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Publikationsdatum
9. November 2009
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Früh am Morgen geht es ohne Stau durch den Gotthardtunnel. Das Ziel ist der Comersee, wo wir dem Hobby Windsurfen frönen möchten. Doch erst die Arbeit, dann das Vergnügen! Zunächst ist ein Besuch bei Martin Dürrenmatt und seiner Frau Mieko, ihres Zeichens professionelle Violinistin, angesagt. Wie sich jedoch bald schon nach dem Halt in Morbio Infe­riore - einem Vorort von Chiasso - herausstellt, wird aus der Arbeit ein Vergnügen - das Hobby mit dem Beruf verknüpft.

Made in Morbio Inferiore

Es gibt viel zu besprechen, zu sehen und zu hören. Immerhin hat Martin Dürrenmatt wieder einmal etwas ganz Besonderes ausgeheckt: Einen kompakten Regal-Lautsprecher mit Heil-­Air-Motion-Hochtöner, den ich unbedingt anhören will. Dürrenmatts Reich ist in einem ehemaligen Textil­fabrikgebäude zu finden. Hier hat er sein Büro, die Produktions- und Servicewerkstätten sowie das Lager untergebracht. Insgesamt werden fünf Personen beschäftigt. Neben der Eigenproduktion der Heil-A.M.T.-Lautsprecher, der MDM-Hifi-Kabel und der Ergo-Kopfhörer erfolgt der Service an den legendären Jecklin-Float-Kopfhörern. Zudem importiert man Marken wie Primare (komplettes Highend-Programm inklusive Mehrkanalsystemen aus Schweden), Copland (Röhrenverstärker, -CD-Spieler), Sugden (Class-A-Verstärker und -CD-Player aus England) sowie Tonabnehmer von Garrott (Australien) und Nagaoka (Japan).

Klingender Vorhang

Sowohl die Heil-A.M.T.-Lautsprecher wie auch das Spitzenmodell der Ergo-Kopfhörer enthalten spezielle Schallwandler, nämlich den Air Motion Transformer, den Dr. Oskar Heil - übrigens auch Erfinder des Feldeffekt-Transistors - vor Jahrzehnten schon kreiert hat. Das Prinzip des Heil-A.M.T.-Schallwandlers beruht darauf, dass sich hier die Falten einer vorhangähnlich gewellten Membran im Takte des Signals zusammenziehen und ausweiten. Dadurch wird die Luft fünfmal schneller aus den Falten gepresst, als sich die Membran selbst bewegt. Diese Transformation bewirkt ein exzellentes Impulsverhalten. Die Heil-Systeme sind denn auch bekannt für ihre aus­gezeichnete Klangdefinition.
Die Membranen der Heil-A.M.T-Systeme sind vorhang-ähnlich gewellt. Die Luft wird fünfmal schneller aus den Falten gepresst als sich die Membran selbst bewegt.

Von Lautsprechern und Kopfhörern

Martin Dürrenmatt demonstriert mir nun das gesamte Heil-A.M.T.-Lautsprecherprogramm, bestehend aus dem Spitzenmodell Kithara, der gros­sen kompromisslosen Standbox, der schlanken und eleganten Standbox Syrinx, der kompakten Aulos und der neuen Bookshelf, die zum Zeitpunkt unseres Besuchs gerade ihre Feinabstimmung erfuhr. Klanglich sind mir die drei erstgenannten Lautsprecher bestens bekannt: Ich schätze sie aufgrund ihres wohldefinierten, ausgewogenen und räumlichen Klangs. Gerade die Streicherwiedergabe - wie könnte es angesichts der Mitwirkung von Mieko Dürrenmatt bei der klanglichen Abstimmung auch anders sein - ist eine Klasse für sich. Aber auch bei impulsiven, jazzigen Tönen macht sich die perfekte Impulsverarbeitung positiv bemerkbar. Auch die Ergo-Kopfhörer unterscheiden sich von konventionellen Kopfhörern grundlegend. Hier wird der Schall nicht einfach in den Gehörgang gepumpt, sondern entsteht in einer gewissen Distanz vor dem Ohr, was zu einem natürlichen Klangbild ohne die gefürchtete Im-Kopf-Lokalisation führt. Während die Kopfhörer Ergo 1 und Ergo 2 dynamische Schallwandler haben, kommt im Ergo A.M.T. ein breitbandig arbeitendes Heil-System zum Einsatz.
Martin Dürrenmatt präsentiert seine Lautsprecher. V.l.n.r: Kithara, Syrinx, Aulos und Bookshelf

Fürs Büchergestell

Bisherige Heil-Lautsprecher musste man relativ frei platzieren, sie konnten nicht einfach ins Regal gestellt werden. Die neue Bookshelf soll nun diese Lücke füllen. Und jetzt bekomme ich den Newcomer endlich zu hören. Martin Dürrenmatt hat gerade einen neuen, noch besseren Tiefmitteltöner eingebaut, und es gilt diesen an das System anzupassen. Dies bewerkstelligt er mit ausführlichen Messungen und natürlich auch gehörmässig. Die nun folgenden Hörtests zeigen, dass es noch einiges zu tun gibt. Doch bereits jetzt ist herauszuhören, dass das neue Chassis einen besseren Tiefbass und erst noch einen höheren Wirkungsgrad hat. Das nennt man dann «de Föifer und s Weggli»! Auf die endgültige Version darf man dann ja mehr als gespannt sein.

Scheiden tut weh

Nach ausgiebigem Hören, Diskutieren und Fotografieren heisst es Abschied nehmen. Martin Dürrenmatts Hund Jiro wedelt zum Abschied freundlich mit seinem buschigen Schweif, und es wird mir klar: Das war ganz gewiss nicht mein letzter Besuch bei den Dürrenmatts .?.?.
Martin Dürrenmatt mit Hund Jiro vor der Produktionsstätte in Morbio Inferiore.
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