19. August 2018 | seit 1999
MAGAZIN
ARTIKEL
Publikationsdatum
17. März 2002
Themen
Drucken
Teilen mit Twitter
Anlässlich der traditionellen Hausmesse von Grundig in Kloten erläuterte Geschäftsführer Daniel Meili die aktuelle Strategie des Nürnberger Unternehmens. Technologisch zentraler Punkt ist das Home Intermedia System. Es verspricht eine kabellose Zukunft. Grundig will Bilder, Töne und Daten in wenigen Jahren an jeder gewünschten Stelle eines Hauses zugänglich machen. Aktuell sind die kabellose Tonübertragung und der Internetzugang über TV. In ein, zwei Jahren soll die kabellose Bild- und Tonübertragung und die Vernetzung mit dem Telefon Realität werden, und bis 2006 möchte Grundig den Übergang zur Home Intermedia Systemwelt abgeschlossen haben. Diese besteht aus dezentralen Bild- und Tonquellen mit mehreren im Haus verteilten Displays, auf denen jeweils alle Service-Angebote zur Verfügung stehen und ist modular erweiterbar.

Ausgangspunkt Fernseher

Grundig konzentriert sich auf das Entwickeln, Produzieren und Vertreiben von Fernsehern.
Grundig konzentriert sich auf das Entwickeln, Produzieren und Vertreiben von Fernsehern.
Basisgerät eines solchen Multimedia-System wird der Fernseher sein, ergänzt um HiFi, DVD, digitalem Festplattenrecorder, Internet. Anvisiert wird auch eine Vernetzung mit dem Auto und dem PC oder PDA. Grundig stellte als Systemteile das Teleweb, die neue Generation des Teletextes, und das Fernsehgerät Lenaro vor. Mit Teleweb wird das Abrufen von Informationen auf dem Fernseher lese- und benutzerfreundlicher als mit Teletext, da es Bilder, Grafiken und Animation enthält. Als erstes Seriengerät, bei dem der Teleweb-Standard implementiert ist, wurde der Lenaro 92 Flat vorgestellt. Er verfügt über einen Megatron-Flachbildschirm im 16:9-Format mit einer Bildschirmdiagonalen von 92 cm. Der Lenaro baut auf dem letztes Jahr eingeführten Digi 100-Chassis auf. Serienmässig integriert sind ein Dolby Digital 5.1-Decoder und ein DVD-Spieler.

Daniel Meili im Gespräch mit avguide.ch

Daniel Meili Geschäftsführer Grundig (Schweiz) AG
Daniel Meili Geschäftsführer Grundig (Schweiz) AG
Der Konzern hat im letzten Jahr seine Restrukturierungen und seine Produktionsverlagerungen abgeschlossen. In Nürnberg wurde die Produktion geschlossen, alles wird jetzt in Wien produziert. Diese Restrukturierungen hatten zur Folge, dass sich sämtliche finanziellen Aspekte entspannt haben. Seit letztem September/Oktober hat sich auch die interne Marktsituation verbessert. Dies hat damit zu tun, dass wir im Laufe des Herbsts begonnen haben, die ganze Lenaro-Produktepalette im Markt zu platzieren. So ergibt sich für uns auf dem Markt eine günstige Position, bei welcher der Durchschnittspreis der Grundig-Produkte steigt. Grundig hatte einen gewissen Rückgang in den Stückzahlen, aber der Gesamtumsatz hat sich sehr schön entwickelt. Grund: Die Produkte werden höherwertig. Die Produktepalette hat sich in den mittleren und oberen Segmenten ebenfalls angereichert. Wir haben früher als Spitze die Fine Arts-Linie gehabt, dann klaffte eine Lücke und darunter kamen die breiten Produkte, die aber keine Billigprodukte sind. Die behalten wir bei. Von den Billigprodukten hingegen werden wir uns langsam aber sicher distanzieren.

Grundig Strategie greift

Die Lücke zwischen Fine Arts als hochpreisiges Produkt und den mittleren Preissegmenten haben wir nun wieder aufgefüllt, womit wir jetzt in der Lage sind, dem Fachhändler ein sehr attraktives Produktesegment anbieten zu können, in welchem er auch wieder die höheren Wertsegemente bedienen kann. Dies hat zur Folge, dass wir im Fachhandel vor allem letztes Jahr unsere Marktanteile, gemäss IHA, wieder haben steigern können. Was uns ebenfalls freut ist, dass wir, trotz des zwölfprozentigen Rückganges des Marktes letztes Jahr, unsere Marktanteile haben steigern können. Das zeigt, dass unsere Strategie greift.

Highlight TeleWeb

Der Lenaro 92 Flat kommt serienmässig mit DVD-Spieler und Dolby Digital-Decoder.
Der Lenaro 92 Flat kommt serienmässig mit DVD-Spieler und Dolby Digital-Decoder.
Sehr stolz in der technischen Ecke sind wir von der Einführung des TeleWebs, welches die SRG ab 1. April 2002 "pushen" wird. Es ist ein neuer Auftritt des Teletextes, jetzt mit hochauflösender Grafik, wie man es vom Internet her kennt und mit Anbindung ans Web. Unser Flaggschiff, der Lenaro, ist bereits TeleWeb-fähig. Wir dürfen stolz behaupten, dass wir die Referenzanlage mit Teletext zusammen gemacht haben. Deshalb haben wir jetzt auch noch einen gewissen Vorsprung in diesem Bereich. TeleWeb ist ein sehr schönes Tool, das von der Pünktchengrafik wegkommt und jetzt den Fernseher voll ausnutzen kann. Das ist das Highlight, welches wir seit letzten Oktober am Einführen sind. Es sind also TeleWeb-taugliche Geräte. Man hat sie bisher allerdings noch nicht voll ausnutzen können, weil der Teletext noch nicht bereit war. Teletext ist jetzt so weit, und der Konsument soll im Laden bewusst danach fragen. Dann wird er auf die richtigen Produkte stossen.

Kabellose Übermittlung

Bei der Apollo 2000 legte Grundig den Grundstein für die kabellose Übertragungstechnik. Folgen werden Bild und Daten.
Bei der Apollo 2000 legte Grundig den Grundstein für die kabellose Übertragungstechnik. Folgen werden Bild und Daten.
Diese Art der Übermittlung haben wir beim Ton bereits bei der Apollo 2000 im letzten Sommer eingeführt. Es werden nun weitere Produkte folgen im Laufe dieses Jahres. Die kabellose Übertragung ist eine jener Marktstrategien, die wir über die nächsten 3 – 4 Jahren in allen Bereichen eingeführt haben wollen, und sie gilt für Bild, Ton und Daten in ganzen Vernetzungen im zukünftigen Heim. Das heisst, dass wir die Flexibilität zu Hause dann endlich Wahrheit werden lassen. Ich stelle meine Geräte dann dort auf, wo ich will. Das einzige, was ich bei der kabellosen Sache haben muss, ist Strom. Wir werden über die nächsten Paar Jahre alles mit kabellosen Komponenten lösen.

Thema Elektrosmog

Grundig wird mit den niedrigeren Werten, die zum Beispiel die bluetooth-Norm vorsieht, arbeiten, so dass der Elektrosmog, der von GSM mit höheren Wattzahlen aufgerührt wurde, vermieden wird. Wir arbeiten nicht mit diesen hohen Leistungen, da wir uns ja “in house” befinden. Demzufolge sind über 0,3 Watt keine Geräte in der Planung. Die weiteste Distanz, die wir haben werden, ist von der HiFi Anlage in die Garage. Dort geht es, symbolisch gesagt, durch 2 Mauern hindurch. Aber auch dort, so haben unsere Versuche gezeigt, kommen wir nie auf die Leistungen, die ein Handy braucht. Damit sollte dem Elektrosmog-Gedanken genügend Bedeutung beigemessen worden sein.

Der neue Trend

Der Fernseher wird zu einem Element, wie wir es vom Computer her kennen, natürlich ohne sämtliche Funktionsumfänge. Man übernimmt die Modalität und Verfahrensweise, die man vom Computer her kennt und bildet das im Fernseher mit ab. Seien das Hilfe-Funktionen, die nicht mehr über eine Bedienungsanleitung gehen, sondern direkt am Fernseher aufgerufen werden, dort wo ich es brauche. Das kann aber auch bedeuten, dass ein neuer Fernseher eine neue Software bedeutet und nicht eine neue Hardware.

Konzentration

„Infotainment“-Station mit gehobenen Bild- und Tondaten: die kompakte TV-Modellreihe Leemaxx„Infotainment“-Station mit gehobenen Bild- und Tondaten: die kompakte TV-Modellreihe Leemaxx
Grundig wird sich auf das Entwickeln, Produzieren und Vertreiben von Fernsehern konzentrieren und dazu Komplementärprodukte im Home-Intermedia-Bereich anbieten. Das sind HiFi-Anlagen, Klein-Audioanlagen und alles, was im Auto dazu gehört. Das Auto ist ein Stück Heim, ob wir das wollen oder nicht. Wir verbringen sehr viel Zeit im Auto. Deshalb gehört es bei Grundig auch zum Heimbereich.
Wir konzentrieren uns auch auf die Vernetzung dieser Produkte. Alle anderen Sachen werden wir entweder zukaufen, oder Empfehlungen aussprechen, was man alles daran anschliessen kann. Dort suchen wir Kooperationen und Partnerschaften mit allenfalls asiatischen Lieferanten. Wir haben nicht den Ehrgeiz, alles um jeden Preis selber machen zu müssen.
Wettbewerb