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Publikationsdatum
20. Mai 2001
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Anlässlich einer grossen Medienkonferenz Mitte Mai im Swissotel Zürich, bezeichnet Chris Wepfer von Warner Music Switzerland die neue DVD-Audio als "aufregendste Neuheit auf dem Tonträgermarkt seit der Einführung der CD vor fast 20 Jahren”. Ganz klar, dass Albrecht Gasteiner vom DVD-Forum Schweiz nicht fehlen durfte und routiniert eine - wie immer humorvolle und sehr informative - DVD-Show zum besten gab. Das Gewicht lag dieses mal natürlich nicht bei der bereits bestens bekannten DVD-Video, sondern beim neusten Spross der DVD-Familie, der DVD-Audio.

Demo mit Donnerknall

Albrecht Gasteiner startete seine Show effektvoll mit den Carmina Burana von Carl Orff, einem Werk das geradezu nach Raumklang schreit. Über fünf von kostspieliger Accuphase-Elektronik und einem Technics DVD A10 DVD-Audio-Video-Player angesteuerte B&W 805 Lautsprecher waren beeindruckende Klänge zu hören. In einem grossen Konferenzraum ohne besonders hergerichtete Akustik, dermassen highfidele Sounds zu hören, war wahrhaft ungewöhnlich.
Gasteiner, selbst auch Musikproduzent und Tonmeister, demonstrierte weiters, wie man von analogen Masterbändern aus den siebziger Jahren nicht nur Stereo-LPs und CDs herstellen, sondern auch hervorragend klingende fünf- bis sechskanal DVD-Audio-Discs realisieren kann. Beeindruckend zeigte dies Gasteiner anhand des Doors-Titels "Riders in the Storm” von 1971. Der Himmel wollte es, dass über dem Swissotel tatsächlich ein Gewitter tobte und sich ein unterschwelliges Donnergrollen bemerkbar machte, schon bevor Gasteiner seine Aufnahme startete. Anschliessend vermischten sich echter und virtueller 5.1-Donnerknall zu einem gigantischen Soundspektakel

Surround Sound ist Trumpf

Der Surround Sound ist für Albrecht Gasteiner das Wichtigste an der DVD-Audio, denn er ermöglicht es, die Raumakustik des Konzertsaales überzeugend auch in relativ kleine Stuben zu bringen. Eines der Bonmots Gasteiners: Fünf kleine Lautsprecher klingen besser als zwei kühlschrankgrosse Boxen. Zudem soll man mit fünf Kanälen wesentlich leiser hören können als in Stereo um denselben Musikgenuss zu haben. Selbstverständlich tragen auch andere Dinge wie die höhere Dynamik und die bessere Auflösung der DVD-Audio zum schöneren Klang bei.
Warner Musik bot zum Zeitpunkt dieser Einladung schon etwas über 20 DVD-Audio-Scheiben an. Darunter sind zu je 50% Pop- und Klassikaufnahmen zu finden. Bis zum Jahresende sollen es 100 werden. Eine dauernd aktualisierte Liste von erhältlichen und geplanten DVD-Audios findet man auf dem Internet unter DVD-Forum .
Zudem wurden an dieser Medienkonferenz alle auf dem Markt befindlichen DVD-Audio-Player, rund 20 an der Zahl, präsentiert. Dass DVD-Audio nicht einer audiophilen Elite vorbehalten sein soll demonstrierten Technics mit einem DVD-Audio-tauglichen Mini-System und Panasonic mit einem DVD-A Autoradio.
DVD-Audio auch für die breite Masse: DVD-Audio-taugliches Mini-HiFi-System Technics SC-HDA710DVD-Audio auch für die breite Masse: DVD-Audio-taugliches Mini-HiFi-System Technics SC-HDA710


Interview mit Albrecht Gasteiner

Gasteiner: DVD-Audio ist ein entscheidender Schritt in die Audio-Zukunft
Gasteiner: DVD-Audio ist ein entscheidender Schritt in die Audio-Zukunft
Hans Jürg Baum sprach anlässlich der Warner-DVD-Audio-Präsentation mit Albrecht Gasteiner

avguide: Schon lange spricht man von der DVD-Audio, doch sehr wenig ist bis jetzt passiert. Weshalb ist die Einführung der DVD-Audio verschlampt worden?

Gasteiner: Dass DVD-Audio nicht mit einem grossen Paukenschlag daherkommt liegt daran, dass die ganze Kopierschutzdiskussion, die vor einem Jahr vom Zaun gebrochen worden ist, zu Verunsicherungen in der Branche geführt hat. Die Sicherung der Autorenrechte von Komponisten, Textern, Interpreten und Produzenten ist für die Plattenindustrie natürlich ein ganz zentrales Anliegen. Und so hat es dann wieder einige Zeit gedauert, bis man mit dem CPPM-Kopierschutz und dem digitalen Wasserzeichen wieder einen neuen und besseren Schutz gegen Piraterie entwickelt hatte.

avguide: Weshalb ist denn jetzt, wo alles ok sein sollte, erst eines der grossen Labels mit DVD-Audio auf dem Markt?

Gasteiner: Das hat schlicht und einfach mit Geld zu tun. Die Softwarefirmen sprechen in der Oeffentlichkeit nicht darüber, aber die Wahrheit ist, dass die Leute, die den Kopierschutz CPPM entwickelt haben, dafür Lizenzen haben wollen. Und diese Lizenzen sind nach Ansicht der meisten Brancheninsider einfach viel zu hoch.

avguide: Wie hoch sind denn solche Lizenzgebühren?

Gasteiner: Ich weiss es, aber ich werde es Ihnen nicht sagen.

avguide: Weshalb ist es denn gerade das Label Warner Music, das mit DVD-Audio vorprescht?

Gasteiner: Warner war ja schon bei der Einführung der DVD-Video die treibende Kraft und hat damit enormen Erfolg gehabt. Im Falle von DVD-Audio hat man sich jetzt gesagt, also Entschuldigung, man kann wegen solcher Kleinigkeiten nicht ewig herumstreiten und einen entscheidenden Schritt in die Zukunft der Musikbranche verplempern. Man muss jetzt endlich einen Pflock einschlagen und sagen das gibt’s, das ist die Zukunft und hier sind wir und wir zeigen Euch wie’s geht. Mit anderen Worten: Die haben mit knirschenden Zähnen den Vertrag unterschrieben und bezahlen die Lizenzen. Und deswegen wird Warner nun auch als Pionier der DVD-Audio in die Geschichte eingehen.

avguide: Wird sich dieses Verhalten auch auf die anderen grossen Softwarefirmen auswirken?

Gasteiner: Mit Sicherheit. Damit setzen sie natürlich die anderen Firmen unter Zugzwang und es ist damit zu rechnen, dass sich in den nächsten Wochen die anderen grossen Firmen auf irgend eine Art und Weise mit den Leuten vom Kopierschutz einigen werden. Denn die sind alle dermassen überzeugt von den Qualitäten und dem Marktpotenzial der DVD-A, dass sie ihre ersten Produkte schon fix und fertig in der Schublade haben. Und sie sind natürlich wild darauf, dieses Geschäft nicht kampflos Warner Music zu überlassen, sondern so rasch wie möglich mit ihren eigenen Produktionen ordentlich daran zu partizipieren.

avguide: Besten Dank für das interessante Gespräch.
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