Nagra feiert sein 75-jähriges Bestehen mit einem Doppelalbum. Die «Nagra 75th Anniversary Collection» wird von Audio Technology Switzerland präsentiert, der heutigen Nagra-Firma, und erscheint im Oktober als Doppel-LP, als UHQCD, als HiRes-Download sowie auf Tonband. Die Idee ist nicht neu. Schon zum 70-Jahr-Jubiläum gab es 2022 ein entsprechendes Album.
Ausgewählt wurden die Aufnahmen laut Nagra nach Musik, Klang und Geschichte. Die Auswahl reicht von Jazz über Filmmusik bis zu Klassik.
Am Anfang stand ein Student der EPFL. Stefan Kudelski entwickelte ab 1950 im Haus seiner Eltern in Prilly einen tragbaren Tonbandrecorder, 1951 kam der Nagra I auf den Markt. Der Name ist polnisch und bedeutet «es wird aufnehmen». Nagra-Recorder prägten danach Film und Fernsehen, Kudelski erhielt dafür 1966 eine Academy-Award-Plakette. Seit 2012 gehört Nagra zur Familienfirma Audio Technology Switzerland in Romanel bei Lausanne.
Montreux 1991
Im Zentrum des Albums stehen zwei Stücke vom Montreux Jazz Festival 1991. Miles Davis und Quincy Jones standen dort zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne, wenige Monate vor Davis' Tod. Mit dabei waren Davis' Quartett, das Gil Evans Orchestra und die George Gruntz Concert Jazz Band.
Für das Album entstanden im Nagra-Studio neue Mischungen von «Boplicity» und «The Maids of Cadiz», direkt aus der originalen 48-Spur-Aufnahme. Gemischt haben Matthieu Latour, Live-Aufnahmetechniker bei Nagra, und René Laflamme vom kanadischen Label 2xHD, bei dem das Album erscheint. Die Fotos von Miles Davis stammen von Édouard Curchod.
Mehrere der übrigen Stücke hat Laflamme selbst aufgenommen. John Williams' «Raiders March» und «Hedwig's Theme» spielte das Orchestre FILMharmonique unter Francis Choinière, laut Nagra eingefangen mit nur zwei batteriebetriebenen Neumann-M50-Röhrenmikrofonen. Dazu kommen Bill Evans, Sonny Rollins und Emilie-Claire Barlow. Die Sopranistin Monique Pagé singt mit dem Chœur Radio Ville-Marie die Einleitung zu Théodore Dubois' «Les sept paroles du Christ», der Cellist Stéphane Tétreault und die Harfenistin Valérie Milot spielen mit Noémie Raymond Saint-Saëns' «Le cygne». Insgesamt sind es 13 Stücke auf vier LP-Seiten.
Vier Formate
Die Doppel-LP aus 200-Gramm-Vinyl läuft mit 45 Umdrehungen pro Minute. Geschnitten hat sie Chris Bellman bei Bernie Grundman Mastering, gepresst wurde sie bei Le Vinylist in Québec. Die UHQCD ist nummeriert und in Japan gefertigt. Den Download gibt es bis DSD256.
Das Tonband ist auf 100 nummerierte Exemplare begrenzt. Laflamme hat es auf Band vom Typ RTM SM900 mit Nagra IV-S kopiert. Geliefert wird es auf zwei 10,5-Zoll-Spulen aus Aluminium in den Nagra-Farben Rot und Silber, mit 15 ips (38 cm/s) in Viertelzoll-Zweispur, wahlweise mit CCIR- oder NAB-Entzerrung.
Preise und Termine
Erhältlich ist das Album laut Nagra über Händler und auf Messen. Preise in Franken nennt Nagra nicht. Der britische Händler The Sound of Tape verlangt GBP 79.95 für die Doppel-LP und GBP 34.95 für die UHQCD. Das Tonband kostet beim Label 2xHD USD 995. Der Download der 70-Jahr-Sammlung erschien bei NativeDSD, der neue wird dort ebenfalls erwartet. Zu Qobuz oder anderen Plattformen gibt es noch keine Angaben.
Am 17. und 18. Oktober zeigt Nagra zudem seinen neuen Verstärker AMP II-S erstmals öffentlich, an «The Happening» von Absolute Sounds im Haycock Manor Hotel bei Peterborough. Näher liegt das nächste Open House bei Nagra in Romanel, geplant im April 2027. Die Anmeldung läuft über das Kontaktformular auf nagraaudio.com.
avguide.ch meint
Für Sammler ist die Nagra 75th Anniversary Collection ein audiophiles Highlight, vor allem auf Tonband. Wir werden uns wohl selbst ein Exemplar bestellen.



