Teufel Streamer. Der Berliner Direktanbieter Teufel verzichtet meistens auf raumgreifende Technologie-Poesie. Technische Erklärungen chirurgischer Prägung für Laien entfallen. Nicht wie bei Herstellern, die sich dem High-End-Audio verpflichten. Dort fühlt man sich zuweilen wie bei «Grey's Anatomy»: Man wird Zeuge dramatischer Operationen, begleitet von epischen Dialogen der Skalpell-gewandten Chirurgen, so dass man am Ende exakt zu wissen glaubt, weshalb der Patient den Eingriff überlebte und nun tapfer aus dem Spitalbett blinzelt.
Im Vergleich erfahren wir bei Audiogeräten viel von ihrer Technologie, den Bauelementen und ihren renommierten Erzeugern und den umfangreichen Überlegungen, die der Entwicklung des Geräts vorausgingen, wie auch dem heroischen Status ihrer Erbauer.
Bei Teufel erfährt man eigentlich nur, dass der Patient gesund ist und dass die Operation kostengünstig war.
So empfand ich es als belustigend, dass ich beim neuen Teufel Streamer weder im Manual noch im Teufel-Shop Hinweise auf die maximal mögliche Bit- und Sampling-Raten fand und den Hersteller dazu befragen musste. Auf die Antwort komme ich später zurück.
Diese für Teufel in der Marketingkommunikation typische und tendenzielle Technologie-Abgewandtheit hat wohl System: Die Firma will mit ihren zahlreichen Produkten den Spass am Musikhören an ein breites Publikum bringen und dazu sehr kostengünstig und kreativ sein. Das bescheidenen kleine Gerät, dass sich völlig unspannend «Teufel Streamer» nennt, mussten wir deshalb einmal unter die Lupe nehmen. Was ist da dran und was nicht?
Teufel blickt auf eine Erfolgsgeschichte zurück, deren neuste Folge eben geschrieben wird: Der Flagship-Store in Wien platzt aus allen Nähten, die Kunden können nicht mehr effizient bedient werden. In der Mariahilfer Strasse, zentral im 6. Bezirk gelegen, wird der neue Teufel Store im ersten Halbjahr 2020 seine Pforten öffnen. Die neue Location wird über 250 Quadratmeter Fläche und zwei große Vorführkinos bieten. Das hat mit der Schweiz nichts zu tun, aber die Marschrichtung ist vorgezeichnet.
Immerhin ist der neue Teufel Streamer nicht bloss eine kleine schwarze Schachtel: Man erblickt auch eine vielversprechende Bedienungsoberfläche am Gerät auf dessen Oberseite.Funktionsumfang
Der Teufel Streamer ist ein universeller WLAN- und Bluetooth-Netzwerkspieler mit Cirrus Logic D/A-Wandler. Er ist prioritär für den Betrieb mit dem laut Hersteller sehr hochwertigen DA-Wandler vorgesehen. Wer einen Digitalausgang für einen DA-Wandler eigener Präferenz oder digitale Aktivlautsprecher braucht, muss mit Toslink, also der optischen Variante von SPDIF, Vorlieb nehmen. Das ist bei audiophilen Musikhörern nicht eben die erste Wahl. Je nach dem verursachen die verbauten Optokoppler dann und wann Jitter, weshalb man Toslink am ehesten für den TV einsetzt. Ein zusätzlicher coaxialer SPDIF oder noch besser ein asynchroner USB-Ausgang wäre aus meiner Sicht vorteilhaft.
Da orte ich ein Platzproblem beim Anschlussfeld, stelle mir aber dann die Frage, warum ein analoger Line-In-Eingang mit 2 RCA-Steckern so wichtig sein soll. Wofür? Plattenspieler? Tonbandgerät? Was auch immer, man schliesst doch eine analoge Musikquelle nicht an einen digitalen Streamer an. Dafür hat man in der Regel genügend Möglichkeiten beim darauf folgenden Verstärker (Ausnahme: Endstufen). Man kann die analoge Quelle dann zwar nicht mit der App wählen, aber ich glaube nicht wirklich, dass dieser Analogeingang häufig verwendet werden wird.
Der Teufel Streamer ist dank kompakter Abmessungen überall leicht und unauffällig installierbar sowie mit der Teufel-Raumfeld-App für WLAN-Multiroom-Streaming von Streamingdiensten, Webradio und eigenen Musik-Speichermedien einzusetzen.
Die praktischen Sensortasten an der Oberseite ermöglichen zudem die schnelle Bedienung am Gerät, auch über Direktwahltasten. Mit diesem einfachen User-Interface ist der Teufel Streamer nicht bloss eine Blackbox. Wer das Smartgerät mal nicht gerade zur Hand hat, findet die wichtigsten Funktionen am Gerät.
Bluetooth ist punkto Standard nicht näher spezifiziert, hat aber in jedem Fall nichts mit Hi-Res gemein. Der Teufel Streamer kann aber von lokalen Speichermedien oder vom Streamingdienst Tidal «Hi-Res» widergeben – und zwar bis 24Bit/96kHz bei den Formaten WAV oder FLAC und ... ohne bei den technischen Daten Erwähnung zu finden, auch DSF (DSD). Die rechnerische Qualität des Datenstroms ist zwar nirgends ablesbar und nach der maximalen Auflösung musste ich mich bei Teufel erkundigen, aber der Teufel Streamer ist damit immerhin audiophiler ausgelegt als erwartet.
Ob es sich beim Verschweigen solcher Angaben um Nachlässigkeit oder Understatement handelt, bleibe dahingestellt. Schliesslich kann man Musik auch geniessen, ohne über Datenraten zu jedem Zeitpunkt informiert zu sein.
Von Links: USB-Anschluss für externe Speicher, Netzwerk, Optischer Digitalausgang (TosLink), Analogeingang (RCA/Cinch), Analogausgang (RCS/Cinch), Taste für Bluetooth-Pairing, Taste für Set-Up-Initialisierung, Reset-Taste für die aufgebogene Büroklammer.Streamingdienste und Webradio
Spotify hat Priorität, was verständlich ist. Schliesslich dürfte hoher Anteil der Kunden Spotify einsetzen. Daher ist Spotify bereits voll integriert, man braucht sich bloss noch einzuloggen. Der Teufel Streamer kann aber auch Napster, Soundcloud und Tidal. Leider ist Qobuz nicht vorgesehen. Webradio hört man mit TuneIn und natürlich kostenlos ohne Abo. TuneIn ist bewährt.
Set-up und Betrieb
Grosszügige Ansicht der Alben mit Einblendung dessen, was gerade spielt: Energy Zürich unten links.Das Set-up ging einfach vonstatten. Die Verbindung des Teufel Streamer mit dem Netzwerk klappte mit WLAN sehr gut. Ich würde aber, wenn machbar, mit einem Netzwerkkabel zum Router fahren. Das ist in gewissen Fällen stabiler, auch wenn gerade einmal die ganze Familie «WiFi-hektisch» unterwegs ist. Während dem Set-up muss man mit dem Smartgerät (Raumfeld App) kurz auf das WiFi des Streamers wechseln, bis die Verbindung zu heimischen WLAN hergestellt ist.
Der Musikimport von meinem NAS wurde testweise auf ganze 5000 Musikalben ausgedehnt. Es dauerte natürlich ein paar Stunden, bis die Library alles abbilden konnte, aber im Betrieb gab es keine Probleme. Ich testete auch eine SSD-Festplatte am USB-Eingang des Teufel Streamer. Alles im grünen Bereich.
Spotify musste ich auslassen: Ich habe diesen Dienst nicht abonniert, und Qobuz wird nicht unterstützt. Als Roon Endpoint kann der Teufel Streamer leider auch nicht dienen. Im Folgenden einige Beispiele der Nutzeroberfläche der Raumfeld App:
Der Teufel Streamer kann in ein Multiroom eingebunden werden. Weitere Geräte/Räume kann man hinzufügen.
Webradio hören mit TuneIn. Unten links sieht man, was gerade spielt. Diese Einblendung kann man aber auch deaktivieren.
Hauptmenü der Einstellungen.
Ansicht von Musikalben nach dem Kriterium «zuletzt hinzugefügt».
Wiedergabeansicht eines Radiosenders.
Albumansicht nach dem Kriterium «Alben».
Spotify-Oberfläche als Premium-Funktion.
Wiedergabeansicht eines Albums. Rechts neben den Titeln kann man immer den Abspielmodus oder die Zuweisung zu Playlisten oder zur Queue bestimmen.Die Raumfeld-App ist sehr bedienerfreundlich und klar strukturiert, ohne viel Krimskrams. Man kann damit gut arbeiten und Musik geniessen. Einzig die Bildauflösung des Albumcovers ist auf dem iPad suboptimal. An meinen Albumbildern liegt das gewiss nicht. Mit einem iPhone oder Smartphone sieht es schöner aus. Die App ist vielleicht eher auf die kleinen Smartgeräte ausgelegt.
Hörtest
Die LED rechts zeigt auch die Standby-Funktion an. Im Bild ist das Gerät jedoch aktiv. Der Teufel Streamer hatte sich, wie alle anderen Geräte dieser Testreihe, an einem Kii-THREE-BXT-System zu behaupten – das ist nicht Fair-Play. Da hängen im Normalfall ganz andere Kaliber digitaler Quellen davor. Der Teufel Streamer kostet im Teufel Shop 349 CHF, und das Referenzsystem, das er mit Musik füttert, schlägt mit mehr als 35'000 CHF ins Kontor. Dahinter steckt die «fiese Absicht», die Verhältnisse ein wenig aufzumischen.
Rufen wir uns in Erinnerung, dass selbst kostengünstige Streaminggeräte beeindruckend gut klingen können, etwa am Beispiel des Volumio Primo, und dass die feinen Unterschiede fast nur in direkten AB-Vergleichen wahrgenommen werden können. Das hat damit zu tun, dass die Elektronik, die beim Streaming entscheidend ist, nicht zwingend kostspielig sein muss.
Beim Teufel Streamer habe ich die Klangleistung zunächst zwischen dem Digitalausgang und dem Analogausgang A/B verglichen: Also einmal ohne den integrierten DAC und einmal mit. Dabei schnitt der digitale Weg via TosLink einen Tick besser ab. Der DA-Wandler des Teufel Streamer hat mich zwar sehr positiv überrascht, aber die Auflösung des Klanggeschehens ist über den Digitalausgang ausgeprägter, und alles kommt doch selbstverständlicher herüber.
Trotzdem, der Teufel Streamer zwingt eine hochwertige HiFi-Kette mit seinem DA-Wandler nicht in die Knie und lässt im Gesamten nur wenig vermissen. Im Quervergleich zu einem Streamer, der deutlich mehr kostet und tatsächlich auch mehr bietet, beschreibe ich den Unterschied als stiller, wenn es still sein muss, und das deutet auf Unterschiede beim Noise-Floor hin. Dort können Spitzengeräte das Rennen für sich entscheiden – und das ist gut so.
Insgesamt ist dem Teufel Streamer punkto Klangqualität ein gutes Zeugnis auszustellen. Berücksichtige ich die Bestimmung des Geräts – und das ist nicht High-End-Audio – und die diskussionslose Preiswürdigkeit, dann ist er eine grosse Empfehlung wert.
Fazit
Einfach nur Streamer.Der Teufel Streamer ist bei den digitalen Quellen ein Vorreiter des sich langsam abzeichnenden 80/20-Trends: Mit 20 % der Kosten 80 % des auzuschöpfenden Potenzials passt das dann in 90 % der Anwendungen. Die meisten musikhörenden Konsumenten wollen einen guten Preis und bekommen dafür immer mehr, nicht nur bei Teufel. Wer sich dann später einmal entschliesst, in höhere Gefilde vorzustossen, kann den Teufel Streamer zunächst weiter verwenden und sich erst mal den wichtigeren Komponenten der Musikanlage widmen.
Beim Digitalausgang könnte der Hersteller etwas mehr anbieten als nur TosLink. Qobuz ist als Ergänzung bei den unterstützten Streamingdiensten wünschenswert. Auch Bluetooth mit aptX HD wäre auf der Wunschliste, und wenn man Gutes tut, kann man auch darüber sprechen. Der Teufel Streamer macht Hi-Res bis 24/96, unterstützt auch DOP (DSD over PCM). Das reicht allemal sehr weit. Mulitroom-Integration kann im Raumfeld-Universum von Teufel auch locker abhaken.
Eine stramme Leistung!