Concept Active von Clearaudio.Die Idee eines Plattenspielers mit integriertem Phono-Vorverstärker wurde bisher vor allem bei Einsteiger-Geräten für ein paar hundert Franken realisiert. Dabei geht es den Herstellern darum, dass die neuen Kunden ihre Geräte an die Hochpegel-Line-Eingänge anschliessen können, weil Phono-Eingänge entweder nicht vorhanden sind, oder weil die Plattenspieler an einfache All-In-One-Geräte anzuschliessen sind. Das ist eine einfache Lösung für frisch verliebte Vinylhörer. Die reiferen Kunden kaufen sich lieber einen Phono-Vorverstärker nach ihrem Geschmack.
Clearaudio hat nun ihren bewährten Concept-Plattenspieler aktiviert und mit einem sehr hochwertigen Phono-Vorverstärker ausgerüstet. Darüber hinaus auch noch mit einem Kopfhörer-Vorverstärker und einem 6.3-mm Jack-Kopfhörerausgang. So kann der audiophile Besitzer des Concept Active zu später Stunde Vinyl hören und braucht seine HiFi-Anlage nicht einmal in Betrieb zu nehmen. Die Lösung von Clearaudio ist nicht nur praktisch, sondern auch technisch klug: Zum Beispiel ist der kritische und störungsempfindliche Signalweg vom Tonabnehmer zum Phono-Vorverstärker kurz und auf die Tonarmverkabelung beschränkt. Störquellen können so optimal ausgeschlossen werden.
Damit kann auch der erprobte Vinyl-Spezialist durchaus warm werden, denn die Integration von Komponenten und Funktionen wird immer beliebter, auch bei highendigem Anspruch.
Der hier getestete Concept Active gibt es mit zwei verschiedenen Tonarmen, dem Concept-Tonarm mit Magnetlagerung und dem Satisfy Kardan Aluminium black, einem 3-Punkt-gelagerten Drehtonarm klassischen Zuschnitts. Zur Wahl stehen zwei verschiedene Tonabnehmer: Das Concept V2 MM, ein MM-Tonabnehmer, sowie das Concept MC (Moving Coil). Unser Testgerät ist mit den fettgedruckten Komponenten ausgestattet. Selbstverständlich können auch andere, beliebige Tonzellen eingesetzt werden.
Einstellungen an der Phono-Vorstufe: Subsonic-Filter; 3-stufige Ausgangsspannung; MC oder MM; Ausgangswahl für passiv (ohne Verstärkung), aktiv variabel und aktiv Fixpegel.Die Phono-Vorstufe findet man sinngemäss auf der Rückseite. Mit 4 Kippschaltern kann man verschiedene Einstellungen vornehmen. Man kann z. B. den Phono-Vorverstärker ausschalten (passive), wenn man ihn nicht benötigt. Für den Kopfhörerausgang bleibt er in Betrieb. Bei aktiver Einstellung kann man zwischen fixem Ausgangspegel und variablem Ausgangspegel wählen. Variabel heisst, man kann am Lautstärkeregler des Plattenspielers die Lautstärke auch an den Ausgängen regeln. Für Kopfhörer ist die Lautstärke natürlich immer variabel.
Mit dem Mode-Switch stellt man von MM zu MC-Tonabnehmern um. Mit dem Gain-Schalter stellt man die Ausgangsspannung in drei Stufen ein: «High», «mid» und «low», abhängig von der Signalstärke des Tonabnehmers und der Empfindlichkeit der Verstärker-Kette oder ... der Aktivlautsprecher. Stellt man den RCA-Schalter nämlich auf Variabel und den Gain-Schalter auf «high», dann kann der Plattenspieler direkt mit jeder Endstufe verbunden werden. Die Lautstärke regelt man dann am Concept-Active.
Tja und dann gibt es noch ein Subsonic-Filter, um subsonische Schwingungen im Bereich der Tonarmresonanz zu mildern, sofern vorhanden. Im Test war das nicht erforderlich, da nichts dergleichen auftrat.
Praktische Lautstärkeregelung: Sie ist bei Kopfhörerbetrieb immer aktiv, man kann aber auch das Ausgangssignal zur HiFi-Anlage auf Wunsch regeln.Tonarm: Satisfy Kardan Aluminum black
Beim Tonarm fällt sehr viel Positives auf. Er ist keine Mimose und lässt sich gut manövrieren. Er senkt sich nach Bedienung des Tonarmlifts exakt senkrecht auf die Rille nieder – und nicht wie es so oft vorkommt schräg und ungenau (ein Einfluss des Anti-Saktings). Der Lift ist sehr langsam und ganz offensichtlich eine Eigenentwicklung – und nicht der übliche Lift eines oft gesehenen Zulieferers.
Die Ruhehalterung ist ein flexibles Gummiteil. Der Tonarm lässt sich ohne Kraftaufwand sicher parkieren. Die Antiskating-Einrichtung funktioniert magnetisch und berührungslos. Man kann mit einer blanken Testplatte, Glasplatte oder Testrille das Antiskating sehr subtil und eindeutig sicher einstellen.
Hochpräziser Drehtonarm mit ausgezeichnetem Tonarm-Lift und vorbildlich elastischer Ruhe-Halterung.
Magnetische Antiskating-Regelung: Feinfühlig und wirksam.
Concept-V2-MM-Tonabnehmer.
Nahaufnahme im Betrieb (auf die Aufnahme bin ich stolz ...).Zarge und Antrieb
Die Kunststoffzarge, oder wie es mir scheint, eine Kunststoff/MDF-Sandwich-Konstruktion, ist in ein nahtlos umlaufendes Aluprofil eingebettet. Sie wirkt ausgesprochen beruhigend auf Körperschall und Trittschall. Ich konnte beim Abspielen sogar mit dem Fingerknöchel leicht draufklopfen, ohne dass es deutlich hörbar wurde.
Der Antrieb geht von einem elektronisch drehzahlgeregelten DC-Motor über einen Flachriemen zu einem grossen Präzisions-Subteller aus Aluminium. Die Solldrehzahl wird bei 33 1/3 nach gut einer halben Umdrehung bereits erreicht. Der Motorpulley ist sehr klein. Daher erzielt man mit einer entsprechend höheren Motordrehzahl offensichtlich ein recht hohes Drehmoment.
Der Concept Active ist mit zwei Geschwindigkeiten ausgestattet (33 1/3, 45). Optional und auch beim Testgerät gibt es noch 78 U/Min. Das ist mit einer elektronischen Regelung zwar kein Problem für den Hersteller, aber alleweil positiv. Wer Schellacks mag, braucht dann aber noch einen dafür geeigneten Tonabnehmer. Und wer das dann richtig ernst nimmt, benötigt auch noch einen Phono-Vorverstärker mit NARTB-Entzerrung.
Drehzahl-Schalter: Schellack-Fans können sich freuen (78), passender Tonabnehmer vorausgesetzt ...
Präzisions-Pulley mit Flachriemen in der schweren, vibrationsdämpfenden Zarge.
Ebenso präziser, grosser Subteller.Hörtest
Meine Testanordnung war auf die Konzeption des Concept Active zugeschnitten. Die RCA-Ausgänge führten direkt zu den DSP-gesteuerten Aktivsystemen von Kii Audio – die Kii Three BXT. Eigentlich völlig logisch, denn mehr braucht man mit diesem Konzept oder «Concept» eben nicht. Die Ausgangsspannung wurde auf «mittel» eingestellt.
Da ich andere Plattenspieler plus Phono-Vorstufen auf dieselbe Weise einsetze, ergab sich eine gute Vergleichbarkeit. Die erste Feststellung war schon einmal sehr beruhigend, denn es war einfach still, auch bei maximaler Lautstärke. Und mit dem Tonarm in Ruhestellung war nur ein minimales Rauschen zu hören. Dann schaltete ich den Dreher ein und ... keine Veränderung. Kein Brummen, gar nichts.
Der gefürchtete Brumm – ein 50-Hz-Ton – erzeugt durch die Einstreuung von Störquellen wie Trafos etc. oder wegen doppelter Masseführungen, die dann diese Störungen wie Antennen einfangen, ist nicht nur von der Konstruktion von Plattenspielern oder Phono-Vorverstärkern abhängig. Die ganze Verkabelung und die Position der verschiedenen Geräte können ebenfalls Ursache dafür sein. Da es bei mir je nach Plattenspieler oder Phono-Stufe auch brummt, kann ich mit Gewissheit feststellen, dass dies mit dem Active Concept hier nicht der Fall war.
Warum hacke ich auf diesem Thema herum? Das Thema Brummprobleme wird von Fachmedien regelrecht totgeschwiegen. Dabei kommt es in den Testanlagen der Redakteure mit Bestimmtheit ebenfalls vor. Wenn der Plattenspieler nun wie der Concept Active keine Ursache für Brummprobleme ist, dann hat der Hersteller einen sehr guten Job gemacht.
Daher war wirklich nur und ausschliesslich Musik zu hören. Der Concept-V2-MM-Tonabnehmer klingt in der Tat punkto Feinauflösung wie ein guter MC-Tonabnehmer. Ich musste nochmals genau hinsehen, aber das ist wirklich eine MM-Tonzelle. Die Feinauflösung war nach meinem Geschmack nahezu perfekt. Punkto Ausgewogenheit war sie dann aber ein wenig prägnant im Hochtonbereich. Auch das ist eine Frage des Geschmacks. Ich gehöre zu den vielleicht 30 %, die es schätzen, wenn der Hochton etwas zurückhaltender spielt, aber die anderen 70 % werden hier den Daumen hochhalten. Thumbs up!
Die Qualität des Laufwerks offenbart sich im präzisen Timing, der sehr guten Dynamik und im Groove, der im Bassbereich geboten wird. Auch die Mitten sind top, und Stimmen präsentieren sich mit Seele, die Geigen mit Schmelz und Gefühl. An dieser Stelle gehört es sich nun wahrscheinlich, eine besondere Aufnahme zu zitieren. Man erwartet das von Redaktoren ... Dann würde ich das Doppelalbum «Retrospective» von Hilary Hahn, die LP Nr. 1, DMM, Live-Aufnahme von der Deutschen Grammophon, erwähnen wollen. Grossartig!
Der Concept Active von Clearaudio liefert ein beeindruckendes Musikerlebnis ab, bzw. er trägt dazu bei.
Fazit
Der Concept Active kostet in der getesteten Ausführung 2790 CHF. Je nach Ausführung, Tonarm und Tonabnehmer kann er bis 3750 CHF kosten. Dafür bekommt der anspruchsvolle Vinyl-Hörer ein ausgezeichnetes Gerät mit «all in»-Paket und braucht sich erst ab dem Verstärker/Endstufe/Aktivlautsprecher wieder Gedanken zu machen. Selbst mit der kostengünstigeren MM-Tonzelle klingt er beeindruckend gut und hat noch genügend Luft nach oben.
Tolles Design und einfache Bedienung auch für nervöse Hände ...