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Publikationsdatum
15. September 2000
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Mit Verspätung wurden im März 1999 die Standards für die DVD-Audio verabschiedet. Verantwortlich für dieses zeitliche Hinausschieben war die Musikindustrie, die einen effektiven Kopierschutz realisiert sehen wollte, um die Schlappen und Umsatzeinbußen, die ihnen MP3 und CD-Brenner verpasst haben, auf keinen Fall ein zweites Mal zu erleiden.

Startschuss für die neue Disc

Im Herbst 1999 wurden die DVD-Audio Spieler vom Weihnachtsmarkt wieder zurückgezogen als zwei Jugendliche im Internet den Schlüssel für den Kopierschutz der DVD veröffentlichten. In der Zwischenzeit wurde eine von der Softwareindustrie weitgehend akzeptierte neue Lösung gefunden.

Kompatibilität

Ob ein bestehender DVD-Video Spieler die DVD-Audio abspielt, ist jedoch von einigen Faktoren abhängig, da die DVD-Audio per se nicht kompatibel ist zu bestehenden DVD-Spielern. Nur wenn es sich um eine sogenannte DVD-AudioV mit zusätzlicher Videospur handelt, wird die Disc von einem DVD-Video Player akzeptiert. Auf die Videospur lassen sich Audiodaten gemäss der DVD-Video Spezifikation speichern. Da die meisten Softwarefirmen Interesse an einer breiten Verbreitung ihrer DVD-Audio haben dürften, bestehen berechtigte Hoffnungen, dass kaum ein Anbieter zu Beginn auf diese Möglichkeit verzichten wird.

Alle DVD-Audio Player werden sowohl die DVD-Video als auch die CD abspielen können. Philips entwickelt momentan ein SACD-Laufwerk, das auch DVD-Audio Disks wiedergeben kann. Bereits ist mit dem Pioneer DV-AX 10 ein Multifunktionaler Spieler auf dem Markt der sämtliche Disks von der CD über DVD-Video/Audio bis zur SACD akzeptiert.

Flexibles Format

Der grosse Pluspunkt der DVD-Audio ist ihre Flexibilität. Die Spezifikation erlaubt eine Samplingfrequenz von 44.1 bis 192 kHz und eine Bitbreite von 16 bis 24 Bit. Der maximale Datendurchsatz beträgt 9.6 Mb/s. Nun darf fleissig gerechnet werden, um alle möglichen Kombinationen in den unterschiedlichsten Spielzeiten zu eruieren. Die Palette reicht von 100 Minuten Stereo in maximaler Audioqualität 24bit/192kHz bis zu 35 Stunden im datenreduzierten AC-3 Format. Mit mehrschichtigen Disks verzwei- bzw. vervierfachen sich die Spielzeiten.

Ob die höhere Samplingfrequenz wirklich einen Klanggewinn bringt, ist gerade unter den deutschen Tonmeistern umstritten, während die angelsächsische Tonmeisterzunft hier kaum Fragezeichen setzt. Nicht vergessen sollte man aber auch, dass das Formate mit Abtastraten bis zu 192 kHz, die technischen Möglichkeiten der momentanen Studiotechnik übersteigen.

Eine zusätzlich erhöhte Datendichte erreicht man dank dem in letzter Sekunden in den Standard implementierten "Meridian Lossless Packing" Komprimierungsverfahren, kurz MLP genannt. Dank MLP können auch Mehrkanalaufnahmen im 24/192-Format ohne Datenverluste auf die DVD gebracht werden. Interessanterweise sieht man inzwischen 80 kHz als minimale Formatbandbreite für eine kompromisslose Audiowiedergabe an, daher die hohe Samplingfrequenz von 192 kHz (die Bandbreite ergibt sich aus der Halbierung der Samplingfrequenz). Bösartig könnte man anführen, Vinylfans wussten das schon immer...

AudiowegeKonfugurationSingle layerDual layerSingle layerDual layer
ohne MLPmit MLP
2 Kanäle48kHz, 24bits, 2ch258 min469 min344 min622 min
2 Kanäle192kHz, 24bits, 2ch64 min117 min86 min155 min
6 Kanäle96kHz, 24bits, 6ch43 min78 min74 min133 min
5 Kanäle (Formate)96kHz, 24 bits, 3ch + 48kHz, 24 bits, 2ch64 min116 min111 min201 min

Eine MultimediaDisc

Die grosse Speicherdichte erlaubt auch Multimedia-Anwendungen
Die grosse Speicherdichte erlaubt auch Multimedia-Anwendungen
Die DVD-Audio ist jedoch nicht nur für die hochauflösende audiophile Musikwiedergabe gedacht, der kleine Kundenmarkt mit kritischen Ohren bietet zuwenig Aussischt auf Rendite und im angelaufenen 21. Jahrhundert muss man sich damit anfreunden, das Multimedia und nicht High Fidelity das Schlagwort ist. In der Spezifikation der DVD-Audio sind daher alle datenreduzierten Formate wie AC-3, DTS, MPEG1 und MPEG2 vorgesehen. Auch für Zusatzdaten wurde reichlich Platz gelassen, so können Bilder oder Texte angezeigt werden, eine Menueführung per TV-Bildschirm ist ebenso möglich wie das Abspielen kurzer Videosequenzen. Die DVD-Audio zeigt somit klar Charakter einer Multimedia-Disk und das dürfte nicht ungewollt sein. Verspricht man sich doch so einen grösseren Nutzen und Verbreitung der Disk.

Für die Zukunft wird eindeutig die Multichannel Audiowiedergabe anvisiert. Mit der DVD-Audio soll denn auch der Wechsel von Stereo zu Multichannel vollzogen werden. Multichannelaufnahmen werden mit einem festegelegten Algorhythmus während der Wiedergabe automatisch in Stereo konvertiert, falls die Disk auf einem Stereogerät abgespielt wird. Es können jedoch dank MLP auch ein 2-Kanal- und eine Sechskanalmix gleichzeitig auf eine DVD-Audio gespeichert werden.

Einer für Alle - der Universalplayer

Der DV-AX10 von Pioneer akzeptiert CD, DVD-Video, DVD-Audio und auch gleich die SACD
Der DV-AX10 von Pioneer akzeptiert CD, DVD-Video, DVD-Audio und auch gleich die SACD
Matsushita startet mit dem Panasonic DVD-A7 und dem Technics DVD-A10, JVC hat den XV-D723 in den Startlöchern. Pioneer zeigt sich wieder einmal innovativ zeigt und gleich den ersten Universal Player präsentiert. Der DV-AX10 akzeptiert CD, DVD-Video, DVD-Audio und auch gleich die SACD allerdings für den nicht unbescheidenen Betrag von knapp 10’000 Franken.

Allgemein ist zu erwarten, dass sich die Kombiplayer auf dem Markt durchsetzen werden. Nur so kann dem Kunden eine vernüftige und flexibe Lösung präsentiert werden, ohne dass er sich schon beim Kauf für eine bestimmtes Format, DVD-Audio oder SACD, entscheiden muss.




» zur Marktübersicht DVD-Audio Spieler

Fazit

Es wird interessant zu beobachten sein, ob sich die DVD-Audio im gleichen Tempo durchsetzen kann, wie Ihre Schwester aus dem Videolager. Ihrer Nähe zur DVD-Video und multimedialen Fähigkeiten sind ein grosser Pulspunkt für die DVD-Audio, da sie sehr vielseitig eingesetzt werden kann, sei es für audiovisuelle Präsentationen, zur Tonarchivierung oder auch nur als Hintergrundmusik mit extremer Spieldauer. Ein grosses Fragezeichen besteht, ob die Musikindustrie die DVD-Audio mit der Veröffentlichung einer breiter Titelpalette wirklich tatkräftig unterstüzen wird.
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