Wölfe, und bei Katzen: auch Löwen. Ich sagte dies meiner Katze, aber auch danach wollte sie sich partout nicht fotografieren lassen.

Für eine präzise Fokussierung sind 225 Fokusfelder vorhanden. Man kann eine Gruppe davon passend zum Motiv definieren und sie mit dem Joystick einfach steuern, ohne das Motiv aus den Augen zu lassen. Neben der Gesichts- und Körpererkennung wird auch die AF-Fläche passend zum jeweiligen Motiv bestimmt.

Die Schärfenachführung beim Fotografieren gelang zum Beispiel beim Mitziehen des Motorradfahrers und beim Verfolgen von Inline-Skatern bei ruhigem Hintergrund sehr gut, und bei startenden Flugzeugen je nach Hintergrund wie kontrastreiche Flughafen-Gebäude oder ruhiger Himmel gut bis sehr gut (siehe Beispiele in der Bilderstrecke).

Das Verhalten des kontinuierlichen Autofokus (AF-C) kann dem Motiv und der Umgebung angepasst werden. Vier individuelle AF-Einstellungen stehen zur Verfügung, wo man die AF-Empfindlichkeit mit der Bereichswechselempfindlichkeit und der Voraussage beweglicher Objekte kombiniert.

Wenn nötig, kann man die Parameter nach seinen eigenen Bedürfnissen weiter feintunen. Richtig gewählt, bleibt die Schärfe stets auf dem verfolgten Objekt, auch wenn zwischen ihm und der Kamera plötzlich andere Motive auftauchen. Übung macht auch hier den Meister, experimentieren ist angesagt.

Ein Beispiel sieht man in der Dreier-Bilderstrecke bei der Serienaufnahme der rollenden Flugzeuge. Beim ersten Foto ist die Schärfe auf der Maschine, beim nächsten auf dem Pfosten im Vordergrund, beim dritten wieder auf der Maschine. Hier braucht es noch etwas Feintuning bei der Bereichswechselempfindlichkeit.

Farbenrausch und Detailtreue

So schwer die Kamera, so faszinierend die Qualität ihrer Fotos. Das Testmodell der Lumix S1R war noch mit der Vorserien-Firmware Version 0.7 bestückt, trotzdem konnten die Fotos schon als JPEG-Dateien direkt aus der Kamera in Farbenvielfalt, Detailauflösung und naturgetreuer Darstellung voll überzeugen.

Der hochauflösende 47,3-Megapixel-CMOS-Vollformat-Sensor verzichtet auf einen Tiefpassfilter und erhöht so das ohnehin hohe Detailzeichnungsvermögen der Kamera noch weiter. Die Fotos sehen alle noch etwas «crisper» aus. Feine Motivstrukturen werden äusserst detailgenau erfasst. Moiré-Störungen wegen fehlendem Tiefpassfilter sind mir keine aufgefallen.

Laut Hersteller verbessern neue asphärische Mikrolinsen vor jedem Pixel die Lichterfassung durch den Sensor. Die Folge ist besonders geringes Rauschen selbst bei hohen ISO-Werten. Mit einem nativen ISO-Bereich von 100 bis 25'600 eignet sich die Lumix S1R auch für den Einsatz unter schlechten Lichtverhältnissen.

Das Rauschverhalten ist für eine Kamera mit dieser hohen Auflösung exzellent. Rauschen wird ab ISO 6400 je nach Motiv etwas sichtbar. Der Weichzeichner arbeitet sehr gleichmässig, und Detailverluste durch «Glattbügeln« der Pixel sind erst ab ISO 12'800 wirklich störend.

Ich habe meistens im Bildstil «natürlich» fotografiert. Im Vergleich zu den JPEG-Aufnahmen aus der GH5 oder G9 waren die S1R-Farben noch etwas authentischer und realitätsnaher. Die Bilder kamen je nach Motiv fast schon dreidimensional daher. Einen deutlichen Unterschied habe ich vor allem bei Fotos mit Bäumen und Sträuchern im Hintergrund festgestellt. Wo bei Micro-FourThirds die feinen Strukturen von Ästen und Blättern sehr schnell zulaufen und «vermanschen», sind sie bei der S1R noch deutlich sicht- und unterscheidbar.

Bei Porträtaufnahmen erscheinen die Farbtöne und Abstufungen der menschlichen Haut sehr präzise, natürlich und kräftig, ohne bei der Farbsättigung zu übertreiben. Der Augenfokus arbeitet sehr genau und ist beim Fotografieren mit grosser Blendenöffnung eine willkommene Hilfe. Die Schärfe und Detaildarstellung in den Augen sind eine wahre Freude.

Der automatische Weissabgleich der S1R funktioniert sehr präzise. In einer Ausstellungshalle mit Oberlicht und rundherum grünlicher Verglasung stellte ich den Wert zuerst manuell ein und erhielt mehr rötliche denn natürliche Farben zurück. Auch die Sonnen-Einstellung war nicht zufriedenstellend. Erst die Weissabgleich-Automatik kam mit dem Mischlicht perfekt zurecht und erzielte das beste Farbresultat. Und ich hatte wieder etwas gelernt.

Naturaufnahmen erscheinen «saftig« und unverfälscht in den Farben. Das Grün ist wirklich dasjenige der Gräser, Stängel und Halme und nicht etwa das übertriebene Sony-Quietschgrün. Ähem, meine Meinung.

Mit der maximalen Standardauflösung von 8368 x 5584 Pixeln erstellt man problemlos sehr grosse Ausdrucke und hat auch genügend Reserven für Bildausschnitte. Bei JPEG-Dateigrössen zwischen 14 und 20 Megabytes pro Foto sind die Festplatten sehr rasch voll, zusammen mit RAW-Dateien noch viel schneller.

Die Beispielfotos wurden im Stil «natürlich» und mit dem Lumix-S-Standardzoom 24-105 mm und dem S Pro Telezoom 70–200 mm aufgenommen. Für die Bilderstrecke wurden die originalen JPEG-Dateien aus der Kamera genommen und nur in ihrer Grösse reduziert. Bildausschnitte sind gekennzeichnet.

Bewegende Bilder

Bereit für Video: Die Panasonic Lumix S1R filmt in 4K sowie Full-HD und besitzt Mikrofon- und Kopfhörer-Buchsen.Bereit für Video: Die Panasonic Lumix S1R filmt in 4K sowie Full-HD und besitzt Mikrofon- und Kopfhörer-Buchsen.

Die Lumix S1R ist in erster Linie eine sehr robuste, sehr schwere und sehr hochauflösende Fotokamera. Dennoch braucht sich ihre Videoabteilung nicht zu verstecken. Sie nimmt 4K/UHD-Videos im MP4-Format und Full-HD-Videos sowohl im MP4- wie auch AVCHD-Standard auf.

Im Unterschied zur Lumix S1 kann sie jedoch kein MP4 HEVC, das höhere Videokompressionsverhältnisse bietet (HEVC/H.265). Damit ist die S1R intern auf eine Farbabtastung von 4:2:0/8 Bit beschränkt, während mit der S1 auch 4:2:0/10 Bit möglich ist. Dies bietet deutlich mehr Bildinformationen und wird für eine professionelle Bearbeitung in bester Bildqualität sehr geschätzt.

Die kontinuierliche Aufnahmedauer ist ebenfalls verschieden. Die S1 erlaubt das Filmen in 4K mit 50 oder 60p bis maximal 30 Minuten, dann muss die Aufnahmetaste erneut gedrückt werden. 4K mit 24, 25 oder 30p sind ohne Zeitlimite möglich. Die Lumix S1R stoppt bei allen 4K-Formaten bereits nach 15 Minuten.

High-Speed-Video ermöglicht eine 2-fach-Zeitlupe bei 60 B/s in 4K und bis zu 6-fach-Zeitlupe in Full-HD mit Bildraten von bis zu 180 Bildern/s. Das Signal kann in der Kamera auf SD- oder XQD-Karte oder extern über den HDMI-Anschluss aufgezeichnet werden.

Als Toneingang dient eine 3,5-mm-Mikrofonbuchse, die Tonaufzeichnung kann über den 3,5-mm-Kopfhöreranschluss überwacht werden. Ein externer XLR-Mikrofon-Adapter (DMW-XLR1) ist als Sonderzubehör erhältlich.

Und Action!

Videos können mit der separaten Videotaste auch im Foto-Modus gestartet werden. Die Belichtung erfolgt dann entweder automatisch oder nach den PASM-Foto-Einstellungen. Erst im kreativen Filmmodus sind ein kompletter manueller Betrieb und weitere Video-Effekte möglich. So lässt sich bestimmen, ob die Foto-Einstellungen auch für Video übernommen oder einzeln konfiguriert werden.

Beim Filmen gibt es einen zuschaltbaren elektronischen Bildstabilisator (I.S.). Er ist meistens nicht nötig, da der Stabilisator im Gehäuse gemeinsam mit dem Objektivstabilisator schon für genügend Ruhe sorgt und er bloss den Blickwinkel schmälert.

In der Praxis funktioniert das kombinierte Stabilisierungssystem der S1R ausgezeichnet. Es lassen sich auch längere Freihandaufnahmen unverwackelt aufnehmen. Gut, das Kameragewicht trägt auch noch einiges dazu bei. Wer übrigens wissen möchte, ob er endgültig mit Trinken und Rauchen aufhören sollte, kann sich sein Zittern auf einer I.S.-Status-Anzeige mit einer grafischen Interpretation der Vibrationen anzeigen lassen.

Mit der sehr nahe am Sucher platzierten leichtgängigen Videotaste hatte ich etwas Mühe. Beim Filmen durch den Sucher musste ich die Kamera meist vom Auge nehmen, damit ich sie noch sicher halten konnte, um mit dem weit gestreckten rechten Daumen die Taste zu erreichen. Einige Male habe ich trotzdem «gefilmt» ohne aufzunehmen, dafür lief sie dann zwischen den «gewollten» Aufnahmen weiter. Mit herrlichen Ansichten von Kies, Bodenplatten, Gras und Füssen.

Schliesslich entdeckte ich die Möglichkeit, eine andere Taste als Videotaste zu belegen, oder noch einfacher, Videoaufnahmen per Smartphone zu starten. Danach ging einiges besser.

Schärfe lieber manuell

Wie beim Fotografieren kann auch beim Filmen im kreativen Videomodus das Verhalten des kontinuierlichen Autofokus (Dauer-AF) der Aufnahmesituation angepasst werden. Die AF-Geschwindigkeit und -Empfindlichkeit können in mehreren Stufen verändert werden.

Beim Dauer-AF lässt sich bestimmen, ob er automatisch während der Aufnahme weiter scharfstellen soll oder ob die aktuelle Fokusposition von Beginn der Aufnahme weg beibehalten wird. Drückt man den Auslöser während einer Videoaufnahme halb herunter, wird der Fokus neu angepasst.

Während der ersten Testaufnahmen hatte ich den Fokusmodus auf AF-S (Einzelfokus) stehen und liess die Kamera mich (beim Suchen im S1R-Handbuch) im kreativen Filmmodus filmen. Dies brachte die S1R jedoch gehörig aus dem AF-Konzept, bzw. ins Schärfepumpen, das nicht mehr aufhörte. Lag dies vielleicht noch an der jungen Firmware des Testmodells? Ich weiss es nicht.

Bei den weiteren Videoaufnahmen hatte ich dann ein Déjà-vu-Erlebnis. Wie schon bei der Lumix GH5 und G9 wurde die Autofokus-Schärfe beim Kameraschwenken wie auch bei feststehendem Bild durch Fokus-Tippen auf den Monitor schön und zuverlässig verlagert, zumindest das eine Mal. Das nächste Mal beim selben Motiv dann wieder nicht, oder die Schärfe blieb einfach «hängen» und fand die neue Schärfenebene nicht. Oder erst nach längerer Wartezeit. Manchmal half auch nur noch ein manuelles Eingreifen.

Das Ausprobieren mit den verschiedenen AF-Feldgrössen (am besten war noch die quadratische oder ovale Zone oder das Ein-AF-Feld in Bildmitte) und AF-Parametern (Geschwindigkeit und Empfindlichkeit) hatten keinen grossen Einfluss auf die Zuverlässigkeit der Scharfstellung.

Es nervt einfach, wenn man sich nicht auf den Autofokus verlassen kann. Andere Marken sind da einiges zuverlässiger. Da hilft dann nur noch beim Filmen gleich manuell zu fokussieren, was für Profis eh nichts Neues ist. Eigentlich ein Armutszeugnis für eine teure, professionelle Kamera. Und sehr schade, denn die Videobildqualität überzeugt voll und ganz. Vielleicht bringt ein Firmware-Update Verbesserung?

Wer mit der Lumix S1R szenisch filmen möchte, einzelne Einstellungen im Voraus plant und genügend Zeit mitbringt, wird die Schärfe sowieso manuell fahren. Dabei helfen ihm eine Ausschnittsvergrösserung und das «Fokus-Peaking», eine farbige Hervorhebung der scharfen Kanten.

Weitere Unterstützung gibt es durch ein einblendbares «Zebra»-Muster gegen Überbelichtung, einem Histogramm für ausgewogene Belichtung sowie einem «Tilt-Sensor» im Cockpit-Stil, um mit der Kamera «im Wasser» zu bleiben. Zudem kann man sich den Aufnahmebildschirm in Schwarzweiss anzeigen lassen.

Die umfangreichste Kontrolle erhält der Filmer, wenn er den kreativen Filme-Modus auf manuell stellt. Dann lassen sich während des Filmens Blende, Verschlusszeit und ISO-Wert verstellen. Geschieht dies über die Drehrädchen und Tasten, ist es klar und deutlich im Film zu hören. Besser und geräuschlos geht es über das Register auf der rechten Seite des Touch-Displays. Ein leichter Druck auf das Filmkamera-Symbol, und schon lassen sich die Werte per Fingertipp aufs entsprechende Symbol lautlos anpassen.

Videoqualität vom Feinsten

Die Videoaufnahmen stehen den Fotos in der Bildqualität in keiner Weise nach. Sie zeigen bereits im Bildstil «Standard» sehr natürliche Farben und eine hohe Detailgenauigkeit. Die Bildqualität kann für jeden Bildstil nach eigenen Wünschen angepasst werden.

Die Kamera bietet eine Vielzahl von Gammakurven, darunter Industriestandards wie Cinelike D/V und Like709. Um die Nachbearbeitung zu verkürzen, gibt es einen Flat-Modus mit weniger Kontrast und Sättigung für einen vielseitigen Einsatz. Das neue Hybrid Log Gamma (HLG)-Profil ermöglicht auch bei Video die Aufnahme in einem noch grösseren Dynamikbereich mit satten Farben (Like2100), um die Fähigkeiten des menschlichen Auges nachzuahmen.

Die ruckfreien Bilder beim Filmen von fahrenden Motiven oder bei langsamen Schwenks sind auch in 4K/UHD dank 50 Vollbilder pro Sekunde ein wahrer Augenschmaus.

Fernsteuern per Draht und ohne

Weitreichende WiFi-Funktionen: Die Panasonic Image App löst nicht nur Fotos und Videos aus, es lassen sich fast sämtliche Kameraeinstellungen der Lumix S1R fernsteuern.Weitreichende WiFi-Funktionen: Die Panasonic Image App löst nicht nur Fotos und Videos aus, es lassen sich fast sämtliche Kameraeinstellungen der Lumix S1R fernsteuern.

Neben dem Übertragen der Fotos via USB-Kabel auf einen Rechner kann man mit der Lumix S1R auch «tethern». Mit der «Lumix Tether»-Software bedient man die Kamera per Kabel über einen PC, ändert verschiedene Einstellungen, löst ferngesteuert aus und überträgt die Bilder direkt auf den Rechner.

Mit Bluetooth und WiFi geht es auch kabellos. Mit der Panasonic Image App wird die Verbindung zu einem Android- oder iOS-Smartphone oder -Tablet hergestellt und die S1R lässt sich fernsteuern.

Und dies nicht nur fürs Auslösen von Fotos oder Videos, sondern für beinahe sämtliche Kameraeinstellungen. Auch das Quick-Menü kann aufgerufen werden. Das Livebild erscheint dabei mit einer geringen Verzögerung auf dem Smartphone oder Tablet.

Dank Bluetooth 4.2 (BLE: Bluetooth Low Energy) wird eine ständige Verbindung bei minimalem Stromverbrauch ohne dauernde WiFi-Anbindung möglich. So kann die Kamera über ein mobiles Smartgerät aktiviert oder die Fotos automatisch mit einem GPS-Geotag versehen werden. Per «Lumix Sync» lassen sich die Einstellungen einer Lumix S1R kopieren und auf andere S1R-Kameras übertragen.

Das Wiedergeben oder Speichern von Kamera-Bildern und Videos aufs Smartphone, das Hochladen auf Social Media oder die automatische Cloud-Sicherung sind ebenfalls möglich. Manche Dienste bedingen eine kostenfreie Mitgliedschaft im Lumix-Club. Dort können die Bilder mit PC oder Smartphone synchronisiert werden. Es werden maximal 1000 Bilder 30 Tage lang gespeichert und danach automatisch wieder gelöscht.

Energie sparen: Neben WiFi für die umfassende Fernsteuerung der Lumix S1R kann mit Bluetooth Low Energy auch nur ein Foto ausgelöst oder ein Video gestartet werden.Energie sparen: Neben WiFi für die umfassende Fernsteuerung der Lumix S1R kann mit Bluetooth Low Energy auch nur ein Foto ausgelöst oder ein Video gestartet werden.

Fazit

Profi-Werkzeug: Die Panasonic Lumix S1R ist ein robustes und vielseitiges Arbeitsgerät für professionelle Anwender.Profi-Werkzeug: Die Panasonic Lumix S1R ist ein robustes und vielseitiges Arbeitsgerät für professionelle Anwender.

Die Lumix S1R ist ein sehr stabiles, staub- und spritzwassergeschütztes Werkzeug für den professionellen fotografischen Einsatz. Die hervorragende Bildqualität und derzeit höchste Bildauflösung unter den spiegellosen Vollformatkameras entschädigen etwas für die wuchtigen Abmessungen und das enorme Gewicht.

Viele gute Ideen hat Panasonic von der Micro-FourThirds-Familie übernommen. Die S1R lässt sich umfangreich den eigenen Bedürfnissen anpassen. Die Bedienung geht dank bewährter Menügestaltung und Ergonomie flott von der Hand. Der Benutzer darf sich voll und ganz auf seine Aufnahme konzentrieren.

Beim Bajonett hat Panasonic nichts Neues entwickelt, sondern setzt auf das L-Mount-System. Damit stehen neben dem noch dürftigen Lumix-S-Objektiv-Angebot die ganze Palette an Leica- und Sigma-Gläser der Allianzpartner zur Verfügung.

Für Videoanwender bringt die S1R umfangreiche Funktionen für das Bewegtbild mit. Nur schade, dass Panasonic auch hier auf die oft kritisierte DFD-Fokussier-Technologie setzt. Wer damit leben kann, wird mit einer Lumix S1R auch anspruchsvolle Filmprojekte problemlos durchziehen.

Als Nachzügler ist Panasonic mit der Lumix-S-Serie der Einstieg in den spiegellosen Vollformat-Markt sehr gut gelungen.

Steckbrief
Modell:
Lumix DC-S1R
Profil:
Robuste, grosse und schwere spiegellose Vollformatkamera für Profis. Sehr hohe Bildauflösung und Farbqualität, hervorragende Stabilisierung, exzellenter Sucher, umfangreiche Ausstattung für Foto- und Videoprojekte.
Pro:
Hervorragende Bildqualität
Höchste Bildauflösung bei spiegellosem Vollformat
Sehr effektiver Bildstabilisator
Bester elektronischer Sucher
4K/UHD Video mit 50/60p
6K/4K-, Post-Fokus-Video
Umfangreiche Konfiguration durch Benutzer
Gelungene Touch-Bedienung
Zwei Karteneinschübe
Mikrofon- und Kopfhörer-Anschluss
Contra:
Sehr gross
Sehr schwer
Durchschnittliche AF-C-Leistung bei Video
Kurze ununterbrochene Aufnahmedauer bei 4K/UHD-Video
Display nicht ausschwenk- und drehbar
Noch wenig Original-Objektive
teuer
Preis:
4,699.00 CHF
Hersteller:
Panasonic
Jahrgang:
2019
Vertrieb:
Panasonic Schweiz
Masse:
148,9 x 110,0 x 96,7 mm
Gewicht:
1.020 kg
Farbe:
Schwarz
Auflösung:
47'300'000 Pixel, effektiv
Bildsensor:
35 mm Vollformat CMOS-Sensor
Datenformat:
JPEG, RAW
Empfindlichkeit ISO:
100 -25'600, erweitert 50, 51200
LCD Monitor:
3,2 Zoll TFT-LCD (3:2), Touchscreen aufklappbar
Pixel:
2'100'000
Schnittstelle:
USB 3.1 Typ C, HDMI, 3,5 mm Mikro/Kopfhörer, 2,5mm Fernbedienung
Speichermedien:
SD/SDHC/SDXC- und XQD-Speicherkarten
Verschlusszeit:
1/16'000 - 60 sec., bulb 30 min.
Videoaufnahme:
4K/UHD 24/25/30/50/60p 4:2:0 8-Bit MP4; Full-HD MP4, AVCHD
Onlinefassung: https://www.avguide.ch/testbericht/spiegelloses-heavy-metal-test-vollformat-kamera-panasonic-lumix-dc-s1r
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