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Gütesiegel BBC

Cello Concerto von Elgar und Tchaikovaky

Diese, als Hi-Res-Download erhältliche Harmonia Mundi–Aufnahme, die 2012 in den BBC Maida Vale Studios in London getätigt wurde, ist das Resultat einer Zusammenarbeit von Harmonia Mundi, dem BBC Radio 3 und dem BBC Sinfonieorchester.

Von Hans Jürg Baum · 15. Februar 2014
Cello Concerto Jean-Guihen Queyras, cello mit BBC Sym. Orchestra unter Jiri Belohlavek.Cello Concerto Jean-Guihen Queyras, cello mit BBC Sym. Orchestra unter Jiri Belohlavek.

Wie aus dem Nichts und mit geradezu sphärischem Klangtimbre erscheinen die Streicher des BBC Sinfonieorchesters und werden sanft von Holzbläsern wie Klarinetten, Oboen, Flöten abgelöst. Dann wiederum übernehmen die Streicher mit einem Pizzicato, das meinen Piega Coax-Bändchen das Letzte in Sachen Feinzeichnung abfordern.

Der Wiederhall an den Wänden des grossen Konzertsaales des nun folgenden Waldhornsolos, ermöglichen dem Gehör eine eindeutige Positionierung des klar im Hintergrund sitzenden Musikers. Die Tiefenstaffelung der Klangbühne, auch ohne Surround und 7.1,  ist schlicht umwerfend. Der Klang ist völlig von den Boxen gelöst und steht dreidimensional und in scheinbar voller Grösse bei mir im relativ kleinen Abhörraum.

Und nach diesen einleitenden Passagen, kommt der grosse Moment, wo der Frosch ins Wasser rennt - sorry, wo der eigentliche Solist, Jean-Guihen Queyras, die Bühne betritt und mit seinen Kantilenen – sprich dem eigentlichen Thema dieser Variationen - die Führung des musikalischen Geschehens mit einem Cello-Klang der Superlative übernimmt.

Die Rede ist hier von einer als Hi-Res-Download erhältlichen Harmonia Mundi–Aufnahme, die 2012 in den BBC Maida Vale Studios in London getätigt wurde. Diese Aufnahme ist das Resultat einer Zusammenarbeit von Harmonia Mundi, dem BBC Radio 3 und dem BBC Sinfonieorchester.

Das Album umfasst Werke von Elgar (Cello Concerto, Op. 85), Tschaikovsky (Rokoko Variationen Op. 33), Dvorak (Rondo Op.94) und Klid (Silent Woods Op. 68/5). Der Cellist Jean-Guihen Queyras wird vom BBC Symphony Orchester unter der Leitung von Jiri Belohlavek begleitet.

Der Schock

Obwohl dieses Album mit dem Cello Konzert von Elgar beginnt, habe ich hier meine Schwelgerei mit einem meiner Lieblings-Cello-Werke, den Rokoko-Variationen Op.33 von Tschaikowsky gestartet. Ja, dieses Album mit Cello-Werken von Elgar, Tschaikovsky und Dvorak hat es in sich. Und so himmlisch klingen halt ausschliesslich allerneuste High Resolution Aufnahmen, ist doch klar. Doch dann Schock und Schwerenot. Was sehen meine Augen auf dem Display des Nirvana Plus Players: Samplingfrequenz: 44,1 kHz!

Das darf doch nicht wahr sein! Da muss wohl ein Fehler vorliegen. Und das entspricht so ganz und gar nicht dem Gehörten.

Das mit der Samplingfrequenz

Also wird weiter ermittelt und festgestellt: Das Format ist tatsächlich Flac mit der auch bei der CD benutzten Samplingfrequenz von 44,1 kHz. Doch die Samplingfrequenz definiert in einem digitalen Audio-System ja nur wie viele male das analoge Signal pro Sekunde betrachtet und die Werte notiert werden. Damit wird auch die maximale, obere Grenzfrequenz definiert. Und die liegt ungefähr in der halbierten Samplingfrequenz - minus ein Paar Zerquetschte - also hier bei rund 20 kHz.

Das sollte ja eigentlich genügen, denkt man. Doch Kritiker sagen, dass ein Filter, welches das Audioband oberhalb 20 kHz steilflankig (!) beschneiden muss (um störende Oberwellen fernzuhalten) schädliche Auswirkungen auch auf den gut hörbaren Bereich haben kann. Sagen die Kritiker.

Dann diese Bits

Doch die Abtastfrequenz ist hier nur die halbe Miete, wichtig ist auch die Pegelauflösung oder Quantisierung, welche in Bits angegeben wird. Nicht wenige Fachleute behaupten, dass die Bitzahl für das Gehör weit wichtiger sei als die Samplingfrequenz. Gerade bei leisen Passagen sorgt die höhere Bitzahl für eine feingliedrigere Auflösung. Wollen Sie einen Wandler oder CD-Spieler testen, müssen Sie Musikstücke mit möglichst geringem Pegel hören.

Der Unterschied von einer CD-typischen 16 Bit- zu einer Hi-Res-24 Bit-Aufnahme ist ganz beträchtlich. Man rechne: Die Auflösung der Lautstärkeunterschiede beträgt bei 16 bit : 2 hoch 16 = 65'536 unterschiedliche Lautstärkewerte. Bei 24Bit heisst es dann: 2 hoch 24 = 16'777'216 verschiedene Lautstärkewerte.

Und zwischen rund 65 Tausend und 16 Millionen sind rein zahlenmässig doch grosse Differenzen. Wie sich das klanglich bemerkbar macht, ist natürlich eine andre Sache.

Doch lassen wir das mal und nehmen zu Kenntnis, dass sich das hier vorliegende Format "Flac 44,1/24" nennt.

Romantischer Klang

Tatsache ist, dass hier nicht nur die Musik, sondern auch das Klangtimbre dieser romantischen Cello-Werke echt „romantisch“ anmutet. Sie strahlen Wärme aus, bleiben immer rund, angenehm, werden nie grell und klingen trotzdem griffig. Das Cello nervt nicht durch unangenehme Kratzgeräusche, wie bei Aufnahmen mit zu nah platzierten Mikrofonen.

Das Solo-Cello erscheint mit einer natürlichen Distanz zum Hörer. Es hebt sich sehr schön vom Orchester ab und kann sich aber auch homogen in den Gesamtklang einschmiegen. Auch wenn es abgedroschen und blöd klingt, irgendwie klingt's eben „analog“ und nicht steril-grell „digital“, um wieder mal alte Klischees aus der verstaubten Truhe zu holen.

Schwärmen darf man auch von der Interpretation, die kaum Grund zu irgendwelchen Unkenrufen gibt.

Fazit

Dieses Album bietet für Cello-Freunde nicht nur musikalisch gesehen absolute Höhepunkte. Neben den Musikern bekommen sowohl der Produzent Martin Sauer als auch Tonmeister René Möller vom Teldex Studio Berlin absolute Bestnoten.**

Womit bewiesen wäre: Auch Aufnahmen mit „lediglich“ 44.1 kHz Samplingfrequenz, aber hoher Bitzahl können absolut hervorragend klingen.

Steckbrief
Interpret:
Jean-Guihen Queyras, BBC Symphony Orchestra
Albumtitel:
Elgar: Cello Concerto, Op. 85 / Tchaikovsky: Rococo Variations Op. 33 / Dvorak: Rondo Op.94, Klid [Silent Woods] Op. 68/5
Komponist:
Elgar, Tchaikovsky und Dvorak
Herkunft:
England
Label:
Harmonia Munid
Erscheinungsdatum:
2013
Spieldauer:
1:00:42
Bestellnummer:
HMC902148
Medium:
FLAC 44,1/24
Musikwertung:
9
Klangwertung:
9
Download:
http://www.highresaudio.com/artist.php?abid=136040
Bezugsquellen
Onlinefassung: https://www.avguide.ch/musikrezension/guetesiegel-bbc-cello-concerto-von-elgar-und-tchaikovaky
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