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Mirrorless in Marrakesch

Test APS-C-Systemkamera Canon EOS M50

Die Canon EOS M50 ist eine kompakte, spiegellose APS-C-Einsteigerkamera mit 24 Megapixel Auflösung, 4K/UHD-Video, schwenkbarem Touchscreen, einfacher Bedienung und dennoch erstaunlich umfangreicher Ausstattung zu einem moderaten Preis.

Von Hanspeter Frei · 10. Juni 2018
Canon EOS M50: Die neue kompakte spiegellose APS-C-Systemkamera fotografiert mit 24 Megapixel Auflösung und ermöglicht das Filmen in 4K/UHD-Qualität.Canon EOS M50: Die neue kompakte spiegellose APS-C-Systemkamera fotografiert mit 24 Megapixel Auflösung und ermöglicht das Filmen in 4K/UHD-Qualität.

Tatschi. Gesundheit! «Nein, Tajine ist gemeint, französisch ausgesprochen, eines der leckeren Nationalgerichte», erklärt unser marokkanischer Guide. Wir, das sind rund 20 Journalisten und die Canon Marketing-Crew, befinden uns in der Show-Küche des Restaurants La Maison Arabe in Marrakesch, wo wir mit der neuen Canon EOS M50 fleissig das Zubereiten der Speisen fotografieren und filmen. Ein paar Mutige kochen gleich nach Anleitung mit.

Für die EOS M50 braucht es kaum eine Anleitung. Sie ist für Einsteiger ins spiegellose APS-C-Segment von Canon gedacht, und dementsprechend sind Bedienung und Menüs auf Einfachheit ausgelegt. Nichtsdestotrotz ist die Kamera ein kleines Kraftpaket mit erstaunlich umfangreichen Foto- und Videomöglichkeiten.

Dies ist vor allem dem neuen Digic-8-Bildprozessor von Canon zu verdanken. So wurde die ISO-Empfindlichkeit erweitert und der Autofokus, die automatische Belichtungsoptimierung sowie die digitale Objektivkorrektur verbessert. Die Kamerafunktion «Tonwert Priorität» für Detailvielfalt in besonders hellen Bildbereichen profitiert ebenfalls davon. Zudem ist die M50 die erste Kamera der Canon-M-Serie, die auch in 4K/UHD filmen kann.

Trotz ihren kompakten Massen von 116 x 88 x 59 mm und einem Gewicht von knapp 400 Gramm ohne Objektiv ist die M50 mit einem grossen, zentral angeordneten elektronischen Sucher ausgestattet, einem dreh- und schwenkbaren 7,5-cmTouchscreen sowie einem aufklappbaren Blitzgerät. Gleich dahinter lassen sich am Zubehörschuh Canon-Systemblitze mit TTL-Messung anbringen.

Kompakt und gut bestückt: Die Canon EOS M50 besitzt trotz ihrer kleinen Abmessungen einen zur Seite ausklappbaren Touchscreen, einen elektronischen Sucher und einen eingebauten Blitz.Kompakt und gut bestückt: Die Canon EOS M50 besitzt trotz ihrer kleinen Abmessungen einen zur Seite ausklappbaren Touchscreen, einen elektronischen Sucher und einen eingebauten Blitz.

Das Klappdisplay ermöglicht abwechslungsreiche Aufnahme-Perspektiven und eignet sich ideal für Selfies und Selbstdarsteller auf YouTube – Entschuldigung – Influencer und Vlogger. Zudem erlaubt es unauffälliges Fotografieren und Filmen, was vor allem in den Souks von Marrakesch von Vorteil war. Okay, wenn eine Horde von Presseleuten dort einfällt, ist es auch mit kleinen Kameras vorbei mit der Unauffälligkeit. Dementsprechend umgarnten uns die Händler und übertrafen sich mit ihren Spezialpreisen. Überraschend viele sprechen neben Arabisch und Französisch auch etwas Deutsch.

Auf der Rückseite der Canon EOS M50 befinden sich rechts neben dem Display das klassische Steuerfeld, ein Info-, Menü- und Wiedergabe-Knopf und nur noch die beiden typischen Canon-Tasten «AE-Speicherung» (Stern-Taste) und «AF-Messfeldwahl». An der linken Rück- wie Oberseite sind keine Bedienungselemente vorhanden.

Fünfer mit Steuerrad: Die Tasten auf der Rückseite sind an einer Hand abzuzählen, hinzu kommt ein Steuerfeld.Fünfer mit Steuerrad: Die Tasten auf der Rückseite sind an einer Hand abzuzählen, hinzu kommt ein Steuerfeld.

Auf ein zweites Einstellrad wurde ganz verzichtet. Das erste ist oben auf der Kamera rund um den Auslöser angeordnet. Gleich daneben liegt die separate Videotaste, und etwas dahinter das Moduswählrad mit den Belichtungsprogrammen.

Vorne an der Kamera sind zwei winzige Mikrofon-Öffnungen, das Autofokus-Hilfslicht sowie die Entriegelungstaste fürs Objektiv angebracht.

Die EOS M50 ist ohne Objektiv für 600 Franken erhältlich, als Kit mit dem Objektiv EF-M 15-45mm IS STM für 730 Franken, oder mit dem EF-M 18-150mm IS STM für 990 Franken.

Drücken, Wischen und Drehen

Überschaubar und schick: Wenige Bedienungselemente auf der Oberseite der EOS M50.Überschaubar und schick: Wenige Bedienungselemente auf der Oberseite der EOS M50.

Wie? Nur ein Einstellrad an der Kamera? Etwas verdutzt nehme ich die Kamera in Empfang. Wie soll man damit vernünftig arbeiten? Ich habe die weisse Variante erhalten, um die mich schon bald die Kollegen beneiden. Sie wirkt tatsächlich mit ihren silbernen Knöpfen und dem anthrazitfarbigen Objektiv edler als die schwarze Ausführung, die mehr «auf Plastik» macht.

Doch viel wichtiger ist die Bedienung. Für normale Hände ist die Canon M50 gerade noch fest und sicher zu halten, grössere Pranken werden vor allem mit den kleinen Tasten und Touch-Symbolen auf dem Display Mühe haben. Für einen besseren Halt wurden der Handgriff vorne und die Daumenauflage hinten aufgeraut, es fühlt sich an wie eine Art «Kunststoff-Belederung». Diese hebt sich auch farblich vom Gehäuse ab und sieht beim weissen Modell schon richtig elegant aus, finde ich.

Nach der Canon EOS M5 ist die M50 die zweite spiegellose APS-C-Kamera mit eingebautem elektronischem Sucher. Die 2,36 Millionen Bildpunkte bieten eine gute, wenn auch nur durchschnittliche Auflösung. Dennoch ist der Sucher draussen Gold wert, besonders unter der hellen Sonne Marokkos.

Zudem lassen sich im Gegensatz zu einem optischen Sucher Hilfsfunktionen wie Lupe oder Peaking und Belichtungs- oder Weissabgleichs-Korrekturen in Echtzeit anzeigen. In der Sonne lässt sich zudem ein aufgenommenes Bild viel sicherer im Sucher überprüfen als im spiegelnden Display.

Zwischen Sucher und Display schaltet ein Augensensor automatisch um. Das nicht nur nach oben und unten, sondern auch seitlich ausschwenkbare Touch-Display der EOS M50 ist einzigartig in der spiegellosen APS-C-Klasse.

Das Display hat eine Auflösung von 1,04 Millionen Bildpunkten und weist den Benutzer nach dem ersten Einschalten durch Menüanzeigen und Modi-Beschreibungen mit Bildbeispielen den Weg zu Foto und Video. Dieser Einsteiger-Modus lässt sich natürlich abschalten. Jeder Canon-Fotograf wird sich sofort zurechtfinden, denn Menüsystem und Bedienungsphilosophie aus früheren Modellen wurden beibehalten.

Canon-Neulinge und Umsteiger sind zu Beginn mit der automatischen Motiverkennung (grünes A+-Symbol) oder dem Hybrid-Automodus gut bedient. Die M50 erstellt dann vollautomatische Aufnahmen. Im Hybrid-Modus werden zusätzlich vor jedem Foto 2 bis 4 Sekunden dauernde Videoclips der Szene aufgenommen, die später zusammengefasst in ein Filmtagebuch eingebaut werden.

Mit einem Dreh weiter am Wählrad stehen bei «SCN» verschiedene typische Aufnahme-Situationen bereit, zu denen die Kamera optimierte Belichtungs-Einstellungen liefert. Interessant ist hier der «leise Modus» für geräuschloses Fotografieren. Leider lassen sich dabei keine Blendenwerte oder Verschlusszeiten anpassen, auch der ISO-Wert ist auf «Auto» fixiert.

In der A+-Einstellung steht auch ein Kreativassistent zur Verfügung, der einem nach Druck auf die SET-Taste hilft, Hintergrundunschärfe, Helligkeit, Sättigung oder andere Optionen auf einfachste Weise einzustellen. Eigene bevorzugte Effekten können als Presets gespeichert und jederzeit wieder abgerufen werden.

Mit Kreativfiltern wie Aquarell, Spielzeugkamera, Miniatur oder vier HDR-Varianten darf man seinen Spieltrieb ausleben. Zehn Filter – die meisten noch zusätzlich anpassbar – stehen zur Verfügung.

Fortgeschrittene und Profis werden die EOS M50 manuell über die bekannten Belichtungsprogramme P, Tv, Av und M bedienen. Die Info-Taste bietet einen Übersichts-Bildschirm für schnelle Einstellungen und ermöglicht den komfortablen Zugriff auf eine Vielzahl von Aufnahme-Parametern.

Diese reichen von Belichtung, Bracketing, ISO-Werten, Weissabgleich, Tonwert Priorität, automatischer Belichtungsoptimierung über Bildstil-Auswahl und -Anpassung bis hin zur Rauschreduzierung und Objektivkorrektur. Genaueres erfährt man in der über 300 Seiten starken Bedienungsanleitung, die von der Canon-Webseite im PDF-Format herunterladbar ist.

Die M50 lässt sich als Einsteiger-Kamera in erstaunlich vielfältiger Weise personalisieren. Neben der Funktionstaste «M-Fn» lassen sich auch dem Auslöser, den Cursor-, AE-Lock- und Movie-Tasten andere Funktionen als die ab Werk vorbelegten zuweisen.

Wem dies nicht reicht, darf seine oft aufgerufenen Menüpunkte im eigenen Register «MyMenu» zusammenstellen. Schliesslich lassen sich auch noch die Daten anpassen, die beim Drücken der Info-Taste angezeigt werden.

Fingertippen: Neben Tasten drücken und Rädchen drehen wird die M50 vor allem über den Touchscreen bedient.Fingertippen: Neben Tasten drücken und Rädchen drehen wird die M50 vor allem über den Touchscreen bedient.

Hat man den Aufnahme-Modus am Wählrad bestimmt, kann die M50 entweder über die Tasten und das einzige Einstellrad, oder komplett über den Touchscreen oder mit einer Kombination aus beidem bedient werden. Dies gilt für die Aufnahmeeinstellungen ebenso wie für die Auswahlen im Menü.

Anfangs war ich etwas skeptisch über diese Art der Kamerabedienung, doch mit der Zeit zeigte sie ihre Vorteile, wird damit doch den unterschiedlichen Einstell-Vorlieben des jeweiligen Benutzers Rechnung getragen.

So habe ich zum Beispiel mit der Set-Taste den Schnelleinstellungs-Bildschirm aufgerufen, dann drauf getippt und die Werte übers Einstellrad angepasst. An Stelle des Einstellrads hätte ich sie auch am Bildschirm direkt hin- und herschieben können.

Im manuellen Belichtungsmodus «M» war ich hingegen beim Umschalten zwischen Verschlusszeit und Blendenwert schneller durch Drücken der Cursortaste nach oben statt aufs Symbol am Bildschirm zu tippen.

Gut funktionierte auch das Verschieben des AF-Feldes per Wischen über den Bildschirm, während man gleichzeitig durch den Sucher schaut. Ein Foto aufnehmen durch einen Fingertipp auf den Bildschirm ist ebenso möglich.

Einzig die kleine Stern-Taste, typisch bei Canon für die Belichtungs-Speicherung, befand sich für mich zu nahe an der Daumenauflage. Unbeabsichtigt hatte ich sie einige Male berührt und mich gewundert, wieso sich die Blende nicht mehr anpasst und das Bild überbelichtet bleibt. Schliesslich habe ich sie im Menü gegen eine «ungefährlichere» Funktion umprogrammiert.

Fokusfelder und Serienbilder

Mit dem Dual-Pixel-CMOS-AF arbeitet in der M50 das aktuellste und eines der zuverlässigsten Scharfstell-Systeme von Canon. Das automatische Fokussieren erfolgt schnell und präzise beim Fotografieren wie beim Videofilmen. Bei Letzterem leider nur bis Full-HD-Qualität. Und das ist ausgesprochen schade und für viele Youtuber wohl das Hauptargument, sich keine M50 anzuschaffen. Wo Canon doch gerade die 4K/UHD-Video-Möglichkeit der M50 so lautstark anpreist.

Immerhin ist bei der M50 das etwas «zähe» Scharfstellen älterer M-Kameras nicht mehr wahrnehmbar. Mit 143 Fokusfeldern besitzt sie zudem 94 Felder mehr als die M5. Im Einzelbild-Modus ist bei der Gesichtserkennung neu auch eine Augenerkennung hinzugekommen.

Beim manuellen Scharfstellen hilft einem die Kamera durch Vergrössern der Anzeige und Hervorheben der Kanten. Farbe und Empfindlichkeit dieses MF-Peakings lassen sich einstellen. Ebenfalls möglich ist eine manuelle Feinkorrektur der Autofokus-Position.

Die Geschwindigkeit für Serienaufnahmen hat sich gegenüber der M5 nur um ein Bild von neun auf zehn Bilder pro Sekunde erhöht. Und dies auch nur bei Einzel-AF. In höchster Bildqualität werden dabei bis maximal 33 JPEG-Dateien hintereinander gespeichert. Im Raw-Format ist bereits nach 10 Aufnahmen Schluss. Die EOS M50 ist also alles andere als eine Sportskanone.

Kleinigkeit an Rande: Es gab keine unbeabsichtigte Dioptrie-Verstellung am Sucher, wenn die Kamera verstaut und wieder aus der Tasche geholt wurde. Hier habe ich schon anderes erlebt und war dann jeweils erstaunt, wieso das Sucherbild plötzlich so unscharf ist.

Endlich bewegte Szenen in 4K/UHD

Filmemachen ohne grosses Gepäck: Mit einem externem Mikrofon auf dem Zubehörschuh wird die M50 zum kompakten Bild- und Tonaufzeichnungsgerät.Filmemachen ohne grosses Gepäck: Mit einem externem Mikrofon auf dem Zubehörschuh wird die M50 zum kompakten Bild- und Tonaufzeichnungsgerät.

Es hat seine Zeit gedauert, bis man sich bei Canon durchgerungen hat, auch günstigere Kameras mit 4K/UHD-Video auszustatten. Die M50 macht den Anfang und bietet UHD-Video mit 3840 x 2160 Pixel bei maximal 25 Bildern pro Sekunde. Dazu muss per Wählrad auf das Filmkamera-Symbol gedreht werden, sonst wird beim Drücken auf die separate Videotaste nur in Full-HD mit 1920 x 1080 Pixel gefilmt.

Wer mit der M50 filmt, wird eine deutliche Ausschnittsvergrösserung feststellen. Zum Crop-Faktor des APS-C-Sensors kommt bei 4K/UHD-Video noch ein weiterer Faktor von ca. 1,56 hinzu. Das ergibt eine Brennweiten-Verlängerung von gut 2,5 – was Filmen im Weitwinkel beinahe verunmöglicht. Das 11-Millimeter-EOS-M-Weitwinkelobjektiv wird so beim Filmen zum 28er.

Vom eingebauten digitalen Movie-Bildstabilisator der M50 lässt man am besten die Finger, denn dieser verlängert den Crop nochmals um 1,75, mit erweitertem Stabilisator sogar um 2,2!

Nur bei der «manuellen Videobelichtung» darf der Kameramann die Blenden-, Verschlusszeiten- und ISO-Einstellungen manuell vornehmen, sonst wird vollautomatisch belichtet. Es gibt leider keine Zwischenstufen wie Programm-, Zeit- oder Blenden-Automatik. Auch Motivprogramme sind beim Filmen nicht wählbar.

Dafür darf die Tonaufnahme auch von Hand ausgesteuert werden. Ein Filter gegen Windgeräusche und eine Dämpfung gegen Übersteuerung stehen ebenfalls bereit. Das sind dann schon professionelle Eigenschaften. Gut auch der Anschluss für ein externes Mikrofon. Schade hingegen das Fehlen einer Kopfhörerbuchse zur Tonkontrolle.

Wieder professioneller ist das Einblenden eines Histogramms, wählbar als Helligkeit oder RGB, und einer Wasserwaage zur Bildkontrolle. Gar nicht professionell hingegen: Sobald die Aufnahmetaste gedrückt wird, verschwinden die Anzeigen wieder. Dann, wenn man sie am nötigsten gebraucht hätte! Hier kommt wohl der Bildprozessor an seinen Anschlag.

Der grösste Fauxpas von Canon – meiner Meinung nach – ist das Fehlen des Dual-Pixel-CMOS-AF beim Filmen in 4K/UHD. Hier werkelt nur noch ein Kontrast-Autofokus, der sich zwar alle Mühe gibt, aber bei Schnelligkeit und Präzision, vor allem bei ungünstigen Lichtverhältnissen, einfach nicht an Dual-Pixel heranreicht.

Das ist schade, weil der APS-C-Sensor auch beim Filmen in 4K/UHD schöne und stimmige Aufnahmen mit kräftigen Farben liefert, wobei die knackige Schärfe wohl nicht jedermanns Sache ist und manchmal etwas zu stark ins künstlich Digitale geht.

Die Einstellmöglichkeiten beim 4K/UHD-Filmen müssen grösstenteils selber ausprobiert werden. Im deutschen Leitfaden zur M50 ist nur zu lesen: «Ausserdem stehen einige Funktion eventuell nicht zur Verfügung». Es steht wirklich «Funktion» dort, nicht Funktionen. So, weg von den Kleinigkeiten und hin zu den Beispielen.

Trotz Fehlen der Dual-Pixel-Unterstützung beim Fokussieren im nicht besonders hellen Restaurant haben mich die Aufnahmen positiv überrascht. Sie weisen erstaunlich wenig Bildrauschen auf, zeigen sehr natürliche Farben und bringen damit die Vorteile des grossen APS-C-Formats gut zur Geltung.

Bei der Schuhmacher-Sequenz kurz vor Video-Ende hat der AF zu wenig Kontraste im Bild, und der Kopf wird unscharf wiedergeben. Beim Ententeich sind zwar genügend Kontraste vorhanden, die Motive bewegen sich jedoch schnell und unregelmässig. Ist nur ein Motiv vorhanden, funktioniert auch die Schärfenachführung (Servo-AF) der M50 ziemlich gut. Kommen dann zusätzliche Motive ins Bild, gibt's Probleme. Hier hilft oft nur ein Fingertipp aufs gewünschte Motiv am Display, um dem AF wieder auf die Sprünge zu helfen.

Oder man stellt manuell scharf, vor allem, wenn man gezielte Schärfe-Verlagerungen beabsichtigt. Wie etwa bei den Aufnahmen der gelben Waldblumen.

Schön wäre es auch, wenn Canon die maximale Framerate bei 4K/UHD auf 30 Bilder pro Sekunde aufbohren würde. Denn auch im NTSC-Modus ist bei 24 fps Schluss. Bei Full-HD-Video sind hingegen 60 und 50 fps möglich. Die maximale Dauer einer ununterbrochenen Videoaufnahme beträgt generell 30 Minuten. Wer viel in 4K/UHD filmt, sollte unbedingt einen Ersatz-Akku bereithalten, denn die M50 ist dann sehr energiehungrig.

Das Auslesen einzelner Fotos aus einem 4K/UHD-Video ist bei der Wiedergabe möglich. Es wird dann ein rund 8 Megapixel grosses Einzelbild als JPEG-Datei gespeichert.

Alles klar bis ISO 6400

Qualität oder Quantität: Der Benutzer darf bei der EOS M50 zwischen verschiedenen Komprimierungseinstellungen für JPEG- und Raw-Aufnahmen wählen.Qualität oder Quantität: Der Benutzer darf bei der EOS M50 zwischen verschiedenen Komprimierungseinstellungen für JPEG- und Raw-Aufnahmen wählen.

An der Kamera hatte ich meistens das Canon 18–55-mm-Zoomobjektiv (EF-M 18–55mm f/3.5-5.6 IS STM). Auf Kleinbildformat umgerechnet deckt es einen Brennweitenbereich von 29–88 mm ab. Damit ist es sowohl für Landschaften wie auch für Portraits geeignet und ideal für unterwegs. Es fokussiert sehr schnell beim Fotografieren und der Bildstabilisator unterstützt verwacklungsarme Aufnahmen.

Der Bildsensor der EOS M50 liefert eine maximale Fotogrösse von 6000 x 4000 Pixel im 3:2-Format. Das Bildformat kann auf 4:3, 16:9 oder 1:1 umgestellt werden. Neben JPEG nimmt die M50 auch im 14-Bit-Raw-Format auf, das in der neusten Canon-Variante CR3 gespeichert wird. Eine neue, Speicherplatz sparende C-Raw-Option steht ebenfalls zur Auswahl.

Die Bilder aus der Kamera kommen in den Canon-typischen kräftigen Tönen mit hohem Detailreichtum und natürlicher Farbdarstellung daher. Dies jedenfalls in der Bildstil-Einstellung «Standard». Die verschiedenen Stile dürfen in Schärfe, Kontrast, Sättigung und Farbton angepasst werden.

Bei den Beispielfotos aus Marrakesch war die automatische Belichtungsoptimierung der Kamera auf Standard eingestellt und im Programm-Modus «M» ganz ausgeschaltet. Da wir es zum Teil mit sehr grossen Helligkeitsunterschieden zu tun hatten, wurde dort die Tonwertpriorität auf «D+2» erhöht, um noch eine einigermassen gute Zeichnung in den hellen Bildbereichen zu erlangen. Nützte auch dies nichts mehr, half nur noch eine HDR-Aufnahme weiter, zusammengestellt aus mehreren Bildern.

Die EOS M50 zeigt einen sehr guten Dynamikumfang, vor allem bei ISO-Werten um 200. Ein Bildrauschen ist bis ISO 6400 kaum auszumachen. Die Bildinhalte werden klar und detailliert dargestellt. Bei ISO 6400 ist bei 100-prozentiger Betrachtung in dunkeln Bereichen schon etwas Helligkeitsrauschen erkennbar, aber farbige Artefakte oder bunte Pixelsprenkel sind nicht vorhanden beziehungsweise kaum wahrnehmbar. Dadurch wirkt das Rauschen natürlich und stört kaum. Erst in den obersten ISO-Einstellungen wirken die Entrauschungs- und Glättungsfilter der Kamera und verschleifen dann die Kanten.

Chromatische Aberrationen werden von der M50 relativ gut herausgerechnet, sind jedoch bei einer 1:1-Darstellung an besonders extremen Hell-Dunkel-Übergängen als typische grüne und rote, bzw. blaue und gelbe Farbsäume erkennbar. Dies sieht man jedoch nur beim «Pixel-Peeping» in vergrösserter Ansicht. In Standard-Grössen ausgedruckt oder am Bildschirm betrachtet konnten die Fotos durchwegs überzeugen.

Viele Bilder aus den Souks und im «Bahia Palais» enthalten intensive Licht- und Schattenbereiche, die von der M50 recht natürlich wiedergegeben wurden. Dort, wo das menschliche Auge keine Strukturen mehr erkennen konnte, sind sie auch auf den Fotos nicht mehr vorhanden.

Alle Beispielbilder stammen direkt und unverändert aus der EOS M50, lediglich die Grösse wurde reduziert. Die Brennweiten-Angaben sind auf das Kleinbild-Format (35 mm) umgerechnet.

Bluetooth und WiFi

Die EOS M50 lässt sich mit der App Camera Connect von Canon mit iOS- und Android-Mobilgeräten verbinden. Eine Bluetooth-Verbindung mit konstant niedrigem Energieverbrauch ermöglicht die Fernauslösung, den einfachen Wechsel zur WLAN-Verbindung für Live-View-Aufnahmen sowie für das automatische Übertragen von Fotos und Videos auf Mobilgeräte, um sie via soziale Medien zu teilen oder in der Canon-Cloud zu speichern.

Die EOS M50 ist zudem die erste EOS-M-Kamera, die von der Canon EOS Utility zur Fernsteuerung unterstützt wird. Zum Beispiel für «tethered shooting», dem Fotografieren vom angeschlossenen Rechner aus.

Fazit

Wegweiser: Mit der EOS M50 zeigt die Firma Canon, wohin ihre Reise im Bereich spiegelloser Einsteiger-Kameras in Zukunft gehen wird.Wegweiser: Mit der EOS M50 zeigt die Firma Canon, wohin ihre Reise im Bereich spiegelloser Einsteiger-Kameras in Zukunft gehen wird.

Die Markteinführung der spiegellosen Canon EOS M5 vor gut eineinhalb Jahren wurde zwar von der Branche wahrgenommen, ging jedoch grösstenteils am Zielpublikum vorbei. Diesmal rührt das Unternehmen die Werbetrommel viel kräftiger, um die M50 als DIE spiegellose Canon-Kamera ins Bewusstsein zu bringen. Motto: «You deserve perfection», du verdienst Perfektion.

Tatsächlich hat Canon bei der EOS M50 vieles gut gemacht, aber auch einiges sträflich vernachlässigt. So ist sie für eine Einsteiger-Kamera im APS-C-Format ausserordentlich umfangreich ausgestattet und bringt beim Fotografieren sehr gute Resultate.

Im Videobereich gibt es endlich auch 4K/UHD bei Canons spiegellosen Systemkameras. Die bewegten, hochaufgelösten Bilder können qualitativ auch hier überzeugen, doch stören vor allem der fehlende Dual-Pixel-Autofokus und die Crop-Faktoren, welche Weitwinkel-Aufnahmen fast unmöglich machen. Ich denke, die Gründe dafür liegen weniger im technischen Bereich als vielmehr in der Abgrenzung zu der Spiegelreflex-APS-C-Riege und dem Camcorder-Sektor im eigenen Haus.

Canon befindet sich hier in einer Zwickmühle. Sie hätte mit der preisgünstigen EOS M50 die einmalige Chance gehabt, dank Dual-Pixel-AF viele spiegellose Kameras der Mitbewerber beim automatischen Scharfstellen alt aussehen zu lassen.

Durch ihr handliches und sehr kompaktes Format ist die M50 eine ideale Reise- und Immer-dabei-Kamera. Dank optionalem EF-EOS-M-Adapter, der die Kompatibilität mit über 80 Canon-Wechselobjektiven gewährleistet, wird sie auch als Zweitkamera für viele Canon-Objektiv-Besitzer interessant.

Gedanken bei der Rückreise im Flugzeug über Casablanca: Wenn Canon einzelne Ungereimtheiten noch ausbügelt, könnte die EOS M50 der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, äh ... Erfolgsserie an spiegellosen APS-C-Kameras werden.

Steckbrief
Modell:
EOS M50
Profil:
Sehr kompakte, spiegellose Einsteiger-Systemkamera mit 24 Megapixel APS-C-Sensor, elektronischem Sucher und ausklappbarem Touch-Display. Einfache Bedienung trotz vielen Einstellmöglichkeiten. Etwas eingeschränkte 4K/UHD-Video-Funktionen.
Pro:
Kompaktes, leichtes Gehäuse
Flexibler Touch-Screen
Sehr gute Bildqualität
Schneller Dual-Pixel AF bei Fotografie und HD-Video
Einfache Bedienung
Umfangreiche Funktionen
Mikrofon-Anschluss
Contra:
Bedienung für grosse Hände
Kein Dual-Pixel AF bei 4K/UHD-Video
Crop-Faktor bei 4K/UHD-Video und digitalem Bildstabilisator
Keine Kopfhörerbuchse
Akkuverbrauch
Preis:
600.00 CHF
Hersteller:
Canon
Jahrgang:
2018
Masse:
116.3 x 88.1 x 58.7 mm
Gewicht:
0.387 kg
Farbe:
Schwarz und Weiss
Auflösung:
24.1 Megapixel effektiv
Bildsensor:
APS-C CMOS-Sensor, 22.3 x 14.9 mm
Datenformat:
JPEG, RAW, MP4
Digitalzoom:
nein
Empfindlichkeit ISO:
100 - 25'600, erweiterbar auf 51'200
LCD Monitor:
7.5 cm (3.0 Zoll), Touchscreen TFT-LCD, aufklapp- & ausschwenkbar
Pixel:
1.04 Millionen Pixel
Schnittstelle:
Micro-USB 2.0, Micro-HDMI, Mikro, NFC, Bluetooth, WLAN
Speichermedien:
SD/SDHC/SDXC-Speicherkarten
Verschlusszeit:
1/4000 - 30 Sek., Bulb
Videoaufnahme:
4K/UHD 24, 25p; Full-HD 50, 60p; HD 100, 120p
Onlinefassung: https://www.avguide.ch/testbericht/mirrorless-in-marrakesch-kurztest-aps-c-systemkamera-canon-eos-m50
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